Dax blendet schlechte Nachrichten aus

Stand: 28.09.2007, 20:10 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt hat sich ohne klare Richtung ins Wochenende verabschiedet. Auch die besser als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturdaten konnten keinen nachhaltigen Schwung bringen. Dennoch schaffte es der Dax diese Woche, den negativen Faktoren wie dem hohen Euro zu trotzen.

Nach dem Auf und Ab am Nachmittag konnte der Dax am Abend leichte Kursgewinne verbuchen und ging bei 7861 Zählern ins Wochenende, gut 10 Punkte mehr als am Vortag. Auch die besser als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturdaten keine Impulse für den deutschen Aktienmarkt aus. Dieser wurde Händlern zufolge vom starken Euro sowie den hohen Öl- und Goldpreisen belastet. "Die Verunsicherung wird von Tag zu Tag größer, deshalb haben wohl einige vor dem Wochenende noch Gewinne mitgenommen", sagte ein Börsianer. Dennoch haben die Anleger keinen Grund zur Unzufriedenheit. Seit Montag hat der Dax fast einen Prozent zugelegt. Eine erstaunlich gute Performance angesichts der sich häufenden Warnungen vor einem Abkühlen der Konjunktur und anderen Belastungsfaktoren wie dem Euro, der am Freitag erstmals die Marke von 1,42 Dollar übersprang. Auch der Ölpreis kletterte auf ein neues Rekordhoch, und die deutschen Verbraucher halten trotz sinkender Arbeitslosigkeit ihr Geld weiter zusammen.

Die Belastungsfaktoren werden derzeit einfach ausgeblendet. "Die Erleichterung darüber, dass die Notenbanken die Märkte mit notwendiger Liquidität versorgen und sich die durch die US-Hypothekenkrise entstandenen Engpässe an den Kreditmärkten allmählich wieder zurückbilden, treibt derzeit die Aktienbörsen an", sagt Markus Reinwand von der Helaba. Da spielt auch das Ausbleiben der seit längerem erwarteten Konsumbelebung in Deutschland keine Rolle, obwohl Experten vor den daraus entstehenden Gefahren für die Gesamtwirtschaft eindringlich warnen.

22 Euro für Freenet

Die Telekomfirmen Drillisch und United Internet wollen für eine Übernahme des Rivalen Freenet tief in die Tasche greifen. Wie die "Financial Times
Deutschland" am Freitag in der Online-Ausgabe berichtete, wollen Drillisch und United Internet 22 bis 24 Euro je Aktie für das Unternehmen zahlen. Das wäre ein deutlicher Aufschlag zum aktuellen Kurs, der am Freitag getrieben von dem
Bericht um 5,8 Prozent auf über 19 Euro stieg. Freenet und Drillisch-Chef Paschalis Choulidis wollten den Bericht nicht kommentieren, United Internet war zunächst nicht zu erreichen. United Internet und Freenet-Hauptaktionär Drillisch haben ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, um sich auf eine vollständige Übernahme von Freenet vorzubereiten.

Celesio erwartet weniger Gewinn
Der Pharmahändler Celesio hat wegen einschneidender Maßnahmen im britischen Gesundheitswesen seine mittelfristigen Ziele nach unten korrigiert. Aus heutiger Sicht gehe der Konzern für die Jahre 2006 bis 2010 nicht mehr von einem durchschnittlich zweistelligen Wachstum des Vorsteuergewinns aus, teilte Celesio am Freitag mit. Die Aktie rauschte daraufhin in den Keller und schloss 8,36 Prozent schwächer bei 44,26 Euro. Großbritannien will die Arzneimittelerstattungspreise und Apothekenvergütungen kürzen. Celesio habe zwar mit Maßnahmen
gerechnet, aber nicht in diesem Ausmaß.

Tagesgewinner Tui
Der größte Tagesgewinner blieb der Reisekonzern Tui. Der Grund dafür ist Guy Wyser-Pratte. Der US-Finanzinvestor hat nach einem Bericht des "Handelsblatt" ein Prozent an dem Touristik-Konzern übernommen. Er begründete den Schritt mit dem "massivem Missmanagement" von Konzernchef Michael Frenzel. Er habe für gut 40 Millionen Euro TUI-Aktien erworben, um zusammen mit anderen kritischen Aktionären für eine Ablösung von Frenzel zu sorgen. Wyser-Pratte ist bekannt für seine aktive Rolle als Investor. Bei Kuka (ehemals IWKA) räumte er auf, der Aktienkurs verdreifachte sich mit seinem Einstieg. Entsprechendes hoffen nun die diejenigen, die sich heute mit Tui-Aktien eindecken. Die Aktie gewinnt mehr als vier Prozent.

Merck im Sinkflug
Am anderen Index-Ende gerieten die Papiere von Merck unter Druck nachdem die Deutsche Bank den Titel auf "Hold" von "Buy" heruntergestuft hat und das Kursziel mit 91 Euro angab. Grund ist die Sorge vor wachsender Konkurrenz aus Japan in der Flüssigkristallsparte. Credit Suisse stufte die Aktien ebenfalls von "Buy" auf "Neutral" ab. Die bereits seit Tagen schwächelnde Aktie verliert sechs Prozent.

Volkswagen darf bei Scania zukaufen
Schwedens Aktienaufsicht hat Volkswagen am Freitag grünes Licht für den Zukauf weiterer Anteile am Nutzfahrzeughersteller Scania gegeben. VW hatte am Donnerstag einen entsprechenden Antrag gestellt und kann nun weitere Aktien auch über die bisher geltende Obergrenze von 49,99 Prozent übernehmen, ohne ein Angebot für die Gesamtübernahme vorlegen zu müssen. Bisher verfügt der Wolfsburger Konzern über 36,4 Prozent der Stimmrechtsanteile bei dem als besonders ertragreich geltenden Lkw- und Bushersteller.

Balda will Gehäuse-Produktion verkaufen auf
Im SDax gehören Balda zu den großen Gewinnern mit fünf Prozent Kursplus. Das in den Bereichen Telekommunikation-, Automobil- und Medizintechnik tätige Unternehmen hat eine verstärkte Fokussierung auf die Wachstumsregionen Asiens und den Bereich Touch Screens angekündigt. Einem Händler zufolge ist auch die laut Balda besser als geplante Entwicklung im Bereich Medical positiv zu werten - ebenso die Ankündigung, sich noch im Jahr 2007 vom europäischen Restgeschäft zu trennen. Potenzielle Erwerber hätten hier bereits Interesse gezeigt und das sei positiv, hieß es.

Telekom kommt bei Orange zum Zug
In den Fokus rückt auch die T-Aktie. Denn France Telecom verkauft seine Sparte Orange Niederlande an die Deutschen, die dafür 1,33 Milliarden Euro zahlen müssen. Das Geschäft war am Vortag bereits aus Branchenkreisen bekannt geworden und wurde heute von France Telecom bestätigt. Die T-Aktie pendelt um ihren Vortagesschlusskurs

IKB enttäuscht mit Quartalsgewinn
Ähnlich läuft es für Index-Kollege IKB, die Aktie machte am Vormittag den Wechsel von Minus zu Plus durch. Der Quartalsbericht sorgte anfangs für Missmut. Die in Schieflage geratene Mittelstandsbank wies in ihrem ersten Geschäftsquartal, das am 30. Juni endete, einen deutlichen Ergebnisrückgang aus. Die Auswirkungen der aktuellen Probleme sind in diesen Zahlen aber nur bedingt erkennbar, da das Quartal bereits vor Bekanntwerden der Probleme mit dem US-Subprime-Engagement zu Ende gegangen war. Für Zuversicht bei Investoren dürfte das stark gestiegene Neugeschäftsvolumen bei Krediten sorgen.

Amitelo präsentierte seine Halbjahresbilanz, die ein Umsatzplus von 22 Prozent auf 27,74 Millionen Euro ausweist. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sackte auf 2,1 Millionen von zuvor 2,78 Millionen. Die Aktie verliert am Ende mehr als 12 Prozent.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"