Marktbericht 20:02 Uhr

Starker US-Arbeitsmarkt überrascht Dax: Euro-Talfahrt verleiht Flügel

Stand: 06.11.2015, 20:02 Uhr

Der US-Jobmotor brummt viel kräftiger als erwartet. Das verbessert die Chancen auf eine Zinserhöhung im Dezember - und stärkt den Dollar gegenüber dem Euro. In der Folge beflügelt die geschwächte Gemeinschaftswährung den Dax.

Während die guten US-Arbeitsmarktdaten an der New Yorker Börse eher verhalten aufgenommen wurden, drehte der Dax unmittelbar nach Veröffentlichung der Zahlen ins Plus und kletterte in der Spitze bis auf 11.055 Punkte. Zuvor hatte er noch 0,2 Prozent im Minus bei 10.867 Zählern notiert. Am Ende scheiterte er aber an der 200-Tage-Linie und geht bei 10.988 Zählern aus dem Handel, 0,92 Prozent oder 100 Punkte höher als am Vortag.

Marktexperten erklären den Kursanstieg mit dem gleichzeitig deutlich unter Druck geratenen Euro. Die Gemeinschaftswährung fiel nach Veröffentlichung der Arbeitsmarktzahlen wie ein Stein um über einen Cent auf zuletzt 1,073 Dollar, nachdem er zuvor bei 1,0883 Dollar notiert hatte.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Die deutlich besser als erwartet ausgefallenen Zahlen haben nämlich die Aussicht auf eine Zinswende im Dezember weiter verbessert. Der Präsident der Fed von St. Louis, James Bullard, sieht die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung im Dezember nun bei fast 80 Prozent. Die Ängste, die die Fed noch im September von der Zinswende abgehalten hätten, seien weitgehend verschwunden, sagte der Notenbanker.

Zuletzt hatte Fed-Chefin Janet Yellen betont, eine Zinserhöhung im Dezember sei durchaus im Bereich des Möglichen. Aus ihrer Sicht dürfte die US-Wirtschaft stark genug sein, um die Zinswende zu verkraften. Eine Entscheidung darüber soll auf dem nächsten Zins-Treffen der Fed am 15. und 16. Dezember fallen.

Verhaltene Reaktion in New York

Weil ein deutlich gefallener Euro die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte aus der Eurozone verbessert, ist auch der mit exportabhängigen Industriewerten bestückte deutsche Leitindex kräftig ins Plus gedreht.

Ganz anders in New York. Dort sorgt die robuste Konjunktur zwar für Erleichterung, doch die Aussicht auf eine Zinswende im Dezember auch die Stimmung getrübt. Gleichzeitig rückt auch die Sorge vor einem zu starken Dollar wieder in den Vordergrund. So gab der Dow Jones-Index der Standardwerte gleich in den ersten Handelsminuten etwas nach. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend schafft es der Dow hauchdünn ins Plus bei 17.871 Punkten.

Experten ermutigen Fed

Aus Sicht der Metzler Bank kann man die amerikanische Notenbank nur ermutigen, endlich zur Tat zu schreiten. "Es wäre nicht zuletzt auch ein Vertrauensbeweis, dass die (noch immer) größte Volkswirtschaft der Welt wieder Tritt gefasst hat", schreiben die Analysten in einem Kommentar. Andere Analysten äußerten sich ähnlich: "Im Ergebnis lässt der überraschend gute Arbeitsmarktbericht für Oktober der US-Notenbank kaum eine andere Wahl, als im Dezember das Einläuten der Leitzinswende zu beschließen", schrieb Chefvolkswirt Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg. Ulrich Stephan von der Deutschen Bank ist überzeugt, dass eine Zinswende positiv auf die Aktienmärkte wirken dürfte. "Gefährlicher wäre ein Zurückzucken der Zentralbank aufgrund einer abflauenden US-Wirtschaft“.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch Gold unter Druck

Neben dem Euro hat der starke Dollar auch den Goldpreis am Freitag unter Druck gesetzt. Das in der US-Devise notierte Edelmetall verbilligte sich um bis zu 1,6 Prozent auf ein Drei-Monats-Tief von 1086 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Allianz unter Druck

Im Dax ist die Allianz-Aktie bis zum späten Nachmittag der größte Verlierer. Mit einem operativen Ergebnis von 2,45 Milliarden Euro im dritten Quartal – ein Rückgang von 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – blieb der Versicherungsriese hinter dem Marktkonsens zurück. Finanzvorstand Dieter Wemmer sieht das Unternehmen dennoch auf Kurs zu seinen Jahreszielen. Kurz vor Börsenschluss gerät dann die Henkel-Aktie noch stärker unter Druck, wegen einer Herabstufung durch Credit Suisse.

Adidas: Rückschlag nach Rekordjagd

Auch die Adidas-Aktie steht auf der Verliererseite weit oben, nachdem sie am Vortag noch um 8,6 Prozent in die Höhe gesprungen war. Das heutige Minus ist einer Studie der Credit Suisse geschuldet. Die hat die Titel des Sportartikel-Herstellers auf "Underperform" gesenkt. Die Analysten der UBS bleiben hingegen bei ihrer Kaufempfehlung und erwarten nun mit 98 Euro sogar einen neuen Rekordkurs.

Lufthansa-Aktie erholt

Zu den größten Gewinnern im Dax gehört dagegen Lufthansa - trotz des heutigen Streikbeginns der Flugbegleiter. Betroffen sind seit 14 Uhr alle Flüge von Frankfurt und Düsseldorf. Größter Gewinner im Dax ist jedoch die BMW-Aktie. Sie profitiert von dem deutlich günstigerem Euro.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Hapag-Lloyd knapp über Ausgabepreis

Die Reederei Hapag-Lloyd hat am Freitag endlich den Sprung an die Börse geschafft. Dabei schließt das Papier allerdings bei 20,21 Euro nur knapp über dem Ausgabepreis von 20 Euro. Die Zeichnungsfrist für die Aktie musste um eine Woche verlängert und der Ausgabepreis herabgesetzt werden.

Osram: Noch ein Chinese

Die im MDax notierte Aktie von Osram gehört ebenfalls zu den Gewinnern. Am Morgen wurde bekannt, dass ein weiteres chinesisches Unternehmen Interesse an der Glühbirnensparte von Osram bekundet. Der Leuchtdioden-Ausrüster MLS wolle für das zum Verkauf stehende Geschäftsfeld bieten, teilten die Asiaten am Freitag mit. Osram begrüßte den Vorstoß. "Wir sehen weiterhin großes Interesse an dem Asset und haben den Verkaufsprozess bereits gestartet", sagte ein Osram-Sprecher.

Puma dämpft Spekulationen

Im SDax sorgt die Puma-Aktie für Kauflaune, nachdem Spekulationen aufgekommen waren, der französische Eigner Kering könnte sich von dem Unternehmen trennen. Chef Björn Gulden hat den Spekulationen allerdings einen Dämpfer versetzt. "Ich habe keine Indikation, dass sie verkaufen wollen", sagte Gulden am Freitag in einer Telefonkonferenz auf die Frage, ob er von derartigen Überlegungen des französischen Luxusgüterkonzerns wisse.

Rhön-Klinikum bekräftigt Jahresziele

Rhön-Klinikum: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Derweil hat der Krankenhausbetreiber Rhön seine Jahresziele bekräftigt. Für 2015 rechnet der Vorstand unverändert mit einem Umsatz zwischen 1,08 und 1,12 Milliarden Euro sowie einem Betriebsergebnis (Ebitda) zwischen 145 und 155 Millionen Euro. Nach dem Verkauf von 43 Kliniken an den Rivalen Helios betreibt Rhön nun noch zehn Kliniken an fünf Standorten.

Richemont unter Druck

Der Luxusgüterhersteller Richemont, zu dem Edelmarken wie Cartier, Mont Blanc und Chloé gehören, profitierte zwar im ersten Halbjahr mit einem starken Umsatzanstieg vom schwachen Euro. Der Start in das vierte Quartal glückte allerdings nicht. Im zweiten Halbjahr rechnet Richemont mit einem anhaltend "herausfordernden" Marktumfeld, dies insbesondere im Großhandel. Richemont-Aktien sacken um überr acht Prozent ab.

Geht Syngenta mit Dupont zusammen?

Übernahmespekulationen haben am Freitag die Aktie des Schweizer Pflanzenschutz- und Saatgutherstellers Syngenta beflügelt. Die Anteilsscheine legten an der Börse in Zürich um fast vier Prozent auf gut 350 Franken zu. Wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen berichtete, spricht Syngenta mit DuPont über einen möglichen Zusammenschluss mit der Agrarsparte des US-Chemiekonzerns.

ArcelorMittal wieder tiefrot

Die Geschäfte des weltgrößten Stahlherstellers ArcelorMittal haben sich im dritten Quartal dramatisch verschlechtert. Das Unternehmen stürzte wieder tief in die roten Zahlen. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 711 Millionen Dollar, vor einem Jahr gab es zumindest noch einen kleinen Gewinn von 22 Millionen Dollar. Der Vorstand musste zudem seine Jahresprognose erneut senken.

Disney macht Satz nach oben

Beim US-Unterhaltungsriesen Walt Disney klingeln dank guter TV-Geschäfte und sprudelnder Einnahmen durch Fanartikel und Vergnügungsparks weiter die Kassen. Der Überschuss kletterte im vergangenen Geschäftsquartal bis Anfang Oktober im Jahresvergleich um sieben Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar. Der Umsatz wuchs um neun Prozent auf 13,5 Milliarden Dollar.

Telefonica mit Gewinnschwund

Die Geschäfte des Telekomkonzerns Telefonica auf dem Heimatmarkt Spanien ziehen erstmals seit Beginn der Finanzkrise wieder an. Der Umsatz legte dort um 0,2 Prozent zu - das ist der erste Anstieg seit 2008. Insgesamt sank der Nettogewinn des Konkurrenten der Deutschen Telekom im Sommerquartal allerdings um 1,9 Prozent auf 884 Millionen Euro.

Sanofi: Sparen um jeden Preis?

Der französische Pharmahersteller Sanofi will sparen und denkt über den Verkauf seiner Tiermedizin-Tochter Merial und des europäischen Generika-Geschäfts nach. Es würden "strategische Optionen" für die beiden Bereiche geprüft. Merial gehöre zwar zu den profitabelsten Unternehmen in seinem Bereich, doch die Synergien mit anderen Sanofi-Geschäftsbereichen seien begrenzt.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 16. Oktober

Unternehmen:
Merck: Kapitalmarkttag, 8.30 Uhr
Johnson & Johnson: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Morgan Stanley: Quartalszahlen Q3, 13 Uhr
Goldman Sachs: Quartalszahlen Q3, 13.30 Uhr
Telekom Austria: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
IBM: Quartalszahlen Q3, 22 Uhr
Netflix: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
TomTom: Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
China: Erzeugerpreise / Verbraucherpreise, 3.30 Uhr
EU: Handelsbilanz, 11 Uhr
Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Industrieproduktion / Kapazitätsauslastung, 15.15 Uhr
USA: NAHB-Index, 16 Uhr