Marktbericht 20:05

Irak-Krise fest im Blick Dax ganz im Zeichen der Politik

von Robert Minde

Stand: 13.06.2014, 20:05 Uhr

Der Handelstag wurde bestimmt von der eskalierenden Lage im Irak. Solche politischen Unsicherheiten kommen nicht gut an der Börse an. Der Dax fand keine Richtung, hat aber zum Schluss noch Boden gut gemacht.

Damit hatten wohl die wenigsten noch gerechnet. Der Dax erholte sich im späten Geschäft und schaffte noch den Sprung über die Marke von 9.900 Punkten. Am Ende reichte es aber nicht, um noch im Plus zu schließen. Der Leitindex gab gut ein Viertel Prozent nach auf 9.912,87 Punkte.

Im Wochenvergleich gab es damit ein Minus von 0,7 Prozent. Auch die anderen Indizes der Deutschen Börse gaben nach, stärkster Verlierer war der TecDax mit einem Abschlag von 1,27 Prozent. Im Späthandel gab der L/E-Dax noch etwas weiter nach auf 9.903 Punkte.

Zuvor war der Handelsverlauf von den Kriegsberichten aus dem Irak belastet gewesen, wo die Lage mit dem Vormarsch islamistischer Milizen auf die Hauptstadt Bagdad eskaliert. Erst die anziehende Wall Street brachte dann am späten Nachmittag doch noch etwas Schwung in den Handel.

Wieder schwächere US-Konjunkturdaten

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.518,29
Differenz relativ
-0,16%

Der Aufschwung der Wall Street mag überraschend erscheinen, denn sowohl die Erzeugerpreise im Mai als auch das von der Uni Michigan ermittelte vorläufige Verbrauchervertrauen für den Juni lagen unter den Erwartungen. Aber nach zwei Verlusttagen in Folge scheint die Zeit reif für eine Gegenbewegung.

Alles in allem gehe es an diesem Freitag recht ruhig an den Börsen zu, kommentierte Marktanalyst Craig Erlam von Broker Alpari UK. Allerdings werde die sich zuspitzende Situation im Irak und die in der Folge steigenden Ölpreise von den Investoren genau beobachtet, denn immerhin ist der Irak der zweitgrößte Ölproduzent im Opec-Kartell. Gerade der gestrige Handelstag hat gezeigt, wie schnell sich das Börsenblatt wenden kann. Zudem steht der Dow aktuell mit einem Aufschlag von nur 0,1 Prozent gerade mal hauchdünn im Plus, so dass die Ernte noch nicht eingefahren ist.

Wieder mal das Öl

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
81,88
Differenz relativ
+1,83%

Die Investoren bleiben also wachsam, denn die Angst vor steigenden Ölpreisen, die die wirtschaftliche Erholung in vielen Teilen der Welt gefährden könnte, bleibt im Markt. Heute erreichte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent bei 114,69 Dollar zwischenzeitlich den höchsten Stand seit neun Monaten.

Euro verliert weiter, Bundespapiere gesucht

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1767
Differenz relativ
+0,15%

Der Euro setzte derweil seine Talfahrt der letzten Tage fort und steht bei 1,3530 Dollar am Tagestief. Auch eine Folge des Irak-Krieges, wie Händler kommentierten. Denn am Devisenmarkt werde der Dollar als "sicherer Hafen" angesteuert. Auch andere als sicher geltende Anlagen wie deutsche Bundesanleihen und Gold konnten von der gestiegenen Nervosität profitieren.

Lufthansa weiter im Sinkflug

Schwere Zeiten weiterhin für die Aktionäre der Kranichairline. Nicht nur die Gewinnwarnung vom Mittwoch, auch die zugespitzte Lage im Irak belastete zusätzlich den Kurs. Das Papier war wie schon an beiden Vortagen schwächster Dax-Wert. Auch andere Luftfahrt- und Tourismusaktien waren von der Eskalation der Lage im Irak negativ betroffen.

ThyssenKrupp verloren ebenfalls überdurchschnittlich. Grund war ein Bericht der britischen Zeitung "Telegraph" zu früheren U-Boot-Geschäften mit Griechenland. Danach fordert das hoch verschuldete südeuropäische Land in diesem Zusammenhang einen Schadenersatz in Höhe von sieben Milliarden Euro. Das sei eine "Hausnummer", meinte ein Marktbeobachter.

Größter Gewinner waren Eon, auch Konkurrent RWE legte zu. "Anleger suchen wieder die Flucht in die Defensive", sagte ein Händler in Bezug auf die beiden Versorgeraktien. Gesucht waren auch SAP und die Deutsche Telekom. Letztere hat bei einem Schlusskurs von 12,66 Euro den Dividendenabschlag von 0,50 Euro aus dem Mai fast schon wieder aufgeholt.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,85
Differenz relativ
-5,21%
Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,54
Differenz relativ
+1,33%

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,86
Differenz relativ
-0,74%

Cromme sieht Siemens im Vorteil

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
111,58
Differenz relativ
+0,49%

Wie der Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gegenüber der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echoes" erklärte, sieht er gute Chancen für sein Unternehmen im Übernahmepoker um den französischen Industriekonzern Alstom. "Basis unseres Projekts ist eine Allianz - nicht einfach eine Übernahme gegen Cash", sagte Cromme. Er habe den Eindruck, dass die französische Politik sich davon angesprochen fühle.

Im Kampf um Alstom hatte der US-Erzrivale General Electric bereits Ende April 12,35 Milliarden Euro geboten. Auf Bitten der französischen Regierung soll aber auch Siemens ein Angebot vorlegen, was bis Montag entschieden werden soll. Siemens-Aktien hielten sich besser als der Gesamtmarkt.

Nach Xetra-Schluss verstärkten sich die Gerüchte, nach denen Siemens zusammen mit dem japansichen Mitsubishi-Konzern ein Angebot mit einer Barkomponente von neun Milliairden Euro im Köcher hat.

VW nur in China richtig gut

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
150,48
Differenz relativ
-1,61%

Ein zwiespältiges Bild gab der Wolfsburger Autobauer ab, der Absatzzahlen für den Mai präsentierte. Die Verkäufe stiegen im Jahresvergleich um 6,3 Prozent, erstmals wurde nach fünf Monaten die Marke von vier Millionen verkauften Einheiten geknackt. Besonders gut Schnitt die tschechische Tochter Skoda ab, lediglich die Transportersparte verbuchte einen Rückgang um 3,3 Prozent.

Vor allem im größten Markt in China regnet es weiter Brei, in Nordamerika, den USA und vor allem in Südamerika gab es hingegen zum Teil empfindliche Rückgänge. Die Aktie verlor ein halbes Prozent. Auch die anderen Automobilaktien tendierten schwächer.

Gerry Weber verdient mehr

Der Bekleidungshersteller Gerry Weber hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2013/14 seinen Umsatz um knapp zwei Prozent auf 222 Millionen Euro verbessert. Das Papier, das zuvor stetig gestiegen war, litt heute unter Gewinnmitnahmen und war in einem ohnehin schwachen Gesamtmarkt schwächster MDax-Wert.

United Internet kauft eigenen Aktien zurück

United Internet: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
41,38
Differenz relativ
+0,58%

Das Telekommunikationsunternehmen aus dem TecDax hat bekannt gegeben, dass bis zu zwei Millionen Anteilsscheine im Rahmen eines bereits von der Hauptversammlung genehmigten Programmes zurückgekauft werden sollen. Dies entspreche 1,03 Prozent des Grundkapitals. Die Papiere sollen für Mitarbeiter-Beteiligungsmodelle oder für Zukäufe genutzt werden. Der Aktie half das aber nichts.

Angebot für R. Stahl erhöht und gleich abgelehnt

Der Übernahmekampf um die R. Stahl AG geht in die nächste Runde. Der Elektrotechnikspezialist Weidmüller hat sein Übernahmeangebot von 47,50 auf 50 Euro erhöht und die Angebotsfrist bis zum 1. Juli verlängert. Weidmüller versucht das eigentlich Unmögliche. Obwohl die Großaktionäre mehr als die Hälfte der Anteile an R. Stahl halten, versucht man eine feindliche Übernahme. R.Stahl hat am Nachmittag das neue Angebot bereits umgehend als zu niedrig abgelehnt.

DBAG kommt nicht voran

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) hat im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang um mehr als die Hälfte auf 5,6 Millionen Euro verbucht. Die Krise in der Ukraine sowie die schwache Konjunktur und Währungseffekte in den Schwellenländern hätten einigen der 20 Firmen im Portfolio zugesetzt, teilte das Unternehmen mit.

Kartellamt hat weiter Bedenken

Bei der Prüfung des geplanten Zusammenschlusses der KPN-Tochter E-Plus mit der Telefonica-Tochter O2 hat das Bundeskartellamt weiter Bedenken. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat die Behörde dies der EU-Kommission in einem Schreiben mitgeteilt.

Danach werden Preissteigerungen befürchtet, wenn die Zahl der Anbieter von vier auf drei schrumpft. Zusammen hätten E-Plus und O2 mehr Kunden als die Deutsche Telekom oder Vodafone. Die Bedenken scheinen begründet, wie die jüngste Entwicklungen im Nachbarland Österreich zeigen, wo genau dies passiert ist. Allerdings schreibt der "Plato-Brief", dass der spanische EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia den Deal trotz der Bedenken durchwinken wird, wenn auch unter Auflagen. Im TecDax verlor die Telefonica-Deutschland-Aktie 1,80 Prozent und damit mehr als der Index.

Milliardeneinsatz beim Online-Poker

Die kanadische Amaya Gamig Group will für 4,9 Milliarden Dollar die nicht börsennotierte Rational Group kaufen, die die weltgrößte Online-Poker-Plattform Poker Stars sowie Full Tilt Poker betreibt. Online-Glücksspiele waren bis 2011 in den USA verboten, in einigen Bundesstaaten ist es nun wieder erlaubt. Zudem ist abzusehen, dass die Vorschriften weiter gelockert werden könnten. Beim Kauf mit dabei ist die Beteiligungsgesellschaft Blackstone. Ein Bankenkonsortium, zu dem auch die Deutsche Bank gehört, stellt insgesamt 2,9 Milliarden Dollar Kredite und andere Finanzierungen bereist. Die Amaya-Aktie legt kräftig zu.

GM und kein Ende mit den Zündschlössern

General Motors: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
29,50
Differenz relativ
+0,34%

Der US-Autobauer hat weiter Probleme mit den Zündschlössern. Dieses Mal werden rund 512.000 Sportwagen vom Typ Camaro der Baureihen 2010 bis 2012 zurückgerufen, nachdem es bereits im Februar massiv Probleme gegeben hatte. Zur Begründung hieß es, es bestehe die Gefahr, dass der Fahrer mit dem Knie gegen den Schlüssel stoße und dadurch die Zündung ausschalte. Derzeit ermitteln mehrere US-Behörden gegen General Motors. Insgesamt hat GM seit Jahresbeginn schon 16 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurückgerufen.

Intel wird optimistischer

Der weltgrößte Halbleiterhersteller Intel hat nach dem Ende des regulären Börsenhandels in den USA seine Prognose angehoben. Das Unternehmen rechnet im laufenden zweiten Quartal mit Umsätzen von 13,4 bis 14 Milliarden Dollar statt bislang 12,5 bis 13,5 Milliarden sowie mit einer leicht höheren Ergebnismarge. Außerdem dürfte der Umsatz auch im Gesamtjahr zulegen und nicht wie bisher prognostiziert stagnieren. Grund ist die gute Nachfrage von Firmenkunden.

Tesla gibt Patente frei

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
252,44
Differenz relativ
+0,29%

Der Elektroautohersteller Tesla will sämtliche Patente der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Alle Konkurrenten sollen die Technologien kostenlos nutzen dürfen. Damit solle die Verbreitung stromgetriebener Fahrzeuge beschleunigt werden, schrieb Tesla-Gründer Elon Musk in einem Blogeintrag.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)