Dax erneut ganz stark

Stand: 01.02.2012, 19:57 Uhr

Positive Konjunkturdaten aus China, Deutschland und den USA haben den Dax auch zu Monatsbeginn auf ein neues Jahreshoch gehievt. Dass manche Zahlen schlechter ausfielen als erwartet, ignorierten die Anleger.

So sind etwa in den USA im Januar weniger neue Stellen geschaffen worden als prognostiziert. Dafür fielen die Einkaufsmanagerindizes aus China, Deutschland und den USA besser aus als erwartet. In den USA stieg der viel beachtete ISM-Index des Verarbeitenden Gewerbes zum dritten Mal in Folge, auf das höchste Niveau seit Mitte 2011. Zudem sind die US-Bauausgaben im Dezember unerwartet deutlich gestiegen.

Positiv reagiert die Börse auch auf besser als erwartet ausgefallenen Wirtschaftsdaten aus China. Dort stieg der Einkaufsmanagerindex der Industrie um 0,2 auf 50,5 Punkte zu und lag damit höher als Experten erwartet hatten. Auch die deutsche Industrie ist mit kräftigem Wachstum ins neue Jahr gestartet. Die Unternehmen fuhren im Januar nach drei Monaten Flaute ihre Produktion wieder kräftig hoch. Das Markit-Institut berechnete den Einkaufsmanagerindex der deutschen Industrie auf 51,0 Punkte. Damit liegt der viel beachtete Frühindikator erstmals seit September des vergangenen Jahres über der Wachstumsschwelle von fünfzig Zählern.

Dax legt um 2,4 Prozent zu
Das genügte, um den Dax auf ein neues Jahreshoch von 6.616 Punkten zu hieven, ein Plus von 2,4 Prozent. Auch am Abend kommt es zu Kurssteigerungen von mehr als zwei Prozent. Damit setzt der deutsche Leitindex seinen im Januar begonnen Höhenflug fort. Im Vormonat ist der Dax um mehr als neun Prozent gestiegen und hat damit den besten Jahresauftakt seit 15 Jahren hingelegt.

Auch an der Wall Street geht es am Mittwoch voran. Der Dow Jones-Index der amerikanischen Standardwerte notiert bei Börsenschluss in Frankfurt knapp ein Prozent höher als gestern bei 12.756.

Gestützt werden die Kurse von Gerüchten, dass sich Griechenland mit den privaten Schuldnern auf einen Schuldenschnitt geeinigt hat. Dabei soll den Banken eine Abschreibung auf griechische Anleihen von möglicherweise mehr als 70 Prozent mit einer Nachbesserung bei einer Konjunkturerholung des hoch verschuldeten Landes angeboten worden sein. Zwar geistern entsprechende Gerüchte bereits seit Wochen durch die Gazetten, so lange die Einigung nicht öffentlich verkündet wird, geben die Anleger die Hoffnung nicht auf.

Von der guten Stimmung an den Aktienmärkten profitiert auch der Euro. Am späten Nachmittag übersteigt er sogar kurz die Marke von 1.32 Dollar und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt nur knapp darunter.

Reto allein zu Haus
Schwarzer Tag für Reto Francioni. Nachdem die EU-Kommission die Fusion zwischen der Deutschen Börse und der New York Stock Exchange abgelehnt hat, sprach der Chef des Frankfurter Börsenbetreibers am Nachmittag von einem "enttäuschenden Tag für uns und unsere Aktionäre". Weiter sagte Francioni, er sei aber überzeugt, dass die Deutsche Börse auch eigenständig weiter gute Ergebnisse erzielen werde. 2011 sei das Ergebnis auch ohne Berücksichtigung von Sondereffekten deutlich gestiegen. Die Anleger reagieren verhalten bis erleichtert auf das Ende der Fusionspläne: die Aktie der deutschen Börse gewinnt gut ein Prozent.

Anleger feiern Infineon
Größter Dax-Gewinner sind die Aktien von Infineon. Der Chiphersteller hat in seinem ersten Geschäftsquartal die Umsatzerwartungen übertroffen, beim Ergebnis jedoch unter den Erwartungen gelegen. Die Dividende für 2011 soll aber wie geplant um 20 Prozent auf 0,12 Euro erhöht werden. Überzeugt hat die Anleger auch der Ausblick des Managements für das laufende Jahr. Die Analysten von Cheuvreux haben sogar Hoffnungen auf einen Wendepunkt für die ganze Chip-Branche im laufenden Quartal.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,85
Differenz relativ
-0,15%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,64
Differenz relativ
-3,04%

Deutsche Bank heiß begehrt
Zu den stärksten Werten im Dax gehören auch die Papiere der Deutschen Bank. Sie profitieren von der Erwartung einer unmittelbar bevorstehenden Einigung mit der griechischen Regierung in der Frage des Schuldenschnitts. Zudem profitiert die Aktie auch von der für morgen geplanten Veröffentlichung der Jahreszahlen. Schätzungen zufolge dürfte das Betriebsergebnis von Deutschlands führender Bank im vierten Quartal um 50 Prozent auf gut eine Milliarde Euro gestiegen sein. Im Schlepptau legt auch die Aktie der Commerzbank um mehr als vier Prozent zu.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,42
Differenz relativ
+0,21%

Lufthansa-Sparprogramm beflügelt
Um mehr als vier Prozent nach oben geht es auch mit der Aktie von Lufthansa. Damit reagieren die Anleger auf ein neues Sparprogramm, das die Ausgaben des Konzerns bis 2014 um 1,5 Milliarden Euro senken soll. Das Programm soll in Kürze im Detail den Führungskräften präsentiert werden.

Chrysler bringt Fiat zum Glänzen
Der italienische Autohersteller Fiat hat im vergangenen Jahr mehr als zwei Milliarden Euro verdient. Die US-Marke machte dank Verkaufszuwächsen auf ihrem Heimatmarkt zum ersten Mal seit 14 Jahren Gewinn. Für das vierte Quartal 2011 wies der italienisch-amerikanische Konzern ein Handelsergebnis von 765 Millionen Euro aus. Dazu trug Chrysler mehr als 80 Prozent bei. Insgesamt erzielte der Turiner Konzern einen Gewinn von 2,4 Milliarden Euro. Für dieses Jahr rechnet der transatlantische Konzern nur noch mit einem Umsatz von 77 Milliarden Euro. Bisher war das Management um Vorstandschef Sergio Marchionne, der beide Unternehmen steuert, von acht Milliarden Euro mehr ausgegangen. Die Aktie legt dennoch kräftig zu.

Hannover Rück nicht gut genug?
Hauchdünn ins Plus gedreht ist die Aktie von Hannover Rück, nachdem sie lange Zeit im Tagesverlauf das Schlusslicht im MDax markierte. Dabei rechnet das Unternehmen nach dem Katastrophenjahr 2011 dank höherer Preise wieder mit mehr Gewinn. "Klar ist, dass wir für 2012 von steigenden Prämien und steigenden Erträgen ausgehen", sagte Vorstandschef Ulrich Wallin am Mittwoch nach der Vertragserneuerung in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung zum Jahreswechsel in Hannover. Für das vergangene Jahr hielt Wallin an dem Gewinnziel von 500 Millionen Euro fest. Die Aktionäre können sich auf eine Dividende von gut zwei Euro freuen.

Q-Cells macht Freudensprung
Die Aktie von Q-Cells springt gleich um 39 Prozent in die Höhe. Das angeschlagene Solarunternehmen aus Bitterfeld hat sich mit seinen wichtigsten Gläubigern geeinigt. Ziel sei es, dass die Anleihebesitzer künftig als Eigentümer einsteigen und dann 95 Prozent des Unternehmens halten, teilte Q-Cells mit. Die bisherigen Aktionäre würden damit weitgehend aus der Gesellschaft herausgedrängt. Damit könne Q-Cells künftig als nahezu schuldenfreies Unternehmen im Markt agieren. Den Kapitalschnitt müssen die Aktionäre, Anleihenbesitzer und Behörden noch genehmigen.

Zweistellig nach oben geht es auch mit der ebenfalls im TecDax notierten Aktie von Gigaset. Am Markt wurde darauf verwiesen, dass die Papiere nach den am Vortag vorgelegten Zahlen nach oben ausgebrochen sind. Ein Analyst hatte den Ausverkauf seit März 2011 schon am Vortag als unberechtigt bezeichnet.

Jenoptik kann nicht punkten
Zu den beiden einzigen Verlierern im TecDax gehört Jenoptik. Dabei hat das Unternehmen im abgelaufenen Jahr mehr umgesetzt und verdient hat als erwartet. Das Betriebsergebnis (Ebit) stieg um fast 60 Prozent auf knapp 48 Millionen Euro, der Umsatz lag bei 540 Millionen Euro. Auch das laufende Jahr sei gut angelaufen, berichtet Konzernchef Michael Mertin.

Qiagen am TecDax-Ende
Schwächster Wert im TecDax ist die Aktie von Qiagen. Grund sind hohe Kosten im Zusammenhang mit den geplanten Stellenstreichungen. Dadurch fiel der Überschuss im vergangenen Jahr ein Drittel nieder aus, auf 96 Millionen Dollar. Dank guter Geschäfte im vierten Quartal legte der Umsatz im Gesamtjahr allerdings auf 1,1 Milliarden Dollar zu. Für 2012 kündigte Qiagen Zuwächse bei Umsatz und bereinigtem Gewinn an.

Cewe Color gut im Bild
Um knapp drei Prozent voran geht es mit der Aktie von CeweColor aus dem SDax. Der Fotodienstleister hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um fünf Prozent auf 469 Millionen Euro gesteigert. Auch die eigene Prognose wurde damit übertroffen. Das Management erwartet, das Ebit-Ziel zwischen 28 und 31 Millionen Euro zu erreichen. Vollständige Zahlen gibt es am 22. März.

LG setzt auf Android und gewinnt
Der südkoreanische Elektronikhersteller LG hat mit seinem Handy-Geschäft erstmals nach sieben Verlustquartalen wieder schwarze Zahlen geschrieben. Wie der weltweit drittgrößte Handy-Produzent und die Nummer zwei bei TV-Geräten am Mittwoch mitteilte, erwirtschaftete die Sparte mobile Kommunikation im Schlussquartal 2011 trotz eines Absatzrückgangs bei Handys ein operatives Ergebnis von zwölf Milliarden Won (etwa 8,1 Millionen Euro).Die Wende verdankt das Unternehmen vor allem dem Smartphone Optimus LTE, das mit dem Google-Betriebssystem Android läuft. Die Anleger reagieren erfreut.

Roche unter Druck
Roche-Aktien stehen unter Druck, nachdem der Schweizer Pharmakonzern von Belastungen durch den starken Franken berichtet hat. Die ungünstige Wechselkursentwicklung sorgte dafür, dass die Erlöse um zehn Prozent auf 42,5 Milliarden Franken fielen, währungsbereinigt hätte sich jedoch ein leichter Anstieg ergeben. Trotzdem stieg der Gewinn um sieben Prozent auf 9,54 Milliarden Franken.

Die Dividende soll von 6,60 auf 6,80 Franken angehoben werden. Im laufenden Jahr strebt Roche einen Umsatzanstieg - unter Ausschluss von Wechselkurseinflüssen - im niedrigen bis mittleren Prozentbereich an und ist damit optimistischer als bisher.

Amazon bricht ein
Fast neun Prozent auf 177,50 Dollar ging es nachbörslich abwärts für die Amazon-Aktie. Die Anleger waren entsetzt über den Gewinneinbruch trotz gestiegener Umsätze im wichtigen Weihnachtsquartal. Amazon investiert derzeit vor allem in seine Infrastruktur, das belastet den Gewinn. Im ersten Quartal hält es das Unternehmen sogar möglich, dass ein Verlust von bis zu 200 Millionen Dollar entstehen könnte. Aber auch ein Gewinn von 100 Millionen sei denkbar.

Tagestermine am Freitag, 14. Dezember

Unternehmen:
Stabilus: Jahreszahlen (endg.), 07:00 Uhr
Isra Vision: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
KWS Saat: Hauptversammlung, 11:00 Uhr
Dr. Hoenle: Jahreszahlen

Konjunktur:
Japan: Tankan-Report Q4/18, 00:50 Uhr China: Einzelhandelsumsatz 11/18, 3:00 Uhr
China: Industrieproduktion 11/18, 3:00 Uhr
Deutschland: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 9:30 Uhr
EU: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 9:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz 11/18, 14:30 Uhr
USA: Industrieproduktion 11/18, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung 11/18, 15:15 Uhr
USA: Markit PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 15:45 Uhr
USA: Lagerbestände 10/18, 16:00 Uhr