Marktbericht 20:10 Uhr

Ausverkauf im Späthandel Dax folgt schwacher Wall Street nach unten

Stand: 09.10.2014, 20:10 Uhr

Nach Xetra-Schluss sind dann doch noch die Dämme gebrochen. Der Late-Dax folgt der schwachen Wall Street nach unten und durchbricht die Marke von 9.000 Punkten. Damit drohen weitere Verluste.

Mit der schwachen Tendenz im Späthandel sieht es nun so aus, als ob die Bären doch noch Oberwasser bekommen. Denn der L/E-Dax hat sich im Zuge schwacher US-Märkte weiter abgeschwächt und beendet den Handel bei 8.920 Punkten.

Bedrohliche Markttechnik

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.412,53
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-0,52%

Damit droht die auch markttechnisch wichtige Unterstützungsmarke von 9.000 Punkten endgültig zu fallen, was weitere Verluste nach sich ziehen würde. Zudem steht der Markt nun auf dem Niveau des bisher letzten Zwischentiefs aus dem August, von wo aus es bis auf über 9.800 Punkte wieder bergauf gegangen war. Auf diesem Niveau war zudem Ende 2013 und im Frühjahr 2014 der Abschwung des Index jeweils zum Stehen gekommen.

New Yorker Börse auf Talfahrt

Neue Konjunkturängste bestimmen aktuell das Bild an der Wall Street. Anleger fürchten Händlern zufolge, dass das schwächelnde Wachstum in Europa auch die US-Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen könnte, wenn die US-Notenbank Fed ihre konjunkturstützenden Anleihekäufe beende. Der "Fed-Effekt" vom Vortag ist damit endgültig verpufft.

Der Leitindex Dow Jones verliert aktuell 1,5, der marktbreite S&P-500-Index 1,6 Prozent. Auch an der Technologiebörse, der Nasdaq, geht es im gleichen Maße bergab.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.075,97
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-0,84%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.701,54
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-0,76%
Nasdaq Composite: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
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7.136,39
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-0,90%

Dax kann Anfangsgewinne nicht halten

Der heutige Handelstag war bis zum Xetra-Schluss um 17:30 Uhr sicher nichts für schwache Nerven. Nach einem vielversprechenden Start bis auf 9.140 Punkte im Tageshoch rutschte der Dax danach kontinuierlich ab - bis ins Minus und ein Tagestief bei 9.875 Punkten.

Aber am Nachmittag erholte sich der Index wieder und beendete den Handel schließlich bei 9.005 Zählern fast genau auf den Punkt genau an der psychologisch wichtigen Marke von 9.000 Punkten. Damit stand am Ende des Tages ein leichtes Plus von 0,1 Prozent auf der Anzeigetafel.

Zwar bleibt die monetäre Unterstützung weiter hoch, gleichzeitig verdichten sich aber vor allem in Deutschland die Anzeichen einer ausgeprägteren Konjunkturschwäche als gedacht. Die Krise in Euroland scheint nun auch in Deutschland und damit in den Köpfen der Anleger endgültig angekommen zu sein. Dabei gab es auch heute wieder schlechte Nachrichten von der heimischen Konjunktur. Die Exporte fielen im August überraschend stark zurück. Auch Wirtschaftsforscher haben mittlerweile ihre Wachstumsprognose für Deutschland gesenkt.

Alcoa im Blick

Die Anleger blicken verstärkt auf die Berichtssaison für das dritte Quartal, die gestern nach Börsenschluss traditionell mit den Zahlen des Aluminiumherstellers Alcoa eröffnet wurde. Das Unternehmen, das vom Deutschen Klaus Kleinfeld geleitet wird, hat dank steigender Alu-Preise seinen Umsatz im dritten Quartal um sieben Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar gesteigert. Alcoa-Aktien, die zunächst mit Aufschlägen in den US-Handel gestartet waren, sind mittlerweile aber wieder zurückgefallen.

Euro mit Licht und Schatten

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1315
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Auch der Euro war im Sog der Fed-Protokolle auf Achterbahnfahrt. Nachdem zunächst weltweit der Dollar auf Talfahrt ging, drehte der Markt am Mittag. Der Euro, der zwischenzeitlich wieder deutlich oberhalb der Marke von 1,27 Dollar stand, liegt aktuell wieder darunter bei 1,2680 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag noch auf 1,2763 nach 1,2645 Dollar am Vortag fest.

"Die Aussagen hatten den Dollar zunächst merklich unter Druck gebracht", sagte Stephan Rieke, Devisenexperte von der BHF-Bank. Die Reaktion auf die Protokolle sei jedoch etwas übertrieben gewesen. Schließlich hätten die Fed-Mitglieder auch auf die gute Lage der US-Wirtschaft verwiesen.

Adidas am Dax-Ende

Tagesverlierer waren Adidas, die erst am Nachmittag ihre Verluste ausweiteten. Auch Lufthansa tendierten schwach, nachdem auch andere Fluglinien wegen der Ebola-Krise unter Druck geraten waren. Zu den Verlierern gehörten darüber hinaus die Versorger Eon und RWE nach negativen Aussagen des Chefs des französischen Energieversorgers EDF, Henri Proglio, zum gesamten Sektor und dem deutschen Markt belasten.

Tech-Sektor behauptet sich

Technologietitel halten sich im Dax hingegen weiter im Plus. SAP, Infineon und Siemens in Front hatten in den Vortagen deutlich abgegeben. SAP hatte nach Medienberichten über einen Einstellungsstop am heftigsten verloren und führte heute in einer Gegenreaktion den Index an.

Einstiegschance bei BMW?

Auch BMW-Titel eroberten nach einer Heraufstufung der Aktie durch die Analysten von JPMorgan zeitweise die Dax-Spitze. Die Experten sehen BMW als "overweight"-Position. Derzeit biete sich eine günstige Einstiegsgelegenheit, so die Begründung. Das Kursziel wurde von 90 auf 105 Euro angehoben.

LEG kauft zu

Der Immobilienkonzern aus dem MDax hat nach Xetra-Schluss den Zukauf von 9.600 Wohnungen vom Konkurrenten Deutsche Annington bekannt gegeben. Dazu soll das Kapital erhöht werden. Gleichzeitig wurde aber auch die Jahresprognose angehoben. Die Aktie gibt im Späthandel nach, Deutsche Anningten behaupten sich.

Bittere Pille von Südzucker

Obwohl schwache Ergebnisse des MDax-Unternehmens erwartet worden waren, nahmen die Anleger nach der Bilanzvorlage in Scharen Reißaus - die Aktie baute ihre verheerenden Verluste sogar aus und verlor 11,5 Prozent. Südzucker, das unter sinkenden Preisen für seine Zuckerprodukte leidet, hat im zweiten Geschäftsquartal mit einem Umsatz von 1,7 Milliarden Euro, die Erwartungen nicht erreicht.

Gerresheimer kommt kräftig unter die Räder

Einen Tag nach Veröffentlichung der Quartalsergebnisse legten die Experten nach. Die Berenberg Bank hat den Verpackungs-Spezialisten auf "Hold" zurückgestuft. Und auch JPMorgan hält die Aktie nur noch für "neutral". Auch die Deutsche Bank hat ihre Kaufempfehlung zugunsten einer "Hold"-Einstufung zurückgenommen. Die Aktie taumelte und verzeichnete mit einem Tagesverlust von fast elf Prozent ebenfalls einen desaströsen Handelstag.

Alno lässt die Küche glänzen

Geschäftszahlen legte auch der Küchenhersteller Alno vor. Erstmals seit Jahren hat das Unternehmen wieder Marktanteile gewonnen. Alno geht nun von einem deutlichen Anstieg des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im zweiten Geschäftshalbjahr aus. Die Aktie, die zunächst stürmisch zulegte, rutschte danach aber wieder ab.

PepsiCo über Erwartungen

Die Zahlen des Herstellers von Snacks und Erfrischungsgetränken haben positiv überrascht und sorgen dafür, dass die PepsiCo-Aktie vorbörslich in New York über 1,3 Prozent zulegt. Je Aktie wurde 1,36 Dollar verdient, Analysten hatten nur mit 1,29 Dollar gerechnet.

Icahn bedrängt Apple

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
164,99
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-4,15%

Der umtriebige Finanzinvestor fordert in einem Brief an Apple-Chef Tim Cook weitere Aktienrückkäufe. Denn Apple-Aktien sind aus seiner Sicht "dramatisch unterbewertet" und durch Rückkäufe könne sich der Kurse der Aktie gegebenenfalls verdoppeln.

Apple verfügt über einen Barbestand von 133 Milliarden Dollar, was Icahn ein Dorn im Auge ist. Icahn, der seien Brief nicht als Kritik an Cook verstanden wissen will, legt sich in seiner Eigenschaft als Großaktionär und Investor immer wieder mit dem Management der Firmen an, bei denen er engagiert ist. Zuletzt bei Dell oder der Abspaltung des Bezahldienstes PayPal vom Handelshaus Ebay. Apple äußerte sich nicht. Apple-Papiere halten sich gegen den Markt leicht im Plus.

rm

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr