Marktbericht 20:02 Uhr

Durchwachsene Berichtssaison Dax bleibt auf Richtungssuche

Stand: 29.01.2015, 20:02 Uhr

Gute Zahlen der Deutschen Bank und von Infineon haben den Dax am Donnerstag gestützt und vor höheren Verlusten bewahrt. Hilfe kam auch von der Wall Street. Dennoch bleibt die weitere Richtung unklar.

Von seinen Verlusten am Vormittag auf 10.607 Punkte konnte sich der Leitindex bis zum frühen Nachmittag zwar wieder erholen. Zeitweise drehte er sogar 0,3 Prozent ins Plus und klettert bis auf 10.743 Zähler. Für noch mehr reicht es dann aber nicht. Zudem sorgen fallende Kurse an der Wall Street dafür, dass auch der Dax wieder gen Süden abdriftet. Am Ende ist es wieder die Wall Street, die dem Dax die Richtung vorgibt. Weil die Kurse in New York leicht anziehen schafft es auch der Dax mit einem leichten Plus aus dem Handel zu gehen, bei 10.737 Zählern, 0,25 Prozent mehr als am Vortag.

Dass es am Vormittag nicht zu größeren Verlusten gekommen ist, hat der Dax vor allem den besser als erwartet ausgefallenen Geschäftszahlen der Deutschen Bank und des Halbleiter-Konzerns Infineon zu verdanken.

Das Börsenbarometer profitierte aber auch noch von der Ankündigung der EZB, für mehr als 1,1 Billionen Euro Staatsanleihen zu kaufen. "Das Muster ist dasselbe wie zur Zeit, als die Fed ihre Milliarden in die Finanzmärkte pumpte", sagte ein Börsianer. "Negative Nachrichten belasten die Kurse nur kurzzeitig, weil Anleger jeden Rücksetzer zum Einstieg nutzen."

Wall Street dreht ins Plus

An der Wall Street sind die Kurse nach anfänglichen Verlusten ins Plus gedreht. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow Jones-Index 0,72 Prozent höher bei 17.606 Punkten. Die beiden größten Kursgewinner sind Boeing und McDonald's. Auch ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche niedriger als erwartet ausgefallen. Negative Signale kamen hingegen vom Immobilienmarkt: Entgegen dem erwarteten Anstieg waren die Hausverkäufe im Dezember deutlich gefallen. Zudem wurde der Vormonatswert nach unten revidiert.

Euro gerät wieder unter Druck

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1726
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+0,69%

Der Euro hat bis zum Nachmittag etwas zugelegt. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1357 Dollar und damit über einen halben Cent mehr als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1315 (Mittwoch: 1,1344) Dollar festgesetzt. Kurz vor Börsenschluss dreht die Gemeinschaftswährung aber wieder ab und fällt auf 1,1304 Dollar.

Alibaba enttäuscht

Die chinesische Online-Plattform Alibaba hat im vierten Quartal den Umsatz um 40 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar gesteigert. Der Gewinn sank dagegen um 28 Prozent auf 964 Millionen Dollar. Überschattet werden die Zahlen zudem von schweren Vorwürfen chinesischer Aufsichtsbehörden gegen die weltgrößte Online-Handelsplattform. Kein Wunder, dass die Aktie gut zehn Prozent ins Minus gedreht ist.

Ford und Dow über Erwartungen

Auch die Papiere von Ford sind ins Minus gedreht. Dabei hat der Autobauer im vierten Quartal Umsatz (35,9 Milliarden Dollar) und Gewinn (26 Cent je Aktie) stärker gesteigert als erwartet. Zudem bekräftigte Ford seine Prognose für den Vorsteuergewinn in diesem Jahr. Auch der Chemiekonzern Dow Chemical hat im Schlussquartal die Erwartungen übertroffen. Dennoch ging der Gewinn im Jahresvergleich kräftig zurück.

Deutsche Bank ausnahmsweise an Dax-Spitze

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10,26
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-0,54%

Der Dax wird heute ausnahmsweise von der Deutschen Bank angeführt, nachdem der heimische Branchenprimus im vierten Quartal überraschend einen Gewinn ausgewiesen hat. Befeuert wurde die Bilanz ausgerechnet vom Investmentbanking, während die US-Konkurrenten sinkende Geschäfte vermelden mussten.

Infineon kann punkten

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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22,88
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-1,04%

Gut gelaufen sind die Geschäfte auch für Infineon. Der Chipkonzern hat im vergangenen Quartal sogar besser abgeschnitten als vorausgesagt.

Potash befeuert K+S

Zulegen kann auch die K+S-Aktie. Das Papier profitiert von den Zahlen des kanadischen Düngemittelkonzerns Potash, der dank höherer Preise und gesunkener Kosten einen Gewinnsprung erzielt hat. Das Ergebnis stieg im vierten Quartal um 77 Prozent auf 407 Millionen US-Dollar. Der Umsatz kletterte um gut 23 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar. Potash ist nach Börsenbewertung der größte Düngemittelhersteller der Welt.

Aareal Bank: Großaktionär steigt aus

Bei der Aareal Bank will der einzige Großaktionär offenbar aussteigen. Die Aareal Holding Verwaltungsgesellschaft mbH, in der eine Reihe von Versicherern ihre Aareal-Anteile zusammengefasst haben, hat am Abend 11,4 Millionen Aktien in einem beschleunigten Verfahren von der Deutschen Bank zu Preisen zwischen 30 und 31,50 Euro platzieren lassen. Einschließlich einer Aufstockungsoption könne der gesamte Anteil des Verkäufers von 28,9 Prozent an Aareal zum Verkauf kommen. Die Aareal-Aktie gab nachbörslich nach.

Wacker schlägt sich tapfer

Abwärts geht es dagegen mit der Aktie von Wacker Chemie. Dabei hat das MDax-Unternehmen im abgelaufenen Jahr dank einer starken Nachfrage und höherer Preisen Gewinn und Umsatz kräftig gesteigert.

Gea unter Druck

Einer der schwächsten Werte im MDax ist die Gea-Aktie. Analysten der HSBC haben ihre Kaufempfehlung kassiert und die Titel auf "neutral" heruntergestuft. Zudem senkte der Kunde Fonterra wegen Dürre das zu verarbeitende Milch-Volumen um 3,3 Prozent. Gea hatte von der neuseeländischen Milchgenossenschaft im September 2014 den Auftrag zum Bau einer Milchpulveranlage erhalten. "Das belastet die Stimmung", sagte ein Händler.

Wetter gegen Weber

Ans Index-Ende ist die Aktie von Gerry Weber gerutscht. Die warme Witterung in Herbst und Winter hat dem Modekonzern das Geschäftsjahr verdorben.

DMG weckt Begehrlichkeiten

Dagegen schafft es die Aktie von DMG an die MDax-Spitze. Die Übernahmeofferte für den Werkzeugmaschinenbauer hat den Hedgefonds Elliott auf den Plan gerufen. Der US-Investor hat sich mindestens drei Prozent an dem Unternehmen gesichert. Der Investor dürfte auf eine Erhöhung der Übernahmeofferte spekulieren - und andere Anleger springen auf diesen Zug auf.

Zooplus auf Rekordhoch

Im SDax ist Zooplus der unangefochtene Gewinner mit einem Plus von fast 12 Prozent. Das Unternehmen steigerte im vergangenen Jahr die Gesamtleistung um rund ein Drittel auf 571 Millionen Euro. Damit übertraf Zooplus das ursprünglich angepeilte Jahresziel von 500 Millionen Euro deutlich. Analysten empfehlen das Papier zum Kauf.

SGL ist Schlusslicht im SDax

Die rote Laterne hält SGL. Der anhaltende Preisdruck im Kerngeschäft mit Grafitelektroden für die Stahlindustrie und Kosten für den Konzernumbau haben dem Wiesbadener Unternehmen erneut einen Verlust eingebrockt. Der Jahresfehlbetrag für 2014 liegt bei rund 250 Millionen Euro nach einem Verlust von 317 Millionen Euro im Vorjahr.

Jenoptik ohne Glanz

Aus dem TecDax hat Jenoptik Zahlen für das Geschäftsjahr 2014 vorgelegt. Der Technologiekonzern hat die Erwartungen genau getroffen, sagte Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank. Das Betriebsergebnis (Ebit) lag nach vorläufigen Berechnungen bei über 51 Millionen Euro nach 52,7 Millionen im Vorjahr. Der Konzernumsatz lag mit rund 590 Millionen Euro leicht unter dem Vorjahreswert.

Rückschlag für Qiagen

Kosten für den Konzernumbau haben den Gewinn des Biotechunternehmens Qiagen im vergangenen Jahr gedrückt. Der bereinigte Konzernüberschuss sank um zwei Prozent auf 241,1 Millionen Dollar. Analysten hatten dagegen mit 255 Millionen Dollar deutlich mehr erwartet. Für das neue Jahr stellte Konzernchef Peer Schatz einen um Wechselkurseinflüsse bereinigten Umsatzanstieg und Gewinnzuwachs in Aussicht.

Schwellenländer schieben Givaudan an

Gute Geschäfte in Schwellenländern haben den Schweizer Aromen- und Dufthersteller Givaudan im vergangenen Jahr zu einem Gewinnanstieg verholfen. Unter dem Strich kletterte der Gewinn um 14,9 Prozent auf 563 Millionen Franken, wie der Schweizer Konzern am Donnerstag mitteilte. Dies entsprach den Analystenerwartungen. Der Symrise-Konkurrent will die Dividende auf 50 Franken je Aktie erhöhen.

Facebook liefert

Dank einer großen Nachfrage nach Werbeanzeigen auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets hat Facebook den Umsatz im vierten Quartal um 49 Prozent auf 3,85 Milliarden Dollar gesteigert. Von Thomson Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit 3,77 Milliarden Dollar gerechnet. Den Gewinn je Aktie bezifferte Facebook mit 54 Cent, was ebenfalls über den durchschnittlichen Schätzungen der Experten lag. Die Aktie kann davon allerdings kaum profitieren.

Gewinnsprung bei Nokia

Gute Nachrichten kommen auch aus Finnland. Dort hat der Netzwerkausrüster Nokia den Umsatz im vierten Quartal im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent gesteigert. Das operative Ergebnis zog sogar um mehr als ein Viertel an.

McDonald's: Anleger bejubeln Chefwechsel

Die Krise beim Fastfood-Riesen McDonald's hat personelle Konsequenzen: Konzernchef Don Thompson wird nach nicht einmal drei Jahren an der Spitze des Unternehmens abgelöst. McDonald's teilte mit, der Verwaltungsrat habe den bisherigen Markenvorstand Steve Easterbrook mit Wirkung zum 1. März als Nachfolger bestellt. Investoren begrüßten die Entscheidung. Die Aktie steigt im vorbörslichen New Yorker Handel um knapp drei Prozent.

McDonald's hatte in der vergangenen Woche einen Umsatzrückgang um sieben Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum für das vierte Quartal gemeldet. Der Gewinn sank um mehr als ein Fünftel auf unter dem Strich 1,1 Milliarden Dollar.

Samsung sorgt sich

Angesichts des schärferen Wettbewerbs bei Smartphones hat Weltmarktführer Samsung im Schlussquartal 2014 deutlich weniger verdient. Der Überschuss fiel im Jahresvergleich um 27 Prozent auf 5,35 Billionen Won (4,4 Milliarden Euro). Der Umsatz ging um elf Prozent auf 52,7 Billionen Won zurück. Besonders in Asien machten im vergangenen Jahr lokale Hersteller den Südkoreanern ihre Spitzenposition im Geschäft mit Handys und Smartphones streitig.

Qualcomm in der Krise

Der weltweit größte Hersteller von Mobiltelefon-Chips Qualcomm sieht wegen weggefallener Aufträge und stärkerem Wettbewerb in China zurückhaltender in die Zukunft. 2015 werde der Umsatz bei 26 bis 28 Milliarden Dollar liegen, teilte das Unternehmen mit. Das bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) soll bei 4,75 bis 5,05 US-Dollar liegen. Zuvor war Qualcomm von 28,8 Milliarden Dollar beziehungsweise 5,35 Dollar ausgegangen.

Shell leidet unter Ölpreis

Die niedrigen Ölpreise haben dem britisch-niederländischen Ölkonzern Royal Dutch Shell zugesetzt. Der Gewinn brach im vierten Quartal um 57 Prozent auf 773 Millionen US-Dollar (681 Millionen Euro) ein. Der Umsatz sank um rund 15 Prozent auf 94,2 Milliarden Dollar. Seit vergangenem Sommer sind die Ölpreise um über 50 Prozent gefallen.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr