Marktbericht 20:05

Nervöser Handelsverlauf Dax ganz im Banne der Fed

Stand: 19.06.2013, 20:05 Uhr

Die Anleger sind unmittelbar vor dem Ende der Zinssitzung der US-Notenbank auf Nummer sicher gegangen. Der Dax schloss nach volatilem Handel letztlich doch noch im Minus.

Im Tagesverlauf hat der deutsche Leitindex dabei mehrfach das Vorzeichen gewechselt, ein Zeichen für die hohe Nervosität und Anspannung der Anleger. Am Schluss stand ein Minus von 0,39 Prozent, der Schlussstand lag mit 8.197 Zählern knapp unter der Marke von 8.200 Punkten.

Nahdem der Handel am Nachmittag zunächst einzuschlafen drohte, drehte das deutsche Börsenbarometer erst gegen Sitzungsende endgültig ins Minus. Im Tageshoch lag der Index bei 8.285, das Tief lag bei 8.160 Zählern. Nachbörslich tat sich nicht mehr viel, der L/E-Dax schloss bei 8.206 Punkten.

Einige Anleger machten damit im Vorfeld der heutigen Fed-Sitzung sicherheitshalber doch noch Kasse. Denn für die liquiditätsverwöhnten Aktienmärkte ist der weitere geldpolitische Kurs der US-Notenbank extrem wichtig. Die Aussicht auf ein Ende der scheinbar unbegrenzten Geldflut hat in den vergangenen Handelstagen bereits zu breiter Verunsicherung am Aktienmarkt geführt.

Devisen- und Rentenmärkte warten ebenfalls gespannt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro bewegt sich aktuell um die Marke von 1,34 Dollar, am Rentenmarkt legte der Bund-Future leicht zu. Vor allem am Rentenmarkt , wo die Zinsen auf nie gekannte Rekordtiefen gefallen sind, hat es zuletzt bereits eine leichte Gegenbewegung bei den Renditen gegeben. Zehnjährige Bundesanleihen wurden heute zu 1,55 Prozent platziert nach 1,41 Prozent zuletzt. Auch US-Bonds mit der gleichen Laufzeit rentieren wieder über zwei Prozent.

Experten drücken auf die Euphoriebremse

Notenbankchef Ben Bernanke wird ab 20.00 Uhr und damit weit nach Börsenschluss in Europa die Ergebnisse der Fed-Sitzung bekannt geben. Volkswirte warnen vor zu hohen Erwartungen. Ein konkreter Zeitpunkt oder das Volumen einer geldpolitischen Entscheidung dürften nicht auf der Agenda stehen. Vielmehr gilt es, wie immer bei Zentralbankern, zwischen den Zeilen zu lesen. Bernanke hatte Anfang Mai mit der Formulierung, man könne die Anleihekäufe sowohl ausweiten als auch begrenzen, kein klares Signal gegeben und damit für Skepsis gesorgt.

Merck an der Dax-Spitze

Die Darmstädter profitierten von einem positiven Analystenkommentar der Deutschen Bank und legten 1,6 Prozent zu. Mit Fresenius und Henkel lagen zwei weitere defensive Titel ebenfalls in der Spitzengruppe.

Zu den größten Verlierern zählte ThyssenKrupp. Das Papier geriet nach einem Bericht des "Manager Magazins" unter Druck, nach dem der Konzern mit Verlusten aus einem 1,25 Milliarden-Euro-Kredit an die finnische Outokumpu rechnen muss. Mittlerweile haben die Finnen, die die Edelstahlsparte von ThyssenKrupp gekauft haben, dies aber zurückgewiesen.

Lanxess dämpft die Erwartungen

Größter Verlierer im Dax war aber Lanxess, die Aktie des Spezialchemiekonzerns verlor 3,5 Prozent auf 52,07 Euro. Grund für die Skepsis der Anleger war ein gedämpfter Ausblick zum Geschäftsverlauf im zweiten Quartal. Die Nachfrage aus der Auto- und Reifenindustrie sei noch nicht angezogen, erklärte ein Unternehmenssprecher am Nachmittag auf Anfrage. Lanxess wird im Quartal in der Mitte des in Aussicht gestellten Ebitda-Korridors von 174 bis 220 Millionen Euro liegen, hieß es weiter. Das Unternehmen, das weltgrößter Hersteller von synthetischem Kautschuk ist, macht rund 40 Prozent seiner Umsätze mit der Auto- und Reifenindustrie.

Commerzbank bestätigt Stellenabbau

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Bank hat heute ihre Mitarbeiter über den Abbau von 5.200 Arbeitsplätzen innerhalb der nächsten dreieinhalb Jahre informiert und danach auch die Öffentlichkeit. Im Kerngeschäft Deutschland sollen bis Ende 2016 zunächst 3.900 Stellen wegfallen, sagte Mark Roach, der für Verdi im Aufsichtsrat sitzt. "Unser Ziel ist es, den Stellenabbau in vollem Umfang ohne betriebsbedingte Beendigungskündigungen zu realisieren", sagte Personalvorstand Ulrich Sieber am Mittwoch. Die Aktie drehte im Handelsverlauf ins Plus und schloss 0,2 Prozent höher.

Kabel Deutschland heiß begehrt

Die Aktie des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland schloss leicht im Minus bei 85,25 Euro. Für das Unternehmen interessieren sich der Kabelkonzern Liberty Global und der Mobilfunk-Konzern Vodafone. Vodafone hat sein Angebot für den Kabelnetz-Betreiber laut "Bloomberg" inzwischen auf 7,5 Milliarden Euro erhöht. Dies entspräche einem Preis von 85 Euro je Kabel-Aktie und liegt annähernd auf der Höhe der Offerte von Liberty. Vodafone könnte unter anderem wegen kartellrechtlicher Gründe die besseren Karten bei dem Deal haben, erklärten Experten.

Übernahmefantasie treibt Celesio-Aktie

Ein Bericht des "Manager Magazins" hat der Celesio-Aktie im MDax einen Kurssprung von über elf Prozent beschert. Wie das Magazin schreibt, ist die US-Drogeriekette CVS an einer Übernahme interessiert. Die Amerikaner interessieren sich für die 50,01 Prozent, die der Familienkonzern Haniel an dem Konzern hält. In der Vergangenheit war bereits öfter spekuliert worden, dass Haniel seinen Anteil reduzieren könnte.

Ein Celesio-Sprecher betonte, über den Verkauf der entsprechenden Anteile könne nur Haniel entscheiden. Haniel erklärte, man sehe in Celesio ein "Ankerinvestment", aktuell würden keine Verkaufsgespräche mit CVS geführt.

Neues aus Le Bourget

Einige neue Auftragsmeldungen kommen von der großen Luftfahrtschau in Paris. So meldet Triebwerkhersteller General Electric, es seien bisher Bestellungen im Wert von 17 Milliarden Dollar eingegangen. Bis zum Ende der Messe rechnen die Amerikaner mit einem Volumen von rund 20 Milliarden Dollar. Billigflieger Ryanair stellt nach Aussagen von Firmenchef Michael O`Leary eine Bestellung von mehr als 200 Boeing 737 Max in Aussicht. Allerdings ist die EADS-Tochter Airbus mit dem A320neo auch noch nicht aus dem Spiel. AirFrance-KLM hat mit der heutigen Vertragsunterzeichnung nun auch juristisch die bereits im Jahr 2011 bekannt gegebene Großbestellung von 25 Airbus A350-900 sowie die Option auf weitere 25 Großraumjets dieses Typs bestätigt. Beliebt sind die Airbus-Modelle A330 und A350 auch in Sri Lanka, von wo insgesamt zehn Bestellungen für die beiden Modelle eingingen.

Aktionärsrevolte gegen GSW-Chef

Zu den Tagesverlierern im MDax-Rangliste gehörte das Papier des Immobilienunternehmens GSW, das 2,3 Prozent einbüßte. Dem Vorstandschef Bernd Kottmann wurde auf der Hauptversammlung am Dienstag die Entlastung verweigert. Der niederländische Pensionsfonds PGGM kam mit einem entsprechenden Antrag durch. Nun will der Aufsichtsrat in den kommenden Tagen zusammentreten, um die Lage zu beraten.

Deutsche Annington in den Startlöchern

Der Börsengang des Immobilien-Konzerns nimmt Gestalt an. Zu 18 bis 21 Euro werden die Aktien angeboten. Das Bookbuilding läuft bis zum 2. Juli, tags darauf soll das Papier dann an die Börse kommen. Mit einem Bruttoerlös von 400 Millionen Euro und einem Gesamtvolumen von mehr als einer Milliarde Euro, wäre der Konzern ein Anwärter auf dem MDax.

Milliardenpleite in Österreich

In Österreich hat das zur spanischen Baugruppe FCC gehörende, zweitgrößte Bauunternehmen des Landes, Alpine Bau, heute einen Insolvenzantrag gestellt. Ein Firmensprecher bestätigte dies am Nachmittag in Wien. Der Schaden könne sich auf maximal 2,6 Milliarden Euro belaufen, das wäre nach Angaben des österreichischen Kreditschutzverbandes die größte Pleite seit dem Krieg. Alpine Bau ist unter anderem an Großprojekten wie Stuttgart 21 oder dem Gotthard-Basistunnel beteiligt.

Die nicht börsennotierte Alpine Bau könnte einigen Banken Schwierigkeiten machen, die für die Geschäfte des Unternehmens gebürgt haben. Betroffen sind die zur italienischen UniCredit Group gehörende Bank Austria und die Erste Group. Ob die Bürgschaften aber in voller Höhe gezogen werden, ist fraglich. Die beiden Bankaktien tendierten uneinheitlich. Unicredit verloren auf Xetra zwei Prozent, die Aktie der Erste Group legte heute zu. FFC gaben über fünf Prozent nach.

Kurssprung bei Adobe

Der Software-Konzern Adobe verkauft seine Programme nun über Abos im Internet und konnte im abgelaufenen Quartal einen Gewinn von 36 Cent je Aktie einfahren und damit die Analystenerwartungen deutlich übertreffen. Die Umsätze gingen um zehn Prozent auf 1,01 Milliarden Dollar zurück. Adobe hatte seine Zahlen nach US-Börsenschluss bekanntgegeben. Die Aktie liegt in New York mit fast sieben Prozent deutlich im Plus.

Sparprogramm bei FedEx

Der US-Konkurrent der Deutschen Post will 3.600 Stellen abbauen und dadurch Kosten senken. Das Management will der Flaute im Luftfrachtgeschäft sowie den steigenden Treibstoffkosten entgegenwirken. In seinem vierten Geschäftsquartal per Ende Mai hat das Logistikunternehmen mit 303 Millionen Dollar mehr verdient als erwartet. Im Vorjahr stand noch ein Gewinn von 550 Millionen Dollar in den Büchern. Die Börse reagiert positiv, die Aktie liegt in New York 3,4 Prozent im Plus.

Alcatel: Startbonus für Chef

Die Aktie des französischen Netzwerk-Spezialisten gewinnt am Mittwoch rund sechs Prozent. Das Papier reagiert auf Aussagen des neuen Chefs Michel Combes. Dieser will bis 2015 die Kosten um eine Milliarde Euro senken. Das Unternehmen solle künftig zu einem Internet-Dienstleister umgebaut werden.

H&M mit Gewinnrückgang

Trotz enttäuschender Zahlen notierte die Aktie des schwedischen Bekleidungs-Herstellers Hennes & Mauritz (H&M) mit knapp zwei Prozent im Plus. Im zweiten Quartal (bis Ende Mai) ging der Gewinn um elf Prozent auf 4,7 Milliarden Kronen (538 Millionen Euro) zurück. Der Umsatz stagnierte bei 31,6 Milliarden Euro.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.