Dax fällt unter die 7.400-Punkte-Marke

Stand: 13.05.2011, 20:02 Uhr

Trotz eines überraschend kräftigen Wirtschaftswachstums in Deutschland und Frankreich haben die Märkte heute erneut im Minus geschlossen. Grund war die ungelöste Schuldenkrise sowie die Furcht vor Inflation in den USA.

Damit hat der Dax auf Wochensicht 1,2 Prozent eingebüßt. Nach einem Rückgang um 0,5 Prozent im elektronischen Handel verliert der Leitindex am Abend knapp ein Prozent und rutscht mit 7.392 Punkten unter die Marke von 7.400. Dabei war das Börsenbarometer im Tagesverlauf noch auf 7.511 Zähler gestiegen.

"Die Nervosität ist groß", sagte ein Börsianer. "Darunter leiden vor allem die Finanzwerte, die zu den großen Gläubigern Griechenlands zählen. Deren Kursverluste ziehen den Gesamtmarkt mit nach unten." Fünf der zehn größten Verlierer im EuroStoxx50 gehörten zu diesem Sektor. Auch die Commerzbank gehört zu den Verlieren und notiert sogar knapp unter der Marke von vier Euro.

Auch sorgten die mächtigen Verwerfungen an den Rohstoff- und Devisenmärkten der letzten Tage für anhaltende Nervosität bei den Anlegern, zumal es an einem Freitag oftmals zu Gewinnmitnahmen komme.

An der Wall Street drehen die Kurse ebenfalls ins Minus. Der im Mai auf 72,4 Punkte gestiegene Index der Uni Michigan zum Verbrauchervertrauen ist zwar besser ausgefallen als erwartet, wird von den Anlegern aber ignoriert. Der Dow Jones notiert bei Börsenschluss in Frankfurt rund 123 Punkte (1,0 Prozent) tiefer bei 12.573, nachdem er zunächst leicht im Plus eröffnet hatte.

Händlern zufolge trübte sich die Stimmung ein, weil die US-Verbraucherpreise im April um 3,2 Prozent zum Vorjahr geklettert waren. Dies war der stärkste Anstieg seit zweieinhalb Jahren. Zwar sei diese Entwicklung erwartet worden, dennoch sei das Thema Bekämpfung der Inflation nun wieder bei einigen Anlegern auf der Tagesordnung. Eine Zinswende der US-Notenbank ist dennoch auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.

Euro immer schwächer
Derweil ist auch der Euro wieder zurückgefallen. Am Abend sank die Gemeinschaftswährung auf 1,4106 und damit unter sein gestriges Tagestief von 1,4183 Dollar. Gegenwind erhielt der Euro zudem von anhaltenden Spekulationen über die Finanzlage Griechenlands. EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn erklärte, das Land müsse zusätzliche Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung ergreifen.

ThyssenKrupp im Auftrieb
Gute Zahlen und ein positiv aufgenommener Ausblick haben den Aktien von ThyssenKrupp an die Dax-Spitze verholfen. Die Titel legen rund 2,5 Prozent zu. Die gute Wirtschaftslage gibt dem vor einem weitreichenden Umbau stehenden Konzern weiter Auftrieb. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres setzte ThyssenKrupp so viel um wie seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise Ende 2008 nicht mehr. Auch die Bestellungen stiegen auf den höchsten Wert seit mehr als zwei Jahren. Der Gewinn legte kräftig zu.

Telekom und Deutsche Börse ex Dividende
Die schwächsten Werte im Dax sind dagegen die Aktien der Deutschen Telekom und der Deutschen Börse. Sie werden heute ex Dividende gehandelt, wobei die T-Aktie mit einem Abschlag von mehr als sechs Prozent.

Zooplus dreht ab
Kräftige Einbußen verzeichnet die Aktie von Zooplus, nachdem das Unternehmen eine Gewinnwarnung ausgesprochen hatte. Der beabsichtigte Umzug des deutschen Logistikzentrums verursache höhere Kosten als erwartet. Statt eines ausgeglichenen Ergebnisses müsse deshalb mit einem Verlust im "niedrigen einstelligen Millionenbereich" gerechnet werden, so das Unternehmen. Dies gehe auf erwartete Einmalkosten in Höhe von vier Millionen Euro zurück, die bisher nur mit bis zu 1,5 Millionen angenommen wurden.

BVB macht wieder Gewinne
Abwärts geht es mit der Aktie von Borussia Dortmund. Dabei hat der Fußballclub, der an diesem Wochenende die deutsche Meisterschaft feiert, im ersten Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg auf 0,2 Millionen Euro, nach einem Verlust von 1,0 Millionen im Vorjahr. Noch besser sieht die Bilanz für den die ersten neun Monate aus. Hier erreicht das Ebit glatte fünf Millionen Euro, nach einem Verlust von 0,5 Millionen im Vorjahreszeitraum.

EADS-Aktie ganz stark
Obwohl der starke Euro dem Luft-und Raumfahrtkonzern EADS den Start ins Jahr vermiest hat, gehört die Aktie zu den Favoriten im MDax. Dabei hat EADS unter dem Strich im ersten Quartal einen Verlust von 12 Millionen Euro verbucht - nach 103 Millionen Gewinn ein Jahr zuvor. Geschäftlich läuft es für EADS aber weiter prächtig, der Aufschwung der Luftfahrt beflügelt den Konzern.

Aurubis wieder auf Kurs
Kräftig aufwärts geht es auch mit der Aktie von Aurubis. Der führende europäische Kupferkonzern aus dem MDax ist nach einem schwachen Jahresstart wieder auf Erfolgskurs: Höhere Preise und eine starke Nachfrage nach Kupferprodukten sorgten im ersten Halbjahr für einen unerwartet kräftigen Gewinn- und Umsatzsprung.

Deutsche Euroshop macht Freude
Die Aktien der Immobilienunternehmen Deutsche Euroshop und IVG Immobilien haben unterschiedlich auf die Vorlage ihrer Quartalszahlen reagiert. Die Titel des Einkaufszentren-Betreibers Deutsche Euroshop gehören zu den Favoriten im MDax und legen knapp drei Prozent zu, während sich die Papiere von IVG Immobilien mit einem Plus von 0,6 Prozent deutlich weniger inspiriert zeigten.

Der Deutsche Euroshop konnte im ersten Quartal Umsatz und Gewinn deutlich steigern und erfüllte die Erwartungen der Analysten. IVG Immobilien hat derweil seine Probleme angepackt und arbeitet sich schrittweise aus der Krise. Der Vermieter und Entwickler großer Gebäudekomplexe kommt wie geplant bei seinem Schuldenabbau voran und sieht Fortschritte bei der Vermietung des Großprojekts Squaire am Frankfurter Flughafen.

Hamburger Hafen ist optimistisch
Ins Minus dreht die ebenfalls im MDax notierten Aktien von HHLA. Der Hamburger Hafenbetreiber hat nach einem Frachtboom zum Jahresstart die Erwartungen für das Gesamtjahr nach oben geschraubt. Containeraufkommen, Umsatz und Gewinn sollen 2011 um deutlich mehr als ein Zehntel wachsen, kündigte Vorstandschef Klaus-Dieter Peters heute an. Bislang hatte die HHLA lediglich ein Plus von zehn Prozent angekündigt. Voraussetzung sei jedoch, dass sich die Weltwirtschaft weiter so stabil entwickle wie in den vergangenen Monaten.

SMA Solar an TecDax-Spitze
Der Solartechnik-Hersteller SMA Solar hat im ersten Quartal einen deutlichen Gewinnrückgang verbucht. Das Betriebsergebnis (Ebit) brach von 92,4 Millionen Euro auf 13,7 Millionen Euro ein. Der Umsatz des TecDax-Unternehmens ging um 25 Prozent auf 255,9 Millionen Euro zurück. Trotzdem führt das Papier mit einem Aufschlag von mehr als fünf Prozent den TecDax an. Laut einer ersten Händlereinschätzung sind die Ergebnisse "viel besser als befürchtet".

Roth & Rau kann nicht überzeugen
Gar nicht punkten kann der Solarkonzern Roth & Rau. Dabei zeigt sich das TecDax-Unternehmen angesichts prall gefüllter Orderbücher zuversichtlich, seine Jahresziele zu erreichen. Der Umsatz soll auf 300 Millionen bis 325 Millionen Euro steigen, die Ergebnis-Marge im Bereich von vier bis sieben Prozent liegen, bekräftigte Konzernchef Dietmar Roth. Allerdings geht der Vorstand der vom Schweizer Rivalen Meyer Burger umworbenen Firma davon aus, dass die aktuell starke Auftragsentwicklung im zweiten Halbjahr etwas an Schwung verlieren werde.

Koenig & Bauer macht Mut
Nach oben geht es mit der Aktie des Druckmaschinenherstellers Koenig & Bauer. Der Konzern hat sein Minus im ersten Quartal auf 5,8 Millionen Euro eingedämmt. Für das Gesamtjahr erwartet KBA ein Umsatzplus im einstelligen Prozentbereich nach 1,18 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Das Vorsteuerergebnis solle nach 15,3 Millionen Euro im vergangenen Jahr moderat wachsen.

Bauer verfehlt Erwartungen
Nur knapp im Plus sind dagegen die Bauer-Aktien. Beim Tiefbauspezialist und Maschinenbaukonzern fiel laut Händlern die Marge im ersten Quartal schwächer als erwartet aus. Obwohl der Umsatz deutlich besser als erwartet ausgefallen sei, habe das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) die Erwartungen verfehlt. Der Ausblick sei bestätigt worden. Analyst Marc Nettelbeck von der DZ Bank nannte die Zahlen derweil "solide". Er ging aber nicht davon aus, dass der Quartalsbericht kurzfristig zu einer deutlichen Kursbewegung führen werde.

Jenoptik übertrifft sich selbst
Nach einem Gewinnsprung in den ersten Monaten des Jahres rechnet der Technologiekonzern Jenoptik aus dem TecDax 2011 mit dem höchsten Betriebsergebnis seit fünf Jahren. Optimistisch stimmt den Konzern dabei der Auftragseingang, der gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als ein Drittel zulegte und den Konzern über das Jahr hinaus tragen soll. "Wir sehen auch das Jahr 2012 sehr positiv", sagte Finanzvorstand Frank Einhelliger. Das freut die Anleger.

Pfleiderer vorerst gerettet
Die Gläubiger des hoch verschuldeten und defizitären bayerischen Holzverarbeiters Pfleiderer haben geschlossen für das Sanierungskonzept gestimmt und unterschrieben die entsprechenden Verträge. Pfleiderer-Aktien, zuletzt immer mehr zum Spielball von Spekulanten geworden, verteuern sich heute um mehr als zehn Prozent und sind damit der einer der größten Gewinner am deutschen Aktienmarkt.

SMT Scharf kann punkten
SMT Scharf, der Spezialist für entgleisungssichere Bahnsystemen im Bergbau, hat im ersten Quartal 2011 Umsatz und Ergebnis deutlich gesteigert. Die Umsatzerlöse erhöhten sich um 73 Prozent auf 15,2 Millionen Euro und das Betriebsergebnis stieg um 47 Prozent auf 2,1 Millionen.

MVV verliert an Schung
Der im SDax notierte Mannheimer Energiekonzern MVV Energie hat wegen des vergleichsweise milden Winters im zweiten Geschäftsquartal an Schwung verloren. Die kräftigen Zuwächse zwischen Oktober und Dezember wurden in den folgenden Monaten durch Rückgänge im Gas- und Fernwärmegeschäft nahezu komplett ausgeglichen. Im ersten Halbjahr (Oktober bis März) sank das bereinigte operative Ergebnis daher leicht um drei Prozent auf 204 Millionen Euro. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent auf 1,90 Milliarden Euro.

Tagestermine am Montag, 12. November

Unternehmen:
Lanxess: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Infineon: Q4-Zahlen, 7:30 Uhr (Jahres-Pk: 11:00 Uhr)
Euronext: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
QSC: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Talanx: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 8:00 Uhr)
Cancom: Neun-Monats-Zahlen (endgültig), 10:00 Uhr

Konjunktur:
Italien: Industrieproduktion 9/18, 10:00 Uhr
Deutschland: Ifo-Wirtschaftsklima Welt
Großbritannien: BIP Q3/18 (1. Veröffentlichung), 10:30 Uhr