Dax beugt sich Druck aus Amerika

Stand: 05.08.2010, 20:02 Uhr

Enttäuschende Arbeitsmarktzahlen aus den USA haben dem Dax ein Bein gestellt und seine Klettertour beendet. Zuvor war der Leitindex auf den höchsten Stand seit der Lehman-Pleite im September 2008 gestiegen. An der Wall Street geht es mit den Kursen sogar bergab.

Bei Börsenschluss in Deutschland verliert der Leitindex der amerikanischen Standardwerte gut 20 Punkte und fällt auf 10.657. Damit reagieren die Anleger auf den Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche. Statt den erwarteten 455.000 Neuanmeldungen, wurden 479.000 registriert. Ein schlechtes Omen für den morgen erwarteten offiziellen US-Arbeitsmarktbericht für den Juli.

Auch in Frankfurt gerieten die Kurse unter Druck. Im elektronischen Handel muss der Dax seine Tagesgewinne komplett abgeben und schließt mit einem hauchdünnen Plus von 2,25 Punkten bei 6.333. Im Abendhandel rutscht das Börsenbarometer dann ins Minus und verliert fünf Punkte auf 6.332 Zähler.

Dabei hatte der überraschend kräftige Aufschwung der deutschen Industrie den Dax zuvor noch auf 6.382 Punkte katapultiert. Auch der Euro gibt leicht nach und notiert am Abend bei 1,317 Dollar.

Steigende Kurse erwartet
Wegen des verbesserten wirtschaftlichen Umfelds erwarten einige Experten trotz der Wachstumsdelle in den USA einen weiteren Anstieg der Aktienkurse. Sobald sich die Erkenntnis durchsetze, dass keine neue Rezession drohe, gehe es mit den Kursen weiter nach oben, sagt Carsten Klude, Chefstratege bei der Hamburger Privatbank MM Warburg.

EZB bleibt großzügig
Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist der derzeitige Aufschwung kein Anlass, ihre expansive Geldpolitik zu beenden. Sie beließ den Leitzins wie erwartet unverändert und sieht auch keine Inflationsgefahren. Eine Abkehr von der lockeren Geldpolitik ist somit auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.

Bayer und BMW Spitzenklasse
Mit Kursaufschlägen von über vier Prozent behauptet die Bayer-Aktie bis zum Börsenschluss ihren Spitzenplatz im Dax. Die Anleger freuen sich über einen Studienerfolg der Thrombose-Pille Xarelto. Zudem hätten die Bayer-Papiere nach den Verlusten der Vormonate einen Aufholbedarf, urteilen Händler.

Bei BMW helfen der Aktie Aussagen zum US-Geschäft, in dem der Münchener Autobauer in den kommenden Jahren schneller als die Konkurrenz wachsen will.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
+1,29%

Unilever belastet Beiersdorf
Mit Verlusten von mehr als fünf Prozent hält die Beiersdorf-Aktie die rote Laterne im Leitindex. Analysten monierten, das Unternehmen profitiere nicht so gründlich von der anspringenden Konjunktur wie die Konkurrenz. Dabei lag der Nettogewinn von 126 Millionen Euro im zweiten Quartal über den Erwartungen.

Gedrückt wurde die Aktie auch von dem mit Enttäuschung aufgenommenen Quartalsergebnis von Unilever. Dessen Zahlen haben europaweit die Konsumwerte belastet. Der Branchenindex notiert deutlich tiefer.

Coba-Zahlen überzeugen auch nicht
Auch die Commerzbank-Aktie gehört zu den größten Verlierern im Dax. Deutschlands zweitgrößte Bank will zwar bereits im laufenden Jahr Gewinne erzielen, doch hat sie noch mit zahlreichen Schwächen zu kämpfen, darunter dem hohen Bestand an Staatsanleihen und den äußerst schmalen Gewinnen im Privatkundengeschäft. Auch bleibt ungewiss, wann das Institut tatsächlich mit der Rückzahlung der staatlichen Hilfen beginnen kann.

Telekom-Zahlen enttäuschen
Auch die T-Aktie steht unter Abgabedruck. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal weniger verdient als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz ging auf 15,53 Milliarden Euro zurück, was ebenfalls schlechter als erwartet war. Analysten hoben in ersten Stellungnahmen allerdings ein besseres Deutschland- und US-Geschäft hervor.

ProSieben traut sich mehr zu
Mit Kursaufschlägen von mehr als vier Prozent ist die Aktie von ProSiebenSat.1 stärkster Wert im MDax. Damit begrüßen die Anleger den am Morgen angehobenen Ausblick der TV-Gruppe. "Wir sind gut ins dritte Quartal gestartet und blicken mit Optimismus auf die weitere Geschäftsentwicklung", sagte Ebeling. Mehr ins Detail ging er bei der Vorlage der detaillierten Zahlen zum ersten Halbjahr jedoch nicht. Bereits im zweiten Quartal wurde ein Umsatzplus von 9,6 Prozent auf 760,6 Millionen Euro erreicht. Den Gewinn steigert das Unternehmen um fast zwei Drittel auf 74,5 Millionen Euro.

Drägerwerk auf Höhenflug
Absoluter Spitzenreiter im TecDax ist die Drägerwerk-Aktie. Die Papiere des Medizin- und Sicherheitstechnik-Spezialisten steigen um mehr als elf Prozent auf 63 Euro und sind damit so teuer wie seit drei Jahren nicht mehr. Seit Anfang letzter Woche haben die Papiere damit 17 Prozent zugelegt, mehr als jeder andere TecDax-Wert in diesem Zeitraum. Cheuvreux-Analyst Oliver Reinberg lobte die Quartalszahlen als "beeindruckend". Er will daher seine Gewinnprognosen für 2010 und 2011 um zehn bis 20 Prozent anheben.

Aixtron Schlusslicht im TecDax
Aixtron müssen im TecDax deutlich Federn gelassen. Die Titel gaben über sechs Prozent ab und halten die rote Laterne in dem Technologie-Index. Händler verwiesen auf Gerüchte, wonach Partnerfirmen in Taiwan unter ausbleibenden Aufträgen litten. Andere Börsianer nannten als Grund, dass LG Electronics einen pessimistischen Ausblick auf das LED-Geschäft gegeben habe.

Deutz überzeugt noch nicht
Unter Druck steht dagegen die Aktie des Motorenherstellers Deutz. Der Konzern geht davon aus, dass das Ergebnis 2010 besser als zuletzt erwartet ausfallen werde. Deutz peilt im Gesamtjahr ein positives operatives Ergebnis vor Einmaleffekten mindestens im niedrigen zweistelligen Millionenbereich an. Der Konzern wolle mehr als 150.000 Motoren verkaufen, was einem Umsatz von gut 1,1 Milliarden Euro entspreche.

Dürr weiter rot
Mit Verlusten reagiert die Aktie des Anlagenbauers aus dem SDax auf die Quartalsbilanz. Das Unternehmen steckt immer noch in den roten Zahlen, will aber im Herbst eine neue Anleihe im Volumen von über 100 Millionen Euro begeben. Hoffnung machen dem Anlagenbauer jedoch die sich wieder stärker füllenden Auftragsbücher - vor allem dank der hohen Investitionen der Autobauer in China und Brasilien. Der Auftragseingang wuchs im zweiten Quartal deutlich auf 375 Millionen Euro, nach 298 Millionen im gleichen Vorjahreszeitraum.

Balda bricht ein
Schwächster Wert im SDax ist die Aktie des Handyzulieferers Balda. Das Unternehmen hat im ersten Halbjahr bei Erlösen von 63,3 (Vorjahr: 66,2) Millionen Euro ein Minus vor Zinsen und Steuern von 2,1 (Vorjahr: plus 2,5) Millionen Euro eingefahren. Der Umsatz blieb aufgrund des Preisdrucks und verzögerter Auftragsabrufe unter dem Vorjahreswert. Die Prämieneinnahmen wuchsen im ersten Halbjahr um neun Prozent auf gut 38 Milliarden Euro.

Generali gut im Geschäft
Der Überschuss des Versicherers kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast drei Viertel auf 873 Millionen Euro. Den Zuwachs hat Generali vor allem seiner Lebensversicherungssparte zu verdanken. Für das Gesamtjahr plant die Generali-Spitze weiterhin einen Gewinn über dem des Vorjahres. Das Krisenjahr 2009 hatte der Konzern mit einem Überschuss von 1,3 Milliarden Euro abgeschlossen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
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USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
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