Marktbericht 20 Uhr

Anleger erleben kleine Zitterpartie Dax - die 10.000 hält!

Stand: 23.03.2016, 20:00 Uhr

Endlich wieder fünfstellig: Erstmals seit Januar hat der Dax heute wieder über der 10.000 geschlossen. Dabei gab es reichlich Ballast - von Bundesbank, Fed und Ölpreis - und die 10.000 wankte.

Bei 10.023 Punkten ging der Dax mit einem Tagesplus von 0,3 Prozent aus dem Xetra-Handel. Der L-Dax verlor ein paar Punkte bis auf 10.011 Zähler. Psychologisch macht es sich gut, wenn der deutsche Standardwerteindex wieder fünf statt vier Stellen zeigt. Gleichwohl ist Skepsis zu spüren. "Vor der am Karfreitag beginnenden Osterpause an den Finanzmärkten will sich niemand zu weit aus dem Fenster lehnen", sagte ein Händler. "Daher haben die Anleger wohl den Rückzug angetreten."

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr

Der Dax war deutlich stärker in den Tag gestartet, zeitweise bis auf 10.112 Punkte geklettert. Doch ab dem Mittag wurde es schwierig, das Plus zu halten. Bundesbankpräsident Jens Weidmann äußerte sich skeptisch zu den ausgeweiteten Staatsanleihekäufen der EZB. Dann zog die schwache Wall Street abwärts, die angesichts des wieder schwächeren Ölpreises im Minusbereich notierte. Der Dow Jones notiert zur Stunde ein halbes Prozent im Minus bei 17.497 Punkten.

Schlägt die Fed doch dreimal zu?

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Börsianer tun sich auch schwer mit der Beurteilung der weiteren Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Der Chef der Federal Reserve Bank von Philadelphia, Patrick Harker, sprach sich für mindestens drei Zinserhöhungen in diesem Jahr aus. Die Fed selbst hat jüngst nur zwei Schritte in Aussicht gestellt. Erfreuliche Nachrichten vom Immobilienmarkt gaben zeitweise etwas Auftrieb.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.614,16
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Insgesamt präsentierten sich die Märkte in bemerkenswert robuster Verfassung, wobei gerade dem Dax auch der zuletzt wieder etwas schwächere Eurokurs helfe, sagte Analyst Mike van Dulken vom Broker Accendo Markets. Exporte in Länder außerhalb des Währungsraums werden dadurch begünstigt. Der Euro war am Nachmittag zeitweise bis auf 1,1160 Dollar gefallen.

Angst vor neuen Kapitalerhöhungen der Banken

Im Dax waren Bank-Aktien das Schlusslicht, die Deutsche Bank gab drei Prozent, die Commerzbank zwei Prozent nach. "Die Banken- und Finanzwerte leiden immer wieder unter den Spekulationen um möglicherweise notwendige Kapitalerhöhungen", sagte Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Die Aktie der Deutschen Bank leidet stärker, weil zum einen die Unsicherheit der Noch-Tochter Postbank besteht. Der machen die niedrigen Zinsen zu schaffen machen - sie will aber immerhin Mitte des Jahres auf eigenen Beinen stehen. Zum andern besteht da das große Problemfeld Investmentbanking, in dem die Deutsche Bank als Schwächste der Schwachen identifiziert wird.

Credit Suisse stutzt Investmentbanking

Die Schweizer Großbank Credit Suisse untermauerte heute die Probleme der Branche: Nach einem schwachen Auftaktquartal verschärft sie ihre Einschnitte im Investmentbanking. In der Handelssparte sollen 2000 Jobs wegfallen, bis 2018 will die Bank fast eine Milliarde Franken mehr einsparen.

Dämpfer für VW, BMW und Daimler

Negativ-Nachrichten steuerte auch die Auto-Branche bei. VW hat mitten in der Abgas-Krise mit einem größeren Rückruf von 177.000 Passat zu kämpfen. "Dieselgate" setzt sich natürlich auch fort, ein weiterer US-Bundesstaat - Kentucky - hat die Wolfsburger verklagt.

Und warum sollten die anderen Autobauer so ganz ohne Abgas-Affäre auskommen? Laut Wirtschaftswoche legt eine Untersuchung der US-Umweltorganisation ICCT den Verdacht nahe, dass Daimler ebenso wie BMW Zweideutigkeiten in Gesetzen gezielt ausnutzen würde.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Nike färbt auf Adidas nicht ab

Im Dax weit vorn rangierte die Adidas-Aktie. Anleger setzen darauf, dass US-Rivale Nike mit seinen neuen Quartalszahlen ein anhaltend starkes Branchenwachstum verspricht. Die Nike-Aktie selbst hatte aber einen schweren Stand. Zwar präsentierte der Sportartikelherstellers einen kräftigen Gewinnsprung von 20 Prozent, doch der war Anlegern nicht kräftig genug. Obendrein war der Ausblick weniger rosig als erhofft. Nike war die schwächste Aktie im Dow.

Post gibt Milliarden-Anleihe aus

Die Deutsche Post machte mit einer neuen Milliarden-Anleihe von sich Reden: bis zu 1,25 Milliarden Euro besorgte sie sich heute am Kapitalmarkt. Sie will das niedrige Zinsniveau nutzen, um so Mitarbeiterpensionen günstiger zu finanzieren.

Technologie-Aktien gefragt

Größter Dax-Gewinner war die Infineon-Aktie. Händler führten dies auf technische Kaufsignale zurück und sprachen von einem positiven Chartbild. Generell trieb zudem die gute Stimmung für Technologiewerte den Kurs. Das gab auch der im TecDax notierten Aktie von Dialog Semiconductor Auftrieb. Bei dem Apple-Zulieferer wirkten obendrein die Produktankündigungen von Apple am Montagabend nach.

Aixtron drückt auf die Tube

Mit riesigem Vorsprung an der TecDax-Spitze: die Aixtron-Aktie mit plus 16 Prozent. Anleger folgen offenbar der Anlageempfehlung von Equinet, die Investmentbank rät zu "Accumulate" der Aktie, nachdem das Unternehmen einen Meilenstein auf dem Weg zur Produktion großformatiger OLEDs erreicht hat.

Mehr Dividende von Pfeiffer Vacuum und Lenzing

Auch die Aktie von Pfeiffer Vacuum war gefragt. Der Spezialpumpenhersteller schüttet das Füllhorn über seine Aktionäre aus, zahlt eine Dividende von 3,20 Euro je Aktie, 55 Cent mehr als im Jahr zuvor. Lenzing verdoppelt sogar seine Divdiende. Der österreichische Textilfaser-Hersteller schrieb nach einem scharfen Sparkurs wieder schwarze Zahlen.

LPKF streicht Dividende, KSB verringert

Dagegen streicht das Ex-TecDax-Mitglied LPKF seine Dividende. Denn der Laserspezialist muss das erste Mal seit dem Börsengang 1998 einen Jahresverlust berbuchen. Der bisher größte Wachstumstreiber war äußerst schwach: Das LDS-Geschäft brach 2015 um 74 Prozent ein. Auch KSB setzt den Rotstift bei der Dividende an. Es senkt die Ausschüttung um 3 Euro: auf 5,50 Euro je Stammaktie und 5,76 Euro je Vorzugsaktie.

Zalando: Wachstumsphase noch nicht am Ende?

Größter MDax-Gewinner war die Zalando-Aktie. Der Online-Modehändler hat sich auf dem Kapitalmarkttag offenbar gut präsentiert. Die Veranstaltung habe die attraktiven Wachstumsperspektiven des Online-Modehändlers unterstrichen, kommentierte etwa Christian Schwenkenbecher von Hauck & Aufhäuser.

Südzucker klebt am Zuckerpreis

Auch die Aktien von Südzucker lagen heute weit vorn im MDax, sie kletterten auf den höchsten Kurs seit Mitte Januar. Der stetige Anstieg beim Zuckerpreis befeuert den Kurs. Am Terminmarkt hat der Preis im Februar nach oben gedreht und seither fast 30 Prozent zugelegt.

Die MDax-Verlierer

Im MDax waren Leoni, Norma, Stada und Deutsche Euroshop auf der Verliererseite. Leoni wird mit 7 Prozent Kursminus abgestraft: Denn der Autozulieferer kürzt nach einem Jahr voller Probleme in der Bordnetzsparte samt schrumpfender Gewinne die Dividende.Der Shoppingcenter-Investor Deutsche Euroshop hat das Geschäftsjahr 2015 dank eines hohen Bewertungsgewinns zwar mit einem Rekordgewinn abgeschlossen. Beachtlich das Gewinnplus von gut 70 Prozent auf 309 Millionen Euro. Doch der Ausblick beeindruckte Analysten nicht sonderlich. Auch bei Norma Group enttäuschte der zurückhaltende Ausblick. Für 2016 rechnet der Spezialist für Verbindungstechnik mit einem organischen Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent. Stada präsentierte einen Gewinnrückgang von elf Prozent. Immerhin hebt der Generika-Hersteller die Dividende leicht an von 66 auf 70 Cent.

Wincor-Aktien gehörten ebenfalls zu den MDax-Verlierern. Um Mitternacht war die Annahmefrist für die Übernahmeofferte des US-Konkurrenten Diebold ausgelaufen. Am Dienstagnachmittag lag die Annahmequote bei lediglich 48 statt der erforderlichen 67,6 Prozent.

Zooplus: Da geht noch was!?

Zweitgrößter SDax-Gewinner war mit 7 Prozent Plus die Zooplus-Aktie. Der Online-Versandhändler für Tierbedarf überzeugt mit seinem Vorsteuergewinn. Zooplus verbuchte ein Gewinnplus von 45 Prozent auf 12,7 Millionen Euro.

Capital Stage erfreut mit Gewinnsprung

Auch die Aktie von Capital Stage war nach vorläufigen Zahlen gefragt. Der Solar- und Windpark-Betreiber hat 2015 seine bereits angehobenen Jahresziele leicht übertroffen. Nach ersten Berechnungen stieg der Umsatz um über 55 Prozent auf 112,8 Millionen Euro und das operative Ergebnis um mehr als 60 Prozent auf 55,4 Millionen Euro.

Cewe: 7. Dividendenerhöhung in Folge

Der Oldenburger Fotodienstleister Cewe schraubt seine Ziele für das laufende Jahr in die Höhe. 2016 soll der Umsatz nach Angaben des Vorstandes leicht und das Ebit um rund sechs Millionen Euro steigen. Die Dividende für 2015 soll zum siebten Mal in Folge erhöht werden auf 1,60 Euro je Aktie.

Hapag-Lloyd dreht wieder auf

Hapag-Lloyd ist 2015 zurück in die schwarzen Zahlen geschippert und will jetzt im laufenden Jahr weiter aufdrehen. Das operative Ergebnis solle 2016 deutlich steigen, kündigte Vorstandschef Rolf Habben Jansen bei der Bilanzvorlage an. Deutschlands größte Containerreederei drückt trotzdem weiter auf die Kostenbremse.

Holpriger Start für Senvion

Senvion überzeugt nicht an seinem ersten Börsentag. Der Windanlagenbauer, der unter dem Namen Repower schon einmal notiert war, schaffte den Sprung auf das Parkett nur mit Mühe. Die Papiere wurden zu je 15,75 Euro und damit am unteren Ende der zuvor gesenkten Angebotsspanne zugeteilt. Sie schafften es immerhin darüber und schlossen bei 15,90 Euro.

SGL wagt keine konkrete Prognose

Der Grafitspezialist SGL kämpft weiter mit sinkenden Preisen in seinem Kerngeschäft. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet SGL mit einem leichten Umsatzminus und einem deutlichen Rückgang des operativen Ergebnisses (Ebit) vor Sondereinflüssen. Der Konzernverlust soll sich aber deutlich verringern.

Hermès mit Rekordergebnis

Das traditionsreiche französische Luxus-Modehaus Hermès hat im vergangenen Jahr fast eine Milliarde Euro Gewinn gemacht und damit ein neues Rekordergebnis erzielt. Der Nettogewinn wuchs 2015 um rund 13 Prozent auf 973 Millionen Euro, so das für seine Seidenschals und Handtaschen bekannte Unternehmen.

Nintendo zieht doch keinen Schlussstrich

Nintendo hat einen Medienbericht über Pläne für eine absehbare Absetzung der nur mäßig erfolgreichen Spielekonsole Wii U dementiert. Das Unternehmen plane, die Produktion im kommenden Geschäftsjahr und darüber hinaus fortzusetzen, erklärte eine Sprecherin der japanischen Website "IT Daily".

bs

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 16. Oktober

Unternehmen:
Merck: Kapitalmarkttag, 8.30 Uhr
Johnson & Johnson: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Morgan Stanley: Quartalszahlen Q3, 13 Uhr
Goldman Sachs: Quartalszahlen Q3, 13.30 Uhr
Telekom Austria: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
IBM: Quartalszahlen Q3, 22 Uhr
Netflix: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
TomTom: Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
China: Erzeugerpreise / Verbraucherpreise, 3.30 Uhr
EU: Handelsbilanz, 11 Uhr
Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Industrieproduktion / Kapazitätsauslastung, 15.15 Uhr
USA: NAHB-Index, 16 Uhr