Dax erobert die 7.000 zurück

Stand: 10.12.2010, 20:02 Uhr

Dank kräftiger Kursgewinne der Autowerte hat der Dax erneut die Marke von 7.000 Punkten geknackt. Gestützt wurde der Markt auch vom überraschend gestiegenen Verbrauchervertrauen in den USA. Doch die Anleger bleiben vorsichtig.

Börsianer sprachen von einem eher lustlosen Handel. Tatsächlich blieb der Umsatz deutlich unter dem Volumen der vergangenen Tage. Dem Dax gelingt es jedoch auch am Abend die psychologisch wichtige Hürde von 7.000 Punkten zu überwinden.

Der Leitindex schließt knapp 0,6 Prozent (41 Punkte) höher bei 7.009. Damit hat das Börsenbarometer in dieser Woche um 0,8 Prozent zugelegt. Im heutigen Tagesverlauf war der Dax immer wieder knapp unter die Marke von 7.000 gerutscht.

Leichte Kursgewinne gibt es auch an den US-Börsen. Bei Börsenschluss in Deutschland steht der Dow-Jones-Index rund 25 Punkte höher bei 11.394 Punkten.

Der unerwartete Anstieg des von der Uni Michigan und Reuters ermittelten US-Verbrauchervertrauens konnte den Märkten nicht auf die Sprünge helfen. Dabei stieg der Dezember-Index nach vorläufigen Berechnungen auf 74,2 Punkte von 71,6 Zählern im Vormonat und damit auf den höchsten Stand seit Juni. Volkswirte hatten im Schnitt mit 72,5 Punkten gerechnet.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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146,72
Differenz relativ
+1,95%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,45
Differenz relativ
-0,08%

Autos heiß begehrt
In Frankfurt standen die Papiere der Autokonzerne BMW, Daimler und Volkswagen in der Gunst der Anleger ganz oben. Daimler lagen dabei auf dem höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Spekulationen über einen schwächeren Automarkt in China hatten die Titel in den letzten Tagen belastet und die Anleger zu Gewinnmitnahmen veranlasst.

VW teilte mit, man werde in diesem Jahr erstmals mehr als sieben Millionen Fahrzeuge rund um den Globus verkaufen. Volkswagen profitiere überdurchschnittlich stark vom weltweiten Aufschwung an den wichtigen Automärkten. Bis Ende November habe VW weltweit 6,59 Millionen Fahrzeuge verkauft. Dies sei ein Plus von 12,7 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum. Im November legten die Verkäufe am weltweiten Automarkt demnach 10,3 Prozent zu, bei VW um 16,2 Prozent.

Beiersdorf vergrault die Anleger
Der mit Abstand größte Verlierer im Dax ist die Aktie von Beiersdorf. Der Hamburger Konsumgüterkonzern will in den nächsten Jahren massiv in die Neuausrichtung investieren und bringt damit seine Gewinnmargen unter Druck. Sauer reagieren die Anleger vor allem auf die gesenkte Prognose. Der Konzern geht eigenen Angaben zufolge davon aus, dass bis 2012 Aufwendungen in Höhe von rund 270 Millionen Euro anfallen. Davon werden 120 Millionen Euro 2010 wirksam. Die Umsatzrendite auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern wird dadurch im Gesamtjahr nur noch rund 9 Prozent betragen und nicht wie zuvor angenommen 11 Prozent. Der Konzernumsatz soll um 2 bis 3 Prozent steigen und damit ebenfalls etwas weniger als zuletzt erwartet.

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
59,22
Differenz relativ
-1,33%

Zementhersteller unter Druck
Die Aktie von HeidelbergCement verliert in der Spitze mehr als vier Prozent, kann bis zum Börsenschluss ihre Verluste aber auf 1,7 Prozent begrenzen. Neben Gewinnmitnahmen sorgt ein Verfahren der EU-Kommission für Verunsicherung. Die Behörde ermittelt wegen des Verdachts auf Preisabsprachen in der Zementbranche. Neben HeidelbergCement sind sieben weitere Zementhersteller betroffen. Bereits im November 2008 wurden erste Untersuchungen in dieser Angelegenheit durchgeführt. HeidelbergCement geht davon aus, den Verdacht widerlegen zu können.

Auch der Baustoffhersteller Dyckerhoff muss Federn lassen. Das Unternehmen muss wegen einer Beteiligung in den USA Abschreibungen vornehmen, die das Ergebnis nach Steuern um gut 48 Millionen Euro vermindern. Die Vorzugs-Aktie der mehrheitlich von dem italienischen Unternehmen Buzzi Unicem kontrollierten Firma legt trotzdem zu.

Deutsche Börse schreibt erneut ab
Der Börsenbetreiber Deutsche Börse muss auf seine unter niedrigen Handelsvolumina leidende US-Tochter International Securities Exchange (ISE), einer Optionsbörse, 450 Millionen Euro abschreiben. Dadurch wird der diesjährige Konzernüberschuss um 220 Millionen Euro gemindert. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Konzern 400 Millionen Euro auf die ISE abgeschrieben. Trotzdem will die Deutsche Börse eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividende von 2,10 Euro zahlen. Die Aktie des Eschborner Unternehmens legt zu.

ThyssenKrupp hat große US-Pläne
Der Stahlkonzern hat für fünf Milliarden Dollar ein neues Stahlwerk im Bundesstaat Alabama gebaut. "Unser Ziel ist ein Marktanteil in den USA von über fünf Prozent", sagte Vorstandschef Ekkehard Schulz bei der Eröffnung. Im Edelstahlbereich wolle ThyssenKrupp in den USA, Kanada und Mexiko den Marktanteil von derzeit gut 15 Prozent ausbauen. Die Aktie gehört dennoch zu den größten Verlierern im Dax. Belastend wirken Meldungen über drohende Sanktionen in Brasilien. Außerdem hat MacQuarie ThyssenKrupp auf "Neutral" gesenkt und das Kursziel mit 31,50 Euro angegeben.

Hapag-Eigner wollen bei Börsengang aussteigen
Bei einem Börsengang von Hapag-Lloyd wollen sich Kreisen zufolge neben der langjährigen Mutter Tui noch weitere Eigentümer von ihren Anteilen trennen. Die beiden Banken MM Warburg und HSH Nordbank dürften ihre Anteile im Zuge einer Platzierung ebenfalls verkaufen, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen der Agentur Reuters. Kreisen zufolge will der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne im Zuge der Platzierung seinen Anteil aufstocken und etwas unter 25 Prozent an Hapag halten. Neben ihm soll noch ein weiterer Ankerinvestor gefunden werden, der bereit ist, etwa zehn Prozent der Anteile zu übernehmen.

Hochtief schließt Kapitalerhöhung ab
Das Emirat Katar ist neuer Anteilseigner des deutschen Baukonzerns Hochtief, der sich gegen eine Übernahme durch den spanischen Angreifer ACS wehrt. Die Kapitalerhöhung, mit der Hochtief das Emirat als neuen Großaktionär mit ins Boot genommen hatte, sei beim Amtsgericht Essen eingetragen worden, teilte Hochtief am Abend mit. Katar halte nunmehr 9,1 Prozent am Grundkapital von Hochtief. ACS hatte am 1. Dezember ein Übernahmeangebot für Hochtief vorgelegt, es läuft bis zum 29. Dezember.

Morphosys an TexDax-Spitze
Unangefochtener Spitzenreiter im TecDax ist die Aktie von Morphosys. Das Biotechnologieunternehmen hat seine Geschäftsprognose für das laufende Jahr angehoben und rechnet nun mit einem operativen Jahresergebnis von bis zu 16 Millionen Euro. Der Umsatz soll bis zu 94 Millionen Euro erreichen. Morphosys begründete die verbesserte Prognose mit der Übernahme von Sloning Biotechnology im Oktober.

Belohnt werden auch die Aktionäre des Medizintechnikkonzerns Carl Zeiss Meditec. Der will in diesem Jahr eine Sonderdividende ausschütten. Neben der regulären Dividende von 0,22 Euro gebe es für Anteilseigner eine Sonderausschüttung von 0,33 Euro je Aktie, teilte das Unternehmen bereits gestern nach Börsenschluss mit. Grund ist die hervorragende Geschäftsentwicklung.

Tom Tailor gefragt
Das im SDax notierte Textilunternehmen Tom Tailor kann immer mehr punkten. Die Modefirma setzte im vergangenen Monat 15 Prozent mehr um als vor einem Jahr. Dabei habe man das durchschnittliche Marktwachstum von lediglich fünf Prozent abermals "deutlich übertroffen". Die Aktionäre begrüßen die Meldung mit einem kräftigen Kursplus.

Partrizia kauft zu
Die Immobiliengesellschaft Patrizia geht neue Wege und kauft erstmals seit der Firmengründung 1984 hinzu. Übernommen wird die LB Immo Invest GmbH, eine Tochter der krisengeplagten HSH Nordbank, wie Patrizia mitteilte. Vorstandsmitglied Klaus Schmitt deutete an, dass der Preis zwischen 30 und 40 Millionen Euro liege und in bar beglichen werde. Gleichzeitig peilt das Unternehmen für dieses Jahr vor Steuern und Zinsen einen Gewinn von zwölf bis 13 Millionen Euro an. Die Aktie legt leicht zu.

United Internet kauft zurück
Im Rahmen eines neuen Aktienrückkaufprogramms will United Internet bis zu vier Millionen Aktien (rund 1,67 Prozent des Grundkapitals) über die Börse zurückkaufen. Auf Basis des aktuellen Börsenkurses von 11,60 Euro müsste United Internet dafür gut 46 Millionen Euro ausgeben. Das Unternehmen hält bereits 20 Millionen eigene Aktien, rund 8,3 Prozent des Grundkapitals.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"