Marktbericht 20:02 Uhr

Feilschen um griechische Schulden Dax: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Stand: 11.06.2015, 20:02 Uhr

Die ungelöste griechische Schuldenkrise überschattet auch am Donnerstag die Märkte. Nachdem die Hoffnung auf eine Lösung den Dax zunächst weiter angetrieben hat, schmilzt am Nachmittag ein Großteil der Tagesgewinne wieder ab. Schlechte Nachrichten kommen vor allem vom IWF.

Die Meldung über die Abreise der Delegation des IWF aus Brüssel wegen anhaltender Differenzen mit Griechenland hat den Märkten eine kalte Dusche verpasst. Der Leitindex büßte in Sekundenschnelle rund 100 Punkte ein, drohte kurz sogar ins Minus zu drehen. Sein zuvor rund 1,6 prozentiges Plus war wieder dahin. Letzlich kann der Dax noch ein Plus von 0,60 Prozent retten und geht bei 11.332,78 Punkten aus dem Handel.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr

Zuvor war er auf ein Tageshoch von 11.452 Punkten gestiegen, rund 190 Zähler über den Schlusskurs vom Vortag. Für viele Experten schien eine Einigung mit Griechenland in greifbarer Nähe. "Es entsteht der Eindruck, dass die Dinge endlich in Bewegung kommen", sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black.

Und dann das. "Der IWF hat viel kaltes Wasser über die Gemüter geschüttet", sagte Andreas Paciorek, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. Der Währungsfonds sehe bei den Gesprächen mit Griechenland noch große Meinungsverschiedenheiten, sagte ein Sprecher. "Es gibt bei den meisten wichtigen Punkten große Differenzen zwischen uns". Zuvor hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei einem Treffen mit Regierungschef Alexis Tsipras einen neuen Versuch unternommen, den Schuldenstreit zu lösen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Am Vorabend hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg für Zuversicht gesorgt. Sie meldete unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Notkredite für griechische Banken erhöht habe. Die sogenannten ELA-Kredite ("Emergency Liquidity Assistance") seien um 2,3 Milliarden auf 83 Milliarden Euro angehoben worden. Andere Medien berichteten von einer bevorstehenden Verlängerung des Hilfspakets bis Frühjahr 2016, was den Aktienmärkten Auftrieb verschaffte.

Gute US-Konjunkturzahlen

Positiv aufgenommen werden am Nachmittag auch die US-Konjunkturzahlen. Danach ist der Einzelhandelsumsatz ohne Autos im Mai um 1,0 Prozent gestiegen. Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg um 0,7 Prozent gerechnet. "Die Konsumschwäche zu Anfang des zweiten Quartals scheint überwunden", meint Ulrich Wortberg von der Helaba. Damit werde das Szenario einer Zinswende im dritten Quartal untermauert.

Die Wall Street öffnete daraufhin mit leichten Kursgewinnen. Doch auch hier schmolzen die anfänglichen Gewinne nach den Moll-Tönen im griechischen Schuldendrama wieder etwas ab. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow 0,39 Prozent höher bei 18.070 Punkten.

Euro etwas schwächer

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro hat am Donnerstag nachgegeben und ist nach den starken US-Konsumdaten kurz unter 1,12 Dollar gesunken, über ein Cent weniger als noch am Vortag. Im weiteren Verlauf kann er sich aber wieder erholen und klettert bis zum Börsenschluss auf 1,1234 Dollar. Entscheidende Impulse kamen vom Anleihemarkt. Dort sind die Renditen wieder rückläufig. Die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen sanken auf 0,972 Prozent, nachdem sie am Mittwoch erstmals seit neun Monaten über ein Prozent gestiegen waren.

Allianz an Dax-Spitze

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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182,06
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Angeführt wird die Liste der Gewinner im Dax von der Allianz-Aktie. Nach Ansicht der Berenberg Bank gibt es mehrere Gründe, die für die Allianz sprechen. So dürfte der Versicherer auch 2015 die Marktprognosen deutlich übertreffen. Die Erwartung der Allianz an das hochgerechnete Jahresergebnis, zusammen mit Performance-Gebühren aus dem Vermögensverwaltungsgeschäft, deuteten für 2015 in Richtung eines operativen Ergebnisses von elf Milliarden Euro.

Analysten loben auch Lanxess und Linde

Überdurchschnittlich nach oben geht es auch für Linde-Aktien. Das Bankhaus Metzler hat seine Empfehlung für den Wert von "Sell" auf "Hold" angehoben. Als Begründung wurden die starken Kursverluste der vergangenen Monate angeführt. Das Kursziel beträgt weiterhin 178 Euro. Auch Lanxess kann nach einer Hochstufung durch die Baader Bank punkten, setzt sich sogar an die Dax-Spitze.

Daimler fährt vor, VW schwächelt

Die Daimler-Aktie läuft ebenfalls besser als der Markt. Der Absatz der PKW-Sparte soll in diesem Jahr erneut prozentual zweistellig ausfallen, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche. Auch sieht Zetsche das Renditeziel im Pkw-Geschäft von zehn Prozent in greifbarer Nähe. Dagegen geht der Absatz der VW-Kernmarke im Mai weiter zurück, und zwar um 5,9 Prozent. Es ist der achte Monat in Folge. Trotzdem hat die NordLB VW nach den Absatzzahlen auf "Kaufen" mit einem Kursziel von 275 Euro belassen. Auch andere Marktexperten halten die VW-Aktie derzeit für unterbewertet und raten zum Kauf.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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52,92
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gerry Weber auf Bodensuche

Die gestern extrem gefallenen Aktien des Mode-Unternehmens Gerry Weber liegen heute an der MDax-Spitze. Am Mittwoch hatte das Unternehmen die Börse mit einer Umsatz- und Gewinnwarnung geschockt.

Siltronic findet Gefallen

Der weltweit drittgrößte Siliziumscheiben-Hersteller Siltronic ist heute an die Börse gegangen - und kommt bei den Anlegern gut an. Die Erstnotiz lag bei 31,50 Euro. Die Aktien wurden zu 30 Euro ausgegeben. Damit lag der Ausgabepreis am unteren Ende der Preisspanne, die von 30 bis 38 Euro reichte. Bei Börsenschluss notiert das Papier bei 33,02 Euro.

Mobotix besser als im Vorjahr

Der Anbieter von Video-Überwachungssystemen Mobotix hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2014/15 seine Gesamtleistung um 4,7 Prozent auf 41,5 Millionen Euro verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) war mit 4,5 Millionen Euro schon doppelt so hoch wie im gesamten Vorjahr.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 16. Oktober

Unternehmen:
Merck: Kapitalmarkttag, 8.30 Uhr
Johnson & Johnson: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Morgan Stanley: Quartalszahlen Q3, 13 Uhr
Goldman Sachs: Quartalszahlen Q3, 13.30 Uhr
Telekom Austria: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
IBM: Quartalszahlen Q3, 22 Uhr
Netflix: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
TomTom: Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
China: Erzeugerpreise / Verbraucherpreise, 3.30 Uhr
EU: Handelsbilanz, 11 Uhr
Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Industrieproduktion / Kapazitätsauslastung, 15.15 Uhr
USA: NAHB-Index, 16 Uhr