Marktbericht 20:04

Rekordhoch ist greifbar nahe Dax fast wieder am Gipfel

Stand: 23.05.2014, 20:04 Uhr

Allen Unkenrufen zum Trotz präsentiert sich der deutsche Aktienmarkt in sehr robuster Verfassung. Der Leitindex trotzt mauen Konjunkturdaten und politischen Ängsten und nimmt Kurs auf den Gipfel.

Der deutsche Leitindex Dax legte zum Wochenschluss knapp ein halbes Prozent zu auf 9.768 Punkte und erreichte auf Basis der Schlusskurse sogar ein neues Allzeithoch. Am Ende reichte es aber nicht ganz, auch das absolute Hoch von 9.810 Punkten zu knacken, obwohl es am Tageshoch bei 9.779 Zählern zwischenzeitlich danach aussah. Im Wochenvergleich gewann der Dax immerhin 1,4 Prozent. Nachbörslich tat sich wenig, der L/E-Dax schloss bei Punkten.

Wichtige Wahlen und Ifo-Index im Blick

Der Höhenflug des Index kam angesichts der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in der Ukraine und der Europawahlen durchaus überraschend. "Die Wahlen sind mit zu vielen Unsicherheiten verbunden, da bleiben die Investoren lieber in Deckung", sagte ein Händler. Im späten Geschäft aber legte der Index dann aber wie schon am Vortag noch eine Schippe drauf. Trotzdem bleibt

Danach sah es zunächst lange nicht aus. Vor allem ein schwächer als erwartet ausgefallener deutscher Ifo-Index drückte die Stimmung. Mit 110,4 Punkten fiel er stärker, als Volkswirte erwartet hatten. Der Vormonatswert lag bei 111,2 Punkten. "Die deutsche Wirtschaft legt eine Verschnaufpause ein", kommentierte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn, das Ergebnis.

Wall Street mit gebremstem Schaum

S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
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Angesichts des Feiertages am Montag läuft das New Yorker Geschäft ruhig, viele Marktteilnehmer sind schon im verlängerten Wochenende. Am Rentenmarkt findet nur ein verkürzter Handel statt. Der Dow steht aktuell 0,3 Prozent höher, auch der S&P 500 und die Nasdaq legen in der gleichen Größenordnung zu. Der S&P bliebt dabei in Reichweite seines Rekordhochs von 1.902 Punkten.

Gestützt wird der Markt von guten Nachrichten vom Hausmarkt. Im April waren die Verkäufe neuer Häuser gegenüber dem Vormonat um 6,4 Prozent auf 633.000 Einheiten gestiegen. Experten hatten nur mit 625.000 gerechnet. Auch die Zahlen vom Vormonat wurden deutlich nach oben revidert. Der Rückgang lag nur bei 6,9 Prozent, nachdem zunächst ein Einbruch von 14,5 Prozent gemeldet worden war.

Euro auf Dreimonatstief

Die zuletzt schwachen Konjunkturdaten aus der Eurozone haben der Gemeinschaftswährung zugesetzt. Der Euro fiel zwischenzeitlich auf 1,3616 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit drei Monaten.

Heute war es der schwache Ifo-Index, der sich negativ bemerkbar machte. Allerdings haben Volkswirte keine ernsthaften Sorgen. Die Experten von der NordLB rechnen für das Gesamtjahr mit einem robusten Wachstum von etwa zwei Prozent. Der EZB dürfte der Schwächeanfall indes gelegen kommen, denn ein starker Euro drückt die ohnehin schwache Inflation über günstigere Einfuhren zusätzlich.

Versorger und Lufthansa führen den Dax an

An der Index-Spitze lagen die beiden Versorger RWE und Eon und die Lufthansa. Nach Informationen des "Handelsblatts" soll der frühere Bundeswirtschaftsminister Werner Müller mit den Kernkraftwerksbetreibern die Verhandlungen mit der Bundesregierung über eine Fondslösung für den Rückbau der Atomkraftwerke führen. Lufthansa legten zu, weil es angeblich drei Interessenten für die zum Verkauf stehenden Rechenzentren der Fluglinie gibt.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Am "Ende" lagen Deutsche Bank, allerdings mit Dividendenabschlag (0,75 Euro), die ansonsten leicht im Plus gelegen hätten. Die beiden Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen hatten sich auf der Hauptversammlung am Donnerstag viel Kritik von Aktionärsseite anhören müssen. Am Abend beschloss die Versammlung, Bonuszahlungen bis zum Doppelten des Grundgehaltes zu ermöglichen.

Lanxess trotz Dividendenabschlag im Plus

Die Titel des Spezialchemie-Unternehmens Lanxess haben den Abschlag von 0,50 Euro derweil nicht nur schon aufgeholt, sondern legten darüber hinaus sogar zu. Die Aktie profitierte von der Belobigung des Unternehmens unter seinem neuen Chef Matthias Zachert durch Goldman Sachs.

Übernahmepoker um Alstom geht weiter

Frankreichs Regierung erwägt im Kampf um Alstom offenbar auch eine französische Alternative. Dies erklärte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg am Freitag, ohne aber ein konkretes Modell vorzustellen. Genannt wird aber immer wieder der Staatskonzern Areva, der sich insbesondere auf eine Abspaltung des Windturbinengeschäfts von Alstom vorbereitet.

Zuvor hatte Paris den US-Konzern General Electric dazu gedrängt, sein rund zwölf Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot bis zum 23. Juni zu verlängern. Derweil ist es zum Zwist zwischen Alstom und Siemens gekommen. Die Deutschen prüfen auf Drängen der französischen Regierung ein Gegenangebot, verlangen aber mehr Informationen. Alstom-Chef Patrick Kron, der auf eine amerikanische Lösung setzt, verweigert dies jedoch. Dies könnte Siemens-Chef Kaeser in die Hände spielen, dessen unbedingter Wille zur Übernahme der Alstom-Energiesparte bei Investoren und Mitarbeitern zunehmend angezweifelt wird.

KlöCo will wieder Dividende zahlen

Firmenchef Gisbert Rühl hat auf der Hauptversammlung angekündigt, dass für das laufende Geschäftsjahr wieder eine Dividende von 0,20 Euro gezahlt werden soll. Die bisher letzte Ausschüttung hat es für das Jahr 2010 gegeben, als 0,30 Euro ausgeschüttet wurden. Klöckner will sich zukünftig auf höhermargige Produkte konzentrieren. Die operative Umsatz-Rendite (Ebitda-Marge) soll von zuletzt zwei auf sechs Prozent steigen. Die im MDax notierte Aktie gab heute zwar nach, war aber zuvor gut gelaufen.

Nemetschek so hoch wie zu Neue-Markt-Zeiten

Das Software-Unternehmen war tagessieger im TecDax. Die Aktie war in der Spitze schon bis auf 70 Euro gestiegen, schloss dann bei 68,73 Euro um 4,6 Prozent höher. Bemerkenswert dabei: Im August 2000, mitten in den Zeiten des Neuen Markts, war die Aktie zuletzt so viel wert. Offenbar für einige Investoren Grund genug, den Titel nun ins Depot zu legen. Neue Nachrichten zum Unternehmen gibt es jedenfalls nicht.

Stratec stark, Pfeiffer ex Dividende

Einer der größten Gewinner im Tech-Index war Stratec Biomedical, die von einer Kaufempfehlung durch Kepler profitierten. Am Index-Ende lagen Pfeiffer Vacuum. Die Aktie wurde aber mit einem Dividendenabschlag von 2,65 Euro je Anteilsschein gehandelt, hätte aber ansonsten höher notiert. Gleiches galt für United Internet - hier lag der Dividendenabschlag bei 0,40 Euro.

Stabilus kommt gut an

Der bisher größte Börsengang des Jahres in Deutschland hat den Zeichnern Gewinne beschert. Aktien des Autozulieferers Stabilus gingen mit 22,75 Euro in den Handel und schlossen bei 23,35 Euro. Stabilus hatte den Ausgabepreis für seine Aktien am Vorabend mit 21,50 Euro festgelegt. Damit hatte das IPO ein Volumen von 261 Millionen Euro, dem Unternehmen selbst fließen 65 Millionen Euro zu.

Wieder Strafe für Barclays

Barclays muss als erste Großbank wegen Manipulationen des Goldpreises eine Strafe zahlen. Wegen fehlerhafter Kontrollen der Mitarbeiter werden 26 Millionen Pfund Sterling fällig. Wie die britische Finanzaufsicht erklärte, habe es zwischen 2004 und 2013 Verfehlungen gegeben, bestraft worden seien jetzt hauptsächlich Handlungen aus dem Jahr 2012. Wegen Manipulationen des Referenzzinses Libor war Barclays schon zu einer Strafe von 450 Millionen Dollar verdonnert worden.

Am Gold-Fixing, wie der Prozess der einmal täglichen Preisbildung für das gelbe Metall genannt wird, sind neben Barclays noch die Deutsche Bank, HSBC, Bank of Nova Scotia und die französische Société Générale beteiligt. Die Deutsche Bank hatte jüngst erklärt, aus dem Fixing aussteigen zu wollen und ist auf der Suche nach einem Nachfolger.

HP bei den Anlegern wieder beliebt

Am Vorabend hatte der Drucker- und PC-Hersteller Hewlett-Packard (HP) seine Zahlen zum ersten Quartal vorgelegt, die zunächst mit Kursverlusten quittiert wurden. Das Unternehmen will weitere 16.000 Stellen streichen. Auf den zweiten Blick sind die Anleger nun aber wesentlich gewogener, das Papier stiegt aktuell in New York über sechs Prozent

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr