Marktbericht 20:02 Uhr

Trotz guter US-Konjunkturdaten Dax: Für ein Lächeln reicht es nicht

Stand: 05.10.2016, 20:02 Uhr

Spekulationen um eine allmähliche verebbende Geldflut der EZB haben den Anlegern am Mittwoch die Stimmung verdorben. Ermutigende Konjunkturdaten aus den USA glätteten die Wogen aber wieder.

Am Ende geht der Leitindex nur leicht schwächer aus dem Handel bei 10.585 Punkten, 0,3 Prozent oder 33,83 Punkte weniger als am Vortag. Nach Veröffentlichung starker Konjunkturdaten aus Amerika drehte der Dax sogar kurz ins Plus auf 10.622 Punkte.

Am Morgen war das Börsenbarometer bis auf 10.486 Punkte eingebrochen, nachdem ein Bericht der Agentur "Bloomberg" von Überlegungen innerhalb der EZB berichtet hatte, das Kaufvolumen in monatlichen Schritten um jeweils zehn Milliarden Euro zu verringern. Die Notenbank dementierte den Bericht zwar, doch fanden sich sogleich Marktbeobachter, die einen solchen Schritt für möglich halten.

Robuste Konjunktur

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

"Zweifellos kann das Quantitative Easing nicht ewig weitergehen", sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus City of London. "Es ist aber wohl noch zu früh anzunehmen, dass die EZB bereits eine Entscheidung gefällt hat." Auch Investmentmanager Patrick O'Donnell vom Vermögensverwalter Aberdeen rechnet nicht damit, dass die Währungshüter den Geldhahn bald zudrehen. "Fundamental betrachtet gibt es keinen Grund, da sie ihr Inflationsziel nicht annähernd erreicht haben."

Hoffnung auf eine robuste Konjunktur in den USA konnte die Anleger am Nachmittag wieder beruhigen. Tatsächlich haben sich im September die Geschäfte der US-Dienstleister überraschend deutlich verbessert. Der Index für die Service-Branche stieg auf 57,1 Punkte, nach 51,4 Zählern im August, wie das Institute for Supply Management (ISM) mitteilte. Das ist das höchste Niveau seit Oktober 2015. Der monatliche Zuwachs ist zugleich der stärkste seit Februar 2011. Experten hatten lediglich mit einem Anstieg auf 53,0 Zähler gerechnet.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch die Auftragseingänge für die Industrie sind im August besser ausgefallen als von Volkswirten prognostiziert."Die Stimmungserholung ist positiv zu werten. Es gibt Hoffnungen auf einen Anstieg der konjunkturellen Dynamik", sagte Ökonom Ulrich Wortberg von der Landesbank Helaba.

Auch an der Wall Street haben die positiven Konjunkturdaten, gepaart mit steigenden Ölpreisen, die Stimmung der Anleger aufgehellt. Jüngste Sorgen, dass Notenbanken künftig eine straffere Geldpolitik anpeilen könnten, schwächten sich ebenfalls ab. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow Jones-Index 0,68 Prozent höher bei 18.292 Punkten, nachdem der Dow gestern noch tiefer geschlossen hatte.

Euro runter und Öl rauf

Derweil muss der Euro seine morgendlichen Kursgewinne zum Greenback wieder abgeben und fällt knapp unter die Schwelle von 1,12 Dollar. Positive Impulse für den Dax kommen vom Rohstoffmarkt. Die Preise für Brent und WTI legen zu. Stützend wirken hier nach wie vor die gesunkenen Ölreserven in den USA.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank an Dax-Spitze

Die Aktien der krisengeschüttelten Deutschen Bank sind bis zum Börsenschluss an die Dax-Spitze gekletter - befeuert von der Hoffnung auf eine mildere Strafe im US-Hypothekenstreit. Nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) sollte die Deutsche Bank den Finanzmärkten ein funktionierendes Geschäftsmodell präsentieren. "Die Deutsche Bank gehört zu den Banken, die weiter Anpassungen vornehmen müssen, um Investoren davon zu überzeugen, dass ihr Geschäftsmodell für die Zukunft tragfähig ist", sagte IWF-Geld- und Kapitalmarkt-Experte Peter Dattels.

Autowerte holen weiter auf

Auch die Autowerte legen gegen den Trend zu. Der deutsche Automarkt hat nämlich im September weiter an Fahrt zugelegt. Mit 298.002 Personenkraftwagen wurden 9,4 Prozent Fahrzeuge mehr zugelassen als im Vorjahresmonat, wie das Kraftfahrtbundesamt mitteilte.

Immobilienfirmen unter Druck

Dagegen haben die Spekulationen um eine Verringerung der Anleiheaufkäufe durch die EZB und damit einher gehende Furcht vor steigenden Zinsen die Aktien der Immobilienfirmen unter Druck gesetzt. Im Dax gehört Vonovia zu den schächsten Werten. Im MDax führen die Papiere von Deutsche Wohnen die Liste der Verlierer an. Im SDax sind es Patrizia und ADO Properties.

Lufthansa bald raus aus dem Dax?

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit bringt mit einem neuen Verhandlungsangebot wieder Bewegung in den zähen Lufthansa-Tarifkonflikt. Die Gewerkschaft habe die Lufthansa am Dienstag schriftlich zur Aufnahme von offiziellen Tarifgesprächen über den Lohn aufgefordert, sagte ein Cockpit-Sprecher. Streiks der Gewerkschaft seien in dieser Zeit nicht möglich. Derweil droht der Lufthansa der Abstoieg aus dem Dax. "Aus unserer Sicht läuft die Deutsche Lufthansa Gefahr, den Dax im Dezember aufgrund der Fast-Exit-Regel verlassen zu müssen“, sagt Index-Expertin Silke Schlünsen von der Investmentbank Oddo Seydler dem "Handelsblatt".

Monsanto mit weniger Verlust

Monsanto hat vor der Rekordübernahme durch Bayer seinen Verlust eingedämmt. Im Geschäftsquartal bis Ende August ging der Verlust verglichen mit dem Vorjahreszeitraum von 495 auf 191 Millionen Dollar zurück, wie der US-Konzern am Nachmittag mitteilte. Monsanto leidet weiter unter schwachen Geschäften in der Landwirtschaft. Beim bereinigten Gewinn je Aktie übertraf der Konzern mit 7 US-Cent die Erwartungen der Analysten aber deutlich. Im Geschäftsjahr 2017 soll der Gewinn je Aktie auf 4,50 bis 4,90 Dollar klettern.

Air Berlin und Tuifly schmieden Verbund

Die krisengeschüttelte Air Berlin und der Ferienfluglinie Tuifly kommen bei ihrem geplanten Tourismus-Gemeinschaftsgeschäft voran. Die Gespräche zwischen den beiden deutschen Airlines und der arabischen Airline Etihad - dem größten Aktionär von Air Berlin - liefen, teilten die drei Firmen am Mittwoch mit. Ziel der Gespräche sei die Einbringung des touristischen Flugbetriebs von Air Berlin und der in Hannover ansässigen Tuifly in einen neuen Airline-Verbund.

Siltronic klettert weiter

Im TecDax haben die Siltronic-Aktien ihre Rally fortgesetzt. Die Papiere des Halbleiterherstellers erreichten dabei den höchsten Stand seit November 2015. Mit jeweils nur kurzen Gewinnmitnahme-Pausen lebt die Aktie seit Mitte August von Übernahmefantasien. Auslöser war, dass der taiwanesische Halbleiterkonzern GlobalWafers den Wettbewerber SunEdison Semiconductor gekauft hat. Neue Nahrung erhielt die Fantasie zuletzt durch Berichte über Verhandlungen zwischen Qualcomm und dem europäischen Rivalen NXP. Seit Mitte August gewannen Siltronic-Papiere inzwischen rund 60 Prozent.

Peer Steinbrück geht zur ING-DiBa

Der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück arbeitet künftig für die größte deutsche Direktbank ING-DiBa. "Ich werde ein Angebot annehmen, als Berater des Vorstandes", sagte Steinbrück der Wochenzeitung "Die Zeit" laut einer Vorabmeldung vom Mittwoch. Die heutige Tochter der niederländischen ING habe eine lange sozialdemokratische Tradition, hieß es zur Begründung.

Micron enttäuscht Anleger

Der Chipkonzern Micron Technology hat dank höherer Preise und Anzeichen für eine gewisse Erholung am PC-Markt seine Umsatzeinbußen bremsen können. Für das vierte Geschäftsquartal gab das US-Unternehmen einen Rückgang von 10,6 Prozent auf 3,22 Milliarden Dollar bekannt. Der Verlust betrug 170 Millionen Dollar nach 471 Millionen im Vorjahreszeitraum. Die Aktie fiel nachbörslich um 5,3 Prozent.

Google will mit Hardware punkten

Während der Markt für Smartphones seinen Zenit überschritten hat und Firmen wie Blackberry aufgeben, startet Google eine Offensive mit neuen Geräten. Der Internet-Konzern präsentierte am Dienstag ein eigenes Smartphone und einen vernetzten Lautsprecher, die Zugang zu einem neuen digitalen Assistenten bieten. Experten zweifeln allerdings, dass die Vormachtstellung von Apple und Samsung durch die neuen Geräte auch nur annähernd in Frage gestellt werden kann.

Apple bleibt die Nummer 1

Apple bleibt in der jährlichen Studie der Marktforschungsfirma Interbrand trotz der Absatzrückgänge beim iPhone die wertvollste Marke der Welt. In der am Mittwoch veröffentlichten Rangliste errechnete Interbrand für Apple einen Markenwert von gut 178 Milliarden Dollar, ein Zuwachs von fünf Prozent. Google holt auf Platz zwei mit einem Plus von elf Prozent auf 133,25 Milliarden Dollar etwas auf. Platz drei behielt der langjährige Spitzenreiter Coca-Cola.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr