Marktbericht 20:02 Uhr

250 Punkte abwärts Dax: Die Angst der Anleger vor dem Brexit

Stand: 10.06.2016, 20:02 Uhr

Das Risiko eines EU-Austritts von Großbritannien hat die Anleger am Freitag in die Flucht geschlagen. Für Verunsicherung sorgt auch die Sitzung der US-Notenbank Fed mit dem Zinsentscheid in der kommenden Woche.

Der Dax rutschte gleich in der ersten Stunde nach Handelsbeginn unter die Marke von 10.000 Punkte und durchbrach auch die 200-Tage-Linie. Am Nachmittag weitet der Leitindex seine Verluste weiter aus und markiert bei 9.819 Punkten sein Tagestief, 269 Zähler unter den Schlusskurs vom Vortag. Am Ende geht der Leitindex bei 9.834 Punkten aus dem Handel, ein Minus von 2,52 Prozent. Damit hat der Dax seit Wochenbeginn 2,66 Prozent eingebüßt.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Viele Anleger wechselten in als sicher geltende Staatsanleihen. Das sorgte für einen Rendite-Crash am Anleihemarkt: Die Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihe schrammte nur knapp an der Null vorbei. Angesichts der durch die letzten Umfragen bestätigten Unsicherheit über den Ausgang des Brexit-Referendums sowie der latenten Terrorgefahr im Rahmen der beginnenden Fußball-Europameisterschaft sind am Markt weiterhin sichere Häfen gesucht", kommentierte die BayernLB.

Tatsächlich gilt das bevorstehende Referendum über einen Austritt Großbritanniens aus der EU als Hauptgrund für den Schwächeanfall des Aktienmarktes. Das Votum findet zwar erst in zwei Wochen statt, doch hat die Anspannung merklich zugenommen - nicht zuletzt durch wichtige Marktakteure wie dem weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock.

Brexit-Risiken nicht ausreichend berücksichtigt?

Der warnt, die Anleger hätten die Risiken eines Austritts Großbritanniens aus der EU nicht ausreichend berücksichtigt. Wie groß die Risiken tatsächlich sind, weiß zwar niemand, denn einen Austritt eines Landes aus der EU hat es noch nie gegeben, aber die zunehmenden Warnungen sorgen an den europäischen Finanzmärkten für Verunsicherung, so dass viele Anleger versuchen, die Risiken in ihren Depots zu minimieren.

Sorgen bereitet auch die nächste Zinssitzung der Fed in der kommenden Woche. Zwar gilt eine Anhebung der Leitzinsen vor der Abstimmung in Großbritannien als nahezu ausgeschlossen, doch könnte die Fed einen Hinweis auf den weiteren Kurs ihrer Geldpolitik geben und etwa eine Zinsanhebung im Juli andeuten.

Verluste auch an der Wall Street

Dass die Anleger an der Wall Street besonnener reagieren, lässt die Anleger in Europa kalt. Allerdings sind auch die Kurse im Dow-Jones-Index unter Druck geraten. Zeitweise verliert der US-Leitindex 0,8 Prozent auf 17.836 Punkte. Grund sind die wieder fallenden Ölpreise.

Die Stimmung hellte sich aber etwas auf, nachdem bekannt wurde, dass sich die Kauflaune der US-Konsumenten im Juni weniger stark eingetrübt hat als erwartet. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen sank um 0,4 auf 94,3 Punkte, wie die Universität Michigan mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten sogar mit einem Rückgang auf 94,0 Zähler gerechnet. Die befragten Verbraucher bewerteten ihre aktuelle Lage zwar günstiger, ihre Aussichten aber skeptischer als zuletzt. Bei Börsenschluss in Frankfurt weitet der Dow seine Verluste wieder etwas aus auf 0,86 Prozent.

Fundamentaldaten für Aktien

Für Zuversicht in dieser eingetrübten Stimmung sorgt Helaba-Analyst Markus Reinwand. Er ist der Meinung, dass die fundamentalen Daten derzeit eigentlich für den Kauf von Aktien, vor allem in Europa, sprächen. So seien die Euro-Titel auf Basis wichtiger Kennziffern (Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Cashflow-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis und Dividendenrendite) derzeit nur moderat bewertet und damit deutlich attraktiver als die US-Pendants.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Angesichts anspringender Ausrüstungsinvestitionen im Euroraum hätten sich die Wachstumsperspektiven spürbar verbessert, was sich auch in steigenden Unternehmensgewinnen niederschlagen werde. Mittel- bis längerfristig orientierte Anleger sollten deshalb die Schwäche vor dem UK-Referendum zum Kauf nutzen.

Euro und Ölpreise runter

Auch der Euro hat seine Verluste vom Vortag etwas ausgeweitet und ist unter die Marke von 1,13 Dollar gefallen. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert die Gemeinschaftswährung nahe bei 1,1250 Dollar.

Die Ölpreise geben ebenfalls nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung am 30.Juni kostete mit 51,16 Dollar 1,5 Prozent weniger. Das waren 79 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juli fiel um 79 Cent auf 49,77 Dollar, was einem Abschlag von 1,6 Prozent entsprach.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa im Sinkflug

Bei der Lufthansa drückt der überraschende Abschied von Finanzchefin Simone Menne auf die Stimmung der Anleger. Die Aktie der größten deutschen Fluggesellschaft ist mit einem Minus von mehr als fünf Prozent größter Verlierer im Dax. Die Lufthansa will zwar rasch einen Nachfolger präsentieren für die 55-Jährige, die zu Deutschlands zweitgrößtem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim wechselt. Allerdings trifft die Airline die Personalie zur Unzeit.

BMW bleibt auf der Überholspur

Auch BMW gehört zu den Verlierern. Dabei hat der Münchener Autobauer im Mai mehr Autos verkauft. Weltweit stieg der Absatz der drei Marken BMW, Mini und Rolls Royce im Jahresvergleich um 5,3 Prozent auf 198.354 Fahrzeuge. Deutlich besser lief das Geschäft dabei in Europa und Asien, in Nordamerika gingen die Absätze hingegen zurück. Die Verkäufe der Kernmarke BMW stiegen um 5,6 Prozent auf 168.129 Fahrzeuge.

Airbus trennt sich von Dassault-Anteil

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Airbus hat den Verkauf seines Anteils am französischen Militärflugzeugbauer Dassault (Kampfjet "Mirage") erfolgreich abgeschlossen. Rund 830.000 Aktien seien zum Preis von 950 Euro an institutionelle Anleger abgesetzt worden, 500.000 weitere Papiere übernimmt Dassault selbst zum gleichen Preis. Der Airbus-Anteil sinkt dadurch von 23,6 auf 9,0 Prozent des Kapitals und 11,7 Prozent der Stimmrechte.

Springer auf Einkaufstour

Der Berliner Medienkonzern aus dem MDax kauft in Amerika den Daten-Spezialisten eMarketer. Springer zahlt für 93 Prozent der Anteile 213 Millionen Euro. "Mit der Übernahme von eMarketer folgen wir unserer Strategie, die Aktivitäten auf dem US-Markt auszubauen und unsere Bezahlmodelle zu stärken", sagte Springer-Chef Mathias Döpfner. Die Springer-Aktie fällt mit dem schwachen Gesamtmarkt.

Fraport meldet Passagierrückgang

Politische Unsicherheiten und schlechtes Wetter haben im Mai dafür gesorgt, dass der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport weniger Passagier beförderte. Am Hauptflughafen Frankfurt sank die Zahl der Fluggäste um 5,5 Prozent auf 5,3 Millionen.

Vor allem die Zurückhaltung im touristischen Verkehr in Richtung Türkei (dort betreibt Fraport den Flughafen Antalya) machte sich bemerkbar, hieß es. Viele Japaner verzichteten zudem auf Frankreich-Reisen nach den Anschlägen von Paris. Darunter litt Frankfurt als großer Umsteigeflugplatz. Auch das Cargo-Geschäft (Fracht und Post) verbuchte einen Rückgang um 1,5 Prozent.

Auch Schaltbau ohne Finanzchefin

Elisabeth Prigge, seit 1. September 2012 Finanzvorstand der Schaltbau Holding AG, verlässt den Konzern bereits zum 30. Juni 2016, teilte das Verkehrstechnikunternehmen ad hoc mit. Das Ressort soll bis Ende des Jahres neu besetzt werden. Die Schaltbau-Aktie verliert knapp zwei Prozent.

Dong-Börsengang ein Erfolg

Der bisher größte Börsengang in Europa ist gut gelungen. Aktien des dänischen Windparkbetreibers Dong Energy schlossen gestern bei 258 Kronen, der Ausgabepreis lag bei 235 Kronen. Ausgegeben wurden 73 Millionen Aktien, was einem Platzierungswert von 2,3 Milliarden Euro entspricht.

Zürich-Chef Greco baut den Konzern um

Der seit März amtierende neue Chef des Schweizer Versicherungskonzerns, Mario Greco, hat dem Konzern eine neue Struktur verordnet, mit der er die Effizienz steigern will. Zukünftig wird das Lebens- und Sachversicherungsgeschäft zusammen geführt werden, es soll nur noch eine Management-Team geben. Bereits im Februar hatte Zürich eine Sparrunde verabschiedet, mit der die Kosten bis 2018 um eine Milliarde Dollar gesenkt und 8.000 der 55.000 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen.

Höhere Offerte für Yahoo-Kerngeschäft

Yahoo-Aktien legten an der Nasdaq gut ein Prozent zu nachdem Insider berichteten, dass es für das zum Verkauf stehende Kerngeschäft des Internetpioniers eine deutlich höhere Offerte gibt, als die 3,5 Milliarden Dollar, die der Telefonriese Verizon zahlen will. Im Gespräch ist ein Angebot über mehr als fünf Milliarden Dollar.

Tesla: Probleme mit dem Model S?

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Tesla-Titel büßen vorbörslich 0,8 Prozent ein. Die US-Verkehrsaufsicht prüft Berichte über Aufhängungsprobleme beim Modell S. Ein Branchendienst hatte zuvor berichtet, ein möglicher Defekt in diesem Bereich könne ernsthafte Sicherheitsprobleme hervorrufen. Der Elektroauto-Hersteller dementierte laut der Agentur "Bloomberg" einen sicherheitsrelevanten Defekt an seinen Fahrzeugmodellen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen