Marktbericht 20:15

Ukraine-Krise wieder im Blick Dax ganz im Zeichen der Politik

Stand: 09.05.2014, 20:15 Uhr

Am Aktienmarkt haben neue Sorgen um die Lage in der Ukraine das Geschehen bestimmt. Anleger engagierten sich deshalb trotz neuer Zinshoffnungen nicht mehr. Die Verluste hielten sich aber in engen Grenzen, von Panik war nichts zu spüren.

Am Ende verzeichnete der Dax einen Abschlag von 0,27 Prozent und schloss bei 9.581 Punkten. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 0,3 Prozent. Der Index bleibt damit weiter auf hohem Niveau, tut sich aber zunehmend schwerer, neue Bewertungsniveaus zu erreichen. Konkret bleibt das bisherige Jahreshoch bei 9.794 Punkten zwar in Sichtweite, wird aber immer mehr zum deutlichen Widerstand. Im Späthandel ging es leicht aufwärts, der L/E-Index schloss bei 9.592 Punkten.

Selbst die immer konkreter werdende Aussicht auf neue geldpolitische Lockerungsschritte der EZB haben dem Aktienmarkt nicht geholfen. Zudem hat die Berichtssaison in dieser Woche mit ihren zahlreichen Quartalsausweisen ihren Höhepunkt überschritten. Vielmehr beherrschte heute, am Tag der Siegesfeiern in Russland zum Ende des zweiten Weltkriegs, die Aussicht auf eine drohende Eskalation der Lage in der Ostukraine das Bild an der Börse.

Die Anleger blieben daher vorsichtig, denn am Sonntag soll eine umstrittene Abstimmung über die Unabhängigkeit der östlichen Landesteile von Kiew stattfinden, dessen Verschiebung sogar der russische Präsident Putin angemahnt hatte. "Das stimuliert nicht gerade den Risikoappetit der Börsianer", sagte LBBW-Investmentanalyst Werner Bader.

Wall Street ebenfalls ohne Impulse

Ein ganz ähnliches Bild zeichnet sich momentan an der New Yorker Börse, wo sich der Leitindex Dow-Jones mittlerweile leicht ins Plus vorgearbeitet hat. Vor allem bei den als risikoreicher geltenden Technologiewerten, aber auch bei kleineren Unternehmen machen die Investoren jedoch Kasse. Bei Techwerten seien gewaltige Gewinnmitnahmen zu beobachten, sagte ein Investmentmanager. Das Risiko in den Portfolios werde reduziert.

Euro im Rückwärtsgang

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Mehr Bewegung gab es hingegen beim Euro, der seine Verluste zum Dollar ausgeweitet hat. Die Aussichten auf eine lockerere Geldpolitik der EZB sowie schwache europäische Konjunkturdaten am Morgen haben der Gemeinschaftswährung zugesetzt. Der Kurs liegt aktuell bei 1,3755 Dollar und damit über zwei Cents unter dem Wochenhoch, das bei knapp 1,40 Dollar lag. Die EZB setzte den Referenzkurs am Nachmittag bei 1,3781 Dollar fest.

Der Rentenmarkt bleibt derweil auf hohem Niveau, die Gewinne des Vortages wurden verteidigt, der Bund-Future bewegte sich kaum. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt bei 1,45 Prozent. Die festverzinslichen Bundeswertpapiere waren nach den gestrigen Lockerungsankündigungen von EZB-Chef Mario Draghi gestiegen. Nennenswerte US-Konjunkturzahlen gibt es heute nicht.

K+S an der Dax-Spitze

Der Kali-Produzent profitierte von einer Studie der amerikanischen Investmentbank JP Morgan, die die Aktie von "Neutral" auf "Overweight" hochgestuft hat. Die Kalipreise dürften von nun an wieder steigen, begründete Analyst Ben Scarlett das neue Votum in der Studie. Auch die Fresenius-Aktie war nach Übernahmeplänen in Brasilien gefragt, ebenso wie die Telekom, die sich immer mehr auf ihr Jahreshoch bei 12,93 Euro zubewegt. Commerzbank zierten hingegen das Index-Ende. Hier wirkten die schwach aufgenommenen Quartalszahlen vom Mittwoch weiter nach.

K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Merck denkt an Zukäufe

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck ist nach der Übernahme der britischen AZ Electronic an weiteren Zukäufen interessiert. "Merck ist ein finanziell kerngesundes Unternehmen. Wir können uns Investitionen und Akquisitionen leisten", sagte Unternehmenschef Karl-Ludwig Kley am Freitag laut Redetext auf der Hauptversammlung in Frankfurt.

Zudem hat Unternehmen einen neuen Finanzvorstand gefunden. Nachfolger für den zum Spezialchemieunternehmen Lanxess gewechselten Vorgänger Matthias Zachert wird zum 1. August Marcus Kuhnert. Dieser kommt von Henkel, wo er die Finanzen der Wasch- und Reinigungsmittel-Sparte verantwortete. Die Aktie legte gegen den Markt 0,45 Prozent zu.

BMW und SGL Group rüsten auf

Der Autobauer und der Kohlefaser-Spezialist wollen ihre Kohlefaser-Produktion deutlich ausweiten. Im US-Werk in Moses Lake im Bundesstat Washington sollen ab 2015 9.000 statt bisher 3.000 Tonnen des Stoffs produziert werden, der deutlich leichter, aber auch teurer ist als Stahl. Künftig wollen beide Partner zu niedrigeren Kosten für die Autoproduktion produzieren.

Derzeit wird das Material für die i-Klasse eingesetzt, zu der auch das Elektroauto i3 gehört. Zukünftig sollen Kohlefaser aber auch in anderen Modellen eingesetzt werden. Die Pläne gaben beide Unternehmen am Freitag nach Börsenschluss bekannt. BMW und SGL, an denen die Quandt-Familie maßgeblich beteiligt ist, arbeiten seit Jahren eng zusammen.

Salzgitter wartet auf Gewinne

Der zweitgrößte deutsche Stahlkonzern Salzgitter hat im ersten Quartal erneut rote Zahlen geschrieben. Die Zahlen kamen trotzdem gut an, denn der Verlust wurde verringert. Die Aktie war Spitzenreiter im MDax mit einem Aufschlag von 4,66 Prozent. Mit Talanx (1,20 Euro), Bilfinger (3,00 Euro) und Leoni (1,00 Euro) lagen drei Werte mit Dividendenabschlag am "Ende" des Index.

ArcelorMittal ist vorsichtig optimistisch

Auch der weltgrößte Stahlhersteller ArcelorMittal hat sich zu Wort gemeldet und im ersten Quartal sein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Vergleich Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 1,75 Milliarden US-Dollar verbessert. Der Umsatz blieb mit 19,8 Milliarden Dollar praktisch stabil. "Die Wachstumsaussichten für unsere Kernmärkte in Europa und den USA sind ermutigend", sagte Vorstandschef Lakshmi Mittal. "Wir bleiben vorsichtig optimistisch für den Rest des Jahres."

Carl Zeiss verdient trotz Wachstum weniger

Der Medizintechnik-Konzern Carl Zeiss Meditec hat in der ersten Hälfte seines Geschäftsjahrs 2013/14 wegen hoher Kosten mit 39,5 Millionen Euro rund sieben Prozent weniger als im Vorjahr verdient. Der Umsatz stieg um rund vier Prozent auf 461 Millionen Euro. Das Unternehmen profitierte von einer hohen Nachfrage nach Linsen zur Behandlung von Augenleiden. Die Zahlen kamen gut an, die im TecDax notierte Aktie stieg um 2,4 Prozent.

Fantasie bei Koenig & Bauer

Die Aktie des Druckmaschinenproduzenten war bester SDax-Wert. Zwar weist Koenig & Bauer im ersten Quartal erneut Verluste aus, Marktbeobachter sprechen aber von einer interessanten Turnaround-Story. Das Minus verringerte sich zwischen Januar und März von 18,5 auf 14 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte um zwölf Prozent auf 213 Millionen Euro. Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen erneut mit einem Verlust. 2015 soll es dann besser werden.

Unspektakulärer SLM-Börsengang

Der erste Börsengang am deutschen Aktienmarkt im laufenden Jahr hat heute stattgefunden. Die Aktien des 3D-Drucker-Herstellers SLM Solutions wurden zu 18 Euro und damit am unteren Ende der Preisspanne von 18 bis 23 Euro zugeteilt. Der erste Börsenkurs am heutigen Freitag im Prime Standard lag bei 18,20 Euro, am Ende stand der Kurs bei 18,07 Euro. Das Lübecker Unternehmen teilte nur 10 Millionen statt der geplanten bis zu 11,2 Millionen Aktien zu - 4 Millionen kommen dabei aus einer Kapitalerhöhung.

Neuer Stürmer beim BVB

Nach Presseberichten ist sich der Verein mit Ciro Immobile über einen Wechsel einig. Der 24-jährige Immobile führt derzeit mit 21 Toren die Torschützenliste der italienischen Serie A an. Er gehört zu gleichen Teilen den beiden Turiner Vereinen Juve und AC, im Gespräch sind zwischen 18 und 22 Millionen Euro Ablöse.

Der Stürmer soll zusammen mit dem Kolumbianer Adrian Ramos, der von Ligakonkurrent Hertha BSC kommt, den Abgang von Starstürmer Robert Lewandowski zum FC Bayern München kompensieren. Die BVB-Aktie legt leicht zu.

Mox Telecom im Aufwind

Die im Entry-Standard der Deutschen Börse notierte Aktie des Telekom-Anbieters war nach den vorläufigen Geschäftszahlen für 2013 gefragt. Das in Ratingen bei Düsseldorf ansässige Unternehmen hat den Umsatz im vergangenen Jahr um 20,3 Prozent auf 281,5 Millionen und das operative Ergebnis (Ebitda) um 16,2 Prozent auf 22,3 Millionen Euro gesteigert. Hauptwachstumstreiber war das Geschäft in Süd-Ost-Asien und den USA. Mox Telecom, das auch im e-commerce-Geschäft tätig ist, ist auf internationale Telefonie spezialisiert.

Telefonica hat den Südamerika-Blues

Der spanische Telekommunikationskonzern Telefonica hat zum Jahresauftakt schwer an dem Währungsverfall in Südamerika getragen. Umsatz und Gewinn gingen deutlich zurück. Mit den Zahlen schnitten die Spanier noch schwächer ab als von Analysten ohnehin befürchtet. Das Telefonica-Papier verliert über zwei Prozent.

Vestas überrascht mit schwarzen Zahlen

Die Aktie des dänischen Herstellers von Windkraftanlagen legt zu, nachdem das Unternehmen im ersten Quartal überraschend einen Nettogewinn von zwei Millionen Euro ausgewiesen hat. Im Vorjahr schreib man noch 151 Millionen Euro Verlust. Experten hatten mit roten Zahlen gerechnet. Vestas profitierte vom Sparprogramm, zudem kommen die neuen Turbinen am Markt gut an.

Apple vor großer Übernahme

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Apple steht laut Medienberichten vor der größten Übernahme der Firmengeschichte. Das Unternehmen verhandelt demnach über den Kauf des Kopfhörer-Produzenten und Musikspezialisten Beats Electronics. Apple biete 3,2 Milliarden Dollar, hieß es. Die Transaktion könne bereits in der kommenden Woche bekannt gegeben werden.

Analyst Gene Munster vom Analysehaus Piper Jaffray äußerte sich allerdings kritisch und bezweifelte den Deal. Der Konzern habe bisher noch nie einen Zukauf getätigt, um eine Marke zu übernehmen, betonte Munster. Dies besonders, da Apple selbst eine bekannte Marke sei.

Oracle gewinnt Rechtsstreit gegen Google

Im Rechtsstreit um die Urheberrechte seiner Programmiersprache Java hat der Softwarekonzern gegen den Internetkonzern Google einen Sieg errungen. Ein Berufungsgericht in Washington sah es am Freitag als erwiesen an, dass Google zumindest Teile von Java unrechtmäßig in sein weltweit erfolgreiches Handy-Betriebssystem Android eingebaut habe. Damit hoben die drei Richter ein Urteil aus der Vorinstanz auf und gaben dem SAP-Rivalen Recht. Das Urteil war in der Branche mit Spannung erwartet worden. Die Schadenersatzsumme muss neu bestimmt werden, Oracle hatte zuerst eine Summe von einer Milliarde Dollar verlangt.

rm

Tagestermine am Freitag, 14. Dezember

Unternehmen:
Stabilus: Jahreszahlen (endg.), 07:00 Uhr
Isra Vision: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
KWS Saat: Hauptversammlung, 11:00 Uhr
Dr. Hoenle: Jahreszahlen

Konjunktur:
Japan: Tankan-Report Q4/18, 00:50 Uhr China: Einzelhandelsumsatz 11/18, 3:00 Uhr
China: Industrieproduktion 11/18, 3:00 Uhr
Deutschland: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 9:30 Uhr
EU: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 9:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz 11/18, 14:30 Uhr
USA: Industrieproduktion 11/18, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung 11/18, 15:15 Uhr
USA: Markit PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 15:45 Uhr
USA: Lagerbestände 10/18, 16:00 Uhr