Marktbericht 20:02 Uhr

Gewinnmitnahmen Dax: Erneute Reise in den Süden

Stand: 08.06.2016, 20:02 Uhr

Der Erholungskurs im Dax währte nur kurz: Nach dem starken Vortag haben Anleger am Mittwoch Gewinne mitgenommen. Auch die leicht positive Wall Street lieferte nicht genügend Rückenwind.

Dennoch halten sich die Verluste in Grenzen. Nach dem Rutsch auf ein Tagestief von 10.177 Zählern geht der Dax am Ende bei 10.217 Punkten aus dem Handel, 0,7 Prozent oder 70,6 Punkte weniger als am Vortag. Schwache Exportdaten aus China, die anhaltende Sorge vor einem Brexit sowie ein Wiedererstarken des Euro haben die Kurse belastet. Zudem gab es von Unternehmensseite keine Kaufimpulse.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 20.15 Uhr

Wie es in den nächsten Tagen weitergehen könnte lässt sich schwer prognostizieren. Einige Marktexperten glauben, dass es zu keinem nachhaltigen Anstieg der Kurse kommen kann, weil sich die institutionellen Anleger wie die Fondsgesellschaften, mit neuen Engagements zurückhalten. Dies dürfte bis zum Referendum der Briten am 23. Juni auch so bleiben. Chancen eröffnen sich dagegen für kurzfristig agierende Trader. Sie können die volatilen Märkte besser nutzen als Value-Anleger.

Aus charttechnischer Perspektive sieht es besser aus. Die Experten der Bank HSBC prognostizieren gar ein Wiedersehen mit den jüngsten beiden Dax-Hochs bei 10.365 und 10.474 Punkten. Tatsächlich hat der Dax gestern die bei 10.095 Punkten liegende, charttechnisch bedeutende 200-Tage-Linie überwunden und auch heute gehalten, was den Markt perspektivisch stützen sollte. Voraussetzung für weiter steigende Kurse sei allerdings, so die Charttechniker, dass der Dax nicht unter 10.100 Punkte falle.

Wall Street nur kurz über 18.000

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.066,41
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-1,58%

An der Wall Street bescheren die weiter steigenden Ölpreise den Aktienmärkten weitere, allerdings bescheidene Kursgewinne. Der Dow Jones-Index überspringt im frühen Handel erneut die Marke von 18.000 Punkten, die er bereits am Vortag kurz getestet hatte. Im weiteren Verlauf muss er einen Teil der Gewinne aber abgeben und rutscht wieder unter die magische Marke. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert er nure noch 0,22 Pozent höher bei 17.977 Zählern.

Euro fast bei 1,14 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1384
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-0,59%

Der Eurokurs ist am Dienstag weiter gestiegen. Die europäische Gemeinschaftswährung klettert am Nachmittag über die Marke von 1,14 Dollar, rutscht bis zum Börsenschluss aber wieder leicht darunter. Gestützt wird der Euro nach wie vor durch die Aussicht einer allenfalls langsamen Straffung der US-Geldpolitik.

Ölpreise ziehen weiter an

Auch die Ölpreise bleiben im Aufwind. Öl der Sorte Brent kostete angesichts des Förder-Rückgangs in Nigeria in Folge von Anschlägen auf Öl-Einrichtungen rund ein Prozent mehr als am Dienstag und mit 52,24 Dollar pro Fass so viel wie seit Oktober nicht mehr. Dazu trug auch ein Anstieg der Ölimporte nach China bei. Händlern zufolge nährt das die Hoffnung, dass sich die Wirtschaft dort stabilisiert. Händler nannten vor allem das derzeit verringerte Angebot in zahlreichen Förderländern wie beispielsweise Nigeria als Grund für die jüngsten Preisanstiege.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
63,17
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-5,18%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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54,18
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-4,83%

EZB schiebt Versorger an

Zu den wenigen Dax-Gewinnern gehören die Aktien der beiden Versorger Eon und RWE. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte unter Berufung auf informierte Personen berichtet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihr neues Kaufprogramm für Firmenanleihen mit Versorgerpapieren begonnen habe. Die EZB will Anleihen von Unternehmen aus der Eurozone für geschätzte 3 bis 5 Milliarden Euro im Monat aufkaufen. Deutsche Bank-Chefvolkswirt Folkerts-Landau äußerte sich ausgesprochen kritisch zur Geldpolitik und nannte den Kauf von Anleihen einen "Akt der Verzweiflung“.

Daimler: LKW-Sparte wird verschlankt

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
49,78
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-1,33%

Seine Gewinne von gestern wieder abgeben muss dagegen Daimler. Dabei will das Unternehmen die Kosten in der Nutzfahrzeugsparte kräftig senken. So soll die Produktionszeit pro Fahrzeug bis 2018 um ein Viertel sinken, kündigte Lkw-Spartenchef Stefan Buchner bei einer Investorenkonferenz an. Gleichzeitig werde die Produktpalette um ein Drittel entschlackt, um durch höhere Stückzahlen Kosten zu senken. Wegen der Flaute in Amerika streicht der Weltmarktführer für Schwerlaster in diesem Jahr außerdem Tausende Stellen.

BASF: Agrarsaktor groß genug

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,16
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-4,14%

Abwärts geht es auch mit den BASF-Aktien. Der Chemieriese sieht sich von der geplanten Übernahme seines Kooperationspartners Monsanto durch Bayer nicht beeinflusst. "Wir sind nicht in die Ecke getrieben", sagte der stellvertretende Konzernchef Martin Brudermüller. BASF habe ein sehr profitables, innovatives Pflanzenschutzgeschäft mit einer vollen Pipeline. "Wir lassen uns nicht ins Bockshorn jagen von dem, was um uns herum im Agrosektor passiert." Zudem sei das Pflanzenschutzgeschäft von BASF "auch nicht ganz klein".

Deutsche Bank-Vorstand gibt auf

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,15
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-4,80%

Der Chef der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank, Quintin Price, gibt seinen Posten bereits nach wenigen Monaten aus gesundheitlichen Gründen auf. Der Aufsichtsrat habe in seiner Sitzung am Mittwoch dem Wunsch des Managers entsprochen, seinen Vertrag zum 15. Juni aufzulösen, teilte der Dax-Konzern in Frankfurt mit. Price hatte sich bereits im April eine Auszeit genommen.

Stada dementiert Verkaufsgespräche

Im MDax büßen die Aktien des Generikaherstellers Stada zeitweise mehr als vier Prozent ein. Das Unternehmen hat erstmals seit dem Aufkommen von Übernahme-Spekulationen Verkaufsgespräche mit dem Finanzinvestor CVC dementiert. "Es gibt und gab keine Gespräche mit CVC über eine Übernahme von Stada", sagte ein Konzernsprecher. Bisher hatte Stada sich nicht zu diesem Thema geäußert.

Heidelberger Druck macht Hoffnung

Der Vorstandschef des angeschlagenen Maschinenbauers Heidelberger Druckmaschinen gibt sich nach Jahren der Krise wieder optimistisch. "Nun nähern wir uns einer normalen Geschäftstätigkeit an", sagte Gerold Linzbach anlässlich der Vorlage der Jahreszahlen. HeidelDruck will künftig jedes Jahr um zwei bis vier Prozent wachsen. Vorläufige Zahlen gab es bereits im Mai. Der Konzern ist wieder in der Gewinnzone.

BayWa ex Dividende

Das Papier des Agrarunternehmens aus dem SDax wird heute mit Dividendenabschlag gehandelt. Dieser beträgt 0,85 Euro. Rechnerisch ergäbe sich ein Abschlag von 2,8 Prozent, bezogen auf den gestrigen Schlusskurs von 30,26 Euro.

Amazon setzt auf Indien

Der Konzern will in Indien weitere drei Milliarden Dollar investieren, um dann auf eine Investitionssumme von geplant mehr als fünf Milliarden Dollar zu kommen. Dies kündigte Firmenchef Jeff Bezos beim Besuch des indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi in den USA an.

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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1.340,87
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+0,84%

Die drittgrößte asiatische Volkswirtschaft nach China und Japan sei für den US-Internetkonzern mittlerweile die am schnellsten wachsende Region. In der indischen Metropole Hydrabad soll Bezos zufolge demnächst das größte Software-Entwicklungszentrum von Amazon außerhalb der USA entstehen.

Yahoo verkauft weiteres Tafelsilber

Der krisengeplagte Internetpionier Yahoo will nach einem Bericht des "Wall Street Journal" rund 3.000 Patente zu Geld machen, hauptsächlich aus der Gründerzeit. Yahoo hatte im März mitgeteilt, mit dem Verkauf von Patenten und Immobilien ein bis drei Milliarden Dollar einnehmen zu wollen. Auch das Kerngeschäft des Internet-Pioniers steht zum Verkauf.

lg

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat