Marktbericht 20:05 Uhr

Zweiter Verlust-Tag in Folge Dax bleibt in der Defensive

Stand: 08.04.2014, 20:05 Uhr

Vor dem Start der US-Berichtssaison haben sich die Anleger spürbar zurückgehalten. Wegen der anhaltenden Spannungen in der Ukraine setzte der Dax seine Talfahrt fort. Entlastung kam von der Wall Street. Gewinner des Tages war der Euro.

Zeitweise sah es am Dienstag nach einem erneut düsteren Börsen-Tag aus. Der Dax büßte in der Spitze 1,3 Prozent ein und rutschte unter die 9.400 Punkte. Am Nachmittag aber kam Hilfe aus Amerika. Nachdem der Dow ins Plus gedreht war, dämmte der Dax seine Verluste ein. Zum Ende des Xetra-Handels blieb nur noch ein Minus von 0,2 Prozent. Im späten Handel gelang die Wende. Der L-Dax schloss 0,4 Prozent höher bei fast 9.513 Punkten.

Wall Street erholt sich

Zwei Stunden vor Handelsende lag der Dow 0,1 Prozent im Plus. Kräftiger fiel die Erholung an der Nasdaq aus. Dort ging es 0,8 Prozent nach oben. Besonders begehrt waren die zuletzt etwas gebeutelten Internet-Aktien wie Google, Yahoo und LinkedIn.

Alcoa läutet Berichtssaison ein

Die Anleger zeigten sich angesichts des bevorstehenden Starts der Bilanzsaison aber vorsichtig, sagten Händler. Nach Börsenschluss wird der Aluminium-Konzern Alcoa als erstes Unternehmen aus dem S&P-500 über seine Geschäfte im vergangenen Quartal berichten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Alcoa negativ überrascht, ist gering. Denn die Erwartungen sind recht niedrig. Analysten rechnen mit einem Gewinnrückgang der S&P500-Konzerne um ein Prozent. Das lässt Raum für einige positive Überraschungen.

Ukraine-Krise verunsichert

Die Spannungen in der Ukraine trübten die Stimmung an den europäischen Aktienmärkten. "Die Sorge über eine Annexion der Ost-Ukraine hängt wie ein Damokles-Schwert über den Börsen", erklärte Experte Christian Henke von IG Markets. Ein massiver Einsatz ukrainischer Spezialeinheiten im Osten des Landes sorgte am Dienstag für neue Verstimmungen zwischen Moskau und Kiew.

Euro wieder über 1,38 Dollar

Der Euro erholte sich am Dienstag und überwand zeitweise die Marke von 1,38 Dollar. Die Bundesregierung erwartet im kommenden Jahr eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums auf 2,0 Prozent. Derweil stieg der Goldpreis um ein Prozent auf 1.310 US-Dollar. Auch Öl verteuerte sich. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am späten Nachmittag über 106 Dollar Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI zog auf über 101 Dollar an.

Ökostrom-Reform stützt Industrie-Aktien

Aus dem Dax ragten am Dienstag mehrere Industriewerte heraus. Größter Gewinner war ThyssenKrupp mit einem Plus von über 1,2 Prozent. Die Titel von BASF legten um 0,5 Prozent zu, die Papiere von Linde um 0,6 Prozent. Die Stahl- und Chemiewerte profitierten offenbar von der Beilegung des monatelangen Streits über die Ökostrom-Rabatte. Der Kompromiss der Bundesregierung mit der EU sei ein großer Schritt zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der Chemie, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) mit. Ähnlich äußerte sich der Stahl-Verband. Energieintensive Unternehmen sollen stärkere Rabatte bekommen als Brüssel zunächst erlauben wollte.

Infineon wird abgestuft

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,70
Differenz relativ
+4,70%

Die Infineon-Aktie zählte indes zu den größten Verlierern. Die Investmentbank Merrill Lynch hat eine Verkaufsempfehlung gegeben. Sie senkte die Aktie von "Neutral" auf "Underperform" und das Kursziel von 7,90 auf 7,30 Euro. Der gegenwärtige Kurs scheine von zu optimistischen Erwartungen auszugehen, meinte die zuständige Analystin.

Größter Kurseinbruch aller Zeiten bei Südzucker

Im MDax waren ebenfalls Industrietitel begehrt. Die Aktien von Salzgitter sprangen mit einem Plus von 2,5 Prozent an die Spitze. Einen schwarzen Tag hingegen erwischte Südzucker. Die Aktien sackten um über 20 Prozent ab- so stark wie noch nie. Europas größter Zuckerproduzent gab einen verheerenden Ausblick und stellte für das Geschäftsjahr 2014/15 einen weiteren Umsatz- und Ergebnisrückgang in Aussicht. Niedrige Preise für Bioethanol belasteten auch die Südzucker-Tochter CropEnergies. "Bioethanol ist momentan günstiger als Benzin, das drückt aufs Ergebnis", sagte ein Konzernsprecher am Dienstag in Mannheim.

Osram-Aktie im Dunkeln

Abwärts ging es auch mit der Osram-Aktie. Nach dem gestrigen Kursrutsch von sechs Prozent verlor die Aktie am Dienstag erneut knapp zwei Prozent. Damit notiert das zuvor gut gelaufene MDax-Papier wieder auf dem Stand von Anfang 2014.

Berenberg empfiehlt DMG Mori Seiki

Auf und Ab ging es mit der Aktie des Bielefelder Werkzeugmaschinenbauers. Letztlich schloss das Papier rund 0,8 Prozent höher. Die Privatbank Berenberg hat das Papier von DMG Mori Seiki von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 22 auf 26 Euro angehoben. Wegen seiner hohen Abhängigkeit vom europäischen Markt dürfte der Maschinenbauer von der dort wieder erstarkenden Nachfrage aus der Industrie profitieren.

Fielmann behält den Durchblick

Überraschend legte die Optiker-Kette nach Xetra-Schluss vorläufige Eckdaten zum ersten Quartal vor. Diese konnten sich sehen lassen. Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf ruind 305 Millionen Euro, das operative Ergebnis gar um 28 Prozent auf rund 58 Millionen Euro. Allerdings profirtierte Fielmann dabei vom milden Winter. Im Vorjahreszeitraum hatte der lange Winter die Kunden vom Brillen-Kauf abgehalten. Die Fielmann-Aktie zog im späten Handel um gut zwei Prozent an.

Cewe verkauft eigene Aktien

Europas größter Fotoentwickler Cewe kündigte am Abend einen riesigen Aktienverkauf an. Die Oldenburger wollen 500.000 eigene Aktien auf den Markt werfen. Das soll ihnen rund 28 Millionen Euro in die Kassen spülen. Mit den Einnahmen soll die Expansion des SDax-Unternehmens gestärkt werden.

Wirecard unter Druck

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
131,75
Differenz relativ
+1,66%

Im TecDax setzte Wirecard seine Talfahrt fort. Der Kurs fiel um zwei Prozent. Seit Beginn der Woche hat die Aktie knapp zehn Prozent an Wert eingebüßt. Händler sprachen von Anschlussverkäufen. "Die Highflyer werden abverkauft", sagte Frank Schneider von der Alpha Wrtpapierhandels GmbH. Am Mittwoch präsentiert Wirecard seinen Geschäftsbericht und lädt zur Bilanzpresse-Konferenz ein.

Nanogate wächst rasant

Gut drei Prozent konnte die Aktie von Nanogate zulegen. Die Nanotechnik-Firma hat im vergangenen Jahr neue Rekorde eingefahren. Der Umsatz kletterte um knapp 39 Prozent auf 53 Millionen Euro. Das Konzernergebnis konnte mehr als verdoppelt werden auf 0,88 Millionen Euro. Angesichts der guten Entwicklung schlagen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung vor, die Dividende um einen Cent auf 11 Cent je Aktie aufzustocken. Im laufenden Jahr will Nanogate den Umsatz und das operative Ergebnis deutlich verbessern, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Aurelius auf Shopping-Tour

Der Münchner Aurelius-Konzern kauft die Individual Desktop Solutions GmbH (IDS), eine Tochter der T-Systems International. Die Firma konzentriert sich auf Onsite Desktop Services & Solutions für Geschäftskunden von T-Systems in Deutschland. Sie erzielte 2013 einen Umsatz von rund 80 Millionen Euro. Die Aurelius-Aktie schloss fast unverändert.

Billigkonkurrenz macht Samsung zu schaffen

Samsung hat im ersten Quartal wegen des harten Wettbewerbs auf dem Handymarkt erneut einen Rückgang seines operativen Ergebnisses verbucht. Der Elektronikkonzern meldete am Dienstag auf vorläufiger Basis für das zurückliegende Vierteljahr ein Ergebnis von 8,4 Billionen Won (rund 5,8 Milliarden Euro). Dies sind rund vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Citigroup kommen Altlasten teuer zu stehen

Citigroup: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
55,68
Differenz relativ
+0,43%

Die Citigroup hat einen Rechtsstreit um faule Hypothekenpapiere mit der Zahlung von mehr als 1,1 Milliarden Dollar beigelegt. Zur Gruppe der 18 institutionellen Investoren, die sich mit der US-Großbank geeinigt haben, gehören auch die Bayerische Landesbank (BayernLB), die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sowie die Allianz-Fondstochter Pimco.

Hohe Strafen für Eli Lilly und Takeda

Ein US-Gericht hat zwei Pharmafirmen zu Geldbußen von neun Milliarden Dollar verdonnert. Einem Anwalt der Kläger zufolge muss der japanische Konzern Takeda Pharmaceutical sechs Milliarden Dollar zahlen, der US-Konzern Eli Lilly drei Milliarden. In dem Verfahren ging es darum, dass Krebsrisiken des Diabetes-Medikaments Actos verschwiegen wurden. Die Aktien der beiden Firmen gingen in die Knie.

Schwacher Start von Opodo

In Spanien gab es heute den ersten großen Börsengang seit gut drei Jahren. Doch der Start des Konzerns eDreams Odigeo, der unter anderem das Reiseportal Opodo betreibt, war ernüchternd. Der Kurs fiel in einem schwachen Gesamtmarkt auf 9,74 Euro - und lag damit fünf Prozent unter dem Ausgabepreis von 10,25 Euro.

Französische Revolution auf dem Mobilfunk-Markt

In Frankreich bahnt sich eine weitere Milliarden-Übernahme im umkämpften Mobilfunk-Markt an. Laut der Zeitung "Le Parisien" erwägt der Billiganbieter Illiad, den größeren Rivalen Bouygues Telecom zu schlucken. Illiad will fünf Milliarden Euro hinblättern. Am Wochenende hatte Vivendi die Nummer zwei der Branche - SFR - für 13,5 Milliarden Euro an Numericable verkauft.

nb

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.