Dax bleibt in der Winterstarre

Stand: 29.12.2010, 20:02 Uhr

Die Eiseskälte in Deutschland lähmt auch die Börsianer. Der Dax ist kurz vor Jahresschluss wie festgefroren. Nur kurz lugte er über die 7.000-Punkte-Marke. Rückenwind gab's von der Wall Street - und von VW.

Die Hoffnung auf eine Jahresend-Rally hat sich nicht erfüllt. Zwar konnte der Dax am vorletzten Handelstag leicht zulegen, mit 6.995 Punkten blieb das deutsche Börsenbarometer aber klar unter dem in der vergangenen Woche erreichten Jahreshoch von 7.078 Punkten. Die Hilfe der US-Börsen war zu wenig. Der Dow legte knapp 0,4 Prozent zu.

Zeitweise hatte es so ausgesehen, dass der Dax die psychologisch wichtige Marke von 7.000 Punkten überwindet. Doch im Schlepptau der wieder etwas schwächelnden US-Börsen büßte der Dax einen Teil seiner Kursgewinne ein. Im späten Parketthandel tat sich nicht mehr viel. Der L-Dax schloss bei 6.996 Zählern.

Dünne Umsätze

Der Handel verlief kurz vor Jahresschluss äußerst ruhig. Die Umsätze waren gering. "Viele Anleger haben ihre Bücher geschlossen und sind im Urlaub", sagte ein Händler. "Und wer bis jetzt seine Schäfchen noch nicht im Trockenen hat, für den ist es auch zu spät", ergänzte er. Erst nach dem Jahreswechsel wird nach Einschätzung von Börsianern wieder Bewegung in den Markt kommen. Dann positionieren sich die Anleger neu. Kräftige Kurssprünge sind also auch für den letzten Handelstag am Donnerstag nicht zu erwarten. An der Frankfurter Börse endet der Handel schon frühzeitig um 14 Uhr. Der Dax dürfte einen neuen Anlauf Richtung 7.000 Punkte wagen.

Anleger blicken nach dem guten Börsenjahr 2010 skeptisch auf den Jahresanfang 2011. Denn laut Statistik gaben die Kurse zu Beginn der letzten drei Jahre in der Regel nach.

Goldpreis steigt und steigt
Die Unsicherheit über die europäische Schuldenkrise und die Inflationssorgen in China trieben die Anleger ins Gold. Das Edelmetall setzte seine Aufwärtsbewegung am Mittwoch fort und kletterte auf über 1400 Dollar je Feinunze. In Euro gerechnet war Gold so teuer wie noch nie. Eine Feinunze kostete bis rund 1.074 Euro. Der Ölpreis hielt sich über 91 Dollar. Seit Ende November ist der Ölpreis wegen des heftigen Wintereinbruchs um zehn Prozent gestiegen.

Die deutschen Staatsanleihen tendierten schwächer. Das Marktbarometer Bund-Future, der stark vom US-Markt beeinflusst wird, rutschte um knapp 0,3 Prozent auf 124,85 Punkte. Der Euro berappelte sich am Abend und kletterte auf über 1,32 Dollar.

Interesse an US-Anleihen neu erwacht
Händler verwiesen auf die gesunkene Attraktivität des Dollars, nachdem die Verzinsung von US-Anleihen deutlich nachgegeben hatte. Die Auktion siebenjähriger Anleihen sei am Mittwoch auf starke Nachfrage gestoßen, hieß es am Abend. Am Dienstag war die Versteigerung fünfjähriger US-Staatsanleihen nur auf verhaltenes Echo gestoßen. Nur 58 Prozent des Volumens wurden von Händlern ersteigert, der Rest ging an strategische Investoren. Im Vergleich zu den vergangenen Auktionen war die Überzeichnung niedrig, meinte eine Rentenexpertin. Rund 40 Prozent der Emission wurden zum niedrigsten Kurs zugeteilt.

Mäßiges Echo für italienische Anleihen
Auch bei der Versteigerung italienischer Staatsanleihen hielt sich das Interesse in Grenzen. Rom platzierte am Mittwoch zweijährige Null-Kupon-Anleihen zu 3,5 Milliarden Euro sowie sechs Monate laufende Anleihen über 8,5 Milliarden Euro am Markt. Für die Sechs-Monate-Anleihen mussten knapp 1,7 Prozent an Zinsen gezahlt werden und damit etwas mehr als zuletzt. Die Kurse zehnjähriger italienischer Staatstitel gerieten ebenso wie griechische und irische zehnjährige Anleihen unter Druck.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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VW fährt an die Dax-Spitze
Von den jüngsten Kursverlusten erholten sich vor allem die VW-Aktien, die mit einem Plus von über zwei Prozent als Dax-Spitzenreiter aus dem Handel gingen. Offenbar wollten einige Anleger noch die Top-Aktien des Jahres in ihr Depot holen. Mit einem Plus von fast 90 Prozent sind die VW-Papiere der Dax-Gewinner des Jahres. Die drohende Begrenzung von Neuzulassungen in der chinesischen Mega-Metropole Peking hatte zu Wochenbeginn die Titel des Autobauers um fünf Prozent nach unten gedrückt.

Eon darf Riesen-Kraftwerk bauen
Zu den Dax-Gewinnern gehörten auch die Versorgerwerte, die in diesem Jahr besonders schlecht liefen. Am Mittag erteilte das Regierungspräsidium Darmstadt Eon grünes Licht für den Ausbau des wichtigen Kohlekraftwerks Staudinger im hessischen Großkrotzenburg.

Siemens macht Wind in den Schwellenländern
Nach oben ging es ebenfalls mit der Siemens-Aktie. Der Konzern gab einen Großauftrag für Windturbinen bekannt. Zudem kündigte René Umlauft, Chef von Siemens Renewable, Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe ins Windkraftgeschäft von Brasilien, Indien und Russland an. Mit der Expansion in den Emerging Markets will Siemens bis 2012 zu den drei größten Anbietern im Windgeschäft aufsteigen. Derzeit ist Siemens nur Nummer sieben.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Blackrock belastet Bankaktien
Dagegen gaben die Aktien der Commerzbank leicht nach, die Papiere der Deutschen Bank notierten unverändert. Die Banken litten unter Plänen des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock. Dieser will laut einem Medienbericht künftig auf einer eigenen Handelsplattform einen Großteil seiner Wertpapieraufträge tätigen. Da fiel es auch kaum ins Gewicht, dass Blackrock seine Anteile bei der Deutschen Bank auf über fünf Prozent aufgestockt hat.

Der Deutschen Bank drohen außerdem in Japan laut einem Medienbericht härtere Kapital-Auflagen. Die Regulierungsbehörden setzten das deutsche Geldhaus auf den ersten Rang einer Liste mit systemrelevanten Instituten. Diese sollen zukünftig mehr Eigenkapital im Verhältnis zu ihrer Bilanzsumme vorhalten müssen als weniger wichtige Banken.

Setzen sich die Spanier bei Hochtief durch?
Im MDax blicken die Anleger gespannt auf Hochtief. Um Mitternacht entscheidet sich, ob ACS einen entscheidenden Schritt zur Übernahme des größten deutschen Baukonzerns gemacht hat. Das Tauschangebot für Hochtief-Aktionäre endet in der Nacht zum Donnerstag. Bislang halten die Spanier 29,4 Prozent Anteile an Hochtief. Die Aktien von Hochtief notierten fast unverändert bei 63,64 Euro.

Tognum glaubt nicht mehr an die Brennstoffzelle
Zu den größten MDax-Verlierern zählte Tognum. Der Motoren- und Energieanlagen-Hersteller gibt die Entwicklung von stationären Brennstoffzellen auf. Aus dieser Entscheidung resultiert eine Sonderbelastung in Höhe von 60 Millionen Euro. Auf die Prognose habe dies aber keinen Einfluss, weil sie als "nicht-operative Einmalbelastungen" verbucht würde.

Baywa greift nach der (US-)Sonne
Voll auf erneuerbare Energien setzt die Baywa AG. Sechs Tage nach dem Einstieg in das britische Windanlagen-Geschäft verkündete das MDax-Unternehmen seine Expansion in den Photovoltaik-Markt USA. Das Unternehmen kauft dort für 13 Millionen Euro das Photovoltaik-Unternehmen Focused Energy, das Solarmodule, Wechselrichter und Montagesysteme vertreibt. Anleger zeigten sich unbeeindruckt. Die Aktie konnte nur leicht zulegen.

Kuka-Chef versprüht Zuversicht
Im SDax waren die Anteilsscheine des Roboterherstellers Kuka gefragt. Die Aktien legten fast drei Prozent zu. Grund waren optimistische Aussagen von Vorstandschef Till Reuter in einem Interview mit dem "Handelsblatt". Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde im Gesamtjahr 2010 mit 20 Millionen Euro am oberen Ende der Unternehmensprognose liegen, kündigte er an. Zudem dürften die Umsätze das bisherige Ziel von einer Milliarde Euro übersteigen. Auch für 2011 zeigte sich Reuter zuversichtlich.

Schafft Singulus die Wende?
Aus dem TecDax ragten die Papiere von Singulus heraus, die mit einem Kursplus von fast zehn Prozent ihren Höhenflug fortsetzten. Noch immer wirke ein Interview von Vorstandschef Stefan Rinck vom Montag bei dem Wert nach, meinten Händler. Nun stünden einige kleine Fonds aus Deutschland auf der Kaufseite, hieß es von Marktexperten.

Centrosolar-Chef sieht Überangebot im Markt
Auf der Verliererseite im TecDax standen dagegen erneut mehrere Solarwerte. Die Branche sei einfach "out", meinten Händler. Zudem belastete ein Zeitungsinterview mit Centrosolar-Chef Alexander Kirsch die Stimmung. Kirsch rechnet für 2011 mit einem erheblichen Überangebot im Solarmarmarkt und einer großen Auslese in der Branche.

A-Tec vorerst gerettet
Einen Kurssprung von 59 Prozent auf über drei Euro verzeichnete die A-Tec-Aktie. Grund: Das österreichische Industrie-Imperium hat vorerst eine Pleite abgewendet. Nach wochenlangem Ringen stimmte am Mittwoch eine große Mehrheit der Gläubiger dem Sanierungsplan zu. Nun hat A-Tec bis Mitte 2011 Zeit, um einen neuen Investor zu finden.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr