Marktbericht 17:32 Uhr

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Nur an der Wall Street brummt es Dax: Das war wohl nichts

Stand: 11.07.2019, 17:32 Uhr

Neue Rekorde bei Dow und Nasdaq, der Dax dümpelt durch den Tag. Anleger konnten sich auch am Mittwoch nicht recht zu Käufen aufraffen. Eine Serie von Gewinnwarnungen deutscher Konzerne ließ die Rezessionsfurcht steigen, da hilft auch kein großer Bruder.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.430,97
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+0,35%

Den Xetra-Handel schloss der deutsche Leitindex sogar spürbar im Minus und nicht allzu weit über der Marke von 12.300 Punkten. Am Morgen waren zum Teil noch 100 Dax-Punkte mehr auf der Kurstafel zu sehen. In New York gibt es derzeit Notierungen von mehr als 27.000 Punkten im Dow-Jones-Index zu bewundern. Bis zum Ende des Xetra-Handels in Deutschland hat sich der Weltleitindex auf einen neuen Rekordstand geschwungen. Auch der Technologie-Auswahlindex Nasdaq 100 markiert ein neues historisches Hoch.

Zinsentscheidung jetzt komplizierter?

Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
27.330,49
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-0,09%

Neue Inflationsdaten aus den USA hatten am frühen Nachmittag die Zinssenkungshoffnungen in den USA weiter befeuert - eigentlich. Denn obwohl die Teuerung im Juni mit 1,6 Prozent weiter rückläufig war, zog die "Kernrate", also die Inflation ohne Energiepreise, auf 2,1 Prozent an, stärker als erwartet. Dies könnte die Zinsentscheidung der Federal Reserve auf ihrer nächsten Sitzung Ende des Monats "etwas verkomplizieren", wie NordLB-Analyst Bernd Krampen meint. An einer Zinssenkung führe dennoch kein Weg mehr vorbei, so Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein.

US-Notenbankchef Powell stellt seine Sicht der Dinge seit 16 Uhr deutscher Zeit vor dem Bankenausschuss des Senats vor. Viel Neues ist davon allerdings nicht zu erwarten. Bereits gestern hatte der Fed-Chef bei einer Anhörung eine baldige Lockerung der Geldpolitik signalisiert. In dieselbe Richtung wiesen die Protokolle der jüngsten Fed-Sitzung. Experten erwarten mehrheitlich eine Zinssenkung um einen viertel Prozentpunkt.

Euro pendelt auf und ab

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1213
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+0,01%

Die Gemeinschaftswährung notiert am späten Nachmittag bei 1,1255 Dollar und damit wenig verändert gegenüber dem Vortag. Am Mittwoch hatte US-Notenbankpräsident Powell Signale für eine baldige Zinssenkung in den USA bestätigt. Daraufhin hatte der Euro deutlich zugelegt. Ganz so sicher scheinen sich auch die Akteure am Devisenmarkt nicht mehr zu sein, dass in den USA ein baldiger großer Zinsschritt um einen halben Prozentpunkt ansteht.

Ölpreis-Anstieg gebremst

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
64,15
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-3,46%

Die Ölpreise haben am Donnerstag nach dem Kurssprung vom Vortag nicht weiter zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet derzeit 66,66 Dollar. Die Ölpreise haben zuletzt von der jüngsten Entwicklung der Ölreserven in den USA und einer zugespitzten Lage im Persischen Golf profitiert. weiter zu. Die Ölpreise werden daher auch durch die Sorge vor einem militärischen Konflikt im Nahen Osten gestützt. Das Ölkartell Opec geht allerdings davon aus, dass die weltweite Ölmenge in den kommenden Monaten wegen starker Förderung in den USA eher "zu hoch" sein wird.

US-Reform treibt FMC

Die Aktien des Dialyse-Spezialisten FMC und der Konzernmutter Fresenius belegten am Mittwoch die Spitzenplätze im Dax. Die Pläne der US-Regierung zur Reform der Behandlung von Dialyse-Patienten ermuntern Anleger zum Einstieg bei den Titeln.

Donald Trump hat einen Erlass unterzeichnet, der unter anderem die Verlagerung von Dialyse-Behandlungen von Kliniken in die Wohnungen der Patienten beinhaltet. Außerdem soll die Abrechnung mit den Krankenversicherungen reformiert werden. Bislang fehlten zwar Details, aber Modellrechnungen zufolge könnte FMC künftig mehrere Tausend Dollar pro Jahr und Patient einsparen, schrieb Analyst Tom Jones von der Berenberg Bank.  | mehr

Neuer Ärger für die Deutsche Bank

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,18
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+4,33%

Trotz eher schlechter Nachrichten knapp im Plus konnte sich die Bankaktie behaupten. Im Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB ermitteln US-Behörden laut einem Zeitungsbericht auch gegen die Deutsche Bank. Das US-Justizministerium prüfe, ob der Finanzkonzern bei seiner Arbeit für den Fonds gegen Korruptions- und Geldwäschegesetze verstoßen habe, schrieb das "Wall Street Journal" am Mittwochabend. Aus dem 2009 aufgelegten Fonds, mit dem eigentlich die Wirtschaft angekurbelt werden sollte, waren nach Erkenntnissen des US-Justizministeriums in den Jahren bis 2014 mindestens 4,5 Milliarden Dollar verschwunden.  | mehr

Lufthansa mit vollen Jets

Die Lufthansa ist mit gestiegenen Passagierzahlen und vollen Flugzeugen in den Sommer gestartet. Europas größte Fluggesellschaft beförderte zusammen mit ihren Töchtern wie Swiss, Austrian und Eurowings im Juni rund 13,8 Millionen Fluggäste und damit 4,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Unternehmen am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Die Auslastung der Jets verbesserte sich konzernweit um 1,6 Punkte auf 85,2 Prozent. Die Nachfrage ist damit stärker gestiegen als die von Lufthansa angebotenen Plätze.

Commerzbank holt Firmenkundenchef von ING Diba

Der ehemalige Chef der Direktbank ING-Diba, Roland Boekhout, wird neuer Firmenkundenvorstand der Commerzbank. Der 56-Jährige soll zum 1. Januar 2020 die Nachfolge von Michael Reuther (60) antreten. Reuther hatte bereits Ende 2018 mitgeteilt, dass er seinen Ende September 2019 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird.

Die Firmenkundensparte war zuletzt unter Druck geraten. Denn die Konkurrenz im Geschäft mit Unternehmenskunden ist groß. Gerade hat die Deutsche Bank erklärt, dass sie dieses Geschäft ausbauen will. Bei der Commerzbank sank im vergangenen Jahr der Vorsteuergewinn der Firmenkundensparte zum Vorjahr um 23 Prozent auf 614 Millionen Euro.

Fielmann trotzt heißem Juni

Die Optikerkette Fielmann hat Umsatz und Gewinn trotz des heißen Sommerwetters im Juni gesteigert. Das Vorsteuerergebnis kletterte nach vorläufigen Zahlen im zweiten Quartal um 5,5 Prozent auf 58 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Morgen anlässlich seiner Hauptversammlung mitteilte. Der Konzernumsatz legte im gleichen Zeitraum um sechs Prozent auf 384 Millionen Euro zu. Üblicherweise leidet der Einzelhandel während der Hitzewellen, weil die Kundschaft fernbleibt. Bei Fielmann schlug das weniger zu Buche. In diesem Jahr soll der Umsatz um mehr als vier Prozent wachsen. Das Ergebnis werde wegen der Investitionen stagnieren.

Gerresheimer bestens in Form

Der für die Pharma- und Kosmetikindustrie produzierende Verpackungshersteller hat im zweiten Quartal deutlich zugelegt. Bei einem Umsatzplus von 7,2 Prozent auf 356,5 Millionen Euro stieg das bereinigte Ergebnis (Ebitda) in dem Zeitraum auf 74,2 (Vorjahr: 71,1) Millionen Euro. Der Sondereffekt von 26,2 Millionen Euro aus der Ausbuchung eines Zukaufs sei darin nicht enthalten, teilte Gerresheimer mit. Netto stieg das Ergebnis auf 47,1 (19,3) Millionen Euro. Vorstandschef Dietmar Siemssen bekräftigte seine Prognose: "Ich bin zuversichtlich, dass wir unsere Ziele für 2019 alle erreichen werden." Die Anleger sind begeistert. Die im MDax notierte aktie legt um über neun Prozent zu.

Krones im freien Fall

Aktien des Abfüll- und Verpackungsanlagenhersteller sackten im SDax um rund zehn Prozent ab. Krones hat wegen der überraschend schlechten Gewinnentwicklung im ersten Halbjahr erneut seine Erwartungen an 2019 gesenkt. Die Vorsteuermarge dürfte nur noch bei drei Prozent und damit der Hälfte des bisher erwarteten liegen, teilte das SDax-Unternehmen mit. Beim Umsatz rechnet Krones aber weiterhin mit einem Plus von drei Prozent.

"Während das Umsatzwachstum von Krones im ersten Halbjahr 2019 zufriedenstellend war, wird das Ergebnis vor Steuern (EBT) für diesen Zeitraum deutlich unter den Erwartungen von Krones liegen", hieß es in der Mitteilung weiter. Die hohen Kosten, vor allem für Material, beeinflussten weiter die Ertragskraft. Die Aktie bricht um über 15 Prozent ein.

Aumann massiv unter Druck

Fast ebenso deutlich ging es mit Aktien des Maschinenbauers Aumann nach unten. Aumann avisiert für das Gesamtjahr nun ein bereinigtes Ebit von bestenfalls bei 22 Millionen Euro. "Abhängig von der weiteren Marktentwicklung" können es aber auch nur 16 Millionen Euro werden. Eigentlich sollten in diesem Jahr etwas mehr als die 2018 erwirtschafteten 29,3 Millionen Euro herauskommen.

Wiederholte Verschiebungen von Auftragsvergaben mit signifikantem Volumen hätten zu einem enttäuschenden Auftragseingang von 85 Millionen Euro im ersten Halbjahr geführt. Ausschlaggebend für diese Entwicklung seien insbesondere der rückläufige Fahrzeugabsatz und die daraus resultierende Verunsicherung in der Automobilindustrie.  | mehr

Deutsche Beteiligungs AG warnt schon wieder

Und auch bei der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) summierten sich die Kursverluste am Handelsende. Die Beteiligungsgesellschaft hat im dritten Geschäftsquartal deutlich weniger Erfolg gehabt und ihre Jahresprognose gesenkt. Es zeichne sich ab, dass das Ergebnis aus dem Beteiligungsgeschäft im Zeitraum 1. April bis 30. Juni um bis zu 50 Prozent niedriger liegen wird als im Vorjahr, teilte der SDax-Konzern mit. Folglich werde das Konzernergebnis deutlich niedriger ausfallen als im Vorjahr.

Südzucker weiter im Tal der Tränen

Südzucker hat den Verfall bei den Zuckerpreisen im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres erneut zu spüren bekommen. Das operative Ergebnis brach um fast 40 Prozent auf 47 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr ein, wie der SDax-Konzern am Morgen in Mannheim mitteilte. Auch beim Umsatz verzeichnete Südzucker Einbußen. Die Erlöse gingen um knapp 3,5 Prozent auf 1,68 Milliarden Euro zurück.

Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr bestätigte Südzucker. So erwartet der Konzern weiterhin einen Umsatz von 6,7 bis 7,0 Milliarden Euro (Vorjahr 6,8). Das operative Ergebnis soll sich nach wie vor in einer Bandbreite von 0 bis 100 Millionen Euro (Vorjahr 27) bewegen.

Bang & Olufsen versucht die Wende

Mit neuen Produkten und Geschäftseröffnungen in großen Städten will der dänische Luxus-TV- und Lautsprecher-Hersteller wieder zulegen. Angepeilt werde ein Umsatzplus im einstelligen Prozentbereich, teilte die Firma mit. Für das im Mai zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2018/19 ist der Umsatz nach mehreren Prognosesenkungen um fast 14 Prozent zurückgegangen. Im vierten Quartal stand ein operativer Verlust von umgerechnet 8,8 Millionen Euro in den Büchern. Kooperationen wie mit LG Electronics in der TV-Sparte oder Google und Apple bei Lautsprechern sollen das Geschäft ankurbeln.

Hitachi mit Milliarden-Spin-off

Der japanische Mischkonzern hat Insidern zufolge den Verkauf seines 5,6 Milliarden Dollar schweren Chemiegeschäfts eingeleitet. Interessenten wurden dazu aufgefordert in einer ersten Bieterrunde bis 9. August Gebote abzugeben. Reuters hatte bereits im Mai berichtet, dass die Beteiligungsfirmen Bain Capital, Carlyle Group und KKR zu den Interessenten gehören. Auch von japanischen Firmen würden Gebote erwartet, sagten zwei Insider. Hitachi hält an der Sparte 51,2 Prozent.

Bitcoin stürzt ab

Der Kurs des Bitcoin ist in der vergangenen Nacht auf der Luxemburger Plattform Bitstamp in Richtung 11.000er-Marke gefallen. Zuletzt notiert die Cyber-Devise bei 11.665 Dollar und verliert damit über 13 Prozent. Am Vortag hatte der Bitcoin noch bei über 13.000 Dollar notiert. Experten erklären den Kursrutsch mit Gewinnnahmen nach der Hausse der vergangenen Wochen. Die Zeichen stünden nun wieder auf Konsolidierung, erklärt Bitcoin-Experte Timo Emden.

Am Mittwoch hatte sich zudem Fed-Chef Jerome Powell kritisch über die Pläne Facebooks, eine eigene Kryptowährung auf die Beine stellen zu wollen, geäußert. "Libra wirft ernste Bedenken in Bezug auf Privatsphäre, Verbraucherschutz und Finanzstabilität auf", so Powell.

AB

Tagestermine am Mittwoch, den 17. Juli

Unternehmen:
Ericsson: Q2-Zahlen
TomTom: Q2-Zahlen
ASML: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Bank of America: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Bank of New York Mellon: Q2-Zahlen
Abbott Laboratories: Q2-Zahlen
Temenos: Q2-Zahlen, 17:30 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Netflix: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Ebay: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
IBM: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Großbritannien: Verbraucherpreise im Juni, 10:30 Uhr
EU: Verbraucherpreise Euro-Zone im Juni, 11:00 Uhr
USA: Wohnbaubeginne im Juni, 14:30 Uhr
USA: Beige Book der Fed, 20:00 Uhr

Sonstiges:
Acea: Pkw-Neuzulassungen in Europa für Juni, 08:00 Uhr
G7: Sitzung der Finanzminister und Zentralbankpräsidenten der G7-Staaten in Chantilly/Frankreich (bis 18.07.), mit EZB-Chef Draghi, Bundesfinanzminister Scholz und Bundesbank-Chef Weidmann