Marktbericht 20:05 Uhr

Erholung mit der Wall Street Dax doch noch mit viel Schwung

Stand: 26.08.2014, 20:05 Uhr

Die Erholung am deutschen Aktienmarkt geht weiter. Nach verhaltenem Start legt der Dax einen Bilderbuch-Turnaround hin und schließt fast am Tageshoch. Der Index folgt damit der New Yorker Börse, die sich in Rekordlaune präsentiert.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.244,17
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+1,61%

Zum Handelsschluss beendete der deutsche Leitindex eine beeindruckende Trendwende mit einem Aufschlag von 0,8 Prozent bei 9.588 Punkten. Der Index schloss damit nahe des Tageshochs bei 9.591 Zählern und auch deutlich über der bei 9.509 Punkten liegenden 200-Tage-Linie.

Am Vormittag hatte es nicht danach ausgesehen, dass der Index diese wichtige charttechnische Marke überwinden könnte. Das Tagestief lag bei 9.446 Zählern. Am Ende lagen 29 von 30 Dax-Werten im Plus, lediglich Eon gaben leicht nach. Im Späthandel tat sich nicht mehr viel, der L/E-Dax schloss bei 9.578 Zählern.

EZB-Fantasie und Höhenflug in New York...

Am Nachmittag wurde dann aber klar, dass die New Yorker Börse ihre Rekordjagd fortsetzen würde, was die Anleger beflügelte. Zudem sind Spekulationen um weitere Lockerungsschritte der Notenbank im Markt, traditionell einer der größten Kurstreiber.

Die Aussicht auf neues, billiges Geld von der Notenbank sorgt für Begehrlichkeiten an der Börse. "Besagter Geldregen dürfte dann auch wieder im besonderen den Aktienmärkten zugutekommen", sagte Gregor Kuhn von IG Markets. Entsprechende Andeutungen von EZB-Chef Mario Draghi hatten bereits gestern für steigende Notierungen gesorgt.

...aber auch weiter der Blick in die Ukraine

Trotzdem, die Krise in der Ukraine bleibt ein heikles Thema und sorgt dafür, dass die Umsätze mäßig blieben. Die Investoren blicken weiterhin mit gemischten Gefühlen auf den Ukraine-Russland-Gipfel, der in Kürze in der weißrussischen Hauptstadt Minsk stattfindet. Den jüngsten Aufschwung am Aktienmarkt dürften viele Marktteilnehmer also bis jetzt gar nicht mitgemacht haben.

US-Börsen weiter in Rekordlaune

In New York liegen die großen Indizes derweil allesamt im Plus. Am Vortag hatte der marktbreite S&P-500-Index im Handelsverlauf mit 2.002 Zählern ein neues Rekordhoch erreicht. Aktuell markieren sowohl der S&P mit 2.004 als auch der Dow-Jones-Index bei 17.153 Zählern neue Bestmarken. An der Nasdaq steht der Composite-Index aktuell 0,3 Prozent höher und rundet das positive Gesamtbild ab..

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
24.575,53
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+0,46%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.660,17
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+0,71%
Nasdaq Composite: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
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7.006,02
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+1,41%

Konjunkturdaten im Visier

Die neuen Konjunkturdaten werden vom Markt positiv aufgenommen, denn sie überraschten überwiegend positiv. Während der Hausmarkt wie auch im Vormonat schon stagnierte, legte der Auftragseingang für langlebige Industriegüter für den Juli mit einem Plus von 22,6 Prozent deutlich zu. Der Wert lag klar über den Erwartungen der Experten, die im Schnitt einen Zuwachs von nur 7,5 Prozent prognostiziert hatten.

Allerdings gab es Sondereffekte, wie Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen erläutert: "Die Zahlen sind wie erwartet massiv von dem Ordereingang bei Boeing beeinflusst worden und im laufenden Monat droht somit ein Rückschlag." Der Experte sprach insgesamt aber von robusten Zahlen.

Auch das Verbrauchervertrauen lag im Juli mit 92,4 Punkten deutlich über den Expertenprognosen von 89,0 Zählern und damit auf dem höchsten Stand seit dem Oktober 2007. "Angesichts des robusten gesamtwirtschaftlichen Umfeldes insbesondere des sich verbessernden Arbeitsmarktes ist die Stimmungsaufhellung aber ein weiteres Signal für robuste Konsumtätigkeit in den USA", kommentierte Ralf Umlauf. Der private Konsum macht in Amerika rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung aus und ist daher von besonderer Bedeutung.

Euro weiter unter 1,32 Dollar

Weiter eher dunkle Wolken hängen über dem Euro, der ebenfalls mit den Aktionen der EZB steht und fällt. Vor allem die Inflationseinschätzung wird nach Ansicht von Devisenexperte Lutz Karpowitz eine entscheidende Rolle spielen.

"Fallen die Inflationserwartungen weiter, könnte die EZB früher aktiv werden, als sich Viele derzeit vorstellen können", sagte der Ökonom. Das könnte dann den Euro weiter in den Keller treiben. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3192 nach 1,3200 Dollar am Montag fest.

Die Draghi-Gewinner

Die Dax-Gewinnerliste wurde am Dienstag von Titeln aus der Bankenbranche angeführt. Das wundert kaum, wären sie doch die großen Nutznießer, würde Draghi seinen Worten von Jackson Hole Taten folgen lassen. Aktien von Commerzbank und Deutsche Bank legten gut zwei Prozent zu. Gefragt war mit Heidelbergcement auch der einzige Bauwert im Dax, allerdings ohne Meldung.

Lufthansa: Erleichterung macht sich breit

Die Lufthansa-Aktie behauptete sich nach anfänglichen Kursverlusten und legte gut 1,4 Prozent zu. Der Markt reagierte erleichtert, dass die Lufthansa-Piloten im Falle eines Streiks nur begrenzte Ausstände planen. "Es wird nicht zwingend so sein, dass wir wie beim letzten Streik im April die Lufthansa drei Tage lahmlegen", sagte ein Sprecher der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit am Dienstag. Am Abend nach Börsenschluss wurde bekannt, dass beide Verhandlungspartner am Donnerstag wieder zusammen treffen wollen.

VW steigert Absatz deutlich

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
152,36
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+4,53%

Die VW-Aktie bewegte sich leicht schwächer als der Markt. Die Wolfsburger haben im Juli 6,7 Prozent mehr Autos verkauft als vor Jahresfrist. In den ersten sieben Monaten kletterten die Auslieferungen um 6,0 Prozent auf 5,78 Millionen Fahrzeuge. VW-Vertriebschef Klingler sprach von einem "zufriedenstellenden" Start ins zweite Halbjahr.

UBS beflügelt Stahlaktien

Im MDax führten Aktien von Salzgitter und Klöckner & Co. die Gewinnerliste an. Die Schweizer Großbank UBS hat die Titel hochgestuft und die Kursziele kräftig erhöht. Der Markt übersehe das mittelfristige Gewinnpotenzial, schrieb Analyst Carsten Riek in einer Branchenstudie. Jetzt sei genau die richtige Zeit, europäische Stahlaktien zu kaufen.

Papiere von ThyssenKrupp-Papiere erscheinen ihm allerdings zu hoch bewertet, hier beließ Riek die Einstufung auf "Sell". Das Papier stieg mit dem freundlichen Gesamtmarkt trotzdem 0,87 Prozent.

Tom Tailor-Großaktionär will in den Aufsichtsrat

Der neue Großaktionär des Bekleidungskonzerns aus dem SDax, die chinesische Fosun International, strebt in den Aufsichtsrat des Unternehmens. Die Chinesen halten über die größte portugiesische Versicherung gut 23 Prozent und betrachten ihre Beteiligung als mittel- bis langfristiges Investment. Man wolle im Aufsichtsrat vertreten sein, strebe aber keine Veränderungen im Vorstand an. Auch eine Aufstockung der Beteiligung sei möglich, hieß es am Dienstag nach Börsenschluss.

Keine Panik wegen BVB-Kursminus

Im SDax wurden die Aktien von Borussia Dortmund ex Bezugsrecht gehandelt. Voraussichtlich bis zum 8. September haben Altaktionäre die Möglichkeit, für jeweils elf ihrer Anteile vier junge Aktien zu je 4,66 Euro zu beziehen. Ein Handel der Bezugsrechte findet nicht statt. Die jungen Aktien sollen anschließend bis zur nächsten Hauptversammlung separat (ISIN DE000A11QXQ6) gehandelt werden.

CA Immobilien gut unterwegs

Das auf Bürogebäude spezialisierte österreichische Immobilienunternehmen hat im ersten Halbjahr das operative Ergebnis gesteigert. Die bei Immobilienunternehmen maßgebliche Erfolgsgröße FFO (Funds from Investments) stieg um 15 Prozent auf 35,8 Millionen Euro. Im laufenden Jahr soll mindestens der Vorjahreswert von 63 Millionen Euro erreicht werden. Bedingt durch Verkäufe gingen die Mieteinnahmen im Jahresvergleich um knapp ein Viertel zurück. CA Immobilien gehört zu 17 Prozent der italienischen Großbank UniCredit, die sich von der Beteiligung jedoch trennen will.

Buffetts Burger-Deal

Für Furore sorgt diese Meldung: Laut dem "Wall Street Journal" steckt Warren Buffett hinter der geplanten Verlagerung des Burger-King-Firmensitzes nach Kanada zu Steuersparzwecken. Buffetts Holding Berkshire Hathaway soll die zu diesem Zwecke geplante Übernahme von Tim Hortons zu 25 Prozent finanzieren. Der Höhenflug der Burger-King-Aktie geht weiter.

Amazon zeigt Google, was eine Harke ist

Amazon hat Google das Spieleportal Twitch vor der Nase weggeschnappt. Knapp eine Milliarde Dollar blätterte Amazon für Twitch hin, laut Insidern soll auch Google Übernahmegespräche mit der Online-Spieleplattform geführt haben. Für Amazon ist es einer der größten Zukäufe überhaupt. Es unterstreicht zugleich die Ambitionen von Konzernchef Jeff Bezos, über das angestammte Handelsgeschäft hinaus zu einem wichtigen Anziehungspunkt im Netz zu werden.

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.342,91
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+1,42%
Alphabet A: Kursverlauf am Börsenplatz Nasdaq für den Zeitraum Intraday
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1.044,68
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+1,84%
Alphabet C: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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916,68
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+1,82%

Microsoft in China unter Druck

Der Softwareriese sieht sich verstärkten Vorwürfen chinesischer Kartellwächter ausgesetzt. Die Vorwürfe klingen bekannt, so soll das Unternehmen sein Betriebssystem Windows zusammen mit dem Internet Explorer und dem Media Player angeboten haben. Die EU-Kommission hatte deswegen schon eine Strafe von 1,4 Milliarden Euro verhängt.

Microsoft kämpft zudem in China vor allem mit einer Unmenge von Raubkopien. Trotz mäßiger Lizenzerlöse laufen im Reich der Mitte über 87 Prozent der Rechner mit dem Betriebssystem von Microsoft.

Accor gibt sich zuversichtlich

Der französische Hotelbetreiber Accor erwartet im Gesamtjahr einen Gewinnanstieg von bis zu 14 Prozent auf 595 Millionen Euro. In allen Regionen lauf es besser, zudem seien die Kosten gesenkt worden, gab das Unternehmen am Dienstag bekannt.

Ausnahme ist aber der französische Heimatmarkt, wo rund ein Drittel der Umsätze erzielt werden. "Wir sehen keine wesentlichen Verbesserungen in Frankreich in der zweiten Jahreshälfte", sagte Firmenchef Sebastien Bazin. Auch die gegenwärtige politische Krise in Frankreich sei nicht hilfreich, sagte der Manager. Accor betreibt 14 Hotel-Ketten, darunter die preisgünstige Ibis-Gruppe und die Luxuskette Sofitel. Weltweit liegen die Franzosen hinter InterContinental, Marriott und Starwood auf dem vierten Platz. Die Aktie legte an der Pariser Börse über drei Prozent zu.

Vienna Insurance mit Gewinnschub

Gute Nachrichten für die Versicherungsbranche kommen aus Wien: Der Versicherungskonzern Vienna Insurance hat seinen Gewinn im ersten Halbjahr kräftig gesteigert. Vor Steuern legte das Ergebnis um 41 Prozent auf 291 Millionen Euro zu. Grund für das starke Plus waren deutlich niedrigere Kosten durch Naturkatastrophen.

rm

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.