Marktbericht 20:05 Uhr

Vorsichtiger Optimismus Dax-Erholung noch ein zartes Pflänzchen

Stand: 03.06.2015, 20:05 Uhr

Eine ganze Fülle von Daten sorgte heute für Bewegung an den Märkten. Am Aktienmarkt überwog der Optimismus, es gab zarte Annäherungsversuche in der Griechanland-Krise. Und natürlich wieder einen Auftritt von EZB-Chef Mario Draghi.

Ein höchst politischer Tag ist heute versöhnlich zu Ende gegangen. Im Spannungsfeld zwischen der Lage um Griechenland, der EZB-Zinssitzung und neuen US-Konjunkturdaten legte der deutsche Leitindex Dax 0,8 Prozent zu und schloss bei 11.419 Punkten.

Der Aktienmarkt erholte sich damit etwas von den jüngsten Verlusten, konnte sein Tageshoch bei zwischenzeitlich 11.515 Punkten aber nicht behaupten. Dies zeigt, dass auch weiterhin eine gehörige Portion Skepsis im Markt steckt, auch wenn die Anleger heute mal durchatmen konnten. Von Euphorie kann jedenfalls nicht gesprochen werden.

Auf mehreren Partys gleichzeitig

Bestimmendes Thema war, wie schon zuletzt, der Fortgang im Poker um die Zukunft Griechenlands in der Eurozone. Am Abend kommen EU-Kommissionspräsident Juncker und der griechische Ministerpräsident Tsipras zu einem Gespräch zusammen, in dem die Vorstellungen von Gläubiger und Schuldner ausgetauscht werden sollen.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Während sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zu den Erfolgsaussichten zurückhaltend äußerte, hält Frankreichs Präsident Hollande eine Einigung für möglich. Ob auch Vertreter von IWF und Eurogruppe bei dem Gespräch dabei sein werden, ist derzeit nicht klar. Ein endgültiges Ergebnis werde es am Mittwoch nicht geben, erklärte ein Sprecher der EU-Kommission.

Auch die reguläre Zinssitzung der EZB stand im Zeichen dieser Thematik. EZB-Chef Mario Draghi erklärte, der EZB-Rat wolle Griechenland im Euro-Raum halten. Es gebe einen allgemeinen Willen zur Einigung, was als konstruktives Zeichen für eine mögliche Lösung des Griechen-Problems verstanden wurde. Den Zinssatz in der Eurozone hält die EZB übrigens erwartungsgemäß weiter unverändert bei 0,05 Prozent. Zudem bestätigte Draghi die bisherige Geldpolitik und die Wachstumsprognosen, insbesondere auch das Anleihenkaufprogramm bis mindestens September 2016. Damit bleibt den Anlegern der warme Geldregen aus Frankfurt weiter erhalten.

Euro legt deutlich zu

Der Euro konnte sich lange nicht entscheiden, welchen Weg er nehmen würde. Am Nachmittag legte die Gemeinschaftswährung dann nach den zarten Entspannungszeichen im Griechen-Drama aber deutlich zu und stieg bis auf 1,1272 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1134 (Dienstag: 1,1029) US-Dollar fest.

Bereits am Dienstag hatte es beim Euro den stärksten Kursgewinn seit zehn Wochen gegeben. In den vergangenen zwei Tagen legte die Gemeinschaftswährung insgesamt um mehr als drei Cent zu. Gestützt wurde die Gemeinschaftwährung auch durch die Aussagen Mario Draghis zur Wirtschaftslage in Europa - der EZB-Chef sieht derzeit keine Abwärtsrisken und damit auch keinen Grund, das Ankaufprogramm für Staatsanleihen auszuweiten.

"Es gab einige Anleger, die eingepreist haben, dass das Anleihenkaufprogramm länger als geplant fortgesetzt wird. Für diese Spekulationen lieferte Draghi allerdings keine neue Nahrung, daher geht es mit dem Euro auch bergauf", sagte Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Deutliche Verluste gab es deshalb auch für Bundeswertpapiere am Anleihenmarkt. Der Bund-Future gab 1,5 Prozent nach auf 150,91 Prozent. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg um 0,16 Prozentpunkte auf 0,87 Prozent, das ist Jahreshöchststand.

US-Daten ebenfalls im Blick

Als ob die europäische Nachrichtenlage nicht schon ausreichen würde, aus Amerika kamen heute ebenfalls wichtige neue Daten. Die Arbeitsmarktdaten des privaten ADP-Instituts fielen mit 201.000 neu geschaffenen Stellen im Mai wie erwartet aus. "Die Zahl ist robust und so erscheint die Konsensschätzung von 227.000 neu geschaffenen Arbeitsplätzen außerhalb der Landwirtschaft realistisch", kommentierte Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen. Am Freitag steht der offizielle Arbeitsmarktbericht des Arbeitsministeriums auf der Agenda - traditionell ein wichtiger Höhepunkt im Datenkranz der konjunkturellen Entwicklung der USA.

Der ISM-Dienstleistungsindex für Mai lag mit 55,7 Punkten unter den Erwartungen von 57,0 Punkten. Der Indikator signalisiert damit ein sich abschwächendes Wachstum im wichtigen Dienstleistungssektor, bleibt aber über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Am Abend folgt noch der Konjunkturbericht der Fed, das Beige Book.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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An der Wall Street steigen derweil die Aktienkurse. Der Leitindex Dow Jones rückt aktuell 0,39 Prozent vor, auch bei den die anderen großen Indizes dominieren die grünen Pfeile. Vor allem die robusten Zahlen vom Arbeitsmarkt kommen bei den amerikanischen Investoren gut an.

FMC an der Dax-Spitze

Unter den Einzelwerten im Dax gab es fast nur Gewinner. Lediglich die Merck-Aktie gab ein halbes Prozent nach. Die Gewinne gingen quer durch alle Branchen, Tagessieger waren Fresenius Medical Care. Gesucht waren auch Commerzbank und ThyssenKrupp.

MDax im Minus

Gegen den allgemeinen Trend schloss der MDax 0,21 Prozent leichter. Die beiden fusionierten Wohnimmobilienkonzerne Gagfah und Deutsche Annington gaben beide ohne neue Nachrichten deutlich nach. Bei Gagfah, die über 13 Prozent verloren, ist nur noch ein kleiner Streubesitzanteil im Markt. Deutsche Annington war Indexschlusslicht, die Bochumer halten fast 94 Prozent der Gagfah-Aktien.

Bietet BASF für Syngenta?

Der Ludwigshafener Chemieriese erwägt nach Insiderberichten eine Übernahmeofferte für die Schweizer Syngenta. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Dies berichtet am Abend nach Xetra-Schluss die Nachrichtenagentur "Reuters" und beruft sich auf mit der Situation vertraute Personen.

Für Syngenta hat bisher der US-Genpflanzen-Hersteller Monsanto eine 45-Milliarden-Dollar-schwere- Übernahmeofferte abgegeben. Diese stößt bei Syngenta derzeit aber auf wenig Gegenliebe. Keines der beteiligten Unternehmen wollte sich äußern. BASF gilt bereits als heißer Kandidat für die Saatgutsparte der Schweizer, die Monsanto im Falle einer Übernahme verkaufen müsste, um die Genehmigung der Wettbewerbshüter zu erhalten. Sie gilt als sinnvolle Ergänzung der Pestizidsparte. "So eine Gelegenheit kann man sich nicht entgehen lassen", erklärte Chevreux-Analyst Christian Faitz zu dieser Konstellation. Im Späthandel zog das BASF-Papier leicht an, Syngenta-Aktien sind in New York derzeit stärker gesucht.

Neue Streikfront bei der Lufthansa?

Nach den Piloten drohen nun auch die Flugbegleiter mit Streiks. Hintergrund sind die Überlegungen des Vorstandes, keine Piloten mehr auf Basis des besser dotierten Konzernbetriebsvertrages einzustellen. Dadurch werde die Lufthansa-Flotte kleiner, wovon auch die Kabine betroffen sei. Zudem seien die Verhandlungen um die Altersvorsorge dadurch sabotiert worden, so der Chef der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo, Nicolay Baublies. Auch der Ausbau der Billigtochter "Eurowings" von Österreich aus, erregt die Flugbegleiter. Baublis warf der Lufthansa "Tarifflucht" vor.

VW beendet Durststrecke in den USA

Die Autoaktien konnten anfänglichen Avancen nach überraschend guten US-Absatzzahlen nicht verteidigen. Obwohl Volkswagen tatsächlich in den USA mal wieder mehr Autos verkaufen konnte. Der Absatz der Marke VW stieg im Mai um acht Prozent, während die VW-Premiummarke Audi ihre Verkäufe um elf Prozent steigern konnte. Bei BMW rollten 4,7 Prozent mehr Autos der Kernmarke zu den Kunden.

Am besten schlugen sich aber Daimler, vor allem die neue Mercedes C-Klasse kam bei den Kunden gut an. Insgesamt wurden 11,1 Prozent mehr Mercedes-Benz-Neuwagen auf die Straße gebracht.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Allianz: Licht am Ende des Tunnels

Positives gibt es vom Fonds-Ableger der Allianz zu berichten. Pimco laufen immer weniger Anleger weg. Im Mai haben Investoren noch 2,7 Milliarden US-Dollar aus dem Flaggschiff des US-Fondsanbieters abgezogen. Zuletzt hatte der Fonds im Juli 2014 weniger Abflüsse zu verkraften gehabt. Im März hatten Anleger noch 7,3, im April 5,6 Milliarden Dollar abgezogen.

Gleichzeitig kündigte Allianz in der KFZ-Versicherung die Einführung sogenannter Telematik-Tarife an und folgt damit dem Marktführer HUK-Coburg. Bei einem solchen Tarif wird die Fahrweise des Versicherungsnehmers ermittelt und ein vorsichtiges Verhalten bei den Prämien berücksichtigt. Im Ausland sind die Tarife unter dem Stichwort "pay as you drive" (Zahle wie du fährst) bekannt.

Siemens erhält Rekordauftrag aus Ägypten

Der Münchener Konzern erhält aus Ägypten den größten Auftrag der Unternehmensgeschichte. Gebaut werden sollen Gas- und Windkraftwerke für acht Milliarden Euro. Die Verträge wurden während des aktuellen Berlin-Besuches von Ägyptens Staatschef Abdel-Fattah al-Sisi unterzeichnet, wie Siemens mitteilte.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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"Mit diesen noch nie dagewesenen Verträgen unterstützen Siemens und seine Partner die wirtschaftliche Entwicklung Ägyptens", sagte Siemens-Chef Joe Kaeser. Eine Absichtserklärung für die Projekte war bereits im März unterzeichnet worden.

HV-Splitter

Aus der zweiten Reihe hielten zahlreiche Unternehmen heute ihre Hauptversammlungen ab. Untere anderem Stada. Der hessische Generikahersteller betonte, dass er an seinem Engagement in Russland festhält. Sogar der Investorentag soll dieses Jahr in St. Petersburg abgehalten werden. Jenoptik-Chef Michael Mertin bestätigte auf dem Aktionärstreffen die Jahresprognose 2015. Angesichts voller Auftragsbücher werde ein Umsatz zwischen 650 und 690 Millionen Euro erwartet nach 590 Millionen im Vorjahr. Zu den weiteren Unternehmen die heute ihre Aktionäre zusammenrufen gehören Cewe Stiftung, Xing und Tom Tailor.

Hannover Rück bringt neue Sturmrisiken auf den Markt

Der Rückversicherer aus dem MDax bringt US-Sturmrisiken im Gesamtwert von einer Milliarde Dollar an den Markt. Mit diesen Katastrophenbonds verlagern Versicherer Riskken auf den Kapitalmarkt. Hannover Rück lagert aber keine eigenen Risiken aus, sondern agiert für Kunden als Vermittler. Die Hannoveraner erhalten dafür eine Provision. Katastrophenbonds werden meist bei institutionellen Kunden platziert.

Salzgitter vor der Wende?

Im MDax ist die Salzgitter-Aktie weiter der gefragteste Wert. Sie profitiert von einer Kurszielanhebung von 30 auf 45 Euro. Kepler Cheuvreux sieht die europäischen Stahlkonzerne vor einem möglichen entscheidenden Wendepunkt zum Positiven. Auslöser könnte die Überprüfung der EU-Kommission von Dumping-Vorwürfen gegen chinesische und russische Anbieter sein.

Südzucker: Fulminanter Turnaround

Südzucker-Aktien setzten ihren jüngsten Aufschwung fort und stiegen 4,84 Prozent. Das ist der höchste Stand seit Juli 2014. 2013 und 2014 waren die Aktien schwächster beziehungsweise zweitschwächster MDax-Wert. Seit Mitte April ging es für Südzucker-Aktien um gut 36 Prozent nach oben. Der kleine irische Vermögensverwalter Davy hat den Titel jetzt auf "Outperform" angehoben.

Blatter-Rücktritt begeistert Coca-Cola

Die Top-Sponsoren Coca-Cola und Visa haben den Rückzug von FIFA-Präsident Joseph Blatter begrüßt. "Die heutige Ankündigung ist ein positiver Schritt für das Wohl des Sports, des Fußballs und dessen Fans", so der US-Getränkekonzern. Coca-Cola ermahnte die FIFA erneut, entschieden zu handeln, um das Vertrauen derer zurückzugewinnen, die den Sport und den Fußball lieben.

Gar nicht begeistert waren hingegen die Anleger an der Börse in Katar. Der Leitindex der Börse in Doha fiel deutlich zurück. Am Markt sind viele Unternehmen gelistet, die von den Fußball-WM-Infrastrukturinvestitionen profitieren. "Der Rücktritt von Blatter hat für Ungewissheit wegen der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 gesorgt", erklärte Sebastien Henin von der Vermögensverwaltung The National Investor mit Sitz in Abu Dhabi. Es gebe die Befürchtung, dass mit dem Rücktritt die Büchse der Pandora über der WM-Organisation geöffnet werde.

Nintendo: Das stimmt so nicht

Nintendo hat Spekulationen dementiert, wonach bei der nächsten Spielekonsole mit dem Codenamen NX eine Variante des Google-Betriebssystems Android zum Einsatz kommen könnte. "Der Bericht, das wir Android für NX nutzen wollen, entspricht nicht der Wahrheit", erklärte ein Nintendo-Sprecher dem "Wall Street Journal" am Dienstag.

rm

Tagestermine am Montag, 10. Dezember

Unternehmen:
Keine Termine absehbar

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, zweite Schätzung, 00:50 Uhr
Deutschland: Außenhandel im Oktober, 08:00 Uhr
Italien: Industrieproduktion, Oktober, 11:00 Uhr
Deutschland: Sentix Konjunkturindex, Dezember, 10:30 Uhr
Großbritannien:Industrieproduktion, Oktober, 10:30 Uhr