Marktbericht 20:02 Uhr

Im Schlepptau der Wall Street Dax: Die Zinsängste sind wieder da

Stand: 09.11.2015, 20:02 Uhr

So schnell kann es gehen: Noch am Freitag freuten sich die Anleger über die Aussicht auf eine Zinswende in den USA und die dadurch ausgelöste Schwächung des Euro. Am Montag schlägt das Pendel zurück - vor allem wegen den Ängsten der Investoren an der Wall Street.

Dort hat die gestiegene Wahrscheinlichkeit einer Zinswende im Dezember den Anleger die Laune verdorben. Hinzu kamen enttäuschende Exportzahlen aus China sowie die neuesten Schätzungen der OECD, wonach das weltweite BIP-Wachstum im kommenden Jahr nur noch 3,3 statt 3,6 Prozent betragen dürfte.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Das genügte, um die Börsen in New York unter Druck zu setzen. Der Leitindex Dow Jones eröffnete schwächer und weitete im Handelsverlauf seine Verluste auf über 200 Punkte aus. Denn die Aussicht auf eine Anhebung der Leitzinsen hat den Dollar kräftig aufgewertet, was die Exportchancen der US-Konzerne, die ohnehin schon unter dem hohen Wechselkurs geklagt hatten, weiter verschlechtert.

Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow bei 17.706 Punkten, ein Minus von 1,13 Prozent oder 202 Punkten. Dabei hatte der Dow seit seinen kräftigen Verlusten Ende August hatte der Dow wieder an Fahrt aufgenommen und sich am vergangenen Dienstag der 18.000-Punkte-Marke erneut genähert. Erst im Mai hatte er bei 18.351,36 Punkten den höchsten Stand seiner Geschichte erreicht. Der Nasdaq 100 hatte in der vergangenen Woche zudem erstmals seit März 2000 wieder die Marke von 4.700 Punkten geknackt.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Die Verluste in New York haben auch den Dax unter Druck gesetzt. Der deutsche Leitindex beschleunigt am Nachmittag seine Talfahrt und geht schließlich bei 10.815 Punkten aus dem Handel, ein Minus von 1,57 Prozent oder 172 Punkten. Außer ThyssenKrupp und Infineon schließen alle anderen 28 Dax-Werte im Minus.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Damit hat sich der Leitindex ein gutes Stück von der wichtigen 200-Tage-Linie bei 11.065/11.070 Punkten entfernt. Am Vormittag hatte es fast so ausgesehen, als würde sich die Hausse der Vorwoche fortsetzen. Der Leitindex schwang sich bis 10.995 Punkte in die Höhe, bevor ihm die Puste ausging und er leicht ins Minus drehte. Es bedurfte jedoch erst der schwachen Wall Street, um den deutschen Leitindex eindeutig auf Talfahrt zu schicken.

Euro mit etwas Aufwind

Die Gemeinschaftswährung kann nach ihrem Absturz am Freitag zum Greenback etwas Boden gut machen und steigt bis auf 1,0789 Dollar. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Euro bei 1,0767 Dollar. Gestützt wurde der Euro am Montag durch robuste Signale vom deutschen Außenhandel. Die Ausfuhren sind im September nach einer schwachen Entwicklung im Vormonat wieder gestiegen. Die Exporte fielen 2,6 Prozent höher aus als im August. Die Importe erhöhten sich um 3,6 Prozent.

Conti: Zu hohe Erwartungen

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im Dax ist die Conti-Aktie bis zum Handelsschluss der mit Abstand größte Verlierer. Der Reifenhersteller hat in den ersten neun Monaten unterm Strich rund 2,1 Milliarden Euro und damit 16 Prozent mehr verdient, blieb damit allerdings hinter den Markterwartungen zurück. Conti erhöhte seine Jahresprognose für die Ebit-Marge auf "mehr als elf Prozent". Zuvor war von "rund elf Prozent" die Rede gewesen.

Lufthansa: Streik weitet sich aus

Die Lufthansa-Aktie verzeichnet ebenfalls deutliche Kursverluste, hat doch das Kabinenpersonal seinen Streik am Montag ausgeweitet. Nach einem Aufruf der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO begannen am frühen Morgen die Arbeitsniederlegungen in Frankfurt, Düsseldorf sowie erstmals auch in München. Rund 113.000 Passagiere sind betroffen.

Leoni warnt schon wieder

Leoni: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im MDax sind die Leoni-Aktien ans Indexende gerutscht. Der Autozulieferer überraschte zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen mit einer Gewinnwarnung. Mitte Oktober hatte Leoni zunächst das ursprüngliche Ziel eines operativen Ergebnisses (Ebit) von 200 Millionen Euro für 2015 aufgegeben. Nun bereitet Leoni den Markt auf ein Ebit von "mehr als 130 Millionen Euro" vor. Gleichzeitig muss sich das Unternehmen einen neuen Chef für seine Bordnetzsparte suchen. Andreas Brand legte sein Amt im Vorstand nieder.

Wincor rechnet sich schlecht

Abwärts geht es auch mit der Wincor-Aktie. Der Geldautomaten- und Kassensystemhersteller geht mit einem Gewinneinbruch in die entscheidenden Verhandlungen über einen Zusammenschluss mit dem US-Konkurrenten Diebold. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr brach der Überschuss um 92 Prozent auf acht Millionen Euro ein. Die Dividende soll nun ausfallen und Stellen gestrichen werden.

ElringKlinger ächzt unter Kosten

Ins Minus gedreht ist die Aktie des Autozulieferers ElringKlinger, nachdem sie bis zum Nachmittag noch an der MDax-Spitze notiert war. Das Unternehmen hat zwar im dritten Quartal operativ deutlich weniger verdient als vor Jahresfrist. Von Juli bis September sank das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 14 Prozent auf 35,4 Millionen Euro. ElringKlinger hatte im September die zweite Gewinnwarnung dieses Jahres ausgesprochen. Ursache ist eine übermäßige auftragsflut, die zu hohen Kosten führt.

Analysten treiben Kion

Auch die Papiere des ebenfalls im MDax notierten Staplerhersteller Kion gehören zu den größten Gewinnern. Zeitweise erreichten sie bei 45,20 Euro einen neuen Höchststand. Auftrieb gab vor allem das neue 50-Euro-Kursziel von HSBC. Die Investmentbank Goldman Sachs bleibt ebenfalls bei ihrer Kaufempfehlung sieht Potenzial bis 45 Euro.

Ströer legt noch einen drauf

Kräftig bergauf geht es dagegen mit der Ströer-Aktie. Die Werbefirma hat dank der guten Entwicklung ihrer Online-Vermarktung im dritten Quartal mehr Umsatz und Gewinn erzielt und schraubt für 2015 die Ziele erneut in die Höhe. Die Erlöse seien im Quartal um rund neun Prozent auf 189,8 Millionen Euro gestiegen, teilte Ströer am Montag mit. Der operative Ertrag legte um etwa 44 Prozent auf 43,4 Millionen Euro zu, das bereinigte Konzernergebnis sei um über 90 Prozent auf 19,2 Millionen Euro in die Höhe geschnellt. Im Gesamtjahr 2015 werde der operative Ertrag nun bei bis zu 200 Millionen Euro landen, statt den zuvor angepeilten 180 Millionen Euro .

Manz in den Miesen

Im TecDax sind die Papiere von Manz unter Druck geraten. Grund sind offenbar Auftragsverschiebungen bei dem Apple-Zulieferer. Sie haben dem Unternehmen einen Verlust eingebrockt. In den ersten neun Monaten lag das Minus vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei 30,1 Millionen Euro nach einem Gewinn von 1,5 Millionen vor Jahresfrist. Der Umsatz brach auf 169 Millionen Euro ein. Die ursprünglichen Planungen sah einen Umsatzanstieg auf rund 320 bis 340 Millionen Euro vor.

QSC verringert Verlust

Die Resultate des dritten Quartals zeigen einem Händler zufolge, dass der IT-Anbieter sein Geschäft stabilisiert habe. Eine richtige Trendwende beim Umsatz sei allerdings noch nicht gelungen. Das TecDax-Unternehmen machte zwar unter dem Strich weiter einen Verlust, verringerte diesen aber auf minus 1,7 (Vorjahr: minus 6,2) Millionen Euro.

HelloFresh-IPO verzögert sich

Der Online-Lebensmittelversand HelloFresh geht offenbar nicht mehr in diesem Jahr an die Börse. Der Gang aufs Parkett werde wegen des volatilen Marktumfeldes verschoben, schreibt die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf eingeweihte Personen. Anfang kommenden Jahres könnte ein neuer Anlauf gewagt werden, hieß es weiter.

Toshiba schreibt rote Zahlen

Toshiba-Aktien stehen massiv unter Druck. Der von einem Bilanz-Skandal erschütterte Elektronik-Konzern hatte am Samstag mitgeteilt, im abgelaufenen Quartal einen Betriebsverlust von umgerechnet rund 600 Millionen Euro erlitten zu haben. Grund sei eine schleppende Nachfrage nach Haushaltsgeräten sowie Abschreibungen auf eine Informationssparte des Unternehmens.

Nestlé: Die Maggi-Nudeln kommen zurück

Fünf Monate nach dem Verkaufsverbot wegen angeblich zu hoher Bleiwerte bringt der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé seine Maggi-Nudeln in Indien wieder in den Handel. Der Verkauf hat heute bgeonnen - pünktlich vor dem Hindu-Lichterfest Diwali, bei dem der Lebensmittelhandel für gewöhnlich boomt. Der Streit mit den Behörden hat das Unternehmen nach eigenen Schätzungen 45 Millionen Euro gekostet.

lg

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat