Dax durch Finanzwerte belastet

Stand: 09.01.2012, 19:57 Uhr

Wieder einmal hat die Sorge um die Banken das Handelsgeschehen maßgeblich bestimmt. Der Dax rutschte ins Minus, die Anleger bleiben vorsichtig. Trotzdem verteidigt der Index die Marke von 6.000 Punkten.

Der deutsche Leitindex geht nach einem überwiegend richtungslosen Handel mit einem Minus von 0,6 Prozent in die neue Woche und beendet den Xetra-Handel bei 6.017 Punkten. Trotz einer nachgebenden Tendenz am Nachmittag behauptete der Index aber damit die Marke von 6.000 Punkten, die im Handelsverlauf bereits unterschritten worden war. Nachbörslich gab es noch einen kleinen Nachschlag, der L/E-Dax schloss bei 6.029 Punkten. Aufbruchsstimmung sieht allerdings anders aus: "Die Umsätze sind noch immer sehr gering, viele Anleger halten sich zurück", sagte ein Händler.

Banken pfui, Autos hui
Vor allem die desaströse Kapitalerhöhung der italienischen Großbank Unicredit trübt die Stimmung: "Die Kapitalerhöhung der Unicredit ist für Europas Banken kein gutes
Omen", fasste ein anderer Händler zusammen. Am Dax-Ende stand heute die Commerzbank mit einem Minus von 3,8 Prozent. Auch andere Finanzaktien wurden angesichts der Unsicherheiten in Europa weiter abgegeben, Allianz und Deutsche Bank gehörten im Dax ebenfalls zu den Tagesverlierern.

Des einen Freud, des anderen Leid -aus der Autoindustrie kamen heute nur Jubelmeldungen. Verbandspräsident Matthias Wissmann und später auch die Unternehmensvertreter zeigten sich auf der Detroiter Automesse sehr optimistisch. Die Industrie will auf dem wiedererstarkten US-Markt wachsen und sieht hierfür nach Wissmanns Worten gute Chancen. Vor allem im Hybrid-Segment der Oberklasse, wo deutsche Hersteller einen hohen Marktanteil haben, will die deutsche Autoindustrie kräftig Gas geben. BMW waren Tagessieger mit einem Aufschlag von 2,3 Prozent. Auch Daimler legten 0,7 Prozent zu. Volkswagen mussten die anfänglichen Gewinne jedoch wieder abgeben, am Ende verlor die Aktie 1,8 Prozent.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
138,74
Differenz relativ
-0,50%
Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
207,00
Differenz relativ
-0,81%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,13
Differenz relativ
-1,12%

Adidas schloss in Erwartung guter Jahreszahlen ebenfalls besser und legte 2,2 Prozent zu. Adidas-Finanzchef Robin Stalker hatte gegenüber der "Börsen-Zeitung" angekündigt, man könne mit dem Jahresabschluss "sehr zufrieden" sein. Von der LBBW gab es zudem eine Kaufempfehlung für den Titel.

Nur wenig Beachtung fanden diesmal die Aussagen des Treffens zwischen Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Staatschef Sarkozy. Bei der Einführung einer Börsensteuer sind sich die beiden Politiker aber einig, notfalls auch nur im Euro-Raum.

Wall Street tendiert gut behauptet
An der Wall Street liegen die großen Indizes aktuell in der Nähe ihrer Schlussstände vom Freitag. Die Investoren blicken weiter gespannt nach Europa. Vor allem die heutigen deutsch-französischen Beratungen werden genau beobachtet werden, sagte Rick Meckler von Liberty View Capital. Zudem blickt der Markt auf die nachbörslich erwarteten Alcoa-Zahlen, mit denen traditionell die neue Berichtssaison eröffnet wird. Die Hoffnungen sind im Vorfeld allerdings gedämpft, auch ein Verlust wird nicht ausgeschlossen.

Euro etwas erholt
Der Euro bleibt weiter im Würgegriff der europäischen Schuldenkrise. Nachdem die Gemeinschaftswährung zuvor mit 1,2666 Dollar den tiefsten Stand seit September 2010 erreicht hatte, konnte sie sich im Tagesverlauf etwas erholen. Aktuell behauptet der Euro dieses Erholungsniveau bei 1,2745 Dollar. Auf den Rücktritt des Schweizer Notenbankpräsidenten Hildebrand reagierte die europäische Gemeinschaftswährung allerdings nicht.

Linde: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
189,50
Differenz relativ
-0,92%

Linde baut Medizingeschäft aus
Der Industriegase-Konzern baut sein Gesundheitsgeschäft mit einem Zukauf aus. Für 590 Millionen Euro übernimmt Linde die europäischen Aktivitäten des US-Wettbewerbers Air Products. Dabei geht es um medizinische Gase, die in der Beatmungs- und Schlaftherapie eingesetzt werden und eine höhere Marge abwerfen als Industriegase.

Strategisch mache der Zukauf nach Angaben von Händlern durchaus Sinn. Das ganze hat allerdings seinen Preis: "Wir gehen davon aus, dass Linde hier einen strategischen Aufschlag zahlen muss, da ein Unternehmen dieser Größe nicht oft zum Kauf steht", sagte ein Händler. Die Anleger ließen sich allerdings nicht beeindrucken, die Aktie gehört zu den Verlierern im Dax und gibt 0,6 Prozent ab.

Brenntag kauft zu
Der Chemikalienhändler steigt in das Duft- und Aromastoffgeschäft ein. Für 18,5 Millionen Dollar kaufen die Mülheimer den mexikanischen Spezialchemieanbieter Amco Internacional. Die Aktie legte im MDax knapp ein halbes Prozent zu.

Dialog mit Umsatzrekord
Chipspezialist Dialog Semiconductor beendet den Handelstag nach volatilem Handelsverlauf mit 1,1 Prozent im Plus. Das Im TecDax notierte Unternehmen hat seinen Jahresumsatz 2011 um 78 Prozent auf 527 Millionen Euro gesteigert und übertraf damit auch die eigene Prognose des Unternehmens. Die Marktbedingungen hätten sich in der zweiten Jahreshälfte verbessert, so Dialog am Montag.

Großaktionär bei TAG Immobilien
Der Vermögensverwalter Flossbach von Storch baut seinen Einfluss bei TAG Immobilien aus. Wie das im SDax notierte Unternehmen heute in einer Ad-hoc-Mitteilung bekannt gab, liegt der Flossbach-Stimmrechtsanteil seit dem 4. Januar bei 10,08 Prozent, zudem sollen weitere Anteile gekauft werden. Eine Änderung der Kapitalstruktur oder Einfluss auf die TAG-Entscheidungsgremien strebe Flossbach von Storch aber nicht an.

Bijou Brigitte setzt weniger um
Aktien des Hamburger Schmuckhändlers gerieten zum Wochenauftakt knapp sechs Prozent unter Druck. Im Geschäftsjahr 2011 hat das Unternehmen 374 Millionen Euro umgesetzt, das ist ein Prozent weniger als im Vorjahr. Belastet hat dabei vor allem die Wirtschaftskrise in Spanien und Portugal. Auf vergleichbarer Fläche gingen die Erlöse sogar um fünf Prozent zurück. Nach Steuern erwartet der Konzern ein Ergebnis zwischen 45 und 50 Millionen Euro.

Santander sieht sich am Ziel
Die spanische Großbank berichtet heute, dass sie die vorgeschriebene harte Kernkapitalquote von neun Prozent erreicht hat. Dazu hat die größte Bank der Euro-Zone mit verschiedenen Kapitalmaßnahmen insgesamt 15,3 Milliarden Euro neues Geld eingesammelt. Die neuen, strengeren Eigenkapitalvorschriften für europäische Banken müssen nach den Beschlüssen der Aufsichtsbehörde EBA bis zum 30. Juni dieses Jahres umgesetzt sein. Zu diesem Termin soll die harte Kernkapitalquote bereits bei zehn Prozent liegen, teilte Santander darüber hinaus mit. Santander-Aktien, die zwischenzeitlich fast drei Prozent im Plus lagen, geben die Gewinne allerdings fast komplett wieder ab und schließen wenig verändert.

Deutlich schlechter läuft es für die italienische Großbank UniCredit. Deren Kapitallücke liegt bei acht Milliarden Euro und soll durch die jüngste Kapitalerhöhung geschlossen werden. Diese läuft aber schlecht, die Bank muss den Investoren hohe Rabatte gewähren. Seit der Ankündigung hat die Aktie schon über 40 Prozent verloren. Auch heute ging die Talfahrt mit einem dicken Minus von 13,7 Prozent weiter. Zwischenzeitlich war der Handel in Mailand sogar ausgesetzt worden.

Statoil lässt Hoffnungen sprudeln
Der norwegische Ölmulti hat erneut ein großes Ölvorkommen in der Arktis entdeckt. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, könnten sich die Ressourcen auf bis zu 300 Millionen Barrel Öläquivalent belaufen. Mit an Bord bei der weiteren Erforschung des Vorkommens sind die Ölkonzerne Eni und Petoro.

Dells Kriegskasse gut gefüllt
Der US-Computerhersteller Dell will in Zukunft kräftig zukaufen und damit sein Geschäft voranbringen. Das kündigte Firmenchef Michael Dell an. "Wir werden uns als Serieneinkäufer erweisen", sagte Dell. Die Kassen dafür seien gut gefüllt. Dabei werfe Dell insbesondere ein Auge auf kleine und mittelgroße Unternehmen und deren Technologien.

Michael Dell erwartet, dass die Nachfrage nach Computern trotz Tablet-PC und Smartphone Handy robust bleiben werde. "Wenn ich mir einen Tablet kaufe, werfe ich mein Smartphone nicht weg. Wenn ich ein Smartphone bekomme, trenne
ich mich nicht von meinem Computer", sagte der Firmenchef. Dell galt lange hinter Marktführer Hewlett Packard als die Nummer zwei in der Branche, musste aber zuletzt den chinesischen Hersteller Lenovo an sich vorbeiziehen lassen. Dell-Aktien liegen in New York zur Stunde 1,4 Prozent besser im Markt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.