Dax fast unverändert

Stand: 27.12.2011, 20:01 Uhr

Am deutschen Aktienmarkt herrschte heute Langeweile. Die Schuldenkrise hat Pause gemacht und bei geringen Umsätzen fehlten dem Dax die Impulse. Ein bisschen Hoffnung auf bessere Kurse gibt es aber noch.

Mit einem leichten Aufschlag von 0,2 Prozent auf 5.889 Punkte beendet der Dax den Xetra-Handel. Am ersten Handelstag nach Weihnachten war an den Märkten nichts los. Auch nachbörslich tat sich so gut wie nichts mehr, der L/E-Dax beendete den Handel bei 5.893 Punkten. Die Schwankungen waren gering, das Tageshoch lag bei 5.924 Punkten, im Tief notierte der Dax bei 5.877 Zählern. Auch MDax und SDax bewegten sich kaum, lediglich der TecDax verlor ein knappes halbes Prozent.

Eine gewisse Spannung dürfte den Marktteilnehmern aber dennoch erhalten bleiben, denn schon oft haben sich die Kurse in der umsatzarmen Zeit zwischen Weihnachten und Silvester noch bewegt. "Während viele Anleger ihre Bücher schon geschlossen haben, werden die nächsten Handelstage darüber entscheiden, ob die großen Indizes 2011 im Plus beenden und die Aktienmärkte stark genug sind, eine Rally ins nächste Jahr hinüberzuretten", sagte Analyst Ivo Visic vom Bankhaus Close Brothers Seydler.

Dazu müsste sich der deutsche Leitindex aber noch kräftig bewegen, denn bisher liegt der Index in diesem Jahr gut 15 Prozent hinten. Damit droht 2011 ein ausgesprochen schlechtes Börsenjahr zu werden.

Einzelbewegungen eher zufällig
Es gab kaum handfeste Unternehmensnachrichten, so dass die Bewegungen der Einzelwerte eher zufallsbedingt zustande kamen. Im Dax war Linde Tagesgewinner und Commerzbank am Index-Ende. Auch die Deutsche Bank verlor leicht, nachdem die Einlagen der Banken bei der EZB auf einen neuen Rekordwert gestiegen sind. Die Einlagen gelten als "Krisenbarometer" der Finanzindustrie und sind mittlerweil höhere als zu Zeiten der Lehman-Pleite im Jahr 2008.

Im MDax verloren Sky 1,5 Prozent. Der Fernsehsender zeigt im kommenden Jahr keine Filme des Studios Paramount mehr. Und das heißt, die Abonnenten werden Kassenschlager wie "Mission Impossible" mit Tom Cruise, "Tim & Struppi", "Der gestiefelte Kater" oder Shrek nicht zu Gesicht bekommen

New York ebenfalls richtungslos
Auch an der Wall Street herrscht zur Stunde nachweihnachtliche Ruhe, der Dow Jones schwankt aktuell um seinen Schlusskurs bei 12.300 Punkten. "Im Markt wird heute nicht viel passieren weil das Handelsvolumen so gering ist", meinte ein Händler. Zuvor war das Verbrauchervertrauen des privaten Forschungsinstitutes Conference Board mit 64 Punkten im Dezember deutlich besser ausgefallen als erwartet. Analysten hatten nur 58,3 Punkte erwartet, im November lag der Wert noch bei revidiert 55,2 Punkten. Geholfen hat es der Börse aber bisher nichts.

Das gestiegene Verbrauchervertrauen hat aber für einen anziehenden Ölpreis gesorgt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent stieg um 1,11 auf 109,06 Dollar. Für die US-Sorte WTI lag der Preis wurden 100,89 Dollar bezahlt, ein Plus von 1,22 Dollar.

Euro ohne Bewegung
Am Devisenmarkt sind ebenfalls nur wenige Marktteilnehmer aktiv, der Euro handelt in einer engen Bandbreite zwischen 1,3050 und 1,3080 Dollar un d steht aktuell bei 1,3074 Dollar. Am Rentenmarkt sind die Kurse ebenfalls leicht gestiegen, der Bund-Future legte 0,3 Prozent zu. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 1,91 Prozent.

Petroplus schmiert ab
Für Aufsehen sorgte allerdings der in Zürich notierte Raffinerie-Betreiber Petroplus. Das größte unabhängige Unternehmen der Branche in Europa muss eine Kreditlinie über rund eine Milliarde Dollar nachverhandeln. Petroplus-Aktien brachen an der Heimatbörse in Zürich um fast die Hälfte ein, der größte Tagesverlust der Unternehmensgeschichte.

Deutsche Börse besser unterwegs
Die Deutsche Börse kann mit dem abgelaufenen Jahr 2011 operativ zufrieden sein. Denn die starken Schwankungen an den Börsen führen dazu, dass die Kunden mehr disponiert haben. Die Volumina an allen drei betriebenen Börsenplattformen sind bisher gestiegen, wie das Unternehmen heute bekannt gab.

Das Geschäft auf der Aktienplattform Xetra legte um 13 Prozent und an der Derivatebörse Eurex um neun Prozent zu. Auch die US-Derivatetochter ISE verzeichnete ein um fünf Prozent gestiegenes Handelsvolumen. Das Abwicklungsgeschäft zog ebenfalls an. Eurex-Clearing und Clearstream vermelden gestiegene Volumina von zwei beziehungsweise elf Prozent.

Gelitten hat unter dem unsicheren Marktumfeld allerdings das Geschäft mit Börsengängen, zudem hätten mehrere Unternehmen ihre geplanten Börsengänge wegen der Marktturbulenzen abgesagt. Darunter so bekannte Kandidaten wie der Chemiekonzern Evonik oder die Siemens-Leuchtmitteltochter Osram.

Adidas sprintet voran
Gut läuft es auch für Adidas, der Sportartikelhersteller zeigt sich kaum beeindruckt von der Euro-Schuldenkrise und der Konjunkturabkühlung. "Wir spüren fast nichts, es läuft gut", sagte Vorstandschef Herbert Hainer der "Süddeutschen Zeitung". Die Branche profitiere unverändert davon, dass Sportartikel nicht teuer seien und Menschen mehr Sport trieben, weil sie gesünder leben wollten und die durchschnittliche Lebenserwartung steige.

Daimler freut sich über LKW-Absatz
Daimler sieht mit seinem LKW-Geschäft auf Kurs und erwartet auch im kommenden Jahr eine hohe Nachfrage nach seinen Lastwagen. Die Produktion sei bis ins erste Quartal 2012 ausgelastet. Da kann man sich getrost ehrgeizige Ziele setzen. Bis Ende 2013 will Daimler weltweit mehr als eine halbe Million Lkw jährlich verkaufen. In diesem Jahr waren es bis Ende November rund 370.000.

EADS muss abarbeiten
Bei der EADS-Mutter Airbus mischt sich Skepsis in den Ausblick. Nach dem Rekordstand an Aufträgen in diesem Jahr erwartet der Flugzeugbauer für 2012 deutlich weniger Bestellungen. Airbus-Chef Thomas Enders erwartet nur noch rund ein Drittel von dem, was 2011 in den Büchern steht. Es beunruhigt ihn aber nicht. Wegen der langen Auftragsliste bekäme man ansonsten ernsthafte Produktionsprobleme. Die EADS-Aktie verliert heute 0,3 Prozent.

Paketversand zieht kräftig an
Die Post-Tochter DHL hatte im Weihnachtsgeschäft rund 17 Prozent mehr Pakete zugestellt als im Vorjahreszeitraum, wie bereits am Freitagabend zu Börsenschluss bekannt geworden war. Wirklich marktbewegend war die Nachricht aber nicht, die Aktie stieg leicht um 0,6 Prozent.

Die Jobs sind sicher bei VW
Die bisherige interne Wachstumsprognose dürfte sich beim Wolfsburger Autobauer als zu hoch erweisen, wurde der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zitiert. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau. Die Beschäftigung sei sicher, stellte Osterloh gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters klar. Selbst wenn es 2012 nicht so toll laufen sollte, dürfte der Absatz auf dem gleichen Niveau wie 2011 liegen. "Die größte Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung sehe ich in der Panikmache und dass diejenigen, die die Krise herbeireden wollen, Recht behalten", fügte er hinzu.

Gut im Geschäft ist auch die Konzerntochter Audi. Die Ingolstädter wollen in den nächsten fünf Jahren 13 Milliarden Euro investieren, für neue Produkte und Technologien, die Standorte sollen ausgebaut werden. Im nächsten Jahr sollen zudem erneut 1.200 Fachkräfte neu eingestellt werden.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,10
Differenz relativ
-1,37%

Neue Chip-Allianz
Der Kampf um den Markt für Smartphone-Chips wird härter. Wie die Branchenriesen Samsung, Panasonic, Fujitsu und NEC mitteilten, wollen sie sich zusammen mit dem japanischen Mobilfunkanbieter NTT DoCoMo zu einer mächtigen Allianz zusammenschließen und ein Gemeinschaftsunternehmen gründen. Details müssten noch ausgehandelt werden.

Zu den Konkurrenten gehören neben den US-Anbietern Qualcom und Texas Instruments auch Infineon. Im Dax reagieren Infineon jedoch mit einem leichten Aufschlag von 0,2 Prozent kaum.

ING trennt sich vom Versicherungsgeschäft
Nach Medienberichten will ING sein belgisches Versicherungsgeschäft zusammen mit der gesamten Sparte an die Börse bringen. In Belgien erzielt ING insgesamt 900 Millionen Euro Prämieneinnahmen.

ING muss sich vom Versicherungsgeschäft trennen, weil die EU-Kommission nur unter dieser Bedingung Staatshilfen an den niederländischen Allfinanzkonzern zugestimmt hatte. Im Gefolge der ersten Finanzkrise war die ING mit zehn Milliarden Euro gestützt worden.

Sears-Aktie bricht drastisch ein
In New York bricht zur Stunde die Aktie des bekannten US-Einzelhändlers Sears um 25 Prozent ein. Das Unternehmen hatte zuvor von einem überraschend schwachen Weihnachtsgeschäft und einem Umsatzrückgang im laufenden Quartal von 5,2 Prozent berichtet. Damit konnte Sears nicht vom zuletzt wieder gestiegenen Konsumentenvertrauen profitieren. Vor allem der boomende Internethandel macht dem Unternehmen zu schaffen.

Als Konsequenz will Sears 100 bis 120 Filialen schließen. Unter dem Namen Sears und Kmart werden insgesamt 2177 Läden in den USA und 500 in Kanada betrieben.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen