Marktbericht 20:08 Uhr

Achterbahnfahrt an den Märkten hält an Dax fällt wieder unter 10.000 Punkte

Stand: 26.08.2015, 20:08 Uhr

Zweigeteilte Börsenwelt am Mittwoch: Während es an der Wall Street wieder bergauf ging, gaben die europäischen Aktienmärkte nach. Der Dax sackte um über ein Prozent ab. Nach der Achterbahnfahrt der letzten Tage bleibt die Nervosität groß.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.765,94
Differenz relativ
+0,82%

Anleger machen derzeit ein Wechselbad der Gefühle durch: Am Montag rauschte der Dax um bis zu 7,7 Prozent nach unten, am Dienstag machte ein Kursfeuerwerk die Verluste wieder wett, und am Mittwoch ging es wieder runter – wenn auch nicht so stark wie zu Wochenbeginn. Der Dax büßte 1,3 Prozent ein und fiel unter die runde Marke von 10.000 Punkten. Der EuroStoxx50 gab um 1,5 Prozent nach.

Nur eine Bärenmarkt-Rally?

War der gestrige Höhenflug nur ein Strohfeuer? Experten wie Analyst Christian Schmidt von der Helaba sprachen von einer "Bärenmarkt-Rally". Darunter verstehen Börsianer eine zwischenzeitliche Erholung in einem Abwärtstrend. Der Markt werde wohl noch eine Weile so volatil bleiben, meinte ein Händler.

Wall Street zieht an

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.199,29
Differenz relativ
+0,32%

Ein starker Auftakt an der Wall Street trieb am Mittwoch zeitweise Dax & Co ins Plus. Im Laufe des Tages gab der Dow jedoch wieder einen Teil seiner Kursgewinne ab - und bremste die europäischen Aktienmärkte aus. Am Abend zogen die Kurse an der Wall Street wieder an.

US-Industrie mit kräftigem Auftragsplus

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Positive Konjunkturdaten heizten Spekulationen auf eine näher rückende Zinswende in den USA an. Der Auftragseingang für langlebige Güter stieg im Juli um zwei Prozent. Ökonomen hatten nur mit einem kleinen Plus von 0,4 Prozent gerechnet. Der einflussreiche US-Notenbanker William Dudley dämpfte aber die Zinswende-Spekulationen. Wegen der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten hält er eine Anhebung der Zinsen im September inzwischen für weniger angemessen. "Das scheint für mich weniger zwingend zu sein als noch vor ein paar Wochen", sagte Dudley. Er wolle vor einer endgültigen Entscheidung über den Zeitpunkt des Zinsschrittes erst noch weitere US-Konjunkturdaten sehen, sagte der Präsident der New Yorker Fed.

China sorgt für Nervosität

Die Sorgen um Chinas Wirtschaft belasten weiter die Stimmung an den Börsen.  Trotz der erneuten Zinssenkung der chinesischen Zentralbank setzte die Shanghaier Börse am Mittwoch ihre Talfahrt fort und schloss 1,3 Prozent tiefer. "Der Markt wartet auf eine große 'Bazooka' an staatlichen Ausgaben", meinte ein Händler.

Euro unter 1,14 Dollar

Schwer tat sich der Euro am Mittwoch. Die US-Konjunkturdaten drücken die europäische Gemeinschaftswährung auf unter 1,14 Dollar. Am Abend notiert sie bei 1,1360 Dollar. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet zeigte sich am Mittwoch besorgt über die schwache Preisentwicklung in der Eurozone. Das Risiko, dass das Inflationsziel von 2,00 Prozent verfehlt werde, sei gestiegen, sagte er.

Liquiditätsprobleme am Aktienmarkt?

Der dramatische Kursrutsch zu Wochenbeginn schürt Zweifel an der Funktionsfähigkeit der Börsen. "Der Absturz an den Märkten beruht nicht auf fundamentalen ökonomischen Veränderungen, sondern auf dem Zusammenbruch des normalen Marktmechanismus", sagte David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, gegenüber "Spiegel Online". Die Märkte seien grundlegend angeschlagen, es gebe nicht genügend Liquidität. Eine ordnungsgemäße Zusammenführung von Angebot und Nachfrage komme derzeit kaum noch zustande, glaubt Analyst Jens Klatt von FXCM. "Die globalen Finanzmärkte sind kaputt", meint er mit Blick auf die Vorgänge am Montag.

Fast nur Verlierer

Einziger Gewinner im Dax war die Münchener Rück mit einem Plus von 0,3 Prozent. Größte Verlierer waren dagegen die Versorger, SAP und K+S. Die Hoffnungen auf eine Anhebung des Übernahmeangebots von Potash verpuifften bei K+S, nachdem sich Monsanto im Rennen um den Konkurrenten Syngenta zurückgezogen hat.

Telekom will nach Serbien

Die Deutsche Telekom strebt Richtung Osten. Die Bonner haben nach einem Bericht des "Handelsblatts" eine nicht bindende Offerte abgegeben für den 58-prozentigen Anteil des serbischen Staates an der Telekom Sbrija. Insgesamt gibt es acht Bieter. Dem Blatt zufolge will Serbien mindestens 1,1 Milliarden Euro für seinen Anteil einstreichen. Der Verkauf soll innerhalb der kommenden fünf Monate abgeschlossen werden.

VW verkauft weniger Autos

Die Autowerte gaben wieder nach. Mit einem Minus von 0,5 Prozent hielten sich die VW-Aktien achtbar. Im Juli verkaufte VW 3,7 Prozent weniger Autos. Vor allem in China, aber auch in den Märkten Brasilien oder Russland gab es deutliche Einbußen. Zuversichtlich äußerten sich die Wolfsburger hingegen für die Regionen Europa und Nordamerika. In Deutschland stieg der Absatz um sechs Prozent.

Postbank-Trennung wird für Deutsche Bank teuer

Um 1,6 Prozent gaben die Aktien der Deutschen Bank nach. Für das Geldinstitut könnte die Trennung von der Postbank schmerzhaft werden. Auf der Hauptversammlung am Freitag sollen die Kleinanleger abgefunden werden. Der Deutschen Bank drohen im schlimmsten Fall bis zu 3,5 Milliarden Euro frische Abschreibungen.

Kaufempfehlung für ProSiebenSat.1

Eine Kaufempfehlung beflügelte die Aktien von ProSiebenSat.1. Sie legten um fast drei Prozent zu und überwanden die 200-Tage-Linie. HSBC hat die Titel auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel auf 52 Euro angehoben.

Gerüchte setzen Wirecard zu

Schlkusslicht im Tec war die Aktie von Wirecard mit einem Minus von fast vier Prozent. Laut Medienberichten soll der Zahlungsabwickler Interesse am Video-Spezialisten Worldpay haben. Anleger befürchten, dass sich Wirecard das derzeit mit rund 4,6 Milliarden Euro bewertet wird, überheben könnte. Wie die Nachrichtenagentur "Bloomberg" meldete, bietet Wirecard acht Milliarden Euro.

Nanogate bleibt der Nano-Star

Der Oberflächenspezialist hat im ersten Halbjahr deutlich zugelegt. Der Umsatz erhöhte sich um 50 Prozent auf über 42 Millionen Euro, das Ebitda stieg um mehr als ein Drittel auf 4,7 Millionen Euro. Nanogate bestätigte seine Prognose für 2015, wonach der Umsatz auf mehr als 80 Millionen Euro steigen und sich das operative Ergebnis deutlich verbessern soll. Die im Entry Standard notierte Aktie schoss um rund acht Prozent hoch.

Optimismus bei Conwert und CA Immo

Die im Wiener Auswahlindex ATX enthaltenen Immobilienfirmen haben gute Zahlen für das erste Halbjahr gemeldet. Die Einnahmen von Conwert aus dem operativen Geschäft stiegen um gut zwei Drittel auf 25,7 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr wurde die Prognose von 40 auf 48 Millionen Euro erhöht. Einer der Ankeraktionäre ist mit 24,8 Prozent der deutsche Immobilienkonzern Adler Real Estate. CA Immo steigerte das Nettoergebnis um 67,5 Prozent auf 55 Millionen Euro. Der Konzern profitierte besonders von einem guten Marktumfeld in Deutschland. CA rechnet für das Gesamtjahr mit deutlichen Gewinnen aus Immobilienverkäufen.

Voestalpine rudert zurück

Weniger gute Nachrichten kamen vom österreichischen Indexkollegen Voestalpine. Der Stahlkonzern kippte sein Umsatzziel. "Schon alleine aufgrund des enormen Verfalls der Rohstoffpreise in den letzten Jahren werden wir den Umsatz nach unten korrigieren müssen", sagte Voestalpine-Chef Wolfgang Eder, ohne Zahlen zu nennen. Voestalpine will bis zum Jahr 2020/21 einen Umsatz von 20 Milliarden Euro erwirtschaften. Die Aktie gab nach.

Megafusion im Online-Glücksspiel-Sektor

Die britische Betfair und der irische Rivale Paddy Power planen ihren Zusammenschluss, wie beide Unternehmen bekannt gaben. Die Vereinbarung über das knapp sieben Milliarden Euro schwere Geschäft stehe, es müssten nur noch Details verhandelt werden. Der Umsatz beider Firmen läge bei 1,5 Milliarden Euro, das wäre Weltspitze. An der Börse kamen die Pläne sehr gut an, beide Aktien legten zweistellig zu.

Milliardenfusion in der Ölservice-Branche

Auch im Öldienstleistergeschäft  breitet sich das Übernahmefieber aus: Schlumberger  will den Rivalen Cameron für 14,8 Milliarden Dollar schlucken. Prompt schossen die Titel des Übernahmekandidaten um über 40 Prozent in die Höhe. Die Papiere von Schlumberger gaben hingegen um knapp fünf Prozent nach.

Transocean schockt Anleger

Der Bohrinsel-Betreiber Transocean muss derweil wegen der stark gefallenen Ölpreise seine Bilanz reparieren. Wertberichtigungen von mehr als zwei Milliarden Franken dürften Transocean erneut in die roten Zahlen drücken, warnte der Konzern. Um den Buchverlust abzudecken, müsse das Kapital herabgesetzt werden. Auf einer außerordentlichen Generalversammlung Ende Oktober soll der Aktien-Nennwert auf 0,10 von 0,15 Franken je Aktie gesenkt werden. Die Dividende für das dritte und vierte Quartal fällt aus. Die Aktie rauschte um bis zu 13,5 Prozent auf ein Rekordtief von 10,55 Franken ab.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr