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Die Bären schwingen das Zepter Dax: Das war wohl nichts

Stand: 12.10.2018, 17:50 Uhr

Balsam für die arg strapazierten Anlegernerven: Die drei US-Banken JPMorgan, Citigroup und Wells Fargo präsentieren Milliardengewinne. Das stoppt die Talfahrt der Wall Street und hilft ihr sogar ins Plus. Beim Dax sieht es weniger gut aus.

Der Dax ist zwar mit schönen Gewinnen in den letzten Tag der Börsenwoche gestartet. Aber am Ende ist nichts davon übrig. Im Gegenteil. Er beendet den Freitag beim Stand von 11.524 Punkten und damit 0,1 Prozent tiefer als am Vortag.

"Die Bären haben die Börsen im Griff"

Damit schließt die düstere Börsenwoche mit einem Verlust von mehr als vier Prozent und der Dax geht auf dem tiefsten Stand seit Februar 2017 ins Wochenende. "Die Bären haben die Aktienmärkte weltweit im Griff", sagte Analyst Dirk Friczewsky vom Broker Lynx. Der Mix aus italienischem Schuldendrama, Brexit, Handelskrieg und Zinsanstieg bekomme dem Aktienmarkt einfach nicht.

Dauerthemen Italien und Brexit

Allesamt Themen, die so schnell nicht von der Agenda verschwinden. Auch heute nicht: Die wieder in Gang gekommenen Brexit-Gespräche befeuern Spekulationen über eine neue Regierungskrise. Die EZB sagt unmissverständlich, sie wolle Italien bei Zahlungsproblemen nicht als Nothelfer unter die Arme greifen, es sei denn das Land schlüpfe unter den EU-Rettungsschirm. Derweil kritisierte der stellvertretende Ministerpräsident Matteo Salvini den Sparkurs der EU-Kommission scharf, was die Zinsen der italienischen Anleihen in die Höhe trieb. Der Spread zwischen italienischen Staatsanleihen und Bundesanleihen liegt bei über 300 Basispunkten. Analysten der Credit Suisse warnen, dass ein weiterer Anstieg des Spreads italienische Banken zu einer Kapitalerhöhung zwingen könnten. Wie das Handelsblatt mitteilte, verloren italienische Banken seit Beginn der Koalitionsverhandlungen Mitte Mai satte 37 Milliarden Euro an Börsenwert.

Zudem kündigte die italienische Regierung an, zusammen mit der Staatsbahn des Landes und einem internationalen Partner die marode Fluggesellschaft Alitalia wieder flott machen zu wollen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.503,45
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-0,74%
Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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25.379,45
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-1,27%
EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
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3.201,77
Differenz relativ
-0,31%

Und dann auch noch Spanien

Jetzt rücken auch noch die spanischen Haushaltspläne ins Blickfeld. Sie belasten die Staatsanleihen des Landes, die Rendite der zehnjährigen Papiere stieg auf 1,69 Prozent und damit so hoch wie seit einem Jahr nicht mehr. Analysten verweisen auf den Haushaltsdeal der regierenden Sozialisten mit der linkspopulistischen Podemos. Demnach sollen unter anderem die Mindestlöhne steigen.

Berichtssaison eröffnet

Zum Glück gibt es von nun an Ablenkung. Die Berichtssaison in den USA hat begonnen. Da können sich Anleger wieder etwas stärker auf die Geschäfte der Unternehmen konzentrieren. Die US-Banken lieferten schon einmal einen recht recht vielversprechenden Auftakt. JPMorgan, Citigroup und Wells Fargo strichen Milliardengewinne ein.

JPMorgan: Bald mehr Gewinn, als die Deutsche Bank wert ist

Die Steuerreform und die brummende Konjunktur bescheren der größten US-Bank JPMorgan einen Quartalsgewinn von mehr als acht Milliarden Dollar gesteigert - rund ein Viertel mehr als vor einem Jahr. Damit steuert die Bank auf einen Jahresgeinn von rund 31 Milliarden Dollar, schätzen Analysten. Damit würde JPMorgan in einem Jahr mehr verdienen, als die Deutsche Bank derzeit an der Börse wert ist.

Auch die Citigroup und Wells Fargo verdienen Milliarden.  | mehr

GE lässt auf sich warten

GE allerdings lässt mit seinem Quartalsbericht auf sich warten. Der Bericht wird am 30. Oktober anstatt am 25. Oktober veröffentlicht. Der neue Konzernchef Larry Culp solle mehr Zeit zur Einarbeitung bekommen. Das lässt die GE-Aktie zwei Prozent sinken.

Wall Street stoppt Talfahrt

Die Wall Street-Banken stoppten die Talfahrt am New Yorker Aktienmarkt nach dem jüngsten Ausverkauf. Der Leitindex Dow Jones notiert zur Stunde rund ein Prozent im Plus bei 25.325 Punkten.

Technologieaktien erholten sich noch stärker, vor allem die so geannnten FAANG-Aktien Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Alphabet. Der Technologieindex Nasdaq Composite legt 1,5 Prozent zu.

Amis weniger in Kauflaune

Einen Dämpfer galt es aber zu verdauen: Die amerikanischen Verbraucher sind offenbar weniger in Kauflaune. Das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima fiel um 1,1 Punkte auf 99,0 Punkte, wohingegen Volkswirte mit einem Anstieg auf 100,5 Punkte gerechnet hatten.

"Obwohl Zinsangst und Handelsstreit die Hauptthemen auf dem Parkett bleiben dürften, setzen die Anleger viel Hoffnung in die anlaufende Berichtssaison", sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Broker AxiTrader. "Da die Konjunktur in den USA weiter auf Hochtouren läuft, dürfte generell mit starken Unternehmenszahlen zu rechnen sein. Dies könnte zur Erholung an der Wall Street führen", fügte er hinzu.

Euro rutscht ins Minus

Am Devisen-Markt rutscht der Euro nach einem anfänglichen Ausflug über die Marke von 1,16 Dollar ins Minus. Die europäische Währung sinkt zeitweise auf 1,1536 Dollar.

Türkische Anleihen nach Brunson-Urteil gefragt

Die türkische Lira wird durch die Freilassung des seit zwei Jahren in der Türkei festgehaltenen US-Geistlichen Brunson kaum gestützt. Da sei schon viel im Kurs berücksichtigt, sagte ein Händler. Allerdings wird die Versicherung von Kreditausfällen günstiger, und türkische Dollar-Anleihen sind gefragt, was deren Kurse treibt.

Wirecard: 400 Euro ausgerufen

Im Dax sind die Aktien von Wirecard weiter auf Erholungskurs. Trotz des vorherigen Kursrutsches bleiben Analysten positiv. Sie honorieren die jüngst präsentierten Langfristziele des Konzerns. Holger Schmidt vom Bankhaus Metzler bezeichnet die Wachstumsziele zwar als ambitioniert, aber glaubwürdig. Für Analyst Antonin Baudry vom britischen Bankhaus HSBC ist es zwar zu früh, um die Ziele jetzt schon in das Bewertungsmodell einzuarbeiten. Aktuell lautet sein Kursziel noch 235 Euro. Er hält aber einen deutlichen höheren fairen Wert von 400 Euro für möglich, sofern es dem Zahlungsdienstleister gelingt, die "Vision 2025" in die Tat umzusetzen.

Neuer Umsatz- und Kurstreiber für Bayer

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hat eine weitere Zulassung für den Gerinnungshemmer Xarelto den USA erhalten. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat Xarelto in Kombination mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure zur Behandlung von Patienten mit chronischer koronarer Herzerkrankung oder peripherer arterieller Verschlusserkrankung zugelassen.

Xarelto ist ein wichtiger Umsatztreiber im Pharmageschäft des Dax-Konzerns. Das Mittel wird außerhalb der USA von Bayer vermarktet, auf dem US-Markt selbst durch eine Tochter des US-Konzerns Johnson & Johnson.

Tele Columbus fährt Achterbahn

Eine neue Kreditvereinbarung hat die Aktien von Tele Columbus kräftig befeuert. Am Ende blieb ein Kursplus von fast 13 Prozent - Spitze im SDax. Ein Börsianer sieht es positiv, dass Tele Columbus mit Hilfe der zusätzlichen, 75 Millionen Euro schweren Finanzierung eventuelle kurzfristige Liquiditätsengpässe vermeiden könne. "Gleichzeitig wird aber deutlich, dass sich Tele Columbus womöglich auf einen weiteren Barmittelverbrauch vorbereitet." Es sei noch nicht sicher, ob die Wende bei dem angeschlagenen Kabelnetzbetreiber wie geplant gelingt. So war die Aktie heute zeitweise auch ins Minus getaucht. Bisher ist das Papier der schwächste Wert im SDax 2018 mit einem Verlust von fast 70 Prozent.

Mit starken Kursgewinnen fielen im SDax zur Abwechslung auch Aumann und Medigene auf. Die Aktien des Maschinenbauers wie auch der Biotech-Firma hatten in den vergangenen beiden Wochen rund ein Viertel an Wert verloren, dreimal mehr als der Index selbst.

Autobranche auf Erholungsfahrt

Erholt zeigten sich auch die Aktien der Autohersteller BMW, Daimler und Volkswagen sowie der Zulieferer Continental und Infineon. "Die Sektorstimmung ist an ihrem Tiefpunkt angekommen", schrieb Analyst Arndt Ellinghorst von Evercore ISI in einem Kommentar. Die Branche könne sich zum Jahresende hin wieder stabilisieren. Allerdings hat die Autoindustrie weiterhin mit der Umstellung auf das neue Abgasprüfverfahren WLTP zu kämpfen.

VW von WLTP empfindlich getroffen

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
140,66
Differenz relativ
-3,38%

VW hat im September wegen der neuen EU-Abgasregeln einen herben Dämpfer bei den Verkäufen erlitten. Weltweit lieferte der Konzern mit seinen zwölf Fahrzeugmarken 827.700 Fahrzeuge aus und damit 18 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In Westeuropa lag der Rückgang bei 41,5 Prozent, in Deutschland bei 45,2 Prozent.

Dennoch liege Volkswagen im bisherigen Jahresverlauf bei den Auslieferungen auf Rekordkurs, betonte Konzern-Vertriebschef Christian Dahlheim. Gleichwohl schlägt das neue Prüfverfahren bei VW am stärksten durch.

BMW hinkt Mercedes-Benz weiter hinterher

Bei BMW stagnieren die Verkäufe. Im September verkauften die Bayern kaum mehr Autos ihrer Stammmarke als vor einem Jahr. Sie wurden 200.710 BMW-Fahrzeuge los und damit 0,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Das Unternehmen bleibt damit hinter dem Daimler-Rivalen Mercedes-Benz bei Oberklasse-Wagen. Die Stuttgarter haben trotz eines Absatzeinbruchs noch etwas mehr verkauft. In den ersten neun Monaten setzte BMW 1,57 Millionen Autos ab, Mercedes-Benz 1,72 Millionen. Immerhin: Vor einem Jahr lag BMW zu diesem Zeitpunkt noch deutlicher hinter den Stuttgartern.

BMW drückt der Schuh aber ganz woanders: Der Handelskonflikt zwischen den USA und China wird teuer, der Konzern rechnet für 2018 mit einem Betrag von etwas unter 300 Millionen Euro, 2019 könnte es eine halbe Milliarde Euro sein.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,40
Differenz relativ
-2,30%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
49,22
Differenz relativ
-6,09%

Zalando - ganz vorsichtig wieder aufwärts

Analystenkommentare bewegten die Kurse. Die Aktien von Zalando stiegen deutlich, nachdem die Credit Suisse die Papiere des Online-Modehändlers auf "Outperform" gehoben hatte. Zwar senkten die Experten das Kursziel um 2 auf 38 Euro, sehen damit für den Kurs des Online-Modehändlers aber reichlich Aufwärtspotenzial. Zuvor war die Aktie vom Rekordhoch Anfang Juli bei über 50 Euro um mehr als ein Drittel eingebrochen. Das ist auch der Grund für die positive Resonanz von Credit Suisse. Risiken gingen allerdings von einem möglicherweise schwachen vierten Quartal und Jahresbeginn 2019 aus, warnte der Experte. Der Druck auf die Margen könne noch zunehmen.

Siltronic - das Schlimmste ist vorbei

Siltronic: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
89,72
Differenz relativ
-2,48%

Für Siltronic strichen die Experten der Berenberg Bank ihre Verkaufsempfehlung. Die Anteilsscheine des Wafer-Herstellers legten daraufhin um sieben Prozent zu und rangierten damit an der Spitze der MDax-Gewinner. Nach dem Kurseinbruch von rund 40 Prozent seit Anfang August sei das Schlimmste nun eingepreist, so die Bank. Eine voraussichtlich schwächere Nachfrage auf den Endmärkten für Halbleiter und damit einhergehend eine trübere Branchenstimmung dürften wohl weitgehend berücksichtigt sein. Einen positiven Impuls für die Papiere vermochte er jedoch nicht auszumachen. Anleger sollten folglich für einen Einstieg noch abwarten.

Hertha BSC will 40-Millionen-Anleihe platzieren

Hertha BSC will sich bis zu 40 Millionen Euro über die Börse besorgen: durch die Ausgabe einer Anleihe. Es wäre eine der größten Emissionen eines Fußball-Bundesligisten.  | mehr

Knorr-Bremse-IPO macht die Thieles noch reicher

Der Mut des Bremsenherstellers Knorr und der beratenden Banken, trotz heftiger Marktturbulenzen am geplanten Börsengang festzuhalten, hat sich ausgezahlt: Der erste Kurs knapp über dem Ausgabepreis von 80 Euro. Von 80,10 Euro ging es in der Spitze rauf bis auf 81,87 Euro. Der zweitgrößte Börsengang dieses Jahres in Deutschland spült Milliardär Heinz Hermann Thiele und seiner Tochter, die 30 Prozent ihrer Anteile am Münchner Bremsenkonzern verkaufen, 3,9 Milliarden Euro in die Taschen.  | mehr

Chinesen-IPO: Haier kommt nach Frankfurt

Der chinesische Hausgeräte-Hersteller Haier will bei seinem Börsengang in Frankfurt bis zu etwa 450 Millionen Euro einsammeln. Ab Montag bis zum 18. Oktober können Anleger die sogenannten D-Aktien zu einem Preis zwischen einem und 1,50 Euro zeichnen, wie Haier am Freitag mitteilte. Angeboten werden inklusive Platzierungsreserve bis zu 304,75 Millionen neue Aktien.

Haier ist das erste Unternehmen, das rund drei Jahre nach der Gründung der deutsch-chinesischen Börsenplattform Ceinex in Frankfurt ein Zweitlisting anstrebt. Bislang ist die Haier-Aktie nur in Shanghai notiert.

Tencent: Börsenpläne für Musiksparte auf Eis

Der chinesische Internetkonzern Tencent bringt seine Musiksparte vorerst nicht als eigenständige Firma an den Aktienmarkt, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Grund seien die weltweiten Kursturbulenzen. Das Musik-Streaming-Unternehmen habe in dieser Woche über die Preisspanne für die Aktien beraten wollen. Stattdessen habe es entschieden, mindestens bis November zu warten.  | mehr

bs

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr