Marktbericht 20.15 Uhr

Von der Angst, auf dem falschen Börsenfuß erwischt zu werden Dax bringt sich in Position

Stand: 02.07.2015, 20:15 Uhr

Griechenland ist eigentlich gerade kein Thema an der Börse. Zumindest bis zum Referendum am Sonntag nicht. Uneigentlich wurden Anleger heute doch nervös - wegen des Feiertags in den USA.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Den ganze lieben Tag lang spielte Griechenland kein Thema an der Börse. Investoren konnten ihren Blick also ausnahmsweise mal wieder auf die ganz normalen Dingen lenken, auf den neuen Bericht vom amerikanischen Arbeitsmarkt zum Beispiel.

Job-Markt belastet Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Und der sieht auf den ersten Blick ganz gut aus, zeigt er doch: Der Job-Boom in den USA hält an. Im Juni wurden 223.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Eigentlich eine gute Nachricht. Doch dem Dollar setzte sie zu, denn man hatte auf noch mehr Stellen gehofft. Außerdem stagnieren die Löhne. So kletterte der Euro bis auf 1,1122 Dollar nach zuvor 1,1054 Dollar.

Dow Jones wechselt ins Minus

Am US-Aktienmarkt wurden die schwächer als erwarteten Job-Daten zunächst positiv aufgenommen. Denn nun dürfte sich die US-Notenbank Fed schwerer tun, die Zinsen zu erhöhen. Sie macht ihre Geldpolitik von einer nachhaltigen Erholung der US-Wirtschaft abhängig. Nur wenn die Konjunktur es verkraftet, werden die Zinsen angehoben. Bislang gilt der September als wahrscheinlichster Zeitpunkt für die lange erwartet Zinswende.

Doch bald dämmte der US-Leitindex seine Gewinne wieder ein. Zur Stunde steht er mit einem kleinen Minus da. Erklärt wurde das mit dem "Greferendum" in Verbindung mit dem Feiertag in den USA. "Niemand will vom Ausgang des Referendums auf dem falschen Fuß erwischt werden", sagte ein Börsianer. "Da am Freitag zudem die Wall Street geschlossen bleibt, ziehen sich einige Anleger bereits heute zurück."

Paypal will Xoom, Centene will Health Net

Was für stärkere Kursbewegung sorgte: Das Übernahmekarussell dreht sich wieder. Die 890 Millionen Dollar schwere Offerte der Ebay-Tochter PayPal verhalf Xoom zu einem satten Kurssprung. Die Aktien des Geldtransferdienstes schossen 22 Prozent in die Höhe. Ein Deal bahnt sich auch in der US-Gesundheitsbranche an. Centene will den Konkurrenten Health Net für 6,3 Milliarden Dollar kaufen. Health Net kletterten daraufhin um 15 Prozent, Centene-Aktien verbilligten sich.

Geistertag im Dax

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Am deutschen Aktienmarkt war es bis zum Nachmittag geradezu gespenstig ruhig. Der Dax pendelte um das gestrige Niveau. Doch dann ging die Langeweile verloren, der Deutsche Aktienindex tauchte ins Minus. Am Ende ging er mit einem Verlust von 0,7 Prozent beim Stand von 11.099 aus dem Handel, der L-Dax machte nur sieben Punkte an Boden gut. Wie in den USA bekamen Anleger auch hierzulande Angst, je nach Ausgang des Referendums am Sonntag falsch positioniert zu sein.

Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem erklärte die Abstimmung am Sonntag zur Schicksalswahl. Ein "Nein" stelle die Mitgliedschaft Griechenlands in der Euro-Zone in Frage. Laut Umfragen zeichnet sich bei der Volksabstimmung ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Befürwortern und Gegnern der Gläubigerforderungen ab.

RWE und Eon jubeln

Ein guter Börsentag war es für Versorger. Im Dax zählten RWE-Aktien zu den großen Kursgewinnern. Das Schreckgespenst Klimaabgabe ist vom Tisch. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, sollen laut dem Willen der Politik Braunkohle-Kraftwerke vom Netz genommen werden und nur noch als Reservekapazität vorgehalten werden. Dafür sollen die Stromkonzerne Prämien erhalten. Auch Eon-Aktien profitierten.

K+S weist Potash ab

Am unteren Dax-Ende rangierten Aktien von K+S. Der Kasseler Kali- und Salz-Produzent hat den Übernahme-Vorstoß des größeren Rivalen Potash zurückgewiesen. Er reflektiere nicht den fundamentalen Wert von K+S. Der kanadische Düngemittelhersteller bietet 41 Euro je Aktie.

Deutsche Bank wieder im Visier

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die brasilianische Wettbewerbsbehörde nimmt 15 globale Banken wegen des Verdachts auf Manipulationen am Devisenmarkt ins Visier. Darunter soll sich auch die Deutsche Bank befinden. Die Aufsichtsbehörde Cade warf den Geldhäusern am Donnerstag vor, die Wechselkurse zu ihren Gunsten beeinflusst und von 2007 bis mindestens 2013 Wettbewerber von Transaktionen abgehalten zu haben.

Deutscher Börse hilft die Eurex

Die Aktien der Deutschen Börse lagen gut im Rennen. Marktbeobachter und Analysten verwiesen auf gute Handelszahlen der Terminbörse Eurex. Diese profitiere von den jüngsten Schwankungen an den Finanzmärkten, schrieb Analyst Benjamin Goy von der Deutschen Bank in einer Studie.

VW erholt sich in den USA

Der amerikanische Automarkt stand im Juni erneut unter Dampf. Fast vier Prozent Absatzplus - so stark war kein Juni mehr seit dem Jahr 2006. VW gelang bei der Kernmarke ein Zuwachs von 5,6 Prozentm die Tochter Audi schaffte sogar 8,3 Prozent und Porsche 3,0 Prozent. Bei BMW belief sich das Plus auf 7,8 Prozent und bei Daimler auf 6,4 Prozent.

Post hat Ärger mit Kartellamt

Im Fokus auch die Post-Aktie. Nicht nur, weil eine neue Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt ansteht. Das Bundeskartellamt geht gegen die Deutsche Post vor, ein Missbrauchsverfahren steht kurz vor dem Abschluss. Das Kartellrecht geht dem Vorwurf nach, dass der Konzern Großkunden aus der Telekommunikationsbranche versteckte Rabatte gewährt und so Wettbewerber ausgebootet hat.

Wacker Chemie - endlich gefangen?

Die Stimmung für die im MDax notierten Wacker-Chemie-Aktien besserte sich. Das dürfte an dem innerhalb einer Woche gestiegenen Polysilizium-Preis liegen. Der Preis scheine endlich einen Boden gefunden zu haben, sagte ein Händler. Der Rohstoff wird bei der Herstellung von Solaranlagen verwendet.

Salzgitter empfohlen

Auch Salzgitter legten zu. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux hat die Papiere auf die Empfehlungsliste der deutschen "Top Picks" gesetzt. Salzgitter wäre in der europäischen Stahlbranche der größte Profiteur von möglichen Einfuhrzöllen auf warmgewalzte Flachstahlerzeugnisse aus China, so die Begründung.

SMA Solar wieder gefragt

SMA-Aktien waren Spitzenreiter im TecDax. Die LBBW hat die Papiere zum Kauf empfholen - nach vorherige "Halten"-Empfehlung. Zudem setzen die Analysten das Kursziel von 14,20 auf 26 Euro hoch. Weil die Geschäfte im zweiten Halbjahr so gut bleiben dürften wie im ersten, und Kostensenkungen von 80 Millionen Euro zu erwarten sind.

Gewinnwarnung von Travel24

Eine schlechte Nachricht kam von Travel24: Der Online-Reiseanbieter revidierte seine Ergebnis- und Umsatzziele nach unten. Nun dürfte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern nur 2,5 Millionen Euro und der Umsatz nur noch 17,6 Millionen erreichen.

BP zahlt wegen Deepwater Milliarden

Etliche ausländische Nachrichten waren von Interesse. Der Energiekonzern BP legte die jahrelangen Rechtsstreitigkeiten in den USA wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010 weitgehend bei. Der Konzern einigte sich mit US-Regierung auf die Zahlung von 18,7 Milliarden Dollar (rund 16,8 Milliarden Euro). Bei Anlegern wurde die Vereinbarung positiv aufgenommen. Die BP-Aktie stieg in London deutlch, obwohl der Konzern seine Rückstellungen für die Folgen der Katastrophe um zehn auf 53,8 Milliarden Dollar erhöhte.

Tesla elektrisiert

Mit einer Erfolgsmeldung konnte Tesla aufwarten. Der Elektroauto-Anbieter steigerte den Absatz seines "Model S" im zweiten Quartal um 52 Prozent. Die Nachricht wird beklatscht an der Börse, Tesla-Aktien stiegen um vier Prozent.

Electrolux vor Shopping-Verbot

An der Stockholmer Börse gab's einen herben Dämpfer für Aktien der AEG-Mutter Electrolux, ein Kurssturz von elf Prozent. Anleger sind enttäuscht, weil der 3,3 Milliarden Dollar schwere Kauf der Hausgeräte-Sparte von GE auf der Kippe steht. Die US-Wettbewerbshüter wollen die Übernahme blockieren, um eine zu große Marktmacht zu verhindern.

bs

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"