Marktbericht 20:02 Uhr

Über 10.600 Punkte Dax: Es sind doch noch Käufer da

Stand: 10.10.2016, 20:02 Uhr

Die Erholung der Finanzwerte, allen voran der Deutschen Bank, sowie der erneute Sieg von Hillary Clinton im zweiten TV-Duell gegen Donald Trump haben die Stimmung an den Aktionmärkten zum Auftakt der zweiten Oktoberwoche aufgehellt.

Zwar dauerte es eine Weile bis sich die Anleger in Frankfurt entspannten, weil Deutsche Bank-Chef John Cryan am Wochenende entgegen früheren Hoffnungen doch keine Einigung mit den US-Justizbehörden über die drohende Strafzahlung von 14 Milliarden Dollar erzielt hat. Doch nach den anfänglichen Enttäuschungen darüber wagten sich einige Anleger doch aus der Deckung und griffen bei den Bank-Aktien zu. Das half auch dem Dax, der am späten Vormittag schließlich ins Plus drehte. Im weiteren Verlauf weitet das Börsenbarometer seine Gewinne weiter aus und geht scchließlich bei 10.624 Punkten aus dem Handel, 1,27 Prozent oder 133 Punkte mehr als am Freitag.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 19.00 Uhr

Rückenwind bekommt das Börsenbarometer auch vom robusten deutschen Außenhandel. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind die deutschen Ausfuhren im August zum Vormonat so stark gestiegen wie seit über sechs Jahren nicht mehr. Die Zuwächse waren sowohl innerhalb wie auch außerhalb der Europäischen Union deutlich. Auch die Importe, ein Indikator für die Binnennachfrage, legten zu. Das hat die Erwartungen deutlich übertroffen.

Dow legt ebenfalls zu

Befeuert werden die Kurse in Frankfurt schließlich von der Wall Street. Der Dow Jones-Index eröffnet im Plus und kann im weiteren Verlauf seine Gewinne noch etwas ausbauen. Börsianer sahen nach dem zweiten Fernsehduell der Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump die Demokratin als Siegerin. Das gab den Märkten Auftrieb, weil sie als berechenbarer gilt als ihr Rivale von den Republikanern. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow wieder 0,6 Prozent höher bei 18.350 Zählern, nachdem er kurzt bis auf 18.399 Punkte geklettert war.

"Der Risikoappetit der Anleger steht klar im Zusammenhang mit den Chancen von Hillary Clinton auf einen Wahlsieg", sagte ein Marktbeobachter. Folge an den Finanzmärkten war zum Beispiel, dass der mexikanische Peso deutlich von den sinkenden Gewinnchancen für Donald Trump profitierte, nachdem der Republikaner wegen früherer sexistischer Äußerungen in die Defensive geraten war. Die Währung des Nachbarlands der USA gilt als Stimmungsbarometer für den Wahlkampf, weil es von einem Sieg Trumps besonders stark betroffen wäre

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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12.679,43
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-0,68%

Neue Impulse erhoffen sich die Investoren zudem in den kommenden Tagen, wenn in den USA die Berichtssaison der Unternehmen für das dritte Quartal beginnt.

Euro deutlich unter 1,12 Dollar

Etwas Unterstützung bekommen die Kurse am Montag auch vom Euro. Der muss seine morgendlichen Gewinne wieder abgeben und rutscht auf 1,1151 Dollar ab. Vom Devisenmarkt kommen keine wegweisenden Impulse: Der wegen seiner Bedeutung für den Yen-Carry-Trade viel beachtete Dollar/Yen-Kurs notiert aktuell knapp oberhalb der Marke von 103 Yen – und ist damit von einem "Risk off"-Signal für die Aktienmärkte weiterhin weit entfernt.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1598
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-0,39%
US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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112,98
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Ölpreise steigen

Die Ölpreise helfen ebenfalls. Ein Fass der Nordseesorte Brent ist am Nachmittag auf den höchsten Stand des Jahres geklettert: 52,95 Dollar. Russland sucht nach Worten von Präsident Wladimir Putin den Schulterschluss mit dem Ölförderkartell Opec. In der aktuellen Lage sei eine Obergrenze oder sogar eine Drosselung der Fördermenge wohl die einzig richtige Entscheidung, um die Stabilität des weltweiten Energiesektors zu sichern, sagte Putin am Montag auf einer Energiekonferenz in Istanbul.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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72,93
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-0,10%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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69,09
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+0,58%

Deutsche Bank: Cryan hofft auf Einigung vor den US-Wahlen

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10,33
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-0,23%

Die Sorge vor einer hohen Strafe für die Deutsche Bank in den USA hat zu Wochenbeginn deutlich abgenommen. Nach anfänglichen Verlusten drehen die Papiere des Geldhauses kräftig ins Plus und gehören mit einem Zugewinn von über drei Prozent zu den stärksten Werten im Dax. Doch die 14 Milliarden Dollar schwere Strafforderung aus den USA schwebt weiter wie ein Damoklesschwert über dem Geldhaus. Konzernchef John Cryan hatte bei seinen Gesprächen über das Wochenende keine Einigung mit der US-Justiz erreicht. Er hofft aber möglichst bis zur US-Wahl Anfang November den Streit mit einem Vergleich beizulegen.

Ernüchterung bei Innogy und RWE

Einen Handelstag nach dem mit großem Rummel begleiteten Börsengang von Innogy herrscht zu Wochenbeginn Ernüchterung: Die Aktien der "grünen" Tochtergesellschaft von RWE fallen unter den ausgabekurs von 36 Euro, nachdem Analystenkommentare eher verhalten ausfielen. Bereits am Freitag hatten die Papiere nur mit Mühe auf dem Ausgabekurs von 36 Euro geschlossen. Auch bei den Anteilsscheinen der Innogy-Muttergesellschaft RWE hielt die jüngste Talfahrt an: Die Aktien knüpfen an ihr Minus von mehr als sieben Prozent vor dem Wochenende an und sind heute die schwächsten Werte im Dax.

ThyssenKrupp und Salzgitter mit Rückenwind von der EU

Zu den stärksten Werten im Dax gehören die Aktien von ThyssenKrupp. Die Deutsche Bank hat die Einstufung auf "Buy" mit einem Kursziel von 24 Euro belassen. Noch kräftiger legen die Salzgitter-Aktien zu. Sie sind die mit Abstand größten Kursgewinner im MDax. Auch sie profitieren von positiven Analystenstudien sowie von der Verhängung neuer Strafzölle durch die EU zur Abwehr von Stahl-Billigimporten aus China.

Osram: Chinesen haben Interesse

Dagegen ist die im MDax notierte Osram-Aktie ins Minus gedreht. Der chinesische Halbleiterkonzern San'an Optoelectronics hat offiziell sein Interesse an der einstigen Siemens-Tochter bekundet. Es habe erste Kontakte gegeben, um eine Übernahme oder eine Kooperation auszuloten, teilte San'an am Montag mit. Details etwa zum Preis seien bislang aber kein Thema gewesen. "Es sind auch keine bindenden Vereinbarungen getroffen worden." Osram wollte sich dazu nicht äußern. Über eine mögliche Übernahmeofferte aus China für den Leuchtenhersteller wird seit längerem spekuliert.

Nemetschek wird ehrgeiziger

Im TecDax ist die Nemetschek-Aktie der mit Abstand stärkste Wert. Das Software-Unternehmen hat seine Umsatz- und Ebitda-Prognose für das laufende Geschäftsjahr erhöht. Die Erlöse werden nun bei 338 bis 341 Millionen Euro gesehen. Das Ebitda wird jetzt zwischen 89 und 91 Millionen Euro erwartet.

Übernahme von Chorus perfekt

Die Übernahme des Solaranlagen- und Windparkbetreibers Chorus Clean Energy ist perfekt. 94,4 Prozent der Aktionäre von Chorus hätten die Offerte des Rivalen Capital Stage letztlich angenommen, teilte dieser am Montag in Hamburg mit. Nach dem Übernahmerecht könnte Capital Stage damit die übrigen Aktionäre der erst seit einem Jahr an der Börse gelisteten Chorus zwangsweise abfinden und das Unternehmen vom Kurszettel streichen. Solche Pläne gebe es aber nicht, bekräftigte ein Sprecher von Capital Stage.

Samsung: Probleme bei Galaxy Note 7 freuen Apple

Bei Samsung nimmt das Desaster um brennende Akkus bei dem neuen Smartphone-Flaggschiff Galaxy Note 7 immer verheerendere Ausmaße an. Der Weltmarkführer hat laut einem Insider die Produktion des Geräts, das eigentlich Apple mit seinem iPhone unter Druck setzen sollte, zunächst komplett gestoppt. Medienberichten vom Montag zufolge reagieren die Südkoreaner damit darauf, dass auch ein wegen Brandgefahr schon ausgetauschtes Exemplar vergangene Woche an Bord eines Flugzeugs Feuer fing. Für Apple-Anleger sind diese Nachrichten natürlich ein Grund zur Freude.

Swiss Life: Auf Expansionskurs

Der Lebensversicherer Swiss Life verstärkt sich im Immobiliengeschäft. Der Schweizer Konzern kauft die Immobilienanlagefirma Mayfair Capital Management, wie die Londoner Gesellschaft am Montag mitteilte. Mayfair verwaltet mit 16 Mitarbeitern Investments von rund einer Milliarde Pfund. Den Kaufpreis legten die Parteien nicht offen.

Tesla: Wie groß ist die Gefahr?

Ein Gutachten warnt dem "Spiegel" zufolge vor dem Fahrassistenzsystem im "Model S" des Elektroauto-Pioniers Tesla. Von dem System gehe eine erhebliche Verkehrsgefährdung aus, heißt es unter Berufung auf ein internes Gutachten im Auftrag des Verkehrsministeriums. Ressortchef Alexander Dobrindt kenne das Papier, wolle den Wagen aber entgegen dem Rat seiner Fachleute nicht stilllegen lassen.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr