Dax brauchte die Wall Street nicht

Stand: 25.05.2009, 20:00 Uhr

Ohne Impulse aus den USA und Großbritannien hielt sich der Dax am Montag ganz passabel. Der Ifo-Index löste am Morgen zwar einen Kursrutsch aus, am Nachmittag erholte sich der Dax komplett von den Verlaufsverlusten.

In den USA wurde der Memorial Day gefeiert, auch in Großbritannien war die Börse geschlossen. Am deutschen Aktienmarkt rutschte das Handelsvolumen wegen der fehlenden Vorgaben von den wichtigsten Weltbörsen auf den tiefsten Stand seit Dezember 2006, dennoch gelang es dem Dax, sein Verlaufstief von minus 1,8 Prozent bis zum Abend auszugleichen. Der Leitindex schloss nahezu unverändert bei 4.918 Punkten, im späten Handel legte der Dax noch ein paar Pünktchen zu.

Der am Morgen bekannt gegebene Ifo-Geschäftsklimaindex hatte zunächst aber für deutliche Ernüchterung am Aktienmarkt gesorgt. Der wichtigste deutsche Konjunkturklimaindikator stieg zwar leicht auf 84,2 Punkte, Volkswirte hatten jedoch etwas mehr erwartet. Außerdem enttäuschte die Lageeinschätzung, die schwächer ausfiel als prognostiziert.

Im Dax setzten sich im Tagesverlauf daher vor allem defensive, konjunkturunanfälligere Titel durch. Fresenius, Beiersdorf, RWE und Merck profitierten von den schwachen Konjunkturdaten. Fresenius-Aktien beispielsweise gewannen 3,2 Prozent.

Deutsche Bank vor der Hauptversammlung
Die Aktien der Deutschen Bank verloren ein Prozent. Beobachter begründeten dies mit der morgigen turbulent erwarteten Hauptversammlung des Konzerns. Außerdem war am Freitag nach Börsenschluss bekannt geworden, dass die Bafin Verstöße gegen die Datensicherheit bei der Bank untersucht.

Porsche bekommt 700 Millionen von VW
Aktien des Autoherstellers Porsche verloren, ebenfalls wegen Befürchtungen um die finanzielle Zukunft, 3,1 Prozent. Ein Porsche-Sprecher wies allerdings Spekulationen zurück, dass dem Konzern im März die Pleite gedroht habe. Zuvor hatte Porsche allerdings bestätigt, dass der von Schulden geplagte Stuttgarter Autokonzern bereits im März von Volkswagen einen Kredit in Höhe von 700 Millionen Euro bekommen hat.

Q-Cells auf "Add"
Die Commerzbank stufte am Montag die Aktien von Q-Cells von "Hold" auf "Add" herauf. die im TecDax notierten Q-Cells-Papiere gewannen daraufhin 2,9 Prozent. Auch die Aktien von SMA Solartech, Phoenix Solar und Solon legten zu.

Aixtron baut LED-Maschine für China
Der ebenfalls im TecDax notierte Elektronikkonzern Aixtron hat seinen bislang größten Auftrag aus China bekannt gegeben. Man werde mehrere Anlagen zur Herstellung von Leuchtdioden an Hualei Optoelectronic liefern, teilte Aixtron mit. Finanzielle Einzelheiten wurden nicht bekannt, die Aktie drehte am Nachmittag ins Plus und schloss ein Prozent fester.

Praktiker und die Gartenfreunde
Gute Nachrichten gab es auch vom Baumarktbetreiber Praktiker. In einem Zeitungsinterview sagte der Chef des MDax-Konzerns, Wolfgang Werner, dass das Aprilgeschäft gut gelaufen sei. Vor allem die Nachfrage nach Gartenartikeln habe sich erfreulich entwickelt, so Werner im "Handelsblatt". Die Aktie ging mit einem Plus von 8,4 Prozent aus dem Handel.

Rhön Klinikum braucht mehr Geld
Rhön-Klinikum-Aktien verloren 7,1 Prozent. Der Klinik-Betreiber will sein Kapital um eine halbe Milliarde Euro erhöhen, um für die "sich abzeichnende Privatisierungswelle ab 2010" gerüstet zu sein. Konditionen will die MDax-Firma kurz vor der Kapitalerhöhung im zweiten Halbjahr bekannt geben.

Arcandor und Escada in Pleitegefahr
Insolvenzängste setzten den Aktien von Arcandor und Escada, und zum Teil auch Porsche zu. Arcandor-Titel verloren 19,6 Prozent, nachdem die Firma erneut um staatliche Hilfe gebeten hatte. Die Pleite sei ansonsten nicht mehr abzuwenden, sagte Stefan Herzberg, Chef der "Karstadt"-Sparte. Auch der Vorstandsvorsitzende der Modefirma Escada, Bruno Sälzer, sieht die Existenz des SDax-Konzerns bedroht. Das Geschäft läuft schlecht, im ersten Halbjahr 2008/2009 91,7 Millionen Euro Verlust gemacht zu haben. Die Aktie verlor in der Spitze fast sieben Prozent, schloss dann aber unverändert.

Die Borussia enttäuscht doppelt
Heftige Kursverluste verzeichnet die Aktie des Fußballvereins Borussia Dortmund. Für sie geht es bis zu einem Viertel bergab. Der BVB hatte am letzten Spieltag der Bundesliga die Qualifikation für die Europa-League verpasst. Einnahmeausfälle in Millionenhöhe sind nun vorprogrammiert, die Aktionäre und Fans leiden doppelt. Die Aktie verlor 14,8 Prozent.

Constantin wohl nicht gut genug
Einen Tag vor der Bekanntgabe der Quartalszahlen gehen die Anleger beim Medienunternehmen Constantin auf Nummer sicher und verkaufen. Die Aktie verlor 4,6 Prozent "Wir glauben nicht, dass sich Constantin vom herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld abkoppeln konnte", sagte ein Commerzbank-Analyst. Er erwartet, dass die Firma weniger Umsatz und Gewinn verbucht hat.

Grippe beflügelt Sanofi-Aventis
Die Aktien von Sanofi-Aventis legten am Montag um zwei Prozent zu. Der weltgrößte Impfstoffhersteller hat einen Auftrag der US-Regierung zur Produktion eines neuen Grippe-Impfstoffes bekommen. Dieser Auftrag habe einen Auftrag von 190 Millionen Dollar, teilte Sanofi-Aventis mit.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat