Dax feiert Come-back

Stand: 26.09.2011, 20:02 Uhr

Nach den herben Verlusten der Vorwoche von fast sieben Prozent, dreht der Dax heute kräftig ins Plus. Zwar bleiben die Anleger hochnervös, doch überwiegt die Hoffnung auf ein versöhnliches Ende der Schuldenkrise - und eine Finanzspritze für die Banken.

Nach einem hektischen Hin und her zwischen Hoffen und Bangen schafft der Dax schließlich ein Plus von 2,9 Prozent auf 5.345 Punkte, nachdem er am Morgen noch auf 5.118 Zähler abgerutscht war, unter den Stand vom Freitag. Auch am Abend kann der Leitindex seine Kursgewinne aus dem elektronischen Handel halten und schließt rund 2,4 Prozent fester.

An der Wall Street blicken die Anleger ebenfalls gebannt nach Europa. Der Dow Jones-Index kommt erst nicht so richtig von der Stelle. Doch dann gewinnen die Optimisten die Oberhand und bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Leitindex knapp ein Prozent höher als Freitag bei 10.899.

In Frankfurt sind es die Finanzwerte, allen voran der Versicherungskonzern Allianz, die den Leitindex in die Höhe treiben. Dabei stützen sich die Anleger auf Aussagen von EU-Währungskommissar Olli Rehn. Der hat in Aussicht gestellt, dass sich die EU-Finanzminister bei ihrem nächsten Treffen in einer Woche mit einem gemeinsamen Plan zur besseren Kapitalausstattung der Banken beschäftigen werden. Nach Einschätzung der Analysten von JP Morgan wird eine europäische Version des amerikanischen Bankenrettungsprogramms TARP immer wahrscheinlicher. Den Finanzierungsbedarf der europäischen Institute bezifferten die Experten auf bis zu 148 Milliarden Euro.

Keine Aufstockung des EFSF
Auch vertraut der Markt darauf, dass der Plan zur Stärkung des Euro-Rettungsfonds EFSF die volle Unterstützung der deutschen Regierung erhält. Bei der Abstimmung am Donnerstag im Bundestag gilt es als sicher, dass eine Mehrheit der Abgeordneten der Aufstockung des EU-Rettungsschirms zustimmen wird.

Für Wirbel in der Koalition sorgten am Nachmittag Gerüchte, dass der Rettungsschirm EFSF in der Praxis massiv ausgeweitet werden soll. Die britische BBC berichtete, es gebe einen Plan der Europäer, in fünf bis sechs Wochen den auf 440 Milliarden Euro ausgelegten Fonds indirekt auf bis zu zwei Billionen Euro zu erweitern. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) versicherte am Abend allerdings, ein solcher Schritt sei nicht geplant.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,56
Differenz relativ
-0,44%

Allianz und Co an Dax-Spitze
Größter Kursgewinner im Dax ist die Aktie der Allianz. Sie gewinnt gut zehn Prozent. Aber auch die Papiere der Deutschen Bank, der Commerzbank und der Münchener Rück legen stürmisch zu um bis zu 8,6 Prozent.

Bayer hofft auf Milliarden
Mehr als vier Prozent Kursgewinne verbucht auch die Aktie des Bayer-Konzerns. Damit begrüßen die Anleger gute Studienergebnisse für das Prostata-Krebs-Medikament Alpharadin. Dem werden bei erfolgter Zulassung Umsätze von bis zu einer Milliarde Euro jährlich zugetraut.

HeidelCement bestätigt Jahresziel
Überdurchschnittlich zulegen kann auch die in den letzten Wochen besonders geschundene Aktie von HeidelbergCement. Konzernchef Bernd Scheifele hatte gegenüber dem "Deutschen Anlegerfernsehen", die Geschäftsziele für das Jahr 2011 bestätigt. Im dritten Quartal hat der Zementkonzern die eigene Prognose offenbar leicht übertroffen.

Aareal hat genug Kapital
Im MDax gehört die Aktie der Aareal-Bank zu den Favoriten, ebenso wie die Papiere der Hannover Rück. Aareal-Vorstand Ortmanns sagte zu Reuters, die Bank sei derzeit ausreichend kapitalisiert und sehe daher in dieser Frage keinen Handlungsbedarf. Auch sei die Bank auf gutem Weg, ihre Ziele für dieses Jahr zu erreichen.

KlöCo sieht Abkühlung
Größter Verlierer im MDax ist die Aktie des Stahlhändlers KlöCo. Der Chef des MDax-Unternehmens hatte vor einer schwachen Geschäftsentwicklung im dritten Quartal gewarnt. "Die Situation ist relativ kritisch", so KlöCo-Chef Gisbert Rühl im Interview mit dem "Deutschen Anlegerfernsehen". Damit hat die Aktie in den Sommermonaten fast 60 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

MTU-Chef blickt ins Jahr 2020
Langfristig sehr positiv blickt dagegen der Triebwerksbauer MTU aus dem MDax in die Zukunft. Bis zum Jahr 2020 will das Unternehmen sein Ergebnis fast verdreifachen. Das sagte MTU-Chef Egon Behle der "WirtschaftsWoche". Bis 2020 soll der Umsatz außerdem auf sechs Milliarden Euro verdoppelt werden.

Immofinanz steigert Erlöse
Der österreichische Immobilieninvestor Immofinanz hat seine Mieterlöse um 2,5 Prozent auf 142,1 Millionen Euro gesteigert. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2011/12 rutschte das Konzernergebnis allerdings um die Hälfte auf 28,2 Millionen Euro ab. Ohne ungünstige Währungseffekte wäre es allerdings um knapp ein Fünftel gestiegen. Die Aktie steigt um knapp zwei Prozent.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"