Marktbericht 20:02 Uhr

Unter 10.700 Dax fällt wieder, und nun?

Stand: 27.10.2015, 20:02 Uhr

Vor der Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank am Mittwoch, haben die Anleger eine Verschnaufpause eingelegt. Zudem verschreckten die Aussichten von BASF. Und wie geht es nun weiter?

Vor der Entscheidung der Fed dürften sich die Anleger weiter zurückhalten. Die Währungshüter werden am Mittwoch um 19 Uhr unserer Zeit, also nach Handelsschluss in Europa, ihre Entscheidung veröffentlichen.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Zwar rechnet auf der Sitzung niemand mit einer Änderung der Leitzinsen. Doch sollte die Fed die Märkte jetzt darauf vorbereiten, wenn sie noch in diesem Jahr die Zinsen anheben wolle, meint Franck Dixmier, globaler Anleihenchef von Allianz Global Investors. Zuletzt hatte eine Serie enttäuschender US-Konjunkturdaten die Spekulationen auf eine baldige Zinswende gedämpft. Auch die am Nachmittag veröffentlichten Auftragseingänge für langlebige Güter passten in das Bild durchwachsener Zahlen, schrieb Helaba-Analystin Viola Julien. Die US-Industrie hat den zweiten Monat in Folge spürbar weniger Aufträge an Land gezogen.

Zudem trübte sich die Stimmung der Verbraucher im Oktober überraschend ein. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen sank auf 97,6 Punkte von revidiert 102,6 Zählern im Vormonat, wie das Institut Conference Board am Dienstag zu seiner Umfrage mitteilte. Für die Notenbanker also ein Argument mehr, um die angekündigte Zinswende weiter nach hinten zu verschieben.

Trotzem blieben die Anleger vorsichtig. Die meiste Zeit des Tages schwankt der Dax um genau 100 Punkte, zwischen 10.707 und 10.807. Erst im späteren Verlauf drücken Gewinnmitnahmen den Leitindex etwas tiefer ins Minus, so dass er bei 10.692 Punkten aus dem Handel geht, ein Prozent oder 109 Punkte weniger als am Vortag. Außer Vonovia und Lufthansa müssen als anderen Dax-Werte Verluste hinnehmen.

Warten auf die Fed

Nach der Rally in der vergangenen Woche und einem Plus von mehr als fünf Prozent seien die heutigen Gewinnmitnahmen aber nicht der Rede wert, meint Andreas Paciorek von Cmc-Markets. Viele Experten erklären die heutige Marktschwäche aber auch damit, dass nach dem starken Anstieg der Kurse in den Vorwochen allein aus statistischer Sicht eine Atempause fast zwingend sei. Dafür sorge die in Reichweite kommende 200-Tage-Linie bei 11.040 Punkten.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.472,22
Differenz relativ
+1,30%

Auch an der Wall Street halten sich die Anleger vor den geldpolitischen Signalen der Notenbank Fed zurück. Der Dow Jones eröffnete leicht im Minus. Da die Sommerzeit in den USA erst am Sonntag endet, eröffnet die Wall Street diese Woche um 14:30 Uhr MEZ. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow 0,36 Prozent tiefer bei 17.557 Zählern.

Euro bleibt unter 1,11 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1262
Differenz relativ
+0,37%

Der Kurs des Euro ist am Dienstag leicht gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1061 Dollar fest, nach 1,1011 am Montag. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert die Gemeinschaftswährung wieder etwas leichter bei 1,1137 Dollar.

Ölpreise sinken weiter

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
65,79
Differenz relativ
-6,39%

Die Ölpreise geben auch am Dienstag weiter nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember kostet derzeit 47,20 Dollar. Das sind 34 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI fiel um 65 Cent auf 43,32 Dollar. Nach Ansicht von Analysten klaffen die kurz- und längerfristigen Aussichten am Ölmarkt derzeit auseinander. Kurzfristig dürfte demnach das weltweite Angebot weiter deutlich über Nachfrage liegen und Druck auf die Rohölpreise ausüben.

BASF verprellt die Anleger

Bei den Einzelwerten im Dax wird die BASF-Aktie kurz vor Handelsschluss von RWE als dem größten Verlierer abgelöst. Während bei dem Stromversorger Gewinnmitnahmen auf dem Titel lasten, hat der Chemiekonzern mit einer Senkung seiner Jahresziele die Anleger verprellt. Im dritten Quartal verfehlte BASF zudem mit einem Ebit-Rückgang von zehn Prozent auf 1,6 Milliarden Euro den Marktkonsens. Der US-Chemiekonzern DuPont musste wegen des starken Dollar und Problemen in Schwellenländern im abgelaufenen Quartal sogar einen Gewinneinbruch um 46 Prozent auf 235 Millionen Dollar vermelden.

VW: Finanztochter muss vorsorgen

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,96
Differenz relativ
+1,45%

Auch die VW-Vorzüge verlieren überdurchschnittlich. Dabei spürt der Konzern in Europa beim Bestelleingang noch keine Auswirkungen des Abgas-Skandals. In Deutschland wachse seit dem Bekanntwerden der Manipulationen vor rund einem Monat sogar die Zahl der Bestellungen, meldet die dpa. Der Abgas-Skandal wird aber wohl die Bilanz der Konzern-Finanztochter belasten. Im Portfolio der Volkswagen Financial Services AG finden sich bis zu eine Million der von der Rückrufaktion betroffenen Diesel-Autos.

Manz kanns nicht mehr

Von der Euphorie zum Jahresauftakt ist bei Manz Automation nichts mehr übrig: Nach einer erneut drastischen Prognosesenkung des Spezialmaschinenbauers haben Anleger die Reißleine gezogen und den Titel reihenweise aus ihren Depots geworfen. Die im TecDax notierte Aktie bricht um bis zu 30 Prozent ein.

Aixtron findet heute Gefallen

Stärkster Wert im TecDax ist die Aixtron-Aktie. Der Chipanlagenbauer hat seine Verluste trotz stagnierender Erlöse in den ersten neun Monaten eingegrenzt. Bei einem Umsatz von 135,3 Millionen Euro verringerte sich der operative Verlust (Ebit) um 36 Prozent auf 25,2 Millionen Euro. Vorstandschef Martin Goetzeler äußerte sich zuversichtlich, die Gesamtjahresziele zu erreichen.

MLP hat's nicht drauf

Im SDax ist die MLP-Aktie einer der schwächsten Werte. Der Finanz- und Versicherungsvertrieb wird seine Gewinnziele im laufenden Jahr wohl erneut verfehlen. Wegen der unerwartet schwachen Entwicklung der verwalteten Vermögensanlagen wird die Firma im dritten Quartal deutlich weniger erfolgsabhängige Prämien ("performance fees") erhalten als eingeplant.

Sixt ganz begehrt

Dagegen kann die Sixt-Aktie punkten. Der Autovermieter hat sich nach einem Gewinnplus im dritten Quartal optimistischer über die Aussichten für das Gesamtjahr geäußert. Das Konzernergebnis vor Steuern (EBT) soll 2015 nun mindestens 180 Millionen Euro betragen und damit deutlich über dem Vorjahreswert von 157,0 Millionen Euro liegen.

Covestro gut im Geschäft

Die jüngst an der Börse gestartete Bayer-Tochter Covestro hat im dritten Quartal dank niedriger Rohstoffpreise und des schwachen Euro operativ deutlich mehr verdient. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sei um 64 Prozent auf 287 Millionen Euro gestiegen, teilte der seit Anfang Oktober börsennotierte Kunststoffhersteller mit.

Grenkeleasing, der unbekannte Highflyer

Der IT-Vermieter Grenkeleasing hat seine Gewinnprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr nach oben geschraubt. Grenkeleasing rechnet nunmehr mit einem Nettogewinn von 78 bis 80 Millionen Euro, bis zu 23 Prozent mehr als 2014. Bisher waren 78 Millionen die Obergrenze der Erwartungen gewesen. Die Aktie markiert ein Rekordhoch, seit Jahresbeginn hat sie fast 80 Prozent zugelegt.

Hapag Lloyd verlängert

Die Hamburger Container-Reederei Hapag-Lloyd geht eine Woche länger auf die Suche nach neuen Investoren. Die Zeichnungsfrist für den bereits stark eingedampften Börsengang sei bis zum kommenden Dienstag (3. November) verlängert worden, teilte Hapag-Lloyd heute mit.

Zahlenflut aus dem Ausland: Von Alibaba bis Pfizer

Ford kann dank Rekordgeschäften in Nordamerika seine Verluste in Europa ausgleichen. Unter dem Strich verdiente der zweitgrößte US-Autobauer im dritten Quartal nach Angaben von Dienstag 1,9 Milliarden Dollar. Das sind fast drei Viertel mehr als vor Jahresfrist. Ford bekräftigte zudem sein Ziel eines Vorsteuergewinns in diesem Jahr von 8,5 bis 9,5 Milliarden Dollar. Die Aktie ist vorbörslich dennoch im Minus.

Alibaba gelingt Überraschung

Alibaba ADR: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
131,06
Differenz relativ
+3,31%

In China hat sich die Online-Handelsplattform Alibaba im vergangenen Quartal der eintrübenden Wirtschaft des Landes entzogen. Der Umsatz stieg um ein Drittel auf 22,2 Milliarden Yuan (rund 3,2 Milliarden Euro) und damit stärker als erwartet. Dabei wuchs vor allem das Geschäft mit mobilen Anwendungen. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn kletterte um 36 Prozent auf 9,2 Milliarden Yuan. Die Aktie gewinnt im vorbörslichen New Yorker Handel gut elf Prozent und setzt damit ihre Ende September eingeleitete Erholung fort.

Pfizer und Merck heben an

Florierende Geschäfte stimmen die beiden größten US-Pharmakonzerne Pfizer und Merck optimistisch. Trotz Belastungen durch den starken Dollar hoben die Unternehmen am Dienstag ihre Prognosen für 2015 an. Bei Pfizer war es sogar die zweite Erhöhung binnen zwei Monaten. Der New Yorker Konzern profitierte von kräftiger Nachfrage nach seinen Impfstoffen. Bei Merck läuft das Geschäft mit Diabetes- und Krebsmedikamenten rund.

UPS schwächelt

UPS

UPS: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
96,03
Differenz relativ
-1,05%

Der weltgrößte Paketdienst UPS hat nur durch ein florierendes internationales Geschäft im dritten Quartal den Gewinn gesteigert. Im wichtigen US-Heimatmarkt bröckelten dagegen die Erträge. Das operative Ergebnis legte um 1,5 Prozent auf 1,98 Milliarden Dollar zu, wie der Rivale der Deutschen Post am Dienstag mitteilte. Der Umsatz von UPS ging wegen des starken Dollars dagegen zurück: Die Erlöse sanken um 0,4 Prozent auf 14,23 Milliarden Dollar und fielen damit schwächer aus als von Analysten erwartet.

Axa punktet dank schwachem Euro

Europas zweitgrößter Versicherer und Allianz-Konkurrent Axa hat in den ersten neun Monaten dank der Euro-Schwäche deutlich mehr umgesetzt. Die Erlöse stiegen um neun Prozent zum entsprechenden Vorjahreszeitraum auf 76 Milliarden Euro. Ohne Berücksichtigung von Währungseffekten lag das Plus lediglich bei zwei Prozent.

Novartis: Starker Dollar frisst Erlöse auf

Novartis: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
78,62
Differenz relativ
+0,03%

Der starke Dollar und ein schwächelndes Augenheil-Geschäft haben den Schweizer Pharmakonzern Novartis im dritten Quartal gebremst. Von Juli bis September sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sechs Prozent auf 12,27 Milliarden Dollar. Die Stärke der Konzernwährung hat die Zuwächse in Yen, Euro und anderen Währungen mehr als aufgefressen.

BP mit Gewinneinbruch

Der britische Ölkonzern BP hat angesichts niedriger Öl- und Gaspreise sowie Entschädigungszahlungen für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko einen Gewinneinbruch erlitten. Unter dem Strich schmolz der auf die Anteilseigner entfallende Überschuss um über 96 Prozent auf 46 Millionen Dollar zusammen.

lg

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr