Dax bleibt gehemmt

Stand: 29.03.2011, 20:02 Uhr

Japan, Libyen und die hoch verschuldeten Eurostaaten bremsen den Dax weiterhin am Aufstieg. Der Dax beschloss den Dienstag kaum verändert, lediglich die gute Wall Street verhinderte, dass der Tag mit Verlusten endetet.

Die Anleger in New York bewiesen am Dienstag eine erstaunliche Standfestigkeit. Als der Dax am Abend mit 6.934 Punkten aus dem Handel ging - mit einem minimalen Tagesverlust von 0,06 Prozent, da notierten die großen US-Indizes etwa ein halbes Prozent höher.

Was am Dienstag die Märkte aber hätte bewegen können, waren vor allem schlechte Nachrichten. Das amerikanische Verbrauchervertrauen sank im März überraschend stark von 72 auf 63,4 Punkte. Hier hätten, so das Forschungsinstitut Conference Board, die Verunsicherung durch Libyen und Japan Spuren hinterlassen. Etwas besser als erwartet fiel der Case-Shiller-Index aus. Allerdings wurde der Januar-Wert bekannt gegeben, jüngere Immobiliendaten deuten an, dass sich der Immobilienmarkt in den USA wieder abschwächt.

S&P stuft Griechenland und Portugal herab
Als am frühen Nachmittag bekannt wurde, dass die Ratingagentur Standard & Poor's das Kreditwürdigkeitsrating von Griechenland auf "BB-" herabstufte, sackte der Dax gleich ein glatten halben Prozentpunkt abwärts. Wenn sich die Haushaltslage des EU-Krisenlandes weiter verschlechtere, warnte die Agentur, sei eine weitere Herabstufung möglich.

Auch portugiesische Staatsanleihen bewertet S&P jetzt schlechter - und zwar mit BBB-, worauf die Risikoaufschläge auf portugiesische Bonds prompt anstiegen. Die portugiesische Notenbank goss ihrerseits Öl ins Feuer, als sie mitteilte, dass man "sehr substanzielle" Maßnahmen ergreifen müsse, um die beschlossenen Sparziele für dieses Jahr zu erreichen.

Letztendlich aber gaben die optimistischen amerikanischen Anleger am Dienstag den Takt vor.

Commerzbank: Kapitalerhöhungsminus
Die Aktie der Commerzbank verlor am Dienstag 4,3 Prozent. Die Anleger reagierten auf recht präzise Gerüchte zur anstehenden Kapitalerhöhung. "Es geht um, dass sie zu einem Preis von 5,25 bis 5,30 Euro kommen könnte", sagte ein Händler. Ein Preis, der deutlich unter dem derzeitigen Kurs liegt.

Bayer plant für die BRICs
Die Bayer-Aktie schloss den Dienstag am anderen Dax-Ende mit einem Kursgewinn von 2,3 Prozent ab. Der Chemie- und Pharmakonzern will seinen Umsatz in den vier BRIC-Staaten Russland, China, Indien und Brasilien bis 2015 auf zehn Milliarden Euro verdoppeln. Allein in China wolle man die Erlöse auf sechs Milliarden Euro steigern, sagte Konzernchef Marijn Dekkers dem "Handelsblatt".

Bilanzen von ElringKlinger und Deutsche Wohnen
Aus dem MDax berichteten am Morgen der Autozulieferer ElringKlinger und der Wohnbaukonzern Deutsche Wohnen über ihre Geschäfte im vergangenen Jahr. ElringKlinger bestätigte die bereits bekannten Zahlen - einen Umsatz von 796 Millionen Euro und einen Gewinn von 65,6 Millionen Euro - und kündigte an, für 2010 die Dividende um 75 Prozent auf 35 Cent je Aktie anzuheben. Deutsche Wohnen erzielte im vergangenen Jahr ebenfalls einen Gewinn. Der Überschuss von 23,8 Millionen Euro resultierte aber zu einem großen Teil aus Verkäufen aus dem Portfolio.

Q-Cells und Pfeiffer legten vor
Aus dem TecDax gab es die Jahreszahlen von Q-Cells und Pfeiffer Vacuum. Nachdem der Solarkonzern Q-Cells 2010 einen Rekordumsatz von 1,35 Milliarden Euro erzielte, ist man für 2011 nun etwas vorsichtiger. Der Umsatz soll etwa das Niveau von 2010 erreichen, teilte die Firma mit. Dieser Ausblick sei enttäuschend, analysieren Analysten, die Aktie verlor 5,7 Prozent. Ebenfalls Kursverluste gab es bei der Pfeiffer-Aktie. Der Vakuumpumpenhersteller meldete für 2010 ein Rekordergebnis und hob die Dividende von 2,45 auf 2,90 Euro an. Da die Aktie sich zuletzt gut entwickelt hat, trennten sich Investoren von ihren Pfeiffer-Papieren.

Hugo Boss plant vor
Die Aktie der Modefirma Hugo Boss aus dem MDax notiert einsam an der Indexspitze und gewann 5,8 Prozent. Die Firma hatte am Dienstag einen hervorragenden Ausblick auf das laufende Jahr gegeben. "Ich erwarte, dass wir 2011 die Bestmarken des vergangenen Jahres deutlich übertreffen werden", sagte Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs. Bis 2015 will Hugo Boss einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro erreichen, das operative Ergebnis soll dann bei 500 Millionen Euro liegen.

Nordex erhöht das Kapital
Der Windkonzern Nordex hat erfolgreich seine Kapitalbasis verbreitert. Die TecDax-Firma nahm mit dem Verkauf von 6,65 Millionen Aktien 56 Millionen Euro ein, jede der Aktien wurde für 8,40 Euro platziert. Nordex hatte die Kapitalerhöhung erst am Montag angekündigt, die Aktie fiel um 4,5 Prozent auf 8,94 Euro.

Roth&Rau von Conergy verklagt
Die Aktie des Solarkonzerns Roth&Rau aus dem TecDax verlor am Dienstag 6,9 Prozent. Der Branchenkollege Conergy hat die Firma auf Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe verklagt. Roth&Rau habe eine bestellte Fertigungslinie verspätet und "nicht in vertraglich vereinbarter Spezifikation" geliefert, teilte Conergy am Dienstag mit. Conergy hat, wie erst jetzt bekannt wurde, die Klage bereits im Februar beim Gericht eingereicht.

Kleinere Meldungen
Der Schlauchhersteller Masterflex berichtete am Morgen über seine Geschäfte im vergangenen Jahr. Die Firma konnte dank guter Nachfrage ihr operatives Ergebnis um 63 Prozent auf 6,4 Millionen Euro verbessern.

Der Hausklimaspezialist Centrotec aus dem SDax legte ebenfalls seine Zahlen vor. Der Umsatz legte 2010 leicht auf 480 Millionen Euro zu, der Nettogewinn verfünffachte sich auf 25,6 Millionen Euro. Centrotec will nun erstmals eine Dividende zahlen und erwartet für 2011 Rekordzahlen.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat