Marktbericht 20:02 Uhr

Über 10.450 Punkte Dax: Die Bullen sind wieder da

Stand: 15.12.2015, 20:02 Uhr

Der Dienstag hat sich wieder einmal als der Wendetag erwiesen. Überraschend erfreuliche Konjunkturdaten, ein stabiler Ölpreis und ein nachgebender Euro haben die Kauflaune der Anleger geweckt - vorerst. Denn jetzt ist die US-Notenbank am Zug.

Am morgigen Mittwoch tritt der Offenmarktausschuss der Federal Reserve zusammen und dürfte zum ersten Mal seit fast zehn Jahren eine Zinsanhebung beschließen. Erwartet wird eine Anhebung um 0,25 Prozent.

Die Entscheidung gilt als ausgemachte Sache, so dass die Anleger diesem Schritt zunächst gelassen entgegensehen. Vielmehr sorgen der stabilisierte Ölpreis und ein sich im Tagesverlauf immer weiter abschwächender Euro für eine fulminante Erholungsrally. Der Dax steigt in der Spitze auf 10.482 Punkte, mehr als drei Prozent oder 340 Punkte über den Schlusskurs vom Vortag. am Ende geht er bei 10.450 Punkten aus dem Handel, 3,07 Prozent oder 311 Zähler mehr als gestern.

Anleger kommen zur Besinnung

"Die Anleger kommen zur Besinnung und erkennen, dass ein Crash und Panik an den Märkten noch nie durch Dinge ausgelöst wurde, denen man sich wie im Falle der wahrscheinlichen Zinsanhebung sehenden Auges nähert“, erklärt Marktexperte Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 20.15 Uhr

Dabei deutet der Anstieg der US-Verbraucherpreise auf 0,5 Prozent im November nach 0,2 Prozent im Vormonat auf "weitergehende Zinserhöhungen" der Fed im kommenden Jahr hin, meint Ralf Umlauf, Ökonom bei der Helaba. Auch die Stimmungsverbesserung in der Industrie lasse eine Straffung der US-Geldpolitik zu. Tatsächlich ist der Index der New Yorker Fed für das verarbeitende Gewerbe im November mit minus 4,59 besser ausgefallen als erwartet (minus 6,0).

Rally auch an der Wall Street

Fundamentaler Rückenwind für den deutschen Leitindex kam heute auch von der jüngsten Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter Analysten und Anlegern. Demnach blicken die Börsenprofis überraschend zuversichtlich auf die deutsche Wirtschaft. Der Index für die Konjunkturerwartungen kletterte auf 16,1 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit August.

Die Erholung des Ölpreises hat die auch die Kurse an der Wall Street befeuert. Der Dow Jones-Index eröffnet 0,6 Prozent höher und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 1,3 Prozent höher bei 17.594 Zählern. Schon am Montag hatten die US-Börsen zugelegt, nachdem sich der Ölpreis im Handelsverlauf stabilisiert hatte. Am Dienstag verteuerte sich Öl der Nordsee-Sorte Brent dann um weitere 1,5 Prozent auf 38,50 Dollar je Fass.

Wie lange der Dax von diesen Fundamentaldaten profitieren kann, bleibt abzuwarten. Ob es doch noch zu einer Jahresendrally kommen wird oder der Dax wieder abtaucht, hängt entscheidend von der Sitzung der US-Notenbank Fed am morgigen Abend ab. Auch der große Verfallstag (Hexensabbat) dürfte für heftige Kursbewegungen sorgen.

Ausgang offen

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.661,54
Differenz relativ
+0,80%

Aus charttechnischer Sicht bleibt die weitere Entwicklung des Dax offen. Positiv stimmt der Abprall an der Unterstützungszone bei 10.100 Zählern. Nun müssen die Bullen die 200-Tage-Linie wieder zurückerobern. Auf der anderen Seite liegt die 2011-Trendlinie um 9.700-Zähler nicht weit entfernt. Sollte diese potenzielle Unterstützung fallen, könnte das nicht nur die Jahrestiefs in Reichweite bringen.

Euro wieder unter 1,10 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1657
Differenz relativ
-0,01%

Gestützt wird der Dax heute auch vom Euro. Nach dem Abprall des Euro zum Dollar an der der 200-Tage-Linie 1,1058 Dollar hat die Gemeinschaftswährung den Rückwärtsgang eingelegt und ist bis zum Börsenschluss auf 1,0924 Dollar gefallen.

Post und Lufthansa gehen ab

Angeführt wird die Liste der Gewinner von den Aktien der Lufthansa, der Telekom und der Post. Sie steigen jeweils um bis zu fünf Prozent. Goldman Sachs hat die Papiere der Post auf die "Conviction Buy List" der Investmentbank gesetzt. Die Bank begründete ihr Votum mit der starken Marktposition des Dax-Konzerns und den guten Aussichten für das kommende Jahr: So sei die Post sehr stark aufgestellt und verfüge in ihren größten Geschäftsfeldern PeP (Brief, E-Commerce, Paket) sowie Express über hohe Marktanteile.

Europäer kaufen wieder mehr Autos

Kräftige Zugewinne verzeichnen auch die Aktien der Autohersteller. Laut dem Branchenverband ACEA haben die Europäer im November wieder mehr Autos gekauft. Daimler setzte 22,8 Prozent mehr Fahrzeuge ab, BMW legte um 10,1 Prozent zu. VW HAT mit einem europaweiten Absatzplus von 4,1 Prozent weniger stark zugelegt als seine Konkurrenten.

Unterdessen stehen die neuen EU-Abgas-Richtlinien auf der Kippe. Angesichts des VW-Skandals seien die im Oktober vereinbarten Regeln zu lax, begründeten Vertreter des parlamentarischen Umweltausschusses ihr Nein.

Metro: Starkes Jahresendgeschäft erwartet

Der Handelskonzern Metro hofft auf einen starken Schlussspurt im Weihnachtsgeschäft. Bislang laufe der Handel vor dem Fest wie erwartet, sagte Vorstandschef Olaf Koch am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf. Allerdings verschiebe sich das Geschäft immer mehr nach hinten, und auch im Januar gebe es durch die Gutscheine, die dann eingelöst werden, noch Weihnachtsumsätze. "Etwa 70 Prozent des Volumens liegt vor uns."

Dialog schockt mit Umsatzwarnung

Im TecDax haben schlechter laufende Geschäfte mit Smartphone-Chips die Aktien von Dialog Semiconductor unter Druck gesetzt. Das Papier des Apple-Lieferanten rutschte am Morgen zwischenzeitlich um mehr als 18 Prozent ab. Bis zum Handelsende erholten sich die Aktien aber weitgehend von ihrem tiefsten Stand seit November vergangenen Jahres. Analyst Chetan Udeshi von JPMorgan schob die gesenkte Umsatzprognose von Dialog auf eine geringere Nachfrage von Apple.

Evotec: Kooperation kommt gut an

Dagegen notieren die Evotec-Aktien kräftig im Plus. Der Biotech-Konzern hat die Verlängerung und Erweiterung seiner Zusammenarbeit mit Spero Therapeutics im Bereich neuartige Antibiotika bekannt gegeben. Die Kooperation zielt darauf ab, mit neuartigen Therapiemöglichkeiten den aufgrund von Antibiotikaresistenzen hohen medizinischen Bedarf der Patienten zu decken.

Balda: Neue Runde im Bieterwettkampf

Der italienische Verpackungshersteller Stevanato hat für das gesamte operative Geschäft von Balda eine verbindliche Offerte in Höhe von 80 Millionen Euro vorgelegt. Damit wird das 74 Millionen Euro schwere Gebot des Autozulieferers Heitkamp & Thumann übertroffen, das bereits vorläufig den Zuschlag bekommen hat.

Sanofi und Boehringer vor Milliarden-Deal

Die beiden Pharmakonzerne Sanofi und Boehringer Ingelheim verhandeln über den Tausch von zwei Sparten. Die Franzosen wollen ihr Tiermedizingeschäft im Wert von 11,4 Milliarden Euro an Boehringer loswerden. Boehringer will Sanofi dafür sein Geschäft mit rezeptfreien Mitteln im Wert von 6,7 Milliarden Euro überlassen und noch 4,7 Milliarden Euro drauflegen.

Qualcomm lehnt Aufspaltung ab

Der angeschlagene Chiphersteller Qualcomm will sich nicht wie von einem Aktionär gefordert aufspalten. Die gegenwärtige Aufstellung sei die beste für die Anteilseigner, teilte der weltweit größte Hersteller von Chips für Smartphones am Dienstag in San Diego mit. Dies sei das Ergebnis einer ausführlichen Prüfung eines Ausschusses des Verwaltungsrats. Im Sommer hatte der Hedgfonds Jana Partners, der nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg zuletzt knapp zwei Prozent der Anteile hielt, die Trennung der Chip-Sparte vom Lizenz-Geschäft gefordert.

H&M und das verflixte Wetter

Zu milde Temperaturen in Nordamerika und in Europa haben bei der schwedischen Textilkette Hennes & Mauritz (H&M) das Herbstgeschäft eingetrübt. Der Umsatz stieg zwar im Schlussquartal der Schweden von September bis November um 14 Prozent auf 48,7 Milliarden schwedische Kronen. Analysten hatten jedoch mehr erwartet.

Boeing weiß, was Aktionäre wollen

Boeing lässt mehr Geld in die Taschen seiner Aktionäre fließen. Die Quartalsdividende wird um 20 Prozent auf 1,09 US-Dollar erhöht. Analysten hatten nur mit 1,02 Dollar gerechnet. Außerdem weitet Boeing das Volumen seines Aktienrückkaufprogramms um 2 auf 14 Milliarden US-Dollar aus.

Aveva stürzt ab

Die abgesagte Fusion mit dem Elektrotechnik-Konzern Schneider Electric hat Aveva am Dienstag einen der größten Kursstürze der Firmengeschichte eingebrockt. Die Aktien des Anbieters von Software zum Bau von Ölbohr-Plattformen, Schiffen und Atomreaktoren fielen an der Londoner Börse um bis zu 37,4 Prozent auf ein Zehn-Monats-Tief von 1.355 Pence. Schneider notierten dagegen in Paris unverändert bei 52,42 Euro. Der geplante Zusammenschluss sei zu komplex und zu teuer, begründeten die beiden Unternehmen ihre Entscheidung.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr