Dax erneut niedriger erwartet

Lothar Gries

Stand: 17.12.2007, 08:00 Uhr

Die Hoffnung auf eine Jahresendrally am deutschen Aktienmarkt scheint sich zu zerschlagen. Negative Vorzeichen aus Amerika und Japan sorgen auch hierzulande für gedrückte Stimmung.

Der deutsche Aktienmarkt dürfte heute mit deutlichen Abschlägen in die Woche starten. Händler erwarten den Dax am Morgen 1,33 Prozent tiefer bei 7.842 Zählern. Grund für den neuerlichen Abschwung sind die Kursverluste am Freitag an der New Yorker Wall Street. In Japan rutschte der Nikkei-Index gar um 1,71 Prozent ab.

Belasten dürften zudem neue Horrormeldungen von der Kreditkrise. Meldungen zufolge muss die Schweizer Bank UBS im ersten Quartal 2008 neue Abschreibungen in Höhe von 4,5 Milliarden Franken (2,7 Milliarden Euro)vornehmen. Auch die Aktien des australischen Immobilienkonzerns Centro Properties sind wegen Finanzierungsproblemen im Zusammenhang mit der Krise um mehr als 70 Prozent eingebrochen. Börsianer erwarten deshalb Kursverluste im gesamten Bankensektor. Allerdings könnten positive Konjunkturdaten aus den USA, wie die am Nachmittag erwarteten Konsumausgaben, den Trend auch wieder umkehren.

RWE laufen die Kunden weg

Einem Unternehmenssprecher zufolge wechseln derzeit Zehntausende RWE-Kunden den Stromanbieter. Anlass sei die mit Wirkung zum ersten Januar angekündigte Anhebung der Tarife um knapp zehn Prozent. Als Reaktion auf die Kündigungswelle bietet der Konzern seinen Kunden eine Preisgarantie für drei Jahre an.

United Internet will keine Übernahme
Der Internet-Dienstleister United Internet will Freenet und Versatel vorerst nicht komplett übernehmen. In den Aktienkursen beider Firmen sei zuviel Übernahmephantasie eingepreist, sagte United-Internet-Chef Ralph Dommmermuth dem "Handelsblatt". Deswegen könne er sich eine Übernahme momentan nicht vorstellen, weder bei Freenet noch bei Versatel, sagte er.

Continental verkauft weniger Reifen
Das milde Wetter drückt das Geschäft mit Winterreifen. "Wir werden das Jahr bestenfalls mit einem Minus von 17,4 Prozent im Winterreifenabsatz beenden", sagte Peter Hülzer, Chef des Reifenhändlerverbands. Im November seien die Bestellungen um 45 Prozent eingebrochen. "Das ist zwar keine große Überraschung, positiv für die Aktien von Conti ist es aber auch nicht", sagten Börsianer.

Nordex verfehlt Umsatzziel
Der Windanlagenbauer Nordex wird sein Umsatzziel für das laufende Geschäftsjahr möglicherweise verfehlen. Die rechtzeitige Fertigstellung von zwei Windparks in Italien vor Jahresende stehe wegen schlechter Wetterbedingungen infrage, sagte Unternehmenschef Thomas Richterich der "Financial Times Deutschland ". Nordex wollte in diesem Geschäftsjahr die Erlöse um etwa die Hälfte auf 760 bis 770 Millionen Euro steigern. Bereits im dritten Quartal hatte das Unternehmen Investoren mit Projektverzögerungen enttäuscht. Mittelfristig jedoch will Nordex weiter um 50 Prozent jährlich wachsen.

Isra Vision überrascht positiv
Das auf die industrielle Bildverarbeitung spezialisierte Unternehmen hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/2007 einen Jahresüberschuss von 5,1 Millionen Euro erzielt und damit seine zuvor revidierte Prognose übertroffen. Der Konzernumsatz ist um acht Prozent auf 51,3 Millionen Euro angewachsen. Isra Vision hatte im Juli den Aachener Wettbewerber Parsytec übernommen.

Centro Properties brechen ein
Der australische Immobilienkonzern Centro Properties hat wegen der weltweiten Kreditmarktkrise Probleme bei der Refinanzierung. Daher sei möglicherweise ein Umbau des Unternehmens notwendig, teilte der fünftgrößte Besitzer und Manager von Einzelhandels-Immobilien in den USA mit. Zudem müssten die Ertragsziele 2008 gesenkt werden. Die Aktien des Konzerns, der Immobilien-Anlagen im Wert von knapp 16 Milliarden Euro hält, brachen daraufhin um 73 Prozent ein.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat