Dax bleibt richtungslos

Stand: 05.07.2011, 20:02 Uhr

Der Dax hat sich am Abend aus Mangel an Impulsen kaum von der Stelle gerührt. Auch die neuen US-Konjunkturdaten konnten die Anleger nicht aus ihrer Wartestellung reißen. Doch die Grundstimmung bleibt positiv.

Am Abend steht der Leitindex bei 7.449 Punkten, 12 Punkte mehr als gestern. "Die Angst vor einer akuten Pleite Griechenlands ist erst einmal vom Tisch, nun wartet man auf neue Impulse", sagte ein Händler. Fredrik Nerbrand, Chef der Anlagestrukturierung bei HSBC, beschrieb die Kursanstiege der vergangenen Tage vor allem als eine Reaktion der Erleichterung. Grundsätzlich bleibe er angesichts der Schuldenkrise in Teilen des Euroraums und anderen Unwägbarkeiten aber vorsichtig. Das sehen viele Anleger offenbar ähnlich.

Belastet wurde der Dax auch von enttäuschenden US-Konjunkturdaten. Die Auftragslage der US-Industrie hat sich im Mai nach dem Einbruch im Vormonat zwar verbessert. Die Bestellungen stiegen im Vergleich zum Vormonat um 0,8 Prozent. Im April waren sie revidiert noch um 0,9 Prozent gesunken. Weil Analysten aber mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet hatten, drehten die Kurse an der Wall Street rasch ins Minus.

Am Abend notiert der Dow-Jones-Index leicht im Plus bei 12.589 Zählern, sieben mehr als gestern. Händler sprachen von einer Verschnaufpause nach der besten Woche an der Wall Street seit zwei Jahren. Der Handel verlief ruhig bei geringen Volumina.

Inflationssorgen in China
Leicht belastet werden die Kurse auch von Inflationssorgen in China. Dort steuert die Teuerungsrate auf ein Drei-Jahres-Hoch zu und bereitet der Zentralbank weiter große Sorgen. China werde aber an seiner "umsichtigen" Geldpolitik festhalten, heißt es in einem Bericht der Währungshüter. In staatlichen Medien prophezeien Analysten einen Anstieg der jährlichen Inflationsrate im Juni auf bis zu 6,2 Prozent.

Der Euro steigt am Abend auf 1,448 Dollar. Die Ölpreise haben anfängliche Kursverluste mehr als ausgeglichen und bis zum Abend deutliche Kursgewinne eingefahren. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im August kostete zuletzt 112,90 Dollar. Das waren 1,51 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,54 Dollar auf 96,48 Dollar.

Henkel an Dax-Spitze gelobt
Größter Gewinner im Dax sind die Aktien von Henkel, mit einem Aufschlag von über zwei Prozent. Die Analysten von Bernstein lobten, dass sich Henkel als einziger europäischer Hersteller im ersten Halbjahr gegen den US-Rivalen Procter & Gamble (P&G) habe behaupten können. P&G wiederum machte bei Reckitt Benckiser von sich Reden: In London kletterten die Titel des britischen Konsumgüterkonzerns zeitweise um 2,6 Prozent. In Zeitungsberichten wurde spekuliert, P&G interessiere sich für den britischen Calgon- und Sagrotan- Hersteller.

VW top, MAN flopp
Die Titel von MAN und Volkswagen knüpfen heute nahtlos an ihre Vortagsentwicklung an. Während die Papiere des LKW-Konzerns am Dax-Ende mehr als drei Prozent einbüßten, geht es für die Vorzugsaktien der Wolfsburger, die gestern die Mehrheit von MAN übernommen haben, weiter nach oben. Händler verweisen zur MAN-Kursentwicklung auf eine Mitteilung der Deutschen Börse, die für Donnerstag eine Anpassung des MAN-Streubesitzanteils von 69,47 auf 44,10 Prozent ankündigte.

Daimler auf Rekordkurs
Zu den Gewinnern im Dax gehört auch die Daimler-Aktie. Der Absatzboom in vielen Schwellenländern hat dem Unternehmen das beste erste Halbjahr seiner Unternehmensgeschichte beschert. Von Januar bis Ende Juni verkauften die Stuttgarter 665.332 Fahrzeuge ihrer Markengruppe Mercedes-Benz Cars, 9,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Autobauer sieht sich damit auf Kurs, den in diesem Jahr angestrebten Auslieferungsrekord von mehr als 1,3 Millionen Fahrzeugen zu erreichen.

Goldman senkt Deutsche Telekom
Zu den Verlierern im Dax gehört die Aktie der Deutschen Telekom. Grund ist eine Herabstufung durch Goldman Sachs. Deren Analysten haben die Aktie von "Hold" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel von 11,30 auf 10,70 Euro gesenkt. Um mit den Kabelnetzbetreibern Schritt zu halten und die Kundenwünsche nach schnellen Internetzugängen zu erfüllen, dürften bis 2020 hohe Investitionen der Telekommunikationsunternehmen in Netze der nächsten Generation (NGA) notwendig werden, schrieb Analyst Hugh McCaffrey. Im schlimmsten Fall würde dies die Branche europaweit 41 Milliarden Euro kosten.

BASF- Verkauf lässt Anleger kalt
BASF erhält infolge der Ausgliederung seiner milliardenschweren Kunststoffgeschäfte vom britischen Joint-Venture-Partner Ineos 600 Millionen Euro. Die Zahlung wird fällig, weil BASF in das 50:50 Joint-Venture "Styrolution" höhere Vermögenswerte einbringe als der britische Partner. Die Anleger lässt die Nachricht jedoch kalt. Die BASF-Aktie kommt kaum voran.

Credit Suisse mag Hugo Boss
Im MDax gehören die Aktien von Hugo Boss zu den größten Gewinnern. Die Titel müssen bis zum Börsenschluss zwar ihren Index-Spitzenplatz räumen, legen aber dennoch um 2,5 Prozent zu. Ausgelöst hat die Kursrally eine Studie der Crédit Suisse. Die Bank bewertet die Titel des Modeunternehmens in einer Ersteinschätzung mit "Outperform" und einem Kursziel von 79,00 Euro. Zeitweise rückten die Aktien von Hugo Boss um fünf Prozent vor waren damit so teuer wie nie in ihrer mehr 25jährigen Börsengeschichte. Seit dem letzten Tiefpunkt im Februar 2009 hat sich ihr Wert mehr als versiebenfacht.

Zu den Favoriten im MDax gehört auch die lange vernachlässigte Aktie des Pharmagroßhändlers Celesio. Grund sind Heraufstufungen mehrerer Banken, darunter von Cheuvreux. Deren Analyst hat die Aktie von "Underperform" auf "Outperform" hochgestuft, das Kursziel aber von 19,00 auf 17,50 Euro gesenkt.

Kräftig nach oben geht es auch mit der Aktie von Fuchs Petrolub auf. Sie profitiert von dem kürzlich vorgenommenen Splitting im Verhältnis Eins zu Drei.

Solarwerte unter Druck
Im TecDax kommt es zu deutlichen Kursverlusten der Solarwerte. Grund sind Spekulationen über Kürzungen der Solarförderung in Italien. Vor allem Q-Cells und Roth & Rau, aber auch SMA und Solarworld verzeichnen Kursrückgänge von mehr als sieben Prozent. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, will die italienische Regierung im Rahmen der beschlossenen Sparpläne die Subventionen für die heimische Solarbranche kürzen.

Cisco und HP vor Großauftrag
Der weltgrößte Netzausrüster Cisco prüft laut einem Zeitungsbericht die Teilnahme an einem gigantischen Kameraüberwachungsprojekt in China. Auch der Computerriese Hewlett-Packard könnte Server oder Speicher-Technik liefern, berichtete das "Wall Street Journal". Die Stadt Chongqing will mehr als 500.000 Videokameras auf Straßen und öffentlichen Plätzen installieren. Kritiker warnen, dass das Netz auch zur Verfolgung Andersdenkender genutzt werden könne.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"