Dax erneut im Bann der Konjunktur

Stand: 02.05.2012, 20:00 Uhr

Enttäuschende Arbeitsmarktzahlen aus den USA und eine weitere Verschlechterung der Konjunktur in Südeuropa haben den Anlegern die anfangs gute Stimmung gehörig verdorben.

Nachdem der Dax in der Früh bis auf 6.875 Punkte geklettert war, muss er bis zum Mittag seine Gewinne vollständig wieder abgeben und rutscht dann wegen der schlechteren US-Arbeitsmarktzahlen ins Minus. Zeitweise fällt der Leitindex auf 6.664 Punkte. Bis zum Handelsende kann er sich aber etwas erholen und schließt bei 6.710 Punkten, gut 50 Punkte oder 0,75 Prozent unter dem Schluss vom Montag.

Im Abendhandel beruhigen sich die Gemüter etwas, so dass der Dax seine Verluste auf 0,5 Prozent verringern kann und schließlich bei 6.737 Punkten den Tag beendet.

Auch an der Wall Street verringern sich die Kursverluste im Handelsverlauf etwas. Nachdem der Dow Jones-Index zunächst unter die charttechnisch wichtige Marke von 13.200 Punkten gefallen war, reduziert er seine Verluste und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt bei13.254 Punkten, 25 Zähler oder 0,2 Prozent weniger als gestern.

In den USA ist die Beschäftigung im Privatsektor im April nicht so deutlich gestiegen wie erwartet. "Eine kleine Abschwächung war zu erwarten, aber sicherlich nicht in dieser Größenordnung", sagte Aktienhändler Markus Huber von ETX Capital.

US-Industrie schwächelt
"Offenbar neigen die US-Konzerne wieder stärker zur Vorsicht und stellen nur sehr zögerlich neue Leute ein." Im Monatsvergleich war die Zahl der Beschäftigten im Privatsektor um 119.000 geklettert, Volkswirte hatten allerdings mit einem Zuwachs um 170.000 Beschäftigte gerechnet.

Zuvor hatte sich schon die Stimmung in der Industrie der Eurozone deutlich verschlechtert. Besonders enttäuschend wurden Einkaufsmanager-Indizes aus Italien und Spanien aufgenommen. Sie standen damit im Gegensatz zu dem ISM-Index aus den USA, der am Morgen noch für die kräftigen Kursgewinne beim Dax verantwortlich gemacht wurde.

Dass die US-Industrie weiter schwächelt, belegt auch der Rückgang der Auftragseingänge im März um 1,5 Prozent im Monatsvergleich. Es war das größte Auftragsminus der vergangenen drei Jahre.

Fresenius gibt Rätsel auf
Fresenius haben sich am Mittwoch an die Spitze des Dax gesetzt. Sie legen 2,8 Prozent zu. Einen genauen Grund für den Anstieg konnten Händler nicht nennen. Einer tippte auf mögliche positive Überraschungen bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen am morgigen Donnerstag. Allerdings hatte Fresenius bereits in der vorigen Woche Einblick in seine Bilanz gegeben. Ein anderer vermutete, dass sich einige Anleger mit der Aktie wieder eindeckten, nachdem die Titel im Zuge des Übernahmeangebots für Rhön-Klinikum unter Druck geraten waren.

Eon rutscht ab
Dagegen steht die Aktie von Eon auf der Liste der Verlierer. Dabei hat der Energiekonzern im ersten Quartal deutlich mehr verdient. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte auf rund 3,8 Milliarden Euro geklettert sein, nach 3,5 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Zudem erwartet Eon einen Überschuss von rund 1,7 (Vorjahr: 1,3) Milliarden Euro. Der Konzern bekräftigte seine Prognose, wonach das Ebitda im Gesamtjahr zwischen 9,6 und 10,2 Milliarden Euro liegen werde und der nachhaltige Überschuss zwischen 2,3 und 2,7 Milliarden Euro.

Fuchs erwartet Rekord
Im MDax kommen Fuchs-Aktien nach guten Quartalszahlen weiter voran, hinken aber den Papieren des Maschinenbauers Dürr und denen der Immobilienfirma Gagfah deutlich hinterher. Der familiengeführte Mannheimer Schmierstoffhersteller aus Mannheim hat das operative Ergebnis (Ebit) um 7,6 Prozent auf 72,5 Millionen Euro gesteigert, das ist deutlich mehrt, als im Vorfeld von Analysten erwartet worden war. Und 2012 soll ein Rekordjahr werden.

Vestas erschreckt Nordex
Kräftig nach unten geht es mit den Aktien der Windturbinenhersteller. Die Nummer eins der Branche, Vestas, ist zu Jahresbeginn noch weiter in die Krise gerutscht. Hohe Kosten und verzögerte Projekteinnahmen drückten den dänischen Konzern zu Jahresanfang noch tiefer in die roten Zahlen. Nach Angaben vom Mittwoch weitete sich der Verlust auf 245 Millionen Euro aus. Vor einem Jahr war das Minus mit 69 Millionen Euro noch nicht einmal ein Drittel so groß. Branchenexperten hatten die Lage bei Vestas nicht so gravierend eingeschätzt und äußerten sich entsetzt.

Dialog will noch profitabler werden
Der im TecDax notierte Halbleiterhersteller Dialog Semiconductor will seine Profitabilität im laufenden Jahr weiter schrittweise steigern. "Wir verbessern unsere Kostenbasis und reduzieren die Produktionskosten mit unseren Zulieferern", sagte der Vorstandschef Jalal Bagherli der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Diese Schritte dürften sich, "im Laufe des Jahres in einer schrittweisen Verbesserung der Margen niederschlagen." Zum Jahresende werde das Unternehmen wesentlich profitabler sein. Im ersten Quartal war die Bruttomarge für das Unternehmen überraschend früh im Jahr auf 36,9 Prozent des Umsatzes gestiegen.

UBS gefällt trotzdem
Die Schweizer Großbank UBS hat im Auftaktquartal trotz gut laufender Geschäfte mit reichen Kunden nur halb so viel verdient wie im Vorjahr. Steigende Gewinne in der Vermögensverwaltung und im Privatkundengeschäft konnten einen Verlust im schwankungsanfälligen Investmentbanking nur teilweise ausgleichen. Der Reingewinn sank im ersten Quartal wegen der Neubewertung eigener Schulden auf 827 Millionen Franken (690 Millionen Euro) von 1,8 Milliarden Franken im Jahr zuvor. Obwohl Analysten mehr erwartet hatten, sprang die Aktie um sechs Prozent nach oben. Aktienhändler verwiesen auf die überraschend gute Geschäftsentwicklung einzelner Sparten und die Aussicht auf eine Dividende.

Facebook-Aktien schon im Mai?
Medienberichten zufolge könnte der geplante Börsengang schon bald nach dem 28. Geburtstag von Gründer Mark Zuckerwatte am 14. Mai stattfinden. Die Rede ist von einem möglichen Börsengang am 18. Mai. Die Road-Shows sollen schon nächste Woche beginnen. Über den IPO-Termin wird schon seit längerem heftig spekuliert. Es dürfte der größte Börsengang aller Zeiten werden. Der Wert von Facebook wird auf 75 bis 100 Milliarden Dollar geschätzt.

Mastercard immer beliebter
Der Kreditkartenunternehmer Mastercard hat im ersten Quartal seinen Gewinn um 21 Prozent auf unterm Strich 682 Millionen Dollar gesteigert. Weltweit sind 1,8 Milliarden Karten mit dem Mastercard- oder Maestro-Logo im Umlauf. Die Erträge stiegen im ersten Quartal um 17 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar. Die Börsianer waren dennoch unzufrieden und verkauften die Aktie. Konkurrent Visa will seine Geschäftszahlen an diesem Mittwochabend (2. Mai) bekanntgeben.

Medigene besser geschützt
Gute Nachrichten für das Münchner Biotechunternehmen Medigene: Ihr Krebsmittel Endotag-1 wird in den USA noch besser gegen Nachahmer geschützt. Das US-Patentamt habe dem Präparat in Kombination mit Chemotherapie-Arzneien zur Behandlung von Brustkrebs ein Patent gewährt, teilte Medigene mit. Das neue Patent habe eine Laufzeit bis April 2029. Die Endotag-1-Substanz wird damit in den USA inzwischen durch sieben Patente geschützt. An der Börse kommt die Nachricht gut an: Die Medigene-Aktie gewinnt in der Spitze fast sechs Prozent.

Goldrooster kommen zu vier Euro
Obwohl sich die bisherigen Börsengänge chinesischer Firmen in Frankfurt allesamt als Wertvernichter erwiesen haben, wagt sich mit dem Sportartikelhersteller Goldrooster erneut eine Firma aus China auf das hiesige Parkett. Die Aktien der Firma werden zu je 4,00 Euro angeboten. Die Erstnotierung ist für den 18. Mai im wenig regulierten Entry Standard vorgesehen. Angeboten werden bis zu fünf Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung und eine Mehrzuteilungsoption von 750.000 Aktien aus dem Besitz der Altaktionäre. Die Zeichnungsfrist läuft bis zum 15 Mai.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen