Marktbericht 20:25 Uhr

Leichte Verluste Dax-Erholung gestoppt

Stand: 13.07.2016, 20:25 Uhr

Dem deutschen Leitindex Dax ist zur Wochenmitte die Puste ausgegangen. Nach kräftigen Gewinnen in den vergangenen Handelstagen gab es heute leichte Verluste. Die Stimmung an der Börse ist trotzdem so schlecht nicht.

Großbritannien hat schneller als gedacht eine neue Premierministerin und an den Märkten steigen die Hoffnungen auf neue Stimulanz durch die Notenbanken. Hinzu kommt eine Wall Street auf Rekordniveau. All das hat den Märkten geholfen, den Brexit-Schock so langsam zu verdauen und die Stimmung der Investoren wieder aufzuhellen.

Heute aber musste der Dax den jüngsten Kursgewinnen Tribut zollen und verlor 0,33 Prozent auf 9.930 Punkte. Zwischenzeitlich sah es bei wechselnden Vorzeichen sogar danach aus, als könne die Marke von 10.000 Zählern überwunden werden. Mehr als ein kurzer Blick über den Zaun beim Tageshoch von 10.001 Punkten war aber nicht drin.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.354,19
Differenz relativ
-0,62%

"Angesichts eines Aufschlages von rund sechs Prozent allein in den zurückliegenden drei Handelstagen kommt ein Abebben der Aufwärtsdynamik nicht allzu überraschend", sagte Analyst Gregor Kuhn vom Brokerhaus IG Markets. Immerhin behauptete der Index die technisch wichtige Marke von 9.800 Punkten, so dass markttechnisch nicht viel passiert ist. Der nächste Widerstand wäre die 200-Tage-Line bei 10.056 Punkten.

Leitzinssenkung in London erwartet

Theresa May

Theresa May. | Bildquelle: EPA, picture alliance / dpa, Montage: boerse.ARD.de

Am Abend wurde die neue Premierministerin Theresa May in London in ihr Amt eingeführt, was maßgeblich zur Beruhigung der Märkte beigetragen hat. Eine lange Nachfolgeregelung ist damit dem Land erspart worden. Zudem rechnet eine Mehrheit der Analysten auf der morgigen Sitzung der Bank of England mit einer Senkung des Leitzinses um einen Viertel Punkt auf dann 0,25 Prozent. Die letzte Senkung gab es übrigens im März 2009 auf das aktuelle Niveau.

Wall Street kann Gewinne nicht halten

Auch die Wall Street gönnt sich eine Auszeit. Die beiden Standardwertindizes Dow Jones und S&P 500 haben zwar im frühen Geschäft noch neue Rekorniveaus erzielt, konnten diese aber nicht halten. Sie tendieren derzeit in der Nähe der gestrigen Schlussstände. Der Dow war bis auf 18.390, der S&P 500 bis auf 2.156 Punkte gestiegen.

Beige Book bewegt wenig

Am Abend äußerte sich dann noch die Fed zur Konjunktur im Land. In ihrem Beige Book erklärte die Notenabnk, dass kaum Preisdruck zu erkennen sei, auch die Löhne stiegen trotz Vollbeschäftigung nur vereinzelt. Die Tendenz bei den Verbraucherausgaben sei im allgemeinen positiv und der weitere Ausblick in den meisten Fed-Bezirken optimistisch.

Auch für die Beschäftigtenlage äußerte sich die Notenbank zuversichtlich, bei Fachkräften gäbe es sogar vereinzelt Engpässe. Industriedaten seien hingegen gemischt, die Kreditnachfrage aber gestiegen. Bei Diensleistern außerhalb des Finanzsektors konstatiert die Bank ein moderates Wachstum. Der Dow zieht etwas an und liegt leicht im Plus. Größere Bewegungen gibt es aber nicht, der Index bleibt gleichwohl nahe an seinem neuen Höchststand.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.651,01
Differenz relativ
-0,35%
S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.918,79
Differenz relativ
-0,37%

Deutsche Zehn-Jahres-Zinsen bei Null Prozent

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Börse 20.15 Uhr

Eine Premiere gab es an einem sonst wenig mitreißenden Handelstag dennoch. Die neu begebene zehnjährige Bundesanleihe (WKN 110 240) bis 2026 wurde erstmals mit einem Kupon von Null Prozent ausgestattet und zu 100,48 Prozent an den Markt gebracht. Die Rendite liegt damit bei minus 0,05 Prozent. Der Anlagenotstand am Rentenmarkt wird damit immer größer und hat eine noch nie da gewesene Dimension erreicht.

Euro über 1,11 Dollar

Gewinner ist hingegen der Euro. Die Gemeinschaftswährung stürmte die Marke von 1,11 Dollar. Damit beginnt sich der Euro ebenfalls vom Brexit-Schock zu erholen, als viel Geld in den Dollar und den Yen geflossen waren. Die insgesamt wieder etwas zuversichtliche Stimmung an den Finanzmärkten stützte laut Händlern den Eurokurs. Die Unsicherheit nach dem Brexit-Votum im Großbritannien sei etwas in den Hintergrund getreten.

Das Pfund steht derzeit mit knapp 1,32 Dollar wieder über der Marke von 1,30 Dollar. Die britische Währung hat seit Wochenbeginn zugelegt, nachdem die Nachfolge von Premier David Cameron mit dem Rückzug von Staatssekretärin Andrea Leadsom gesichert war. Das Pfund notiert aktuell zum Dollar immerhin gut drei Cent über dem Brexit-Tief bei 1,2855 Dollar.

Ölpreis fällt zurück

Negative Signale für die Aktienmärkte kamen dagegen von den Rohstoffmärkten. Die Ölpreise gaben nach den gestrigen kräftigen Zugewinnen empfindlich nach. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostete rund vier Prozent weniger bei nur noch etwas über 46 Dollar. Während die US-Rohölreserven in der vergangenen Woche wie erwartet gefallen waren, gab es bei den Benzinbeständen dagegen eine Überraschung. Sie waren um 1,2 Millionen auf 240,1 Millionen Barrel gestiegen. Der Ölpreis beschleunigte nach den Daten seine Talfahrt. Der Goldpreis hat seinen gestrigen Schwächeanfall dagegen anscheinend überwunden. Die Feinunze Gold notiert leicht höher bei 1.342 Dollar.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
72,15
Differenz relativ
+1,89%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
80,61
Differenz relativ
+2,34%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.203,02
Differenz relativ
+0,33%

Tagessieger Versorger

Im Dax standen die Versorgeraktien an der Spitze und setzten damit ihre Erholung fort. RWE legten über 4,5 und Eon 2,5 Prozent deutlich zu. Tagesverlierer waren Infineon mit minus 2,24 Prozent. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem die Aktie zuletzt gut gelaufen war. Ansonsten gingen die Verluste quer durch alle Branchen. Das ThyssenKrupp-Papier konnte seine anfänglichen Gewinne nicht verteidigen und rutschte deutlich ins Minus.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,14
Differenz relativ
-0,94%
Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,94
Differenz relativ
-0,77%
Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,36
Differenz relativ
-0,49%

Deutsche Börse fast am Ziel

Der Frankfurter Börsenbetreiber erklärte am Nachmittgag, dass bereits 53 Prozent der Aktionäre der 25 Milliarden-Euro-schweren Fusion mit der London Stock Exchange zugestimmt hätten. Bis zur notwendigen Marke von 60 Prozent ist es damit nicht mehr weit. Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte die Deutsche Börse die Mindestannahmequote am Montag um 15 Prozentpunkte gesenkt und die Annahmefrist um zwei Wochen verlängert.

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
116,25
Differenz relativ
+0,78%

Sie will damit sicherstellen, dass auch Indexfonds von großen Anbietern wie Blackrock ihre Papiere andienen. Knackpunkt der Fusion ist aber weniger die Zustimmung der Aktionäre, sondern die der EU-Kommission und der hessischen Börsenaufsicht nach dem Brexit-Entscheid. Derzeit verhandelt die Börse nach Insiderinformationen über den Firmensitz. Die Bundesbank stellte sich derweil hinter die Fusionspläne. Vorstand Andreas Dombret erklärte, die Fusion könne eine dringend benötigte Brückenfunktion zwischen den beiden Volkswirtschaften erfüllen.

Niedrsachsen will VW-Bonuszahlungen zurück

Im Zuge der Einleitung von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen VW denkt das Land Niedersachsen, das 20 Prozent an VW hält, über die Rückforderung gezahlter Vorstands-Boni nach. Dies für den Fall, dass die Behörde in der Diesel-Affäre Versäumnisse feststellt und den wirtschaftlichen Gewinn aus dem Verkauf der manipulierten Fahrzeuge abschöpft.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
152,24
Differenz relativ
-1,39%

Wirtschaftsminister Olaf Lies, der zusammen mit Ministerpräsident Stephan Weil für das Land im Aufsichtsrat sitzt, konnte sich mit entsprechenden Streichvorschlägen in der Vergangenheit im Gremium nicht durchsetzen. Das Land stimmte stattdessen einem reichlich kritisierten Kompromiss zu, nach der die Erfolgszahlungen für den Vorstand um ein Drittel gekürzt wurden. Über die Höhe einen möglichen Buße wird derweil spekuliert. Es könnte teuer werden für den Autobauer, der sich jüngst in den USA auf einem milliardenschweren Vergleich geeinigt hatte.

Airbus um Beruhigung bemüht

Im MDax hat die Airbus-Aktie einen unruhigen Tag mit Happy-End gehabt. Am Morgen hatte zunächst die Nachricht belastet, dass der Flugzeugbauer die Produktion des A380-Fliegers um mehr als die Hälfte zusammenstreichen will. Zudem gibt es reichlich Probleme mit dem Militärflieger A400.

Mittlerweile wurde aber vom Unternehmen erklärt, man erwarte nicht, dass das A380-Programm wegen der niedrigeren Produktion stark in die roten Zahlen rutschen werde. Man hoffe, dass in ein oder zwei Jahren die Produktion wieder angehoben werden könne. Diese Aussagen von Firmenchef Tom Enders beruhigten die Anleger, die Aktie legte am Schluss 1,57 Prozent zu und war damit einer der größten Gewinner im Index.

Fielmann: "Schutzbrille für unsichere Zeiten"

Die Aktien der Optikerkette Fielmann sind nach Einschätzung des Bankhauses Lampe in einem schwankenden Gesamtmarkt ein sicherer Hafen. "Eine Schutzbrille für unsichere Zeiten", so Analyst Peter Steiner. Er stufte die Papiere von "Halten" auf "Kaufen" hoch und hob das Kursziel von 65 auf 76 Euro an. Die Studie kam gut an am Markt, die Fielmann-Aktie war Tagessieger im MDax und rückte 4,45 Prozent auf 70,39 Euro vor.

AMC will zukaufen

Die Aktie des Kinobetreibers AMC legte zu, nachdem das Unternehmen erklärt hat, man wolle die britische Odeon UCI Cinemas Group für 500 Millionen Pfund von der Private-Equity-Firma Terra Firma übernehmen. Insgesamt wäre der Deal 921 Millionen Pfund (1,1 Milliarden Euro) schwer, da AMC auch die Schulden der Briten von über 400 Millionen Pfund übernehmen will. Odeon betreibt 242 Kinos mit insgesamt 2236 Leinwänden. AMC, das zur chinesischen Dalian Wanda Group gehört, würde damit zum größten Kinobetreiber weltweit aufsteigen. Auslöser für die geplante Übernahme sei der gegenwärtig schwache Kurs der britischen Währung, wie AMC-Boss Adam Aron erklärte.

Auch in den USA steht AMC vor einem möglichen Mega-Deal. Dort will das Unternehmen für 1,1 Milliarden Dollar den Konkurrenten Carmike übernehmen, die viertgrößte Kinokette der USA. Einigen Eignern ist der gebotene Preis aber zu niedrig, so dass das Geschäft noch in der Schwebe hängt.

Teva wird optimistischer

Der Ratiopharm-Mutterkonzern Teva blickt zuversichtlicher auf das zweite Quartal. Der Umsatz werde bei 4,9 bis 5,0 Milliarden Dollar liegen, teilte der israelische Pharmahersteller am Dienstag nach US-Börsenschluss in Jerusalem mit. Der bereinigte Gewinn je Aktie (EPS) werde bei 1,19 bis 1,22 US-Dollar liegen.

Schon wieder ein Tesla-Unfall

Tesla hat mitten in den Ermittlungen zum ersten tödlichen Crash mit seinem Autopilot-System einen weiteren Unfall mit dem Fahrtassistenten bestätigt. Ein Wagen sei am Wochenende bei eingeschalteter Selbstlenk-Funktion in der Nacht von einer Bergstraße abgekommen, erklärte Tesla am Mittwoch.

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
253,42
Differenz relativ
-0,05%

Der Fahrer hatte die Hände dabei nicht wie vorgeschriebn am Lenkrad, erklärte das Unternehmen. Teslas Autopilot-System wird von der US-Verkehrsbehörde NHTSA untersucht, nachdem Anfang Mai ein vom Computer gesteuerter Tesla-Wagen unter einen Lastwagen-Anhänger raste, der die Fahrbahn querte. Nach Tesla-Angaben hielt das System die weiße Seite des Anhängers für ein hochhängendes Autobahnschild.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
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Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen