Dax fällt unter 5.400 Punkte

Stand: 03.11.2009, 20:01 Uhr

Der Abwärtstrend im Dax setzte sich am Dienstag fort. Belastet von schwachen Bilanzen und von Kursverlusten in New York schloss der Dax 1,4 Prozent schwächer. Besondere Sorgen bereiteten BMW und die Banken.

Der Dax verlor im Tagesverlauf 77 Punkten und schloss 1,4 Prozent schwächer bei 5.353 Punkten. Damit hat der Leitindex, der vor knapp zwei Wochen noch stramm auf die 6.000 Zähler zustrebte, abermals eine Hundertermarke durchbrochen. Die Anleger wähnen sich auf dem Parkett offenbar nicht mehr sicher.

Dies liegt daran, dass ihre Zuversicht in die wirtschaftliche Erholung zunehmend gestört wird. Und zwar gestört von harten Fakten, den Bilanzen der Unternehmen. Dass BMW-Aktien im Dax sechs Prozent verloren, lag an der Bilanz des Münchener Unternehmens, dass Bank-Aktien schwächelten, lag an der Commerzbank-Bilanz vom Montag und der von der UBS am Dienstag.

Die Wall Street übrigens, sie erholte sich im Verlaufe des Abends etwas. Die jüngsten Autoabsatzzahlen vor allem amerikanischer Unternehmen machten wieder Mut. GM verkaufte seit fast zwei Jahren zum ersten Mal wieder mehr Autos als im Vorjahresmonat, auch Ford legte zu. Auch die deutschen Hersteller schlugen sich gut, Daimler und Porsche verkauften im Oktober mehr Autos als vor einem Jahr.

BMW allerdings enttäuschte mit einem Verkaufsminus von 19,1 Prozent in den USA und mit einem Quartalsgewinn von lediglich 78 Millionen Euro, die Automobilsparte meldete sogar Verluste. Auch beim Umsatz überzeugte BMW nicht. Auch die Aktien des BMW-Konkurrenten Daimler verloren erhebliche 4,4 Prozent. Die Nutzfahrzeugsparte werde bis auf weiteres nicht aus dem Absatztal herauskommen, teilte der Konzern mit. Der Auftragseingang werde sich auch im vierten Quartal nicht erholen, die Kurzarbeit bis mindestens Juni 2010 fortgesetzt.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,92
Differenz relativ
+0,25%

Abschreibungen belasten
Die Aktien der beiden im Dax notierten Banken, Commerzbank und Deutscher Bank, waren mit Kursabschlägen von jeweils über vier Prozent unter den großen Verlierern des Tages. Hier klang vor allem die gestrige Quartalsbilanz der Commerzbank mit einem Verlust von rund einer Milliarde Euro nach. Analysten urteilen nun, dass die Commerzbank ihre Kapitallücken kaum decken kann, ohne ihr Kapital zu erhöhen, schreckten die Anleger.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,71
Differenz relativ
-0,33%

Kursgewinne im Dax
Setzte die Konzernbilanz bei BMW die Aktie unter Druck, bewirkte sie bei den beiden Fresenius-Firmen, Metro und Beiersdorf das Gegenteil. Die vier Unternehmen legten ebenfalls Bilanzen vor und überraschten allesamt überrascht. Die defensiven Medizintechnikfirmen Fresenius und Fresenius Medical Care verbesserten sowohl Gewinn als auch Umsatz im dritten Quartal, "das defensive Geschäftsmodell zahlt sich aus", lobten Analysten. Die Metro-Bilanz fiel etwas besser als erwartet aus, obwohl der Umsatz leicht zurückging. Das Ebit lag aber etwa auf Vorjahresniveau. Beim Konsumgüterkonzern Beiersdorf gingen Umsatz und Gewinn erwartungsgemäß, aber nicht so stark wie erwartet, zurück. Anleger kauften kräftig.

Großauftrag für Bilfinger Berger
Der Baukonzern Bilfinger Berger hat einen Auftrag aus der Windbranche erhalten. Für den neuen Offshore-Windpark London Array im Mündungsgebiet der Themse soll Bilfinger Berger gemeinsam mit dem dänischen Partner Per Aarsleff die Fundamente bauen. Das Auftragsvolumen beläuft sich nach Angaben von Bilfinger Berger auf 400 Millionen Euro, der Anteil des MDax-Konzerns daran betrage 50 Prozent.

Drillisch setzt weniger um, erhöht die Prognose
Der im TecDax notierte Mobilfunkprovider Drillisch hat im dritten Quartal weniger umgesetzt als vor einem Jahr, seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr aber leicht erhöht. Im dritten Quartal gingen die Erlöse des jüngst in den TecDax aufgestiegenen Unternehmens leicht auf 89,7 Millionen Euro zurück, das Ebitda kletterte um rund zehn Prozent auf 11,5 Millionen Euro. Da sich das operative Geschäft der Firma nach ihren eigenen Angaben "nachhaltig positiv" entwickelt, erhöhte Drillisch die Gesamtjahresprognose für das Ebitda leicht auf 43 Millionen Euro.

Pfeiffer Vacuum und die Krise
Leichte Verluste verzeichnete die ebenfalls im TecDax notierte Aktie des Vakuumpumpenherstellers Pfeiffer Vacuum. Der Umsatz ging deutlich auf 38,9 Millionen Euro zurück, das Ebit brach um die Hälfte auf 5,9 Millionen Euro ein. Analysten zeigten sich vor allem von der Ergebnismarge enttäuscht.

Auch Kuka leidet weiter unter der Krise
Der Roboterbauer Kuka hat, nach den vorläufigen Zahlen vom Freitag, seine finale Quartalsbilanz bekannt gegeben. Wie bereits bekannt ging der Umsatz um rund ein Drittel auf 218 Millionen Euro zurück. Der Verlust vor Steuern und Zinsen betrug 5,1 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 20 Millionen vor einem Jahr. Kuka verwies auf die Nachfrageschwäche, die sich auch beim Auftragseingang äußere: In den ersten drei Quartalen habe der Konzern Neuaufträge in Höhe von 674 Millionen Euro verbucht, nach rund einer Milliarde Euro vor einem Jahr. Für die Aktionäre war die Bilanz keine Überraschung, die Kuka-Aktie verlor 0,6 Prozent.

Bosch stockt bei Aleo Solar auf
Der Industriekonzern Bosch hat sein Solargeschäft weiter ausgebaut. Das schwäbische Unternehmen kaufte weitere fünf Prozent an der Solarfirma Aleo Solar und stockte seinen Anteil damit auf knapp 69 Prozent auf. Das Ziel, mehr als 75 Prozent an Aleo Solar zu übernehmen, hatte Bosch Ende September aufgegeben.

Viacom profitiert vom Kino
Der amerikanische Medienkonzern Viacom hat im dritten Quartal die Markterwartungen klar geschlagen. Getragen von Erfolgen mit Kinofilmen wie "Transformers" und "G.I. Joe" stieg der Nettogewinn von 401 Millionen Dollar auf nun 463 Millionen Dollar. Analysten hatten fast ein Zehntel weniger erwartet. Der Umsatz verringerte sich leicht auf 3,32 Milliarden Dollar.

Hohe Verluste bei EOP Biodiesel
Das Biodieselunternehmen EOP Biodiesel hat seine Aktionäre mit einer Verlustmeldung schockiert. Das Unternehmen meldete, dass im bereits Ende Juni zu Ende gegangenen Geschäftsjahr ein so hoher Verlust angefallen sei, dass dieser nicht mehr durch das Eigenkapital gedeckt sei. Der Grund für diesen ungewöhnlich hohen Verlust seien Abwertungen bei der österreichischen Tochter Abid Biotreibstoffe. EOP verschob die Veröffentlichung des Jahresberichtes für 2008/2009 bis zum Jahresende. Der Aufsichtsrat feuerte zudem das Führungsmanagement und setzte eine neue Mannschaft ein. Die Aktie brach stark ein und schloss fast ein Drittel schwächer.

Unitymedia strebt an die Börse
Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia will möglicherweise noch dieses Jahr an die Börse gehen. Die Eigentümer des zweitgrößten Netzbetreiber Deutschlands, BC Partners und Apollo Management, wollen Kreisen zufolge bis Mitte November über einen IPO entscheiden. Angepeilt sei die Platzierung eines Minderheitenanteils, der ein Volumen von rund einer halben Milliarden Euro haben könne, hieß es.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 18. September

Unternehmen
Stihl: Jahreszahlen, 11:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Rede von EZB-Präsident Mario Draghi in Paris, 9:15 Uhr
USA: NAHB-Index 9/18, 16:00 Uhr