Marktbericht 20:03 Uhr

Trotz guter US-Daten Dax: Die Reise gen Süden geht weiter

Stand: 05.06.2015, 20:03 Uhr

Überraschend gute US-Arbeitsmarktzahlen haben die Talfahrt des Dax etwas abgebremst. Doch die Tumulte auf den Anleihemärkten und die ungelöste griechische Schuldenkrise drückten auch am Freitag weiter auf die Kurse.

Der deutsche Leitindex beendete den Handel mit einem Minus von 1,26 Prozent auf 11.197 Punkte und verbuchte damit auf Sicht der vergangenen fünf Handelstage einen Verlust von 1,9 Prozent. Seit seiner vor rund zwei Wochen eingeschlagenen Talfahrt hat er damit insgesamt bereits 5,6 Prozent eingebüßt.

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Börse 20.15 Uhr

Im Tagesverlauf ging es sogar noch weiter abwärts. Am Nachmittag sank der dax auf ein Tagestief von 11.155 Zählern, 185 Punkte weniger als am Vortag. Für einen Lichtblick sorgten dann die mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktzahlen.

Robuster Arbeitsmarkt

Danach sind im Mai deutlich mehr neue Stellen entstanden als erwartet. Statt 225.000 hat die US-Wirtschaft den offiziellen Daten zufolge 280.000 Arbeitsplätze geschaffen. Damit zeigt sich, dass sich die US-Wirtschaft trotz des zähen Jahresbeginns weiter erholt, das enttäuschende erste Quartal wohl doch ein Ausrutscher war. Nach Ansicht von Viola Julien von der Helaba ist der Stellenaufbau vor dem Hintergrund der erhöhten Erwerbsquote als robust einzustufen.

Damit sind die Aussichten auf eine Zinswende in Amerika noch in diesem Jahr wieder gestiegen. Die meisten Experten tippen bislang auf eine Erhöhung des Leitzinses im September oder gegen Jahresende. Die Notenbank hält den Schlüsselzins seit Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent.

Euro verliert bis zu 2 Cent

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1299
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Die Reaktion am Devisenmarkt folgte prompt: Der Euro fiel nach den US-Zahlen um mehr als zwei Cent auf bis zu 1,1055 Dollar, nachdem er am Vormittag noch bei 1,1279 Dollar notiert hatte. Bis zum Börsenschluss kann sich der Euro etwas erholen und notiert bei 1,1128 Dollar.

Gleichzeitig haben sich auch die Rentenmärkte etwas beruhigt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen ist nach dem gestrigen Anstieg auf knapp ein Prozent auf 0,68 Prozent gesunken, wie die Bundesbank mitteilte.

An der Wall Street haben die Kurse zunächst negativ auf den viel beachteten Arbeitsmarktbericht für Mai reagiert. Die Jobentwicklung habe zwar positiv überrascht, meinten Analysten unisono. Dies hat Börsianern zufolge aber Befürchtungen geweckt, dass die US-Notenbank den Leitzins eher früher als später wieder erhöhen könnte. Bis zum Börsenschluss in Frankfurt kann sich der Dow aber wieder erholen und notiert noch 0,25 Prozent tiefer bei 17.858 Zählern.

Deutsche Bank: Geldwäsche in Russland?

Im Dax ist die Aktie der Deutschen Bank unter Druck geraten. Grund ist eine Meldung der Agentur Bloomberg, wonach die Bank Untersuchungen über mögliche Geldwäsche russischer Kunden eingeleitet hat. Dabei soll es um Transaktionen in Höhe von sechs Milliarden Euro gehen. Im Schlepptau verliert auch die Commerzbank-Aktie mehr als zwei Prozent.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bayer leidet unter Analysten

Auch die Aktien von Bayer geben weiter nach. Dabei hat Goldman Sachs das Kursziel für Bayer von 160 auf 150 Euro gesenkt, die Papiere aber auf der "Conviction Buy List" belassen. Prompt rutscht die Aktie auf 126 Euro ab. Damit hat sie seit ihrem Hoch im Frühjahr 20 Euro eingebüßt.

Deutscher Post drohen unbefristete Streiks

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Verluste verzeichnet auch die Post-Aktie. Die Gewerkschaft Verdi hat angekündigt, dass "ab sofort" unbefristete Streiks jederzeit möglich seien. Die Post hatte am Donnerstagnachmittag eine von Verdi gesetzte Frist für die Annahme eines Tarifangebots verstreichen lassen.

Libor-Skandal: Deutsche-Börse-Chef ein Mitwisser?

Wenige Tage nach der Übernahme des Chefpostens bei der Deutschen Börse holt Carsten Kengeter seine Vergangenheit als Investmentbanker ein. Der ehemalige Händler Tom Hayes wirft Kengeter vor, in seiner Zeit als Ko-Investmentbank-Chef bei der Schweizer UBS über manipulierte Zinsen Bescheid gewusst zu haben.

Banken vor Milliarden-Einigung in Hypothekenverfahren

Auf die Bankenwelt rollt offenbar die nächste Welle an milliardenschweren Strafzahlungen zu. Dieses Mal gehe es um windige Geschäfte beim Verkauf von mit Hypotheken auf Wohnimmobilien abgesicherten Wertpapieren (RMBS - Residential Mortgage Backed Securities), berichtete das "Wall Street Journal" (Freitag) unter Berufung auf eingeweihte Kreise. Neben US-Banken sind auch die europäischen Institute Barclays, Credit Suisse, Deutsche Bank, Royal Bank of Scotland (RBS) und UBS betroffen.

Morningstar besorgt über Allianz-Fondstocher Pimco

Das Analyseunternehmen Morningstar hat sich besorgt über den anhaltenden Mittelabfluss beim Fonds Total Return der Allianz-Fondstochter Pimco gezeigt. Kunden hätten nach dem Ausscheiden des Pimco-Gründers Bill Gross im September deutlich mehr Geld abgezogen als von vielen gedacht. Das könne die Notwendigkeit von Kosteneinsparungen, aber auch organisatorische Instabilität nach sich ziehen.

MTU und Drillisch sind "Top Übernahmekandidaten"

Im MDax und TecDax lässt eine Studie von Goldman Sachs zu möglichen Übernahmezielen in Deutschland die Anleger unbeeindruckt. Die Experten sehen eine Wiederbelebung der Übernahmeaktivitäten. Bei MTU und Drillisch sehen sie dabei die größten Chancen bei den wichtigsten deutschen Aktienwerten und zählen diese zu der sogenannten "Nummer 1"-Kategorie.

Symrise setzt auf alkoholfreie Getränke

Die Symrise AG baut ihr Produktangebot für Anwendungen im Bereich Getränke aus und stößt weiter in den wachsenden Markt für aromatisiertes Mineralwasser vor: Das Unternehmen hat heute mit den Inhabern eine Vereinbarung über den Kauf von Flavor Infusion unterzeichnet, einem hochspezialisierten Anbieter von Lösungen für natürliche Getränke in Nordamerika.

Lloyds mit Millionenstrafe

Die teilweise verstaatlichte britische Großbank Lloyds muss wegen ihres Umgangs mit Kundenbeschwerden eine Strafe von 117 Millionen Pfund - knapp 160 Millionen Euro - zahlen. Auf diesen Betrag hat sich Lloyds mit der zuständigen Aufsichtsbehörde geeinigt. Hintergrund sind unnötige Versicherungen für Kreditausfälle, die Lloyds-Mitarbeiter ihren Kunden angedreht haben und über die sich Kunden beschwert haben.

SEC nimmt sich Dow-Chemical-Chef vor

Die US-Börsenaufsicht SEC hat nach Angaben von mit der Sache vertrauten Personen Ermittlungen gegen den Chef von Dow Chemical, Andrew Livers, aufgenommen. Es werde geprüft, ob der 61-Jährige Firmengelder privat genutzt habe, erklärten die Insider. Der genaue Umfang der Untersuchung war zunächst nicht bekannt. Ein Dow-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Hohe Strafe für HSBC-Tochter

Ein Schweizer Geldwäsche-Skandal kommt die britische Großbank HSBC teuer zu stehen. Im Gegenzug zu einer Einstellung des Verfahrens legt die Schweizer Tochter HSBC Private Bank 40 Millionen Franken auf den Tisch, wie die Genfer Justizbehörden mitteilten. Zu Jahresbeginn hatten Medien berichtet, die HSBC habe wohlhabenden Kunden weltweit bei Steuerhinterziehung oder Geldwäsche geholfen.

Blackrock bricht Lanze für Deutschland

Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock erwägt den Kauf deutscher Staatsanleihen. Die Papiere würden ab einer Rendite von etwa 1,00 Prozent interessant, sagte Blackrock-Manager Rick Rieder. Er sei auch positiv gestimmt für die Entwicklung europäischer Anleihen – trotz der Unsicherheit über den Ausgang des Schuldenstreits zwischen Griechenland und seinen Geldgebern.

Vodafone dementiert Fusionsgerüchte

Der Mobilfunkkonzern Vodafone hat einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg dementiert, wonach er über eine Fusion mit dem Kabelnetzbetreiber Liberty Global verhandele. Tatsächlich gehe es bei den Gesprächen nicht um einen Zusammenschluss beider Firmen, sondern nur um einen möglichen Austausch ausgewählter Geschäftsbereiche.

Powerland beschließt Delisting

Die Deutsche Börse wird um ein chinesisches Skandalunternehmen ärmer. Das in einen Bilanzskandal verwickelte Unternehmen Powerland, angeblich "der führende chinesische Hersteller von Handtaschen, Lederwaren und Accessoires", hat heute einen Antrag auf Delisting beschlossen. Die Aktie, die einst zu stolzen 15 Euro an den Markt gekommen war, bricht um 56 Prozent ein auf 0,27 Euro ein.

lg

Tagestermine am Freitag, 14. Dezember

Unternehmen:
Stabilus: Jahreszahlen (endg.), 07:00 Uhr
Isra Vision: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
KWS Saat: Hauptversammlung, 11:00 Uhr
Dr. Hoenle: Jahreszahlen

Konjunktur:
Japan: Tankan-Report Q4/18, 00:50 Uhr China: Einzelhandelsumsatz 11/18, 3:00 Uhr
China: Industrieproduktion 11/18, 3:00 Uhr
Deutschland: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 9:30 Uhr
EU: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 9:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz 11/18, 14:30 Uhr
USA: Industrieproduktion 11/18, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung 11/18, 15:15 Uhr
USA: Markit PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 15:45 Uhr
USA: Lagerbestände 10/18, 16:00 Uhr