Marktbericht 20:02 Uhr

Anschlägen getrotzt Dax: Die 10.000 fest im Blick

Stand: 22.03.2016, 20:02 Uhr

Auch den Anlegern war der Schock über die anschläge in Brüssel in die Glieder gefahren. Doch dann sorgten gute Konjukturdaten wieder für Zuversicht. Und noch scheint das Ende der Fahnenstange nicht erreicht.

Erst 200 Punkte runter, dann mehr als 200 Punkte rauf: Der Dax hat sich am Dienstag als Stehaufmännchen erwiesen. Am Ende rückt sogar die Marke von 10.000 Punkten in greifbare Nähe. Doch der Reihe nach.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr

Wegen der Anschläge in Brüssel sackte der Dax am Morgen in die Knie und markierte bei 9.762 Zähler sein Tagestief. Doch der Schock währte nur kurz. "So hart es klingt, aber die Finanzmärkte haben sich damit abgefunden, dass solch ein Anschlag jederzeit wieder passieren kann", erklärt Marktexperte Andreas Paciorek vom Brokerhaus cmc markets.

Unterstützung bekam der Dax von den guten Konjunkturnachrichten. Sowohl das Ifo-Geschäftsklima als auch die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelten Konjunkturerwartungen von Finanzexperten legen zu. Außerdem hellte sich die Unternehmensstimmung im Euroraum auf.

Der wichtigste deutsche Frühindikator, der Ifo-Index, stieg im März von 105,7 auf 106,7 Punkte. Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg auf 106,0 Zähler gerechnet. "Die deutsche Wirtschaft startet weniger skeptisch in den Frühling", sagte der scheidende Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) legte um 3,3 Punkte auf 4,3 Zähler, etwas schwächer als erwartet.

Apple doch noch im Plus

Nach der Veröffentlichung dieser Konjunkturbarometer hat der Dax seine Verluste deutlich reduziert, drehte zeitweise sogar ins Plus und markierte bei 9.956 Zählern sein Tageshoch. Am Ende gelingt es dem Leitindex nicht nur die langumkämpfte Marke von 9.900 Punkten zu erobern, sondern auch mit einem Plus von 41 Punkten aus dem Handel zu gehen, bei genau 9.990 Zählern.

Auch an der Wall Street kommt es als Folge der Terroranschläge in Brüssel zu leichten Verlusten. Der Dow eröffnet 0,25 Prozent im Minus, kann im späteren Verlauf aber etwas aufholen. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow 0,1 Prozent tiefer bei 17.604 Zählern. Zu den Spitzenreiter gehören die Anteilsscheine von Apple mit einem Gewinn von zeitweise über einem Prozent. Analysten haben sich überwiegend positiv zu der Einführung des neuen, kleineren iPhones geäußert.

Wie geht es nun weiter? Der VDax ist auf den niedrigsten Stand seit Weihnachten gefallen. Damit bewegt sich der Leitindex weiter in einer Spanne zwischen 9.700 und 10.200 Punkten. Marktexperten wie Jens Klatt von FailyFX rechnen nicht damit, dass es vor Ostern zu signifikanten Kursausschlägen über oder dieser Range kommen wird.

Euro zeitweise unter 1,12 Dollar

Gestützt wird der Dax auch von dem dem schwächeren Euro. Die Gemeinschaftswährung war nach den Anschlägen bis auf 1,1189 Dollar gefallen. Bei Börsenschluss wird der Euro wieder knapp über der Marke von 1,12 Dollar gehandelt.

Deutsche Bank warnt

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,15
Differenz relativ
-4,80%

Zu den schwächsten Werten im Dax gehören die Papiere der Deutschen Bank. Finanzvorstand Marcus Schenck hat die Aktionäre auf schwache Quartalszahlen vorbereitet. "Dies waren im Bankensektor die beiden schlechtesten Anfangsmonate eines Jahres, die ich persönlich erlebt habe. Das hat natürlich auch bei uns seine Spuren hinterlassen", sagte er der "Börsen-Zeitung". Die US-Agentur Moody’s prüft eine mögliche Herabstufung der Bonitätsnote der Deutschen Bank.

Lufthansa: Terrorangst verunsichert

Auch die Lufthansa-Aktien sacken wegen der wieder verstärkten Terrorangst um 1,3 Prozent ab, im MDax büßen die Aktien des Flughafenbetreibers Fraport 2,3 Prozent ein. "Unsicherheit heißt an der Börse erst mal verkaufen", sagte ein Börsianer. Das betreffe bei Terroranschlägen in einer ersten Reaktion vor allem die Reiseanbieter.

Ströer zeigt sich spendabel

Im MDax können die Papiere von Ströer punkten. Die Kölner Werbefirma will ihren Aktionären für das vergangene Jahr eine Dividende von 70 Cent je Aktie zahlen, 30 Cent mehr als im Jahr davor. Firmenchef Udo Müller sieht das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Für 2016 stellte er weiteres Wachstum in Aussicht - im operativen Geschäft wie auch angetrieben von weiteren möglichen Übernahmen in den kommenden Quartalen.

Fuchs kann nicht überraschen

Die Aktien von Fuchs Petrolub drehen nach anfänglichen Verlusten leicht ins Plus. Der Schmierstoffhersteller azs dem MDax hatte am Morgen endgültige Zahlen für 2015 veröffentlicht. Analysten zufolge entsprachen sie sowie der Geschäftsausblick für 2016 weitgehend den Markterwartungen. Der Ausblick stimme mit Blick auf den operativen Free Cash Flow vergleichsweise zuversichtlich. Auf dem aktuellen Kursniveau erscheine das aber weitgehend eingepreist. Fuchs will im laufenden Jahr sein Ebit um drei und sieben Prozent steigern.

Kuka erhöht Dividende

Auch Kuka-Aktien kommen anfangs nicht voran, drehen dann aber ins Plus. Der Roboter- und Anlagenbauer Kuka will für 2015 eine Dividende von 50 Cent je Aktie zahlen. Das sind 10 Cent mehr als ein Jahr zuvor. Im vergangenen Jahr war der Gewinn um 27 Prozent auf 86 Millionen Euro geklettert. Der Ausblick für 2016 fällt allerdings sehr vorsichtig aus.

Wincor-Übernahme in Gefahr

Die Übernahme des Geldautomaten-Herstellers Wincor Nixdorf durch den US-Konkurrenten Diebold ist noch nicht trockenen Tüchern. Einen Tag vor Ablauf der Annahmefrist haben die Aktionäre dem US-Konzern erst 39,6 Prozent der Wincor-Aktien zum Kauf angedient, wie Diebold am Montagnachmittag mitteilte. Bis Dienstag (24 Uhr) müssen daraus 67,6 Prozent werden.

Evotec mit großen Plänen

Das Biotech-Unternehmen Evotec erwartet im laufenden Geschäftsjahr einen Anstieg des Umsatzes vor Umsätzen aus Meilensteinen, Abschlagszahlungen und Lizenzen von mehr als 15 Prozent. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen soll "auf deutlich höherem Niveau als 2015" liegen. Außerdem spaltet Evotec Topas Therapeutics ab, das auf dem Gebiet immunologischer Erkrankungen tätig ist.

Jenoptik wird vorsichtiger

Der Technologie- und Rüstungskonzern Jenoptik hebt seine Dividende für 2015 um 2 auf 22 Cent je Aktie an. Der Gewinn legte um fast ein Fünftel auf knapp 50 Millionen Euro zu. Allerdings rechnet das TecDax-Mitglied im laufenden Jahr mit weniger Wachstum.

Rational auf Wachstumskurs

Der Großküchenausrüster Rational hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 14 Prozent auf 564 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Der Gewinn legte um elf Prozent auf 122 Millionen zu. Die Dividende steigt von 6,80 auf 7,50 Euro je Aktie, was bei einem Aktienkurs, der sich scheinbar unaufhaltsam der 500-Euro-Marke nähert, wohl kaum ins Gewicht fällt. Für 2016 kündigte Rational an, dass Umsatz und Gewinn weiter zulegen sollen.

Paion unter Druck

Das Pharmaunternehmen Paion hat im vergangenen Jahr fast keinen Umsatz und einen Verlust von 28,2 Millionen Euro gemacht. Die liquiden Mittel reichen bis zum Ende des ersten Quartals 2017. Danach gibt es einen weiteren Finanzbedarf.

Tomorrow wird durchgeschüttelt

Der Internet-Unternehmen Tomorrow Focus hat 2015 von Verkäufen von Unternehmensteilen profitiert. Das Konzernergebnis nach Steuern belief sich insgesamt auf 42,5 Millionen Euro nach minus 3,7 Millionen Euro im Vorjahr. Allerdings verschlechterte sich das Ergebnis der verbliebenen Reisebereiche deutlich. Grund waren Sonderabschreibungen und außerplanmäßige Personalaufwendungen.

Senvion schleppt sich an die Börse

Dem Hamburger Windanlagenbauer Senvion ist der Börsengang nun doch gelungen. Morgen sollen die Papiere ihr Börsendebut feiern. Sie wurden zu je 15,75 Euro und damit im unteren Bereich der Preisspanne zugeteilt. Diese reichte von 15,50 bis 17,00 Euro.

Petrobras leidet

Der im Zentrum einer politischen Korruptionsaffäre stehende brasilianische Ölkonzern Petrobras hat für das vergangene Jahr einen Rekordverlust gemeldet. Das staatliche Unternehmen schloss 2015 mit einem Minus von 34,8 Milliarden Reais (gut 8,5 Milliarden Euro) ab, wie Petrobras am Montag mitteilte. Als Gründe nannte der Konzern Abschreibungen, den massiven Einbruch des Ölpreises und den Wertverlust der brasilianischen Währung.

Chinesen wollen B&O

Der traditionsreiche dänische Hifi-Spezialist Bang & Olufsen ist in Übernahmegesprächen mit chinesischen Investoren. Die Firma Sparkle Roll Group als Interessent teilte am Dienstag zugleich mit, dass bis zu einem Deal noch einige offen Fragen ausgeräumt werden müssten. Unter anderem müsse beim Preis die Unsicherheit in dem Geschäft berücksichtigt werden.

lg

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat