Dax erobert Schallmauer zurück

Mark Ehren

Stand: 13.02.2008, 20:02 Uhr

Am Abend haben die deutschen Standardwerte deutlich an Boden gewonnen. Der L-Dax übersprang die runde Marke von 7.000 Punkten. Kursgewinne in Amerika sorgten für Kauflaune.

Treibende Kraft waren die US-Konjunkturdaten, die die Ängste vor einer Rezession in den Hintergrund drängten. Im Januar stiegen die Einzelhandelsumsätze in den USA überraschend um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat, wie das US-Handelsministerium am Mittwoch mitteilte. Volkswirte hatten dagegen im Durchschnitt mit einem Minus von 0,3 Prozent gerechnet. Das beflügelte die Aktien des US-Handelsriesen Wal-Mart. "Die Zahlen stärken die Position derjenigen, die sagen, dass wir um eine Rezession herumkommen", sagte ein Marktbeobachter. Im Schlepptau sprangen deutsche Einzelhandelswerte wie Metro und Arcandor ebenfalls an.

Der L-Dax beendete den Handel um 20.00 Uhr bei 7.005 Punkten und damit 32 Zähler oberhalb des Xetra-Dax. Die Postbank-Aktie konnte ihre Verluste Abend eingrenzen. Das Institut wird seine vorläufigen Geschäftszahlen für 2007 bereits am Freitag vorlegen. Ursprünglich wollte das zur Deutschen Post gehörende Institut erst am 5. März die Zahlen veröffentlichen.

An der Dax-Spitze lagen die Aktien des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) und der Commerzbank. Die Investmentbank JP Morgan hat zwar ihr Kursziel für HRE von 36,00 auf 28,90 Euro und für Commerzbank-Aktien von 36,53 auf 28,12 Euro gesenkt. Die Aktienkurse berücksichtigten mit ihren Abschlägen zum Nettovermögenswert bereits viele Belastungen. Dadurch gebe es Erholungspotenzial, hieß es.

Thyssen will Gewinneinbruch trotzen

Der größte Dax-Verlierer war ThyssenKrupp. Der größte deutsche Stahlkonzern hat nach dem Gewinneinbruch im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 seine Prognose bekräftigt. Der Konzern erwartet weiter ein Ergebnis vor Steuern und wesentlichen Sondereffekten von mehr als drei (Vorjahr: 3,8) Milliarden Euro.

Nach der vorläufigen Rettung war die Aktie der schwer angeschlagenen Mittelstandsbank IKB nicht mehr zu halten. Das Papier legte im Abendhandel auf dem Frankfurter Börsenparkett zeitweise rund 35 Prozent auf 7,46 Euro zu, nachdem es während des Xetra-Handels noch bei 5,86 Euro geschlossen hatte. Das MDax-Mitglied erhält ein Rettungspaket mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro. Das beschloss am Mittwoch der Verwaltungsrat der staatlichen KfW-Bankengruppe.

Hochtief besser als gedacht
Unter den MDax-Gewinnern fand sich die Hochtief-Aktie. Trotz Verlusten im europäischen Dienstleistungsgeschäft hat Deutschlands größter Baukonzern im abgelaufenen Jahr die Erwartungen deutlich übertroffen. Der Konzerngewinn sei 2007 um 57 Prozent auf rund 140 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Hochtief selbst hatte mehr als 100 Millionen Euro anvisiert, von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit 109 Millionen Euro gerechnet.

Zu den schwächsten Werte im MDax gehörten die Papiere des Autozulieferers Leoni. Zwar bestätigte Sal. Oppenheim nach den gestrigen Jahreszahlen seine Kaufempfehlung. Doch gleichzeitig reduzierten die Analysten ihr Kursziel von 48 auf 40 Euro. Man habe angesichts der trüber werdenden Konjunkturaussichten die Gewinnprognosen gekürzt, hieß es.

Rhön-Klinikum fällt in Ungnade
Der Klinikbetreiber Rhön Klinikum hat im abgelaufenen Geschäftsjahr bei einem Umsatzanstieg das operative Ergebnis um fast zehn Prozent gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um 9,6 Prozent auf 160,1 Millionen Euro, teilte das MDax-Unternehmen mit. Damit lag Rhön leicht unter den Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit 163,3 Millionen Euro gerechnet hatten. Die Rhön-Aktie war der größte Verlierer im MDax.

Solar-Party im TecDax
Im TecDax lief es für Solarworld überdurchschnittlich gut. Der Branchenprimus hat sich mehrere langfristige Aufträge aus dem Ausland mit einem Gesamtvolumen von 500 Millionen Euro gesichert. Um die Siliziumversorgung zu sichern, habe Solarworld mit dem koreanischen Produzenten DC Chemical einen Vertrag zur Lieferung von Solarsilizium in einem Volumen von 600 Megawatt geschlossen. Von der Meldung profitierten auch Branchenkollegen wie Conergy und Q-Cells.

Für H&R Wasag geht es abwärts
Die Aktien des Spezialchemieunternehmens H&R Wasag setzten ihre Kursverluste vom Vortag fort. Zeitweise wurde sogar der tiefste Stand seit Dezember 2005 markiert. Händler sprachen von Anschlussverkäufen nach der Gewinnwarnung und den rundherum enttäuschenden Zahlen vom Vortag. Außerdem stufte die UniCredit die Aktien von "Buy" auf "Sell" und reduzierte das Kursziel von 25 auf 12 Euro.

SCM erreicht Gewinnzone
Zweistellig zulegen konnte die Aktie der deutsch-amerikanischen SCM Microsystems. Der Anbieter von PC Security-Produkten kündigte einen Gewinn für das abgelaufene vierte Quartal an. Die Umsätze des vierten Quartals lägen voraussichtlich zwischen 9,1 und 9,8 Millionen Dollar und damit über den bisherigen Vorhersagen von 7,5 bis 9,0 Millionen Dollar. Im laufenden Jahr rechnet SCM wieder im schwarzen Zahlen. Das Unternehmen "erwartet derzeit sowohl einen operativen als auch einen Nettogewinn für das Gesamtjahr", teilte das Unternehmen mit.

Die Anteilsscheine des Druckmaschinenherstellers Koenig & Bauer bekamen am Abend einen deutlichen Schub. Das Unternehmen hat den dritten Großauftrag im neuen Jahr gemeldet. Das US-Medienhaus New York Daily News hat eine Großanlage bestellt, die im Herbst 2009 die Produktion aufnehmen soll.

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