Marktbericht 20:02 Uhr

Gute US-Häuserdaten und Hoffen auf die Notenbanken Dax bleibt auf der Zielgeraden

Stand: 29.04.2013, 20:02 Uhr

Die Anleger haben zum Wochenstart weiter gute Gründe für ihre Kauflaune gefunden. Sie setzten darauf, dass die Regierungsbildung in Italien und der am Donnerstag anstehende EZB-Zinsentscheid helfen werden, die Schuldenkrise zu bewältigen. Auch aus den USA kommen positive Nachrichten.

Dort ist die Zahl der noch nicht vollständig abgeschlossenen Hausverkäufe im März um 1,5 Prozent gestiegen. Volkswirte hatten hingegen nur mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet. Die Zahlen haben dem Dax am Nachmittag neuen Schub verliehen. Bis zum Handelsende klettert das Börsenbarometer um 0,75 Prozent oder 59 Punkte auf 7.873 Punkte - und nimmt damit die technische Widerstandsregion bei 7.880 Punkten ins Visier.

Auch an der Wall Street drehen die Kurse nach Veröffentlichung der Häuserdaten ins Plus. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow Jones-Index bereits 0,84 Prozent höher bei 14.836 Punkten.

Gestützt werden die Aktienmärkte auch von der Regierungsbildung in Italien unter dem neuen Premier Letta. Der am Wochenende vereidigte Ministerpräsident fordert ein Ende des Sparkurses, dagegen will er das Wachstum und Investitionen fördern. Die Risikoaufschläge für italienische Staatspapiere sind merklich zurückgegangen, der Euro-Kurs pendelt um die Marke von 1,31 Dollar.

Zudem hält sich die Hoffnung auf eine erneute Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag, zumal die Teuerungsrate in Deutschland im April im Monatsvergleich auf minus 0,5 Prozent gesunken ist. Damit sinkt dfie Inflationsrate auf Jahresbasis auf 1,1 Prozent. Marktteilnehmer erwarten im Zuge der zuletzt regelmäßig bescheidenen Nachrichten von der Konjunkturebene eine Leitzinssenkung um 0,25 Basispunkte auf 0,5 Prozent. Zur Wochenmitte publiziert bereits die US-amerikanische Fed ihre geldpolitische Marschroute.

"Allein die Tatsache, dass es in Italien jetzt eine Regierung gibt, reicht schon, um den Markt zu stützen", sagte Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, mit Blick auf den rund zweimonatigen politischen Stillstand in Rom. "Und bezüglich der EZB läuft die Maschinerie der Zinssenkungsfantasien auf Hochtouren."

Deutsche Bank stärkt ihr Kapital

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
-1,88%

Die Deutsche Bank will nach einem überraschend hohen Gewinnsprung im ersten Quartal fast drei Milliarden Euro am Kapitalmarkt einsammeln. De facto über Nacht sollen bis zu 90 Millionen Aktien an neue Investoren ausgegeben werden, um die von Experten als zu dünn kritisierte Kapitaldecke von Deutschlands größtem Geldhaus aufzupolstern. Dmit will die Bank rund 2,8 Milliarden Euro einnehmen und ihre Eigenkapitalquote auf rund 9,5 Prozent steigern. Die Aktie dreht im Abendhandel bis zu vier Prozent ins Minus.

Cobank de facto auf Pennystock-Niveau

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,65
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Commerzbank-Aktien sind heute zeitweise auf ein Rekordtief von 9,70 Euro gefallen. Ohne die Zusammenlegung von zehn alten Aktien zu einem neuen Papier am vergangenen Dienstag wären die Bankentitel damit zum Pennystock geworden. Die Titel können sich danach zwar leicht erholen, schließen aber bei 9,87 und damit unter der marke von zehn Euro.

Bayer auf Einkaufstour

Zu den schwächsten Werten im Dax gehören BASF und Bayer, die beide ex Dividende gehandelt werden. Belastet wird die Bayer-Aktie zudem von der geplanten Übernahme der US-Firma Conceptus. Damit wollen die Leverkusener für 1,1 Milliarden Dollar ihr Geschäft mit Verhütungsmitteln ausbauen. Das Analysehaus Merrill Lynch hat derweil sein Kursziel von 100 Euro und seine Kaufempfehlung für die Bayer-Aktie bestätigt. Die Wachstumstreiber bei dem Chemie- und Pharmakonzern blieben robust, schrieb Analyst Sachin Jain in einer am Morgen veröffentlichten Studie.

VW fährt an Dax-Spitze

Ein halbiertes Betriebsergebnis der Kernmarke VW im ersten Quartal hält Anleger nicht vom Einstieg bei Volkswagen ab. Die Aktien des Fahrzeug-Herstellers bauen ihre Gewinne nach Bekanntgabe der endgültigen Zahlen sogar noch aus und klettern bis zum Börsenschluss über die Marke von 152 Euro an die Dax-Spitze. Vielleicht habe der eine oder andere ein noch schlechteres Abschneiden befürchtet, sagte ein Börsianer. Daher hätten sie die Bekanntgabe der Ergebnisse als Zeichen für einen Wiedereinstieg gewertet. "Schließlich hat die Aktie zuletzt stark verloren." VW-Titel haben in den vergangenen drei Monaten gut 15 Prozent eingebüßt, während sich der Dax im selben Zeitraum stabil hielt.

Auch HeidelCement befeuert

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,26
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-8,59%

Zu den Favoriten im Dax gehören auch die Aktien von HeidelCement. Broker verweisen auf die wieder zurückeroberte 50-Tage-Durchschnittslinie. Zudem gab das irische Investmenthaus Davy Research seine negative Einschätzung auf und hob die Aktien auf "Neutral". Die Papiere könnten bereits jetzt von den erwartet starken Zahlen des ersten Quartals profitieren, so die Experten. Der Konzern berichtet am 8. Mai.

Cancom-Aktien an TecDax-Spitze

Die Aktie des Computerhändlers Cancom ist nach den am Sonntagabend veröffentlichten Ergebnissen für das erste Quartal an die Spitze im TecDax geklettert. Der Umsatz sank um 4,2 Prozent auf 135,1 Millionen Euro, auch das Ebit war rückläufig. Dabei haben sich allerdings hohe Basiseffekte aus dem Vorjahr bemerkbar gemacht. Nicht zuletzt wegen des starken Vorjahreszeitraums, aber auch vor dem Hintergrund eines schwächeren Konjunkturumfeldes sowie dem teilweise ins erste Quartal fallenden Osterfestes zeigte sich das Management mit dem Ergebnis zufrieden.

PSI mit Rekordzahlen

Auch die PSI-Aktie legt nach den Zahlen zum ersten Quartal überdurchschnittlich zu. Vor allem der Auftragseingang des Softwareunternehmens kletterte auf den Rekordwert von 73 Millionen Euro. Auch Umsatz und Ebit legten kräftig zu. Vor allem das dicke Auftragspolster stelle eine gute Basis für das Erreichen der Jahresziele dar, erklärte das Unternehmen. 2013 erwartet PSI einen Auftragseingang von 200 Millionen Euro.

Baader Bank mit Licht und Schatten

Im ersten Quartal hat die Bank zwar das Provisionsergebnis gesteigert, gleichzeitig aber eine Rückgang beim Handelsergebnis hinnehmen müssen. Das Betriebsergebnis lag im ersten Quartal bei 0,7 Millionen Euro. Der Vergleich mit dem Vorjahr ist wenig aussagekräftig, da vor Jahresfrist erhebliche Wertaufholungen beim Wertpapierbestand das Ergebnis in die Höhe getrieben haben.

TNT mit unerwartetem Geldregen

Der angeschlagene Logistikkonzern TNT Express leidet weiterhin unter dem Preisdruck in der Branche und einer schwachen Nachfrage in einigen Märkten. Der Umsatz ging in den ersten drei Monaten um 4,5 Prozent auf 1,67 Milliarden Euro zurück. Allerdings bescherte die geplatzte Übernahme durch den US-Konzern UPS einen unerwarteten Geldregen, so dass der Gewinn von 15 Millionen auf 144 Millionen Euro gesteigert werden konnte.

Milliarden-Deal in Amerika?

Auf dem Markt für Nachahmermedikamente könnte sich eine milliardenschwere Übernahme in den USA anbahnen. Der kanadische Pharmakonzern Valeant verhandelt über den Kauf des Generikaherstellers Actavis. Im Gespäch ist ein Kaufpreis von immerhin 13 Milliarden Dollar. Damit könnte sich die Konzentration in der Generikabranche fortsetzen, denn erst vor einem Jahr schloss sich die Schweizer Actavis mit der US-Firma Watson zur weltweiten Nummer 3 zusammen.

Santander mit neuem Chef

Nach zahlreichen Rückschlägen und einem enttäuschenden Jahresstart zieht die größte spanische Bank Santander personelle Konsequenzen. Das Institut teilt am Montag mit, dass Vorstandschef Alfredo Saenz nach mehr als zehn Jahren an der Spitze sein Amt niedergelegt habe. Nachfolger des 70-Jährigen wird der bisherige Chef der Vermögensverwaltung, Javier Marin. Der 46-Jährige arbeitet bereits seit 1991 für das Unternehmen.

lg

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr