Dax erholt, 6.000 verpasst

Stand: 09.06.2010, 20:02 Uhr

An einem durchaus erfreulichen Mittwoch holte der Dax seine seit Montag erlittenen Verluste eindrucksvoll auf. Gute Aussagen von Ben Bernanke zur US-Wirtschaft und die überaus starke Exportwirtschaft Chinas sorgten für den notwendigen Treibstoff.

Der amerikanische Notenbankchef hatte für seine Rede vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses dieses Mal warme Worte im Gepäck. Die US-Wirtschaft, so sagte er, sei auf dem richtigen Weg. Die Erholung setze sich weiter fort, vor allem der private Verbrauch entwickle sich mehr und mehr zum Konjunkturmotor.

Das hörten die Optimisten an den Börsen nur allzu gerne. Dass weiter bekannt wurde, dass die chinesische Wirtschaft im Mai 50 Prozent mehr exportiert hat als vor einem Jahr, gab den Kursen noch mehr Auftrieb, der Dax legte um fast zwei Prozent auf 5.985 Punkte zu. Damit verpasste der Leitindex zwar die Marke von 6.000 Zählern, die Kursverluste der beiden vergangenen Handelstage bügelte er aber wirkungsvoll aus.

Freundlich zeigte sich am Mittwoch auch der Devisenmarkt. Der Euro legte am Mittwoch zu und kostete am Abend wieder mehr als 1,20 Dollar. Händler sprechen der Tageserholung am Aktienmarkt allerdings kaum Nachhaltigkeit zu. Es habe vergleichsweise wenig Störfeuer für die Optimisten gegeben, sagten Börsianer. Die wollten nun austesten, "was charttechnisch nach oben hin möglich ist". In der Tat hat sich die Nachrichtenlage zur europäischen Schuldenproblematik kaum verbessert. Nach Ungarn und Griechenland kamen am Mittwoch Zweifel an der Glaubwürdigkeit der bulgarischen Haushaltsstatistik auf.

Der aktuelle Wirtschaftsbericht der amerikanischen Notenbank, das so genannte Beige Book, verstärkte am Abend die amerikanischen Konjunkturoptimisten. Die Wirtschaftsaktivität habe sich "in allen zwölf Bezirken bestärkt", hieß es im Beige Book. Allerdings gebe es Sorgen über mögliche Folgen der europäischen Schuldenkrise. Zudem sei das Tempo der Erholung in "vielen Bezirken" eher bescheiden. Die Wall Street nahm den Bericht gelassen, der Dow Jones blieb oberhalb der zuvor wieder erreichten 10.000-Punktemarke.

Dax komplett in grün
Der deutsche Leitindex präsentierte sich bei Handelsschluss einseitig in grün. Vor allem konjunktursensible Titel waren gefragt, allen voran die Autoaktien von Daimler und BMW. BMW meldete seine Monatszahlen. Weltweit stieg der Absatz im Mai um fast 11 Prozent auf fast 121.000 Pkw. VW kündigte am Morgen an, dass man mit zusätzlichen Fabriken in China den weltgrößen Automarkt aufrollen wolle. In drei Jahren wolle man in der Lage sein, drei Millionen Autos in China zu bauen, sagte VW-Chef Martin Winterkorn.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,17
Differenz relativ
-0,67%

Sparpaket belastet weiter
Den zweiten Tag in Folge notierten die Aktien der Versorger und Fluglinien schwächer als der Dax. Die möglicherweise bevorstehenden Belastungen für Eon, RWE, Lufthansa und Air Berlin treiben die Anleger um. Immerhin geht es um 2,3 Milliarden Euro, die bei den Versorgern über eine neue Steuer geholt werden sollen, sowie um etwa eine Milliarde, die von den Fluggesellschaften kommen soll. Das sieht zumindest die derzeit gültige Fassung des Sparpaketes der Bundesregierung vor.

Ebenfalls nur knapp erholt schloss die Aktie von Salzgitter. Der Stahlkonzern kann nicht von der neuesten Stahlstatistik profitieren, dass nämlich die Rohstahlproduktion im Mai wieder das Niveau vom Frühsommer 2008 erreicht habe. Bei Salzgitter belastete auch der Dividendenabschlag nach der gestrigen Hauptversammlung sowie eine Kursziel- und Empfehlungssenkung der Credit Suisse.

K+S will Compo loswerden
Der Düngemittelkonzern K+S will sich künftig auf sein Kerngeschäft konzentrieren und daher von seiner Gartenzubehörsparte Compo trennen. Compo - bei Hobbygärtnern für Düngemittel, Blumenerden und Pflanzenschutzmitteln bekannt - setzt 400 Millionen Euro jährlich um und steht bei K+S-Beobachtern schon länger auf der Wunschverkaufsliste.

Adidas sieht sich vor Nike
2,1 Prozetn fester schloss die Adidas-Aktie. Vorstandschef Herbert Hainer sagte der "FT", dass Adidas dank der Weltmeisterschaft seine Marktführerschaft im Fußballbereich über den erbitterten Konkurrenten Nike ausbauen könnte.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,15
Differenz relativ
-4,80%

Wird Jain der neue Ackermann?
Die Frage nach der Nachfolge Josef Ackermanns als Deutsche Bank-Chef treibt derzeit das "Handelsblatt" um. Investmentbanking-Vorstands Anshu Jain wird von dem Blatt als Kronprinz präsentiert, was die Deutsche Bank zu kräftigen Dementis veranlasste. Ackermann habe einen Vertrag bis 2013, ließ die Bank mitteilen, daher entbehrten jegliche Nachfolgespekulationen ihrer Grundlage. An der Börse scheint das Thema die Händler nicht zu interessieren, die Aktie der Deutschen Bank steigt um fast zwei Prozent.

Von den Analysten bevorzugt
Die Kursgewinne von fast drei Prozent bei der Siemens-Aktie sind teilweise Goldman Sachs zu verdanken. Die amerikanische Bank verbesserte das Kursziel für Siemens-Aktien auf 115 Euro. Auch der Duftstoffhersteller Symrise aus dem MDax erhielt eine verbesserte Bewertung. Morgan Stanley hob das Kursziel auf 19 Euro, die Empfehlung auf "Overweight". Die Aktie stieg um fast sechs Prozent.

MTU und EADS
Die beiden im MDax notierten Aktien von EADS und MTU legten deutlich zu. Beide profitierten von der Aussage des EADS-Vorstandschefs Louis Gallois, der gesagt hatte, dass der Konzern bereits in fünf Jahren mit dem neuen A380 Gewinne erwirtschaften werde. Zudem hatte EADS 32 A380 an die Fluggesellschaft Emirates verkaufen können. Der Triebwerkehersteller MTU erhielt deswegen ein "Strong Buy" von der BHF-Bank. Am Mittwoch sagte Gallois auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA zudem, dass EADS sich erneut um den Tanker-Auftrag für die amerikanische Armee bewerben werde. "Jeder weiß, dass wir das beste Flugzeug haben", sagte Gallois mit Blick auf den 35 Milliarden Dollar schweren Auftrag.

Kontron ist zuversichtlich
Der Kleinstcomputerhersteller Kontron hat auf seiner Hauptversammlung eine freundliche Prognose für das zweite Halbjahr geliefert. Bereits im April und Mai habe man einen "deutlichen Aufschwung verzeichnet", sagte Vorstandschef Ulrich Gehrmann. Dies zeige sich in guten Umsatzzahlen. Kontron ist nun zuversichtlich, im zweiten Halbjahr "deutlich zulegen zu können". Der TecDax-Konzern erwartet, bei Umsatz und Gewinn etwa die Vorjahreswerte zu erreichen.

Anleger verkaufen Solon-Aktien
Der zuletzt etwas angeschlagene Solarkonzern Solon will sich durch eine Kapitalerhöhung finanziell besser stellen. Aktionäre können für je acht vorhandene Aktien drei neue zum Preis von 4,26 Euro ordern. Die Beteiligungsgesellschaft Mithril, mit rund einem Drittel an Solon beteiligt, wird, falls nötig, die nicht gezeichneten Aktien aus der Kapitalerhöhung kaufen. Die Aktie gab 2,2 Prozent ab.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat