Marktbericht 20:02 Uhr

Höchster Schlusskurs seit Ende Juli Dax demonstriert Zuversicht

Stand: 05.09.2014, 20:02 Uhr

Die Nullzinspolitik der EZB und die vereinbarte Feuerpause in der Ukraine versetzen die Anleger in Hochstimmung. Weiter Schützenhilfe erhalten die Aktienmärkte am Freitag aus den USA. Damit sind die Verluste aus dem Augst wieder wettgemacht.

Nachdem Mario Draghi den Dax am Vortag befeuert hatte, legt er am Freitag eine Verschnaufpause ein, rutscht am frühen Nachmittag sogar leicht ins Minus und fällt auf 9.691 Punkte. Von diesem Tagestief kann sich der Leitindex aber wieder erholen, denn die US-Arbeitsmarktdaten liegen unter den Erwartungen. Das deuten die Anleger als Hinweis darauf, dass die Zinswende in den USA wohl doch nicht früher kommen dürfte als erwartet.

Aus Freude darüber klettert der Leitindex am Freitagnachmittag kurz auf 9.774 Zähler, 50 Punkte über den Schlusskurs vom Donnerstag. So richtig in Kauflaune kommen die Anleger aber nicht. Bis zum Handelsende muss der Dax einen Teil seiner Tagesgweinne wieder abgeben und schließt bei 9.747 Punkten, ein Plus von 0,23 Prozent oder 22,76 Punkten. Auf Wochensicht ergibt das aber eine Steigerung um 2,9 Prozent.

Weniger neue Stellen in den USA als erwartet

Tatsächlich sind im August in den USA deutlich weniger neue Arbeitsplätze entstanden als erwartet: Genau 142.000 neue Stellen wurden gezählt, erwartet waren 220.000. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Prozent auf 6,1 Prozent zurück. Die Zahlen waren an den Aktienmärkten mit Spannung erwartet worden, erhofften sich die Anleger davon doch Hinweise auf die künftige Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Dabei geht es um die Frage, ob die Notenbank früher als geplant die Zinsen erhöhen könnte.

Dazu wird es wohl nicht kommen. Nach Ansicht von Experten wie Ralf Umlauf von der Helaba zeigen die Daten, dass die Belebung des Arbeitsmarktes fortschreitet. Allerdings sei der moderate Stellenzuwachs wohl ein Argument für ein weiteres Abwarten der Fed. Gute Nachrichten also für die Anleger.

Wall Street dreht ins Plus

Gestützt werden die Kurse auch von der Unterzeichnung einer Feuerpause zwischen der ukrainischen Regierung und den prorussischen Separatisten. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ordnete nach einem Treffen der Kontaktgruppe in der weißrussischen Hauptstadt Minsk eine Feuerpause für das Konfliktgebiet Donbass an. Die Waffenruhe trete am Freitag um 18.00 Uhr Ortszeit (17.00 Uhr MESZ) in Kraft.

An der Wall Street konnte der Arbeitsbericht den Kursen zunächst keine neuen Impulse verleihen. Im Gegenteil. Die schwächer als erwartet ausgefallenen Zahlen drückten auf die Stimmung. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte eröffnete 0,2 Prozent im Minus bei 17.035 Punkten. Im weiteren verlauf überwand der Dow aber seine Schwäche und drehte bis zum Börsenschluss in Frankfurt am Abend leicht ins Plus (0,25 Prozent) auf 17.112 Punkte.

Euro nur kurz erholt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1528
Differenz relativ
+0,33%

Der überraschend schwache US-Arbeitsmarktbericht hat dem Dollar am Freitag etwas zugesetzt. Der Euro stieg in der Spitze um einen halben US-Cent auf 1,2986 Dollar. Händlern zufolge setzten nun wieder mehr Anleger darauf, dass sich die US-Notenbank mit einer Anhebung der Zinsen noch Zeit lassen dürfte. Bei Börsenschluss in Frankfurt bröckelten die Gewinne aber wieder ab und der Euro notierte am Abend bei 1,2949 Dollar.

Commerzbank erneut Spitzenreiter

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,32
Differenz relativ
+2,49%

Bei den Einzelwerten im Dax schafft es die Commerzbank-Aktie am Freitag erneut an den Spitzenplatz. Nach den Kursgewinnen von mehr als fünf Prozent am Vortag ist das Papier von Deutschlands zweitgrößter Bank der größte Kursgewinner der Woche (rund zehn Prozent) unter den einem Index notierten Werten an der Frankfurter Börse.

Daimler und VW holen weiter auf

Auch die Autowerte Daimler und Volkswagen legen weiter zu und befinden sich damit nach dem Einbruch im August weiter in der Erholungsphase. Daimler kommt vor allem in China immer besser ins Rollen. Im Ferienmonat war der Absatz mit 119.000 Fahrzeugen so hoch wie nie zuvor. Seit Januar wurden 1,03 Millionen Autos ausgeliefert, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. "Damit sind wir weiter auf Kurs, 2014 zu einem weiteren Rekordjahr zu machen", erklärte Vertriebschef Ola Källenius. Auch die Volkswagen-Aktie setzt ihren in dieser Woche eingeschlagenen Erholungskurs fort und notiert zeitweise wieder bei 180 Euro.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
55,83
Differenz relativ
+0,98%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
140,30
Differenz relativ
+0,94%

BASF von Asbest-Skandal eingeholt

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,06
Differenz relativ
+0,25%

Abgeben muss dagegen die BASF-Aktie. Der Chemiekonzern muss sich in den USA vor Gericht mit Vertuschungsvorwürfen im Zusammenhang mit teilweise schon Jahrzehnte zurückliegenden Asbest-Fällen auseinandersetzen. Im Kern geht es bei dem Gerichtsstreit darum, ob die Tochterfirma Engelhard zusammen mit einer amerikanischen Anwaltsfirma in Einzelverfahren systematisch Hinweise auf Asbest bei Talkum-Produkten zurückgehalten hatte, um hohe Zahlungen an Asbest-Geschädigte zu verhindern.

Telekom will Tarife vereinfachen

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,98
Differenz relativ
+0,04%

Leicht zulegen kann die Telekom-Aktie. Das Unternehmen hat auf der IFA in Berlin ein neues Tarifkonzept vorgestellt. Danach will die Telekom künftig einen einheitlichen Tarif für Festnetz, Telefonie sowie Internet und Internet-TV anbieten. "Wir wollen ein Rundum-sorglos-Paket schnüren", sagte Deutschland-Chef Niek Jan van Damme. Er will bis zum Jahr 2018 damit drei Millionen neue Kunden gewinnen. Zuletzt war das Papier fast ausschließlich wegen der Zukunft der US-Tochter T-Mobile US im Blick der Märkte. Der französische Anbieter Iliad will bei der Gesellschaft einsteigen, sucht aber noch eine Partner für ein Engagement in Amerika. Von dort will sich die Telekom zurückziehen.

Lufthansa und der Pilotenstreik

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,54
Differenz relativ
+0,90%

Auch die Lufthansa-Aktie ist nach einigen schwankungen leicht ins Plus gedreht. Dabei haben die Piloten seit 17:00 und bis 23:00 Uhr die Arbeit niedergelegt. Damit wollen sie für den Erhalt ihrer Übergangsrente nach dem Ausscheiden aus dem Fliegerberuf kämpfen.

Klöckner-Chef zuversichtlich

Klöckner & Co.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,12
Differenz relativ
+1,45%

Klöckner&Co-Aktien führen nach positiv aufgenommenen Äußerungen von Firmenchef Gisbert Rühl den MDax mit großem Vorsprung an. Der Stahlhändler geht von einer Erholung der Branche in Europa aus. "Wir rechnen 2015 mit einem Nachfrageplus in Europa von mehr als zwei Prozent", sagte der Unternehmenschef "Süddeutschen Zeitung".

Fraport auf Expansionskurs

Fraport: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
78,36
Differenz relativ
+0,51%

Zu den stärksten Werten im MDax gehört auch die Aktie des Flughafenbetreibers Fraport. Die Frankfurter wollen gut drei Viertel des börsennotierten Flughafens der slowenischen Hauptstadt Ljubljana übernehmen und geben dafür 177,1 Millionen Euro aus. Ziel ist es, den Flughafen im Zuge der Privatisierung komplett zu kaufen. Fraport will den Kauf mit flüssigen Mitteln finanzieren.

Goldman drückt ElringKlinger

Größter Verlierer im MDax ist dagegen die Aktie des Autozulieferers ElringKlinger. Grund ist eine Herabstufung durch Goldman Sachs. Deren Analyst Stephan Pütter begründete die Abstufung von "Neutral" auf "Sell" mit einer unattraktiven Bewertung der Papiere. Zudem erwirtschafte ElringKlinger eine zu geringe Rendite auf das eingesetzte Kapital. Sein Kursziel liegt nach deutlich gesenkten Gewinnerwartungen nun bei 24 Euro, neun Euro weniger als bisher.

QSC weiter erholt

Im TecDax haben die QSC-Aktien ihre Erholung auf 2,532 Euro fortgesetzt. Seit ihrem Jahrestief bei 2,16 Euro am 21. August hat das Papier des Telekom- und Internetbetreibers damit gut 17 Prozent zugelegt. Vor diesem Datum hatten enttäuschende Zahlen und eine Prognosesenkung die Aktien des IT-Anbieters belastet. Im Oktober vergangenen Jahres hatten die Papiere noch mehr als 5 Euro gekostet.

Air Berlin gefällt

Um gut 2,5 Prozent aufwärts geht es mit der Aktie von Air Berlin. Die zweitgrößte deutsche Fluglinie hat im August 3,47 Millionen Passagiere befördert, 2,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auch die Auslastung der Maschinen stieg um 1,3 Prozentpunkte auf 89,3 Prozent. Air Berlin mit seinem strategischen Partner Etihad befindet sich derzeit im Umbau. Die staatlich gestützte Golf-Airline war jüngst auch bei der maroden italienischen Alitalia eingestiegen, um ihr Angebot in Europa zu erweitern.

Tesla baut seine Gigafactory in Nevada

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
271,09
Differenz relativ
+3,02%

Praktisch kein Halten mehr gibt es bei der Tesla-Aktie. Allein seit Anfang Mai hat das Papier mehr als 50 Prozent zugelegt. Jetzt gab der amerikanische Elektro-Autobauer bekannt, seine neue Mega-Batteriefabrik im US-Bundesstaat Nevada nahe der Stadt Reno bauen zu wollen. Die Regierung des Wüstenstaates, der mit 2,7 Millionen Menschen weniger Einwohner hat als Berlin, gewährt dem Unternehmen Steuernachlässe von mehr als einer Milliarde Dollar innerhalb der nächsten zwanzig Jahre. Tesla will die Fertigung seiner Elektroautos auf mehr als 60.000 Einheiten schon im kommenden Jahr ausbauen und braucht dazu das auch als Gigafactory bekannte Werk.

lg

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