Marktbericht 20:02

Schwache Konjunkturzahlen aus Amerika Dax fällt und fällt

Stand: 03.02.2014, 20:02 Uhr

Schwache Konjunkturdaten aus den USA und die anhaltende Sorge vor den Währungsturbulenzen in den Schwellenländern haben den Anlegern am Montag einen harten Dämpfer versetzt.

Zwar hatte der Dax noch am Nachmittag einen kurzen Erholungsversuch über die Marke von 9.300 Punkten gestartet, doch die endete prompt mit der überraschend kräftigen Eintrübung der Konjunktur in den USA. Der vom Institute for Supply Management (ISM) ermittelte Einkaufsmanagerindex der Industrie sank im Januar auf 51,3 Punkte, nach 56,5 Punkte im Dezember. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem leichten Dämpfer gerechnet.

Heftige Verluste auch in New York

Der Dax dreht daraufhin ins Minus und rutscht in der Spitze bis auf 9.173 Punkte ab. Am Ende geht der Leitindex bei 9.186 Punkten aus dem Handel, ein Minus von 1,29 Prozent oder 119 Punkten. Noch größere Enttäuschung herrscht an der Wall Street wo der Dow Jones seine Verluste nach Veröffentlichung des ISM-Index immer weiter ausweitet. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Leitindex bereits 1,7 Prozent tiefer bei 15.430 Punkten, nachdem er bereits im Januar mehr als 5 Prozent eingebüßt hat. Außer dem Pharmakonzern Pfizer notierten alle anderen Dow-Werte im Minus.

Marktexperte Ulrich Wortberg von der Helaba zeigte sich enttäuscht und sprach von einem überraschend deutlichen Stimmungsrückgang, der Zweifel über die Robustheit des konjunkturellen Aufschwungs in den USA aufkommen lasse. Allerdings dürfte der Rückgang des ISM auch dazu führen, dass die Spekulationen über eine fortgesetzte Drosselung der Anleihekäufe durch die Notenbank Fed nachlassen.

Als Belastung erweisen sich zudem die Währungsturbulenzen in den Schwellenländern. Sie werden von vielen Anlegern als der Beginn einer tiefgreifenden Konjunkturkrise betrachtet. Die Emerging Markets, die immer wichtiger für die Weltwirtschaft geworden sind, leiden angesichts der strafferen US-Geldpolitik unter massiven Kapitalabflüssen. Gleichzeitig verliert auch die chinesische Wirtschaft immer mehr an Schwung.

Europas Industrie geht es besser

Auftrieb kommt dagegen aus Europa. Der vom Forschungsinstitut Markit erhobene Einkaufsmanagerindex stieg im Januar um 1,3 Punkte auf 54,0 Zähler und damit auf den höchsten Stand seit Mai 2011. Bis auf Frankreich scheint die Industrie in allen großen Euroländern wieder zu wachsen.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro ist am Montag Achterbahn gefahren. Nach einem kurzen Schwächeanfall unter die Schwelle von 1,35 Dollar stürmt er nach den schlechter als erwartet ausgefallen ISM-Zahlen wieder in die Höhe. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,3515 Dollar.

Defensiv und K+S

Im Dax setzen die Anleger vor allem auf "defensive" Werte wie den des Pharmakonzerns Merck, des Dialyse-Spezialisten FMC oder des Konsumgüter-Herstellers Henkel. Auch Aktien des Düngemittel-Produzenten K+S gewinnen - hier sorgt eine Kaufempfehlung durch das Analysehaus Liberum wegen des "positiven Chartbildes" für Nachfrage.

Coba bald ohne Last aus Spanien?

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Größter Verlierer im Dax ist dagegen die Aktie der Commerzbank. Dabei ist das Geldhaus laut der "WirtschaftsWoche" beim Verkauf spanischer Kredite der Hypothekentochter Eurohypo vorangekommen. Zum Verkauf stehen danach die gesamten spanischen Immobilienfinanzierungen im Volumen von mehr als vier Milliarden Euro. Die Finanzinvestoren Apollo und Cerberus sind offenbar interessiert.

Cancom weiter in der Wolke

Im TecDax büßt die Aktie des IT-Dienstleisters Cancom deutlich ein. Dabei hat das Unternehmen sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Ergebnis sein Wachstum im vergangenen Jahr weiter beschleunigt und nicht nur das stärkste vierte Quartal, sondern auch das beste Geschäftsjahr in der Unternehmensgeschichte erzielt. Allerdinngs hatten die Anleger die gute Entwicklung bereits vorweggenommen.

Aurubis noch rot

Im MDax ist die Aurubis-Aktie ans Indexende gerutscht. Der größte europäische Kupferkonzern hat auch im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres (30.9.) noch einen Verlust gemacht, von operativ 2,5 Millionen Euro. Im Vorjahr war noch ein Gewinn bei 140 Millionen Euro entstanden. Das Ergebnis sei weiterhin durch die Nachwirkungen eines Stillstands der Anlagen und durch schwache Preise gekennzeichnet, heißt es in einer Mitteilung. Es sei zu einigen Verzögerungen beim Anfahren der Produktion gekommen. Seit Beginn des neuen Kalenderjahres zeigten die Märkte aber Erholungstendenzen.

Immowelt bald zu Springer?

Axel Springer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Axel Springer will laut einem Pressebericht das Online-Portal Immowelt übernehmen. Der Medienkonzern wolle dieses dann mit dem eigenen Internetangebot Immonet zusammenführen. Die Verhandlungen hätten begonnen, nachdem Springer beim Verkauf der Telekom-Tochter Immobilienscout nicht zum Zuge gekommen war, berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf Branchenkreise. Immowelt gehört zur Marktgruppe und damit den Medienhäusern Ippen, Funke und Proserv Medien. Beide Unternehmen liegen dem Bericht zufolge beim Marktanteil weit hinter Immoscout.

Südzucker durchbricht Abwärtstrend

Im MDax sind die Papiere von Südzucker der größte Kursgewinner. Die Aktie setzt ihre Erholung der vergangenen Handelstage fort und hat laut Analysten ihren mittelfristigen Abwärtstrend durchbrochen. Experten sehen bei leicht ansteigenden Zuckernotierungen am Terminmarkt einen weiteren Grund für den Kursanstieg.

RTL nach Kommentaren unter Druck

Unter Druck geraten ist dagegen die im MDax notierte Aktie des Medienkonzerns RTL Group. Grund ist eine Herabstufung durch Goldman Sachs, deren Analyst der RTL-Aktie die Kaufempfehlung entzog, den fairen Wert der Aktie aber bei 101 Euro beließ. Durch die Herabstufung hat sich die seit Tagen ohnehin schwächelnde Aktie weiter von diesem Niveau entfernt. Händler sprachen deshalb von einer "merkwürdigen" Entscheidung des Bankexperten. Das Papier kann sich denn auch von seinem Tagestief erholen.

Ryanair hebt ab

Der Preiskampf in Europas Luftfahrt macht selbst Ryanair zu schaffen. Europas größter Billigflieger rutschte zwischen Oktober und Dezember in die roten Zahlen, nachdem er mit billigeren Tickets mehr Kunden in seine Flugzeuge gelockt hatte. Dennoch sieht Unternehmenschef Michael O'Leary das jüngst gesenkte Gewinnziel für das Geschäftsjahr bis Ende März nicht in Gefahr. Auch die Nachfrage für die kommenden Monate sehe gut aus. Die Aktie hebt ab.

Centrotec mit Umsatzrückgang

Centrotec: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Abwärts geht es mit der Aktie des Heizungs- und Lüftungsspezialisten Centrotec aus dem SDax. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr mit 525 Millionen Euro knapp zwei Prozent weniger erlöst als im Jahr zuvor. Wie Centrotec am Montag mitteilte, wurde das operative Ergebnis leicht auf 35,2 Millionen Euro gesteigert. Der Konzern will künftig von Aufträgen profitieren, die ein neues Programm zur energetischen Sanierung von Gebäuden möglicht macht. Die Aktie verliert am Montag leicht.

Bankia überwindet Krise

Das spanische Geldhaus Bankia kommt langsam aus der Krise. Nach einem milliardenschweren Verlust 2012 wies die Bank im vergangenen Jahr einen Gewinn von 512 Millionen Euro aus, wie Bankia am Montag mitteilte. Da das verstaatlichte Geldhaus zum Ende des Jahres noch einmal in der Bilanz aufräumte, fiel der Gewinn allerdings schwächer aus als Analysten der Bank zugetraut hatten.

Verbio erhöht die Prognose

Kräftig zulegen kann die Aktie des Bioenergieunternehmens Verbio. Für das Geschäftsjahr 2013/2014 wird ein Ebitda von 30 Millionen bis 35 Millionen Euro und ein Ebit in der Bandbreite von 3 Millionen bis 8 Millionen Euro erwartet. Zuletzt ging das Unternehmen von einem Ebitda von 25 Millionen Euro und einem weitestgehend ausgeglichenen Betriebsergebnis aus. Grund ist die über den Erwartungen liegende Geschäftsentwicklung.

lg

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USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen 08/18 vorläufig, 16 Uhr