Dax duckt sich weg

von Lothar Gries

Stand: 04.02.2008, 20:02 Uhr

Die Bodenbildung an den Aktienmärkten ist noch immer nicht erreicht. Enttäuschende Konjunkturnachrichten aus den USA reichten aus, um den Dax im Abendhandel auf sein Niveau vom Morgen zu schicken.

Im Abendhandel rutschte der Dax wieder unter die Marke von 7000 Punkte und schloss nahezu unverändert bei 6985 Zählern. Grund für den Stimmungseinbruch waren Kursverluste an der Wall Street nach den schlechter als erwartet ausgefallenen Zahlen zum Auftragseingang der amerikanischen Industrie im Januar.

Zu den größten Gewinnern gehörten neben der von Fusionsgerüchten getriebenen Tui vor allem Aktien der Autoindustrie. Auch der LKW-Hersteller MAN konnte in Erwartung guter Zahlen auf der morgigen Pressekonferenz überdurchschnittlich zulegen. Lediglich Volkswagen konnte von der Entwicklung nicht profitieren und notierte im Minus. Auch die Banken- und Versicherungswerte standen erneut unter Verkaufsdruck, allen voran die Titel der Hypo Real Estate. Sie verloren nach einer Herabstufung durch die Citigroup mehr als vier Prozent. Dadurch gerieten auch die Immobilienwerte aus dem MDax, vor allem IVG unter Druck. Größter Verlierer im Mdax war der Wohnimmobilienkonzern Gagfah, dessen Finanzvorstand das Unternehmen Ende Januar verlassen hat.

Im TecDax gehörte der Glasfaserspezialist Adva mit einem Kursplus von über 10 Prozent zu den größten Kursgewinnern. Händler vermuteten, ein mit Unternehmenschef Brian Protiva verbundener Investor habe erneut zugekauft und damit seine im Januar begonnene Strategie fortgesetzt.

Virgin bietet für Northern Rock

Die Virgin Group des Milliardärs Richard Branson hat kurz vor Ende der Angebotsfrist eine Offerte für die angeschlagene britische Bank Northern Rock vorgelegt. Ziel sei, die Geschäfte bei Northern Rock zu stabilisieren und die Geschäfte unter dem Namen Virgin Bank fortzuführen, teilte Virgin am Montag mit. Northern Rock solle rekapitalisiert und refinanziert werden. Geplant sei eine Kapitalspritze von 1,25 Milliarden Pfund. Auch solle die Bank weiter an der Börse notiert bleiben. Zuvor hatte die Investmentfirma Olivant ihren Rückzug aus dem Rennen erklärt.

Russen dementieren Interesse an Hochtief
Die Investmentfirma Basic Elements (Basel) des russischen Milliardärs Oleg Deripaska will ihren Anteil am deutschen Baukonzern Hochtief nicht aufstocken. "Wir haben keinen Plan, unseren Anteil zu erhöhen", sagte ein Basel-Sprecher am Montag. Der Geschäftsmann Deripaska hatte im Mai 2007 seine Beteiligung an Hochtief von drei auf 9,99 Prozent erhöht. Am Montag sorgten Gerüchte über eine weitere Aufstockung für einen Kursanstieg des baukonzerns um 6,9 Prozent.

Unicredit optimistisch für 2008
Die italienische Großbank UniCredit hat für 2008 eine Fortsetzung ihres Wachstums angekündigt. Auch sei die Bank in der Lage, "gute Dividenden" zahlen zu können, sagte Konzernchef Alessandro Profumo am Montag. Die Bank habe ihre Planungen für das laufende Jahr abgeschlossen. Profumo erwartet "wie jedes Jahr" höhere Zahlen als im Vorjahr.

Google bietet Yahoo Hilfe an
Der Internetkonzern Gogle ist offenbar bereit, seinem Konkurrenten Yahoo im Kampf gegen Microsoft Hilfe zu leisten. Das Yahoo-Management habe seit Monaten ruhende Gespräche mit Google wieder aufgenommen, um das knapp 45 Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot Microsofts abzuschmettern, meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Yahoo-Spitze hält die MS-Offerte trotz eines Aufschlags von mehr als 60 Prozent auf den Börsenkurs für nicht ausreichend. Microsoft wird für den Bargeld-Anteil seines Gebotes für Yahoo wohl zum ersten Mal in seiner Geschichte Schulden aufnehmen.

Tui erklimmt Dax-Spitze
Spekulationen über einen eventuellen verkauf der Flugtochter Tuifly haben der Aktie des Reise- und Schifffahrtskonzerns Tui unerwarteten Auftrieb verschafft. Die Papiere stiegen um knapp sechs Prozent, nachdem Investoren eine mögliche Fusion der Billigflieger Germanwings, Tuifly und Eurowings nicht mehr ausschließen wollen. Sollte es zu einem solchen Zusammenschluss kommen dürfte sich Tui von seiner Tochter Tuifly trennen.

Autos im Plus, außer VW
Während die Aktien der Fahrzeugbauer BMW, Daimler und MAN deutliche Zuwächse verbuchen konnten, gehörte die VW-Aktie mit einem Abschlag von einem Prozent zu den Verlierern im Dax. Grund sind die enttäuschenden Verkaufszahlen in den USA. Dort hatte VW, wie auch Porsche, einen deutlichen Absatzrückgang hinnehmen müssen. Passend dazu sprach die Citigroup eine Verkaufsempfehlung für den Titel aus, die Commerzbank hat VW auf "hold" eingestuft.

Deutsche Börse rutscht ab
Trotz eines rasanten Umsatzanstiegs im Januar um gut 60 Prozent musste die Aktie des Frankfurter Börsenbetreibers bis zum Abend ihre Gewinne wieder abgeben und drehte sogar ins Minus. Die Handelsumsätze waren im vergangenen Monat auf 307 Milliarden Euro gestiegen. Die Anzahl der gehandelten Terminkontrakte legte um 57 Prozent auf mehr als 207 Millionen zu.

Conti schreibt im US-Reifengeschäft schwarze Zahlen
Zu den Gewinnern im Dax gehörte auch der Autozulieferer Continental. Finanzvorstand Alan Hippe zuvor mitgeteilt, dass das Reifengeschäft in den USA operativ wieder schwarze Zahlen schreibt. Das Betriebsergebnis liege im einstelligen Millionenbereich, so Hippe gegenüber der "Welt am Sonntag". Für 2008 plant Conti in den USA ein weiteres profitables Wachstum. Die Aktie legt um gut zwei Prozent zu.

Oerlikon hilft Singulus auf die Sprünge
Nach der Übernahme des Schweizer Konkurrenten Oerlikon, zogen auch die Aktien des deutschen Spezialmaschinenherstellers Singulus kräftig an. Bis zum Abend mussten die zeitweise um neun Prozent gestiegenen Titel einen Großteil ihrer gewinne aber wieder abgeben. Singulus hat nach Aussage von Vostandschef Stefan Bauster nun die Chance, zwei Drittel des Weltmarktanteils im Bereich für Blu-ray-Produktionsanlagen zu erobern.

Gerresheimer mit Rekordrendite
Der Verpackungshersteller hat 2007 eine Umsatzrendite von 19 Prozent erreicht und damit sein selbt gestecktes Ziel erreicht. Der Umsatzanstieg um fast 50 Prozent auf 957 Millionen Euro geht vor allem auf das Konto von Übernahmen. Eine weitere Akquisition gab Gerresheimer am Montag auch noch bekannt: Die brasilianische Allplas Embalagens wird dem Konzern hinzugefügt. Die Aktie steigt jedoch nur 1,2 Prozent.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat