Marktbericht 20:02 Uhr

Kräftige Erholung der Versorger Dax erobert alte Marke zurück

Stand: 09.10.2015, 20:02 Uhr

Angetrieben von der Aussicht auf unverändert niedrige Leitzinsen in den USA und einer kräftigen Erholung der "Schwarzen Schwäne" RWE und Volkswagen, hat der Dax die Woche mit einem kräftigen Plus beendet. Ob das wohl so weitergeht?

Der Dax beendet die Woche bei 10.096 Punkten, 103,5 Zähler oder 1,03 Prozent mehr als am Vortag. Damit hat der Leitindex in der abgelaufenen Woche 5,69 Prozent zugelegt - der größte Wochengewinn seit Dezember 2011. "Die schlechten Konjunkturdaten der vergangenen Wochen haken die Börsen mehr und mehr ab und klammern sich wieder einmal an den Strohhalm Geldpolitik", sagte Analyst Andreas Paciorek vom Broker CMC Markets.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr

Tatsächlich kann sich die amerikanischee Notenbank derzeit einfach nicht zu einer Leitzinserhöhung durchringen. Aus dem am Vorabend veröffentlichten Protokoll der September-Sitzung war hervorgegangen, dass die Zentralbanker auf dem Weg zur Zinswende Hürden sehen. Vor allem die konjunkturelle Entwicklung in China ist zu unsicher. Damit könnte eine Zinswende in den USA noch bis 2016 auf sich warten lassen, schätzen Marktexperten.

Das würde bedeuten, dass die weiterhin zum Nulltarif zur Verfügung gestellte Liquidität vorerst erhalten bleibt. In Europa sind die Aussichten nicht schlecht, dass die EZB ihre Anleihekäufe aufstockt oder die ursprüngliche Frist verlängert. Davon profitieren vor allem Aktien. Gestützt wurde der Dax am Freitag auch von der kräftigen Erholung seiner Problemkinder Volkswagen, RWE und Deutsche Bank.

Dow pendelt um Vortagesschluss

Nachdem der Zinsoptimismus bereits am Donnerstag die Stimmung der Anleger an der Wall Street aufgehellt hatte, pendelt der US-Leitindex am Freitag um seinen Schlusskurs vom Vortag bei 17.050 Punkten. Dabei bestätigen die am Freitag veröffentlichten Daten zu den US-Importpreisen, dass die Fed keinen Druck habe, die Zinsen anzuheben.

Marktexperten bezweifeln aber, dass die Aktienrally weiter gehen wird, ist die derzeitige Bodenbildung doch noch nicht abgeschlossen. "Erst bei einer Rückeroberung der unteren Trendkanallinie bei momentan 10.150 Zählern könnte die Erholung fortgesetzt werden", meint Christian Henke von IG-Markets.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Rückschläge drohen auch von den in der neuen Woche erwarteten Quartalsberichten der Wall Street-Banken. Experten erwarten, dass der weltweite Einbruch an den Märkten im dritten Quartal die Erträge der Banken unter Druck gebracht hat.

Euro über 1,13 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro ist am Freitag nach starken Konjunkturdaten aus Frankreich gestiegen. Bei Börsenschluss notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,1363 Dollar und damit gut einen halben Cent höher als am Morgen. Die Kursgewinne beim Euro setzten ein, nachdem Frankreich am Morgen einen überraschend starken Anstieg der Industrieproduktion gemeldet hatte. Beflügelt wird der Euro auch durch die Aussicht auf unverändert niedrige Zinsen in den USA.

VW mit neuem Ressort

Der schwer angeschlagene Volkswagen-Konzern will offenbar ein neues Vorstandsressort für Compliance und Recht schaffen. Für Christian Strenger, einen der bekanntesten Fachleute für Corporate Governance, ein nachvollziehbarer Schritt, vor allem um den Amerikanern zu signalisieren, dass VW ernsthafte Aufklärung betreibt.

Außerdem fallen die starken Kursgewinne der VW-Stammaktien auf. Zeitweise legen diese rund 15 Prozent zu. An der Börse machen Gerüchte die Runde, laut denen sich der Großaktionär Porsche Holding mit den Papieren eindeckt. Auch die im Dax notierten Vorzugsaktien, legen mit drei Prozent überdurchschnittlich zu.

RWE und Eon weiter gefragt

Die Aktien der Versorger RWE und Eon haben ihre zuletzt kräftige Erholung fortgesetzt und gehören zu den stärksten Werten im Dax. In der vergangenen Woche hatten der RWE-Kurs bei 9,126 Euro und der Eon-Kurs bei 7,076 Euro die tiefsten Stände seit mindestens Mitte der 1990er Jahre markiert. Seither haben sich beide um jeweils rund ein Drittel verteuert.

Lufthansa enttäuscht

Schwächster Wert im Dax ist die Lufthansa-Aktie. Die erneuten Pilotenstreiks haben im September-Geschäft des Konzerns Spuren hinterlassen. Die Zahl der Fluggäste ging zum Vorjahr konzernweit um 0,3 Prozent auf 10,25 Millionen zurück. Auch waren die Maschinen leerer als im Vorjahresmonat. Von 100 Sitzen in einem Flieger waren im Schnitt 83 besetzt - ein Minus von 0,7 Prozentpunkten. Gleichzeitig sanken die Preise für Tickets wie in den Vormonaten deutlich.

Porsche: Ein Drittel mehr Autos verkauft

Porsche hat im September fast ein Drittel mehr Autos verkauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Den neuesten Zahlen zufolge lieferte die Stuttgarter VW-Tochter weltweit 20.475 Autos an Kunden aus, wie Porsche am Freitag mitteilte. Das ist ein Plus von 29 Prozent im Vergleich zu Vorjahresmonat. Den größten Zuwachs verbuchte Porsche in Europa, wo der Hersteller um 51 Prozent zulegte.

Carl Zeiss Meditec: Ergebnis verhagelt

Beim Medizintechnik-Hersteller Carl Zeiss Meditec verhagelt eine Abschreibung das Ergebnis. Das Unternehmen rechnet mit einer Sonderbelastung von rund 20 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2013/14 hatte Carl Zeiss vor Zinsen und Steuern (Ebit) ein Plus von knapp 121 Millionen Euro erzielt, im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15 sollte eine operative Ebit-Marge zwischen 13 und 15 Prozent erzielt werden. Vergangene Woche hatte das Unternehmen mitgeteilt, das eigene Umsatzziel mit 1,04 Milliarden Euro übertroffen zu haben. Entsprechend gelassen reagieren die Anleger.

Givaudan befruchtet auch Symrise

Die Papiere des Aromen- und Duftstoffherstellers Symrise steigen im MDax um gut zwei Prozent. Der Schweizer Konkurrent Givaudan hatte am Morgen überraschend starke Umsatzzahlen vorgelegt.

Aixtron will LED zurückdrängen

Der Spezialmaschinenbauer Aixtron will seine Abhängigkeit von der LED-Industrie deutlich zurückfahren, weil es seit Jahren rote Zahlen schreibt. "Bis 2019 wollen wir über 50 Prozent unseres Umsatzes mit Produkten abseits des LED-Markts erzielen", sagte Goetzeler der "Börsen-Zeitung". "Mein Ziel ist es, das Unternehmen auf mehrere Säulen zu stellen." Die Aixtron-Aktie legt um mehr als vier Prozent zu.

Wechsel im SDax

Im SDax gibt es einen außerplanmäßigen Wechsel zum 13. Oktober. Das Immobilienunternehmen ADO Properties ersetzt die ebenfalls in der Immobilienbranche tätige DO Deutsche Office. Grund ist Übernahme von DO durch den Konkurrenten Alstria Office. Dadurch hat DO nur noch weniger als zehn Prozent Streubesitz, was ein Ausschlusskriterium für die Mitgliedschaft in den großen Dax-Indizes ist.

Schaeffler meistert sein IPO

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler ist ab heute an der Börse notiert. Der erste Kurs lag mit 13,50 Euro über dem Ausgabepreis von 12,50 Euro. Schlusskurs ist 13,15 Euro. Wegen der holprigen Börsenentwicklung hat Schaeffler nur knapp ein Milliarde Euro bei dem Börsengang erlöst. Ursprünglich hatten es 2,5 Milliarden sein sollen.

lg

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"