Marktbericht 20:00

Die 10.000 Punkte im Visier Dax macht nur kleine Trippelschritte

Stand: 02.07.2014, 20:00 Uhr

Die Anspannung vor dem Super-Donnerstag war groß. Anleger trauten sich kaum aus der Deckung. Entsprechend schleppend verlief der Handelstag, zumal es aus Übersee kaum Unterstützung gab.

Der Dax schloss mit 9.911 Punkten und war damit gerade noch im Plus. Im späten Handel änderte sich daran kaum etwas. Seine anfänglichen Gewinne hat der deutsche Leitindex damit wieder abgegeben. Zwischenzeitlich war er sogar unter die 9.900-Punkte-Marke gerutscht, konnte sie dann aber wieder zurück erobern.

Besonderes Augenmerk legte Gregor Kuhn von IG Markets auf die Unterstützungsmarke unter 9.800 Zählern. Sie konnte den Bären standhalten, betonte er. Damit scheint der Dax zunächst vor allzu großen Kursrutschen sicher. Aber von einer größeren Aufwärtsdynamik war Kuhns Meinung auch nach nicht viel zu sehen, vor dem morgigen "Großkampftag" mit dem EZB-Leitzinsentscheid und den neuen offiziellen Arbeitsmarktzahlen der US-Regierung.

Zurückhaltung war auch unter den amerikanischen Anlegern angesagt. Der Dow Jones brachte es mit 16.973 Punkten ebenfalls nur auf ein geringfügiges Plus, nachdem er zunächst höher geklettert war.

Widersprüchliches aus Übersee

Was den Börsen offenbar auf den Magen schlug, waren widersprüchliche Konjunkturdaten aus den USA. Überraschend positiv fielen die Arbeitsmarktdaten des privaten Dienstleisters ADP aus. Seinen Erhebungen zufolge hat die amerikanische Wirtschaft im Juni 281.000 neue Stellen geschaffen - so viele wie seit Ende 2012 nicht mehr. Experten hatten nur rund 200.000 neue Jobs erwartet. Im Mai waren es 179.000 gewesen.

Die Zahlen unterstreichen nach Einschätzung von Helaba-Analyst Johannes Jander "die fortschreitende Erholung des amerikanischen Arbeitsmarkts". Die amerikanische Notenbank Fed dürfte sich in ihrem Kurs bestätigt sehen. Deshalb überwiegt auf dem Börsenparkett nun die Angst vor einer näher rückenden Zinserhöhung, die die amerikanische Notenbank von der Entwicklung am Arbeitsmarkt abhängig macht.

Doch so weit dürfte es mit der wirtschaftlichen Erholung gar nicht her sein. Denn im Mai musste die amerikanische Industrie ein überraschend großes Auftragsminus hinnehmen. Die Betriebe sammelten 0,5 Prozent weniger Aufträge ein als im Vormonat. Analysten hatten nur mit einem Rückgang um 0,3 Prozent gerechnet.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.740,89
Differenz relativ
-0,29%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.571,53
Differenz relativ
+1,01%
Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
23.907,58
Differenz relativ
+1,32%

Euro gerät unter Druck

Insbesondere die guten Arbeitsmarktdaten gaben dem Dollar Auftrieb. Der Euro fiel zunächst bis auf 1,3643 Dollar, erholte sich dann aber wieder.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1362
Differenz relativ
+0,13%

Das könnte ein Vorgeschmack gewesen sein auf den morgigen Donnerstag: Dann folgt der offizielle monatliche Arbeitsmarktbericht der Regierung. Dieser wird einen Tag früher geliefert, da die Wall Street wegen des Nationalfeiertags am Freitag geschlossen ist.

Yellen und die Grenzen der Geldpolitik

Mit Spannung verfolgten Marktteilnehmer die Rede von Notenbank-Chefin Janet Yellen am späten Nachmittag. Die Geldpolitik solle nur in Ausnahmefällen dazu genutzt werden, um das Finanzsystem zu stabilisieren, sagte sie bei einer Veranstaltung des Internationalen Währungsfonds in Washington. Stattdessen seien Regeln gefragt, um zu verhindern, dass im Finanzsystem zu große Risiken eingegangen würden. An den Börsen blieb eine Reaktion aus. Welche weiteren Schritte die Europäische Zentralbank in Sachen Geldpolitik plant, werden Anleger am morgigen Donnerstag bei der EZB-Ratssitzung erfahren.

Geringere Ölreserven in den USA

Am Nachmittag wurde außerdem bekannt, dass die Reserven an Rohöl in den USA in der vergangenen Woche spürbar gefallen sind. Die Lagerbestände sanken um 3,2 Millionen auf 384,9 Millionen Barrel. Ein Rückgang in diesem Ausmaß hatten Experten nicht erwartet. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August 112,31 US-Dollar. Das waren drei Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI stieg um zwei Cent auf 105,35 Dollar.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,38
Differenz relativ
-3,98%

Deutsche Hersteller wachsen in Amerika

Auto-Aktien lagen im Dax durchweg vorne. Dabei gab es nicht nur gute Nachrichten vom zweitwichtigsten Automarkt der Welt. Der Volkswagen-Konzern kommt mit seiner Marke VW in den USA weiter nicht in die Gänge. Die Wolfsburger verbuchten im Juni den fünfzehnten Rückgang in Folge auf nur noch 28.800 Wagen. Die Tochter Audi konnte ihren Absatz dagegen steigern.

Auch die Konkurrenz aus München und Stuttgart verzeichnete Zuwächse. BMW steigerte seinen Absatz um sechs Prozent auf 35.600 Autos, Daimler um acht Prozent auf 29.380. Was speziell Daimler darüber hinaus zugute kommt: Er will in Deutschland mehrere Lkw-Komponentenwerke verschlanken, in Mannheim, Gaggenau und Kassel.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
146,28
Differenz relativ
-0,14%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,47
Differenz relativ
-0,72%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,10
Differenz relativ
-0,67%

Telekom hat Ärger mit T-Mobile US

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,14
Differenz relativ
-0,49%

T-Mobile US ist ins Visier der Wettbewerbsbehörde FTC geraten. Das Tochterunternehmen der Deutschen Telekom habe Zusatzdienste von Drittanbietern in Rechnung gestellt, die Kunden gar nicht abonniert hätten, berichtete Reuters und berief sich dabei auf eine am Dienstag veröffentlichte Klageschrift. Die Klage könne T-Mobile US deutlich schaden, urteilte Equinet-Analyst Adrian Pehl. "Geldbußen in den USA können teuer ausfallen." Telekom-Aktien standen unter Druck.

Vorschusslorbeeren für Lanxess

Größter Dax-Gewinner war zwischenzeitlich die Lanxess-Aktie. Die Deutsche Bank beließ die Einstufung für das Chemieunternehmen auf "Hold" mit einem Kursziel von 57 Euro. Es dürfte im zweiten Quartal sein Betriebsergebnis (Ebitda) dank Wachstum in allen Segmenten im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent gesteigert haben, äußerte sich Analyst Oliver Reiff in einer Studie. Das Unternehmen dürfte zudem seinen Ausblick bestätigen.

Lufthansa heruntergestuft

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,26
Differenz relativ
+1,88%

Die Lufthansa-Aktie büßte 2,3 Prozent ein. Barclays hatte den Wert von "overweight" auf "equalweight" zurückgenommen und das Kursziel von 21,50 auf 16 Euro gesenkt. Laut Analyst Oliver Sleath entwickelten sich die Herausforderungen auf den europäischen Kurzstrecken und den Asienrouten schneller als zuvor angenommen.

Post-Vorstand zieht seinen Hut

Bei der Deutschen Post hat das für das Personal zuständige Vorstandsmitglied Angela Titzrath das Handtuch geworfen. Aus "persönlichen Gründen" will sie sich zurückziehen. Die Aktie der Deutschen Post reagierte mit einem Minus von 0,1 Prozent kaum.

Allianz-Tochter Pimco weiter in Nöten

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
174,76
Differenz relativ
-0,30%

Was dem Münchener Versicherer Allianz zu schaffen macht: Seiner Tochter Pimco laufen immer mehr Investoren davon. Der Vermögensverwalter musste im Juni Mittelabflüsse in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar hinnehmen. Ein Trend, der seit Monaten anhält.

Fresenius verdient gut an Rhön-Aktien

Mit dem Verkauf der Beteiligung an Rhön-Klinikum hat der Gesundheitskonzern Fresenius rund 34 Millionen Euro Gewinn gemacht. Der sei im Ausblick für das laufende Jahr noch nicht berücksichtigt, teilte das Unternehmen mit. Die Aktie von Fresenius legte in Folge 1,7 Prozent zu, die Aktie von Rhön-Klinikum blieb nahezu unverändert.

Telefonica Deutschland am Ziel?

Aktien des Telekommunikationskonzerns Telefonica Deutschland lagen in Spitze drei Prozent im Plus und führten damit zwischenzeitlich den TecDax an. Die EU-Kommission hat dem Mobilfunkbetreiber die Übernahme des Konkurrenten E-Plus für rund 8,5 Milliarden Euro erlaubt. Der bisherige E-Plus-Chef Thorsten Dirks wird an die Spitze des gemeinsamen Konzerns rücken.

Grünes Licht aus Brüssel auch für Vodafone

Die EU-Kommission hat auch Vodafone eine Übernahme genehmigt. Das britische Mobilfunkunternehmen darf den spanischen Kabelnetzbetreiber Ono übernehmen. Dafür zahlt Vodafone voraussichtlich 7,2 Milliarden Euro. Erst vor wenigen Monaten hatte der Konzern Kabel Deutschland geschluckt.

Bilfinger trotzt Analysten

Größter Gewinner im MDax war die Aktie des Baukonzerns Bilfinger. Trotz einer Flut von Herabstufungen und eingedampfter Kursziele nach der gestrigen Gewinnwarnung stieg die Aktie. Einen Einfluss könnte dabei auch ein Interview mit Vorstandschef Roland Koch gehabt haben, in dem der Manager Anlegern Mut machen wollte.

Rheinmetall schwächelt

Die Aktie von Rheinmetall verlor 1,2 Prozent. Der Grund waren Fusiongespräche zwischen zwei Wettbewerbern, Kraus-Maffei Wegmann und dem französischem Rüstungskonzern Nexter Systems. Damit sind die anhaltenden Spekulationen, Rheinmetall und KMW könnten sich zusammenschließen, erst einmal vom Tisch. Und auch die Kooperation zwischen beiden Unternehmen scheint in vielen Bereichen gefährdet.

JPMorgan-Chef an Krebs erkrankt

Beim Chef der amerikanischen Großbank JPMorgan Chase, Jamie Dimon, ist Kehlkopfkrebs diagnostiziert worden. Die Krankheit sei in einem frühen Stadium erkannt worden, habe sich noch nicht im Körper ausgebreitet und sei heilbar, erklärte der 58-Jährige in einer Mitteilung an die Angestellten der Bank. Er fühle sich gut und plane, sich weiter aktiv am Geschäft des Instituts zu beteiligen. Dimon hatte die Bank ohne große Schwierigkeiten durch die Finanzkrise gebracht.

Post-Rivale UPS will in Europa investieren

Nach der gescheiterten Übernahme des niederländischen Wettbewerbers TNT will der amerikanische Paketdienst UPS aus eigener Kraft in Europa wachsen. In den nächsten drei bis fünf Jahren will das Unternehmen dafür eine Milliarde Dollar investieren, speziell in Deutschland. Geplant sei, die Kapazitäten auszubauen, also etwa neue Verteil-Zentren zu eröffnen. Die Aktie von UPS legte im Xetra-Handel ein Prozent zu, die Aktie der Deutschen Post blieb nahezu unverändert.

SLM-Aktie macht einen Satz

SLM Solutions, führender Anbieter von 3D-Drucker-Technologie, konnte zum Ende des ersten Halbjahres mit einer positiven Nachricht aufwarten. Der Auftragseingang des Börsenneulings hat sich positiv entwickelt. Damit sah sich die Konzernspitze in ihrer optimistischen Erwartung für das komplette Geschäftsjahr bestätigt. Die Aktie gewann 5,4 Prozent.

Steinhoff wirft Aktien auf den Markt

Der südafrikanische Möbelkonzern Steinhoff plant eine bis zu 1,3 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung. Das Unternehmen warf zunächst 175 Millionen Aktien auf den Markt, die über Nacht platziert werden sollen. Die Preisspanne liege bei 51 bis 55 Rand, teilte Reuters mit. Das könnte Steinhoff umgerechnet rund 650 Millionen Euro einbringen. Insgesamt sollen 350 Millionen Aktien ausgegeben werden. Mit der Kapitalerhöhung bereitet Steinhoff seinen im Herbst geplanten Wechsel von der Johannesburger Börse nach Frankfurt vor. Bisher ist Steinhoff nur im Open Market gelistet.

um

Tagestermine am Dienstag, 18. Dezember

Unternehmen:
FedEx: Q2-Zahlen
Navistar: Q4-Zahlen
Micron Technology: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklima 12/18, 10:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 11/18, 14:30 Uhr