Marktbericht 20:02 Uhr

Streit mit Athen belastet Dax doch wieder unter 11.000

Stand: 17.06.2015, 20:02 Uhr

Die verhärteten Fronten im griechischen Schuldenstreit haben die Anleger am Mittwoch erneut verunsichert. Im derzeit vergifteten Klima zwischen Berlin, Brüssel und Athen mussten die Bullen die morgendlichen Erholungsversuche rasch wieder aufgeben.

Trotz einer neuerlichen Stimmungsaufhellung am Nachmittag, die den Dax wieder über die Schwelle von 11.000 Punkten trieb, setzten in der letzten halben Stunde vor Handelsschluss wieder Gewinnmitnahmen ein, so dass der deutsche Leitindex am Ende 0,6 Prozent tiefer schließtm bei 10.978 Punkten - der niedrigste Stand seit Mitte Februar. Der EuroStoxx50 büßt 0,7 auf 3.428 Zähler ein.

"Neuerdings werden persönliche Giftpfeile zwischen Athen und Brüssel hin- und hergeschossen", sagte Moritz Westerheide, Analyst bei der Bremer Landesbank. Es sei fraglich, wie so noch eine einvernehmliche Lösung gefunden werden könnte. Ein Sprecher von Finanzminister Schäuble sagte, man sollte nicht erwarten, dass die EU-Finanzminister auf ihrem morgigen Treffen schon über Papiere und Unterlagen entscheiden können.

Warten auf die Fed

Für Verunsicherung sorgte zudem der für den Abend nach Handelsschluss in Europa anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank Fed. Zwar gilt eine Anhebung der seit 2006 unveränderten Leitzinsen als unwahrscheinlich, doch erhoffen sich die Anleger zum Ende der zweitägigen Fed-Sitzung Hinweise auf die weitere Geldpolitik in den USA in den kommenden Monaten. So könnte die Notenbank die zuletzt besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten zum Anlass nehmen, um die Märkte auf eine Normalisierung der Geldpolitik im Herbst vorzubereiten. "Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, wird die Fed nicht sehr interessiert sein, für Aufruhr zu sorgen", meinte Adam Sarhan, Chef der Anlagefirma Sarhan Capital.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.341,00
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-0,11%

Trotzdem sind am Abend auch die Kurse an der Wall Street ins Minus gedreht, nachdem der Dow noch im Tagesverlauf auf 17.974 Punkte gestiegen war. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow 0,2 Prozent schwächer bei 17.848 Zählern.

Euro weiter über 1,12 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1411
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-0,06%

Der festgefahrene Schuldenstreit zwischen Griechenland und seinen Gläubigern lässt den Euro nach wie vor vergleichsweise kalt. Er schwankt im Tagesverlauf zwischen 1.1272 Dollar und 1,1245 Dollar. Im Späthandel legt er wieder leicht zu und klettert auf 1,1266 Dollar.

Fedex enttäuscht

FedEx: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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199,40
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-0,45%

Der US-Paketzusteller FedEx hat im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2014/15 die Erwartungen der Analysten leicht verfehlt. Unter dem Strich vermeldet das Unternehmen einen Verlust von 895 Millionen Dollar, mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Geschäftsjahr 2016 erwartet das Unternehmen ein bereinigtes EPS von 10,60 bis 11,10 Dollar. Analysten hatten bislang mit 10,88 Dollar gerechnet. Die Aktie verliert im New Yorker Handel 2,9 Prozent.

T-Aktie wieder im Fokus

T-Aktien gehören bis zum Abend zu den stärksten Werten im Dax. Das "Manager Magazin" berichtet, dass der US-Kabelkonzern Comcast an der Mobilfunktochter T-Mobile US interessiert sei. Comcast hatte im April wegen Widerstands von Wettbewerbshütern die geplante 45 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme des Konkurrenten Time Warner Cable abgeblasen.

Linde ist zuversichtlich

Auch die Linde-Aktie gehört zu den wenigen Gewinnern im Dax. Der Industriegas-Hersteller macht Hoffnung auf bessere Geschäfte. "Das zweite Quartal ist bereits besser - das haben wir im April und im Mai gesehen", sagte Vorstandschef Wolfgang Büchele der "Financial Times".

Lufthansa leidet unter Mers-Ausbreitung

Schwächster Wert im Dax ist dagegen die Lufthansa-Aktie. Marktexperten zufolge leidet das Papier unter der Furcht vor einer Ausbreitung der Atemwegserkrankung Mers, die bisher vor allem in Saudi-Arabien und Südkorea aufgetreten ist. Deie Weltgesundheits-Organisation (WHO) nannte den Ausbruch in Südkorea einen Weckruf.

Cropenergies und Südzucker gefragt

Im MDax ist die Südzucker-Aktie der größte Kursgewinner. Die Tochter Cropenergies hat die Prognose für das Gesamtjahr erhöht: Cropenergies rechnet jetzt mit einem operativen Ergebnis von 10 bis 40 (bisher: minus 20 bis plus 10) Millionen Euro und einem Umsatz von 625 bis 725 (bisher: 625 bis 675) Millionen Euro.

Bilfinger verkauft verlustreiche Energiesparte

Ins Minus gedreht ist am Abend die Bilfinger-Aktie. Wenige Wochen nach dem Antritt des neuen Konzernchefs Per Utnegaard beschloss der Vorstand, Bilfinger solle sich künftig auf das Geschäft im Industrie- und Immobiliensektor konzentrieren. "Für das Geschäftsfeld Power wird ein strukturierter Verkaufsprozess gestartet. Im Geschäftsfeld Power seien inzwischen weitere erhebliche Verluste zutage getreten, die vor allem im ersten Halbjahr anfielen. Der Vorstand erwarte für die Sparte einen operativen Verlust von 100 Millionen Euro.

Zalando empfohlen

Im Kleinwerteindex SDax kann die Zalando-Aktie punkten. Die Aktie des Online-Modehändlers kann von einer positiven Analystenstudie profitieren. Die UBS hat den Titel mit "Buy" und einem Kursziel von 43 Euro gestartet. Die Aktie notiert aktuell rund 45 Prozent oberhalb ihres Ausgabepreises von 21,50 Euro.

Annington ex-Bezugsrecht

Dagegen werden die Aktien der ebenfalls im SDax notierten Deutschen Annington ex-Bezugsrecht gehandelt. Die Immobiliengesellschaft hatte am Sonntag eine weitere Übernahme angekündigt, für die sie nun bei den Investoren Geld einsammelt. Bei der Kapitalerhöhung können die Altaktionäre für 10 gehaltene Papiere je 3 neue Aktien erwerben. Der Bezugspreis beträgt 20,90 Euro. Die Bezugsrechte können bis zum 26. Juni gehandelt werden.

MLP: Anleger honorieren Zukauf

Der Finanzdienstleister MLP hat sich mit dem Kauf der Domcura-Gruppe ein weiteres, strategisch relevantes Geschäftsfeld erschlossen. Die Übernahme zum Preis von 18 Millionen Euro wird teils in bar, teils über eine Kapitalerhöhung finanziert. Am Markt kommt die Erweiterung der Geschäftsbereiche von MLP gut an.

PNE Wind: Kräftiger Gegenwind für Dieter Kuprian

Außergewöhnlich hoch hergegangen ist es auf der gestrigen Hauptversammlung der PNE Wind, das Aktionärstreffen endete ohne Ergebnisse. Die Versammlung müsse vertagt werden, teilte PNE mit. Ein neuer Termin stehe noch nicht fest. Die bisherigen Aufsichtsratsmitglieder blieben damit im Amt. Aufsichtsratschef Dieter Kuprian steht wegen seiner üppigen Bezahlung in der Kritik.

Halloren will wieder wachsen

Die börsennotierte Halloren Schokoladenfabrik AG will trotz der Probleme mit seiner belgischen Pralinentochter Bouchard an seiner Wachstumsstrategie festhalten. "Wir wollen und müssen weiter wachsen", sagte Finanzvorstand Andreas Stuhl am Mittwoch auf der Hauptversammlung. Ab 2016 soll auch der Gewinn des Unternehmens wieder anziehen. Mittelfristig seien weitere Zukäufe angepeilt. Im vergangenen Jahr war der Gewinn des Konzerns trotz leicht auf 121 Millionen Euro gestiegenen Umsatzes um 87 Prozent auf 200.000 Euro eingebrochen.

ADO Properties will an die Börse

Der Berliner Wohnungsvermieter ADO Properties macht mit seinen Börsenplänen Ernst. Das Unternehmen legte seine Preisspanne am Mittwoch auf 20 bis 25 Euro fest. Die Emission von bis zu 23,2 Millionen Aktien soll mindestens 400 Millionen Euro bringen, die Hälfte davon fließt dem Unternehmen selbst zu. Mit dem Geld will ADO weitere Wohnimmobilien in Berlin kaufen, wo das Unternehmen bisher gut 14.000 Wohnungen besitzt.

Remy Cointreau lockt mit Dividende

Die Aussicht auf eine steigende Dividende treibt die Aktien des französischen Spirituosen-Herstellers Remy Cointreau an. Der Kurs klettert in der Spitze um bis zu 9,2 Prozent auf 70,00 Euro. Der Hersteller von Remy Martin Cognac und Cointreau Likör hat die Dividende um 20,5 Prozent auf 1,53 Euro je Aktie erhöht.

Telecom Italia begehrt

Auch die Telecom-Italia-Aktie legt zu. Der französische Mischkonzern Vivendi prüft eine Anteilsaufstockung auf 10 bis 15 Prozent. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Ein 15-Prozent-Anteil wäre aktuell rund drei Milliarden Euro wert.

Toyota: Rückruf ausgeweitet

Toyota weitet seinen Rückruf wegen defekter Airbags des Zulieferers Takata in den USA aus. Der japanische Autobauer beorderte am Dienstag weitere 1,37 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. Damit beläuft sich der Rückruf wegen der Probleme bei den Airbags allein bei Toyota auf fast drei Millionen Autos.

Mega-Börsengang  in China

In China bahnt sich der größte Börsengang seit fünf Jahren an. Der drittgrößte Broker der Volksrepublik, die staatliche Guotai Junan Securities, will bei seinem Sprung auf das Handelsparkett in Schanghai umgerechnet 4,3 Milliarden Euro einnehmen. Die Zeichnungsfrist soll am 18. Juni starten.

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"